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in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 19.10.2012, 02:32
von März Braune
Moinsen Gemeinde
Nächste Woche werde ich wieder für 2 Tage auf Kegnes (Alsen) DK den Mefos nachstellen. Welche Taktik ist überhaupt die Beste? Rumziehen, oder stehen bleiben? Wann hat man seinen Wurfbereich abgefischt? So waren meine Gedanken.
Mir fiel ein Vorkommnis im Schwarzwald wieder ein. Ich hatte stromauf in ca. 18m eine kleine (15 cm) Bachforelle am Haken. Vom Drill kann man ja nicht sprechen, so schreibe ich mal, als ich sie reinholte, löste sich am ca. 5 m entferntem Ufer eine recht starke Welle. Diese Welle schoss auf meine Forelle zu und gehörte zu einer ca. 50iger Bachforelle. Ich sah sie, als sie ca. 30cm vor meiner Forelle inne hielt und abdrehte.
Warum schreibe ich das? Aus dieser Beobachtung kann ich ableiten, eine Forelle nimmt im klaren Wasser Beute über eine größere Distanz war, als in vielen Büchern beschrieben. Darüber hinaus kann ich ableiten, dass ich mit 3 bis 4 Würfen mein zu erreichendes Gebiet, im Wasser stehend, in der Ostsee abgefischt habe. Diese Aussage greif jedoch nur, wenn die Mefo, wenn sie denn da ist, sofort auf meinen Streamer einsteigt.
Da viele Fliegenfischer erst nach 20 oder 50 Würfen von einer Stelle aus Erfolg haben, kann ich weiter ableiten, dass gerade Mefos stark herumziehen und nicht an einem Platz verharren. Soll heißen, ich kann also warten und weiterhin werfen, bis eine Mefo vorbeizieht.
Ich würde mich freuen, wenn ihr ein paar selbst gemachte Erfahrungen einstellen würdet. Aus welcher Entfernung kam die Forelle auf die Trockenfliege oder Streamer zugeschossen? Nur selten sind solche Schauspiele zu beobachten, meist ist es nur der Wasserwirbel an der Fliege, den man vor unserem Entzücken noch vernehmen kann, aber vielleicht habt ihr eines.
Nicht der in vielen Büchern beschriebene Sichtkegel, sondern Eure Beobachtungen fände ich toll, danke.
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 19.10.2012, 09:27
von Kurt Mack
Hallo!
Gelegentlich fische ich mit Gummifischen auf Bachforellen und Döbel. An unserem Fluß herrschen meist so Sichttiefen von 80 bis 100cm und trotzdem attakieren die Forellen zielsicher aus 3 bis 8 Metern den Gummifisch. Aufgefallen ist mir das Ganze erst, als ich einen Shad mit hellgrünem Rücken fischte, den ich gut im klaren Wasser sehen kann. So kann ich hindernisreiche Strecken viel exakter und ohne Verluste abfischen. Den Standplatz der Forelle erkennt man an einem Aufblitzen der Flanke oder Aufwallen der Wasseroberfläche beim "Start".
Da mir das beim Streamerfischen bisher nicht aufgefallen ist und die reine Sichtstrecke keine 3 m reicht, vermute ich als Auslöser die Schwingungen des Kunstköders. Streamer erzeugen nur wenige Schwingungen.
Tschüß, Kurt
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 19.10.2012, 13:31
von salat
Kurt Mack hat geschrieben:
Da mir das beim Streamerfischen bisher nicht aufgefallen ist und die reine Sichtstrecke keine 3 m reicht, vermute ich als Auslöser die Schwingungen des Kunstköders. Streamer erzeugen nur wenige Schwingungen.
In diesem Zusammenhang werde ich mal sowas wie diese "Wiggle Fin Action Disk" ausprobieren.
Gruess
Cedi
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 19.10.2012, 17:41
von fliegenjens
März Braune hat geschrieben:. Welche Taktik ist überhaupt die Beste? Rumziehen, oder stehen bleiben?
Tja, das ist eine schöne Frage auf die es sicherlich mehrere Antworten gibt.
Dazu müssten wir klären was Du mit rumziehen meinst. In DK nennt mann das grossflächige Rumziehen ja auch Gangschaltungsfischen, welches meistens in der kälteren Jahreszeit praktiziert wird. Platz abfischen mit ein paar würfen, ab ins Auto, nächsten Platz abfischen etc. bis die Fische gefunden sind
Ich mag das nicht so.....
