Wie hältst Du es mit dem Vorhobeln?...
Verfasst: 22.02.2015, 13:23
...das ist die Gretchenfrage unter den Rutenmachern.
Im französischen Rutenmacher-Forum ( http://www.forum-gillum.com ) stellte ein Einsteiger die Frage, was es mit dem 57°-Winkel der asymmetrischen Vorhobelform auf sich habe. Die Antworten reichen von
1. 60° (George Maurer) über
2. 57° (Garrison/Carmichael),
3. 52,5° (W. Cattanach) bis hin zu
4. gleich in die 60°-Nut resp.
5. gleich in die Endhobelform!
Cattanach ist, glaube ich, der einzige, der das recht liebevoll erklärt:
Der handelsