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Schwarze Barben?

Verfasst: 06.10.2012, 19:37
von Frank.
Liebe Leute,

in einem bayerischen Fluss haben zwei Fliefi-Freunde und ich diesen kräftigen Fisch entdeckt, bei dem es sich um eine ca. 50 cm lange Barbe handelt - und das ist hier keineswegs ihr Schatten: Die Barbe ist wirklich rabenschwarz.

Bild

Man denkt natürlich gleich an einen erblindeten Fisch. Im selben Gumpen stand freilich noch eine etwas kleinere Barbe, die ebenfalls schwarz war. Und einhundert Meter weiter eine dritte gleichfarbige, wiederum in der Klasse von ca. 50 cm.
So recht kann ich mir diese Laune der Natur nicht erklären. Weiß jemand Rat? Gibt es vielleicht eine ansteckende Barben-Erkrankung, die zu Blindheit führt?
Ich würde mich freuen, wenn jemand etwas wüsste!

Die Schwarzfärbung war freilich nicht das einzige merkwürdige Detail dieser Fischbeobachtung. Fotografieren ließ sich das aufgrund der Spiegelungen leider nicht - aber diese schwarze Barbe, an die ich sehr nahe herangekommen bin, wurde regelrecht bekuschelt von zwei starken Forellen. Eine große Bachforelle und eine Regenbogenforelle (von der ich ganz genau weiß, dass sie 44 cm lang ist, eine 8er Stimulator für eine gute Zwischenmahlzeit hielt und sich zur Stunde in unserem Kühlschrank befindet) haben sich buchstäblich bis auf Schuppenkontakt an die Barbe gedrängt. Kaum hatte ich die 44er gefangen (die einen ganz schönen Tanz im Gumpen veranstaltet hat), stand die ungefähr gleichgroße Bachforelle wieder neben der Barbe, als sei nichts geschehen. Die Barbe selbst hat ihren Standplatz gar nicht verlassen, was den Blindheitsverdacht unterstützt. Immerhin erahnen kann man die Bachforelle auf diesem zweiten Bild. Nachdem sie von unserer Anwesenheit zwischenzeitlich vergrämt war, kehrt sie hier zur Barbe zurück:

Bild


Wenn ich nicht gleich zwei Forumsmitglieder als Zeugen hätte, würde ich wahrscheinlich gar nicht wagen, danach zu fragen - ob nämlich jemand diesen "Barben-Escort-Service" von Forellen weiß bzw. die Gründe dieses Verhaltens kennt.

Euer Frank

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 06.10.2012, 21:34
von webwood
Lieber Frank,

Klaus und ich waren heute wieder am "Barbennest" das Totholz liegt unverändert rum doch alle Fische sind ausgeflogen.
Der Pegel war heute minimal ca. 5-10 cm geringer als gestern.

Viele Grüße

Thomas

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 06.10.2012, 21:42
von Bäschwatz
Hallo Frank
Die Schwarzfärbung kann ich nicht erkären. Kenn ich nur von Brassen.
Die Begleitung von kleineren Raubfischen aber schon.
Ich kenne das von Schleien mit Barschen im Schlepp.
Was bei der Nahrungsaufnahme aus den Kiemendeckeln hintenrausflubscht, wird von den Verfolgern auf Fressbarkeit hin untersucht.
Habe davon leider nur alte Negative.
Wenn Du eine Möglichkeit hast diese in Digital umzuwandeln lass es mich bitte wissen.
Gruß Thilo

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 07.10.2012, 11:03
von Frank.
@Thomas und Klaus: Schade! Da hat unser Pärchen wohl einen Bummel gemacht. Ihr hattet hoffentlich dennoch einen schönen Tag?

@Thilo: Leider habe ich auch keinen Negativ-Scanner - sorry!
Ja, das von dir beschriebene Verhalten (was wohl unter den sogenannten Kommensalismus fällt) kenne ich auch. Zum Beispiel begleiten große Forellen oft sogar Gänse, um … Aber das will man so genau gar nicht wissen, was dabei für sie ab- bzw. herausfällt. Deshalb erfreuen sich jedenfalls auch Nilpferde einer so großen Beliebtheit bei Fischen.

Aus den Kiemen einer Barbe jedoch wird wenig herausflutschen, was für ü40er Forellen einer Untersuchung wert ist.
Aber vielleicht scheucht die Barbe ja bei ihren Beutezügen auf dem Grund ja wirklich Koppen, Gründlinge usw. auf, die für die Forellen dann leichter zu erwischen sind? Das scheint einleuchtend zu sein. Die Barbe wäre dann sozusagen ein "Stöberfisch".

Mal sehen, ob jemand noch etwas Genaueres dazu weiß!

Euer Frank

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 07.10.2012, 13:57
von Gammarus roeseli
Hallo,

ich vermute mal, diese Forellen sind in Hochzeitsstimmung und die Barben suchen nach abgedrifteten Forelleneiern im Kies. Wenn die Barben dann im Kies nach fressbaren suchen, verwechseln die vor Liebe fast schon blinden Forellen die Barben mit großen und attraktiven Forellenrognern.
Vorstellbar für mich ist, dass die Barben zum Fressen von abgedrifteten Forelleneiern aus dunkleren Flussbereichen einwandern und sich nicht so schnell farblich anpassen können.

LG
Christian

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 07.10.2012, 14:13
von Frank.
Sehr gute Idee, lieber Christian! Hab Dank dafür.

Zu dieser Theorie passt sehr gut, dass die Regenbogenforelle, die ich der von Barbe weggefangen habe, ein Milchner war.

Dein Frank

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 07.10.2012, 14:22
von webwood
Hallo Christian,

deine Theorie kingt plausibel, gerade die Dunkelfärbung der Barben, kann vieleicht Forellen irritieren.
(Vertan, sprach der Igel und stieg von der Bürste :wink: )
Dagegen spricht, die eine Forellle war eine Bafo, die andere eine Rebo. Deren Laichzeiten liegen 2 Monate auseinder.

Die Schwarzfärbung der Barben durch Einwanderung aus dunkleren Flußbereichen kann ich mir nicht recht vorstellen,
Die Ammer ist, von den Gumpen abgesehen relativ flach. Die tiefen Gumpen haben vieleicht maximal 3-4 Meter Tiefe.
Der "Tiefsee-Effekt" ist daher unwarscheinlich.

TL

Thomas

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 07.10.2012, 15:52
von Frank.
webwood hat geschrieben:Dagegen spricht, die eine Forellle war eine Bafo, die andere eine Rebo. Deren Laichzeiten liegen 2 Monate auseinder
Da hst Du nun auch wieder Recht, lieber Thomas! Und außerdem: Hätte das Verhalten der beiden Forellen einen Reproduktionshintergrund, wären die Beiden doch kaum so verträglich miteinander umgegangen - sondern hätten sich heftig attackiert. Das war ja nun defintiv nicht der Fall. Es bleibt also wohl momentan merkwürdig.

Dein Frank

Re: Schwarze Barben?

Verfasst: 07.10.2012, 17:11
von Gammarus roeseli
Hi, ich meine die letzten 2 Barben die ich vor ca. 3 Wochen auf Flohkrebsimitat aus einem flachen, sonnendurchfluteten Gumpen (sehr klaren Wasser) gezogen habe, waren auch eher sehr dunkel. Könnte diese Dunkelfärbung der Fische jahreszeitliche Ursachen haben?

LG
Christian

PS: Fische halten sich nun mal nicht immer genau an das was wir in die Bücher schreiben und wann z.B. die Laichzeit bei der Regenbogenforelle beginnt und wenn die Laichzeit endet bestimmt der Rogner, nicht der Milchner. (Habe bei der R. auch schon von November gelesen, dann sind es nur 4 Wochen.)