Wenn ich an der Ostsee bin fische ich aber auch nicht ganz statisch sondern Werfe, mache beim Strippen ein paar Mauseschritte, Werfe wieder usw. .
Da kann man schon ganz schön Strecke machen wobei ich auch gerne die vorher gelaufene/gefischte Strecke nach einer Pause wieder abfische(wenn mir der Platz gefällt, ich Kontakt hatte..). Der Erfolg gibt mir (manchmal) Recht.
An Riffen und Spitzen verbringe ich aber auch mal mehr Zeit an einem Platz weil da immer mal Fische vorbeiziehen (können).
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 19.10.2012, 21:21
von greypanther
Hi Klaus,
was die Wahrnehmungsfähigkeit der Fische auf Distanz anbelangt, so kann ich Dir leider auch keine konkreten, wissenschaftlich belegte Fakten nennen. Allerdings, ein Blick auf die "Fern"-Sinne der Fische - Geruchssinn, Seitenlinienorgan und Augen, so dürfte es von der Sichtigkeit des Wassers wie auch vom Beute-(Fliegen)-Verhalten abhängen, mit welchem der Fernsinne der Fisch über eine gewisse Distanz das Objekt wahrnehmen kann.
In glasklarem Wasser dürfte der Gesichtssinn, in angetrübtem Wasser dagegen, Geruch und/oder das Seitenlinienorgan der Forellen entscheidend für die Wahrnehmung eines Beutetiers bzw. einer Kunstfliege entscheidend sein. Das erklärt, dass Forellen auch im angetrübten bzw. stark gefärbten (Moorwasser) Wasser mit Sichtweiten unter einem Meter, Fliegen erkennen und attackieren können, wie ich das schon häufig beobachten konnte.
In Bezug auf die Wandergeschwindigkeit von Meerforellen hatte ich dagegen mehr als ausreichende Möglichkeiten zur Beobachtung. Meine Erfahrungen beziehen sich dabei auf die Flussmündungen in den Atlantik an der irischen Westküste. Diese "Estuaries" sind oft von langen Reihen hoher Dünen gesäumt, an die das Wasser bei Flut heran reicht. Bei Ebbe sind diese Mündungen mit Brackwasser gefüllt, dessen Salzgehalt in etwa desjenigen der Ostsee entsprechen dürfte.
Die hohen Dünen haben den Vorteil, dass man sie, zwar mühselig, aber immerhin, erklettern kann. Von dort oben hat man dann die Perspektive des Fischadlers und sieht jeden Fisch, der sich im nicht zu tiefen Wasser bewegt. Von diesen Beobachtungsposten konnte ich oft die Schwärme der Meerforellen in ihrer Bewegung verfolgen. Diese Beobachtungen haben gezeigt, dass die Mefos mit ungeahnter Geschwindigkeit auf ihrer Wanderroute unterwegs sind. Mit etwa (geschätzten) 10 - 20 km/h zogen die Fische unter mir vorbei, ab und an kurz verharrend und in die dichten Schwärme von Sandaalen einfallend, um nach kurzem Verweilen ihre schnelle Wanderung wieder aufzunehmen.
Das erklärte auch die Erfahrung, dass es unmöglich war, den Mefos "hinterher" zu fischen. Sie waren einfach zu schnell, tauchten plötzlich für ein paar kurze Minuten auf und waren ebenso schnell wieder verschwunden. Als beste Taktik hat sich unter diesen Verhältnissen immer erwiesen, auf dem Platz zu verharren und auf vorbei ziehende Fische zu warten (insbesondere an sog. Hot Spots wie Felsnasen und "Leopardengrund"). Sobald ein Schwarm am Platz war kam es zum kurzen hektischen Beißen auf unsere Fliegen, worauf dann wieder einige "fischlose" Zeit bis zum nächsten Schwarm folgte. Inwieweit sich diese Verhältnisse auf die Ostsee übertragen lassen, muss man einfach mal testen.
Noch ein Tipp: es ist sehr ermüdend, den ganzen Tag konzentriert und mit Weitwürfen zu fischen und ein leeres Stück Meer zu "peitschen". Oft ist man dann zu erschöpft wenn die Fische in Fangnähe kommen. Daher, öfter mal eine Pause machen, hinsetzen und das Wasser beobachten. Meerforellen auf der Jagd machen sich durch eindeutige Anzeichen bemerkbar. Beobachtet man die, dann gilt es, richtig Einsatz zu zeigen.
Hoffe, Du kannst was mit diesen Beobachtungen anfangen.
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 19.10.2012, 22:34
von März Braune
Moin,
da sage ich doch danke an alle Schreiber. In unserem Hobby ist die Beobachtung wohl mehr als nur die halbe Miete.
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 20.10.2012, 09:38
von Achim Stahl
Moin Klaus,
die Meerforellen können deine Fliege ganz sicher über ziemlich weite Distanzen wahrnehmen. Beim Fischen mit Rehhaarzigarren habe ich es öfters erlebt, dass ich die Bugwelle einer attackierenden Forelle aus sechs bis acht Metern Entfernung auf die Fliege zusteuern gesehen habe.
Es ist aber überhaupt nicht gegeben, dass eine Meerforelle deine Fliege sofort nimmt, wenn sie sie bemerkt hat. Manchmal passiert das erst nach einigen Versuchen.
Zum Gehen oder Stehen bleiben: Gerade jetzt im Herbst suchen sich einige Forellen einen festen Standort. Andere ziehen weiter umher. Das ist für mich ein Grund, "Meter zu machen". Damit erreiche ich beide Gruppen - die Standortfische und die, die herumziehen. Natürlich fische ich dabei die "Hot Spots", wie Riffe, Muschelbänke, tiefe Rinnen, Strömungskanten etc. intensiver ab.
greypanther hat geschrieben:es ist sehr ermüdend, den ganzen Tag konzentriert und mit Weitwürfen zu fischen und ein leeres Stück Meer zu "peitschen".
Absolut! Extreme Weitwürfe sind hoffnungslos überbewertet. Eine saubere Präsentation mit gestrecktem Vorfach, so dass die Fliege beim ersten Strip schon anfängt zu fischen, ein waches Auge, um Fischaktivität und interessante Spots zu erkennen sind wesentlich wichtiger. Deshalb haushalten mit deiner Energie! Und die Küste als endlose Wasserfläche zu sehen, ist der größte Fehler. Uns interssiert nur der Randbereich, den wir abfischen können - dort ist der Tisch gedeckt, das sind die Futtertierchen und die Forellen.
Viele Grüße!
Achim
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 20.10.2012, 16:37
von März Braune
Auch Dir ein dickes Dankeschön, Achim! Es ist bewundernswert, was dieses Forum für Einsteiger und Leuten wie mich ( Wiedereinsteiger) an Infos zu bieten hat.
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 20.10.2012, 21:42
von greypanther
Danke, Achim, für Deine ergänzenden und klar stellenden Anmerkungen, die ich nur unterschreiben kann.
Ganz besonders aber Deine Feststellung
Achim Stahl hat geschrieben:Absolut! Extreme Weitwürfe sind hoffnungslos überbewertet. Eine saubere Präsentation mit gestrecktem Vorfach, so dass die Fliege beim ersten Strip schon anfängt zu fischen, ein waches Auge, um Fischaktivität und interessante Spots zu erkennen sind wesentlich wichtiger. Deshalb haushalten mit deiner Energie!
deckt sich mit meinen Erfahrungen.
Denn den Löwenanteil meiner nicht unbeträchtlichen Mefo-Fänge konnte ich in einem Entfernungsbereich von"nur" 0 bis 20 m erzielen. Beobachtung, Geduld und exakte Präsentation an der richtigen Stelle bringen letztendlich den Erfolg.
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 21.10.2012, 15:57
von piscator
Moin in einem anderen forum hatten wir das schon mal thematisiert:
1) Geruchssinn spielt an unseren Küsten so gut wie keine Rolle -- Moleküle müssen transportiert werden und wenn keine Strömung dann kein Geruch: Um über 20m wahrgenommen zu werden (bei typischen 5cm/s Strömung bist du schon 3 Würfe weiter, bis der Fisch gerochen hat)
2) Sicht: Meerforellen sind Sichträuber -- d.h. der letzte Angriffsmeter ist visuell gesteuert
3) über Distanzen von 10m und mehr ist unser MF auf Schall angewiesen (Seitenlinie ist akustische Richtantenne). Deswegen klatscht der versierte Dunkelheitsangler auch seine Zigarre gerne mal aufs Wasser
Da nich für,
Re: in welcher Entfernung reizen wir noch?
Verfasst: 21.10.2012, 16:29
von März Braune
piscator hat geschrieben:
Da nich für,
Moin, welche Schulter dürfen wir?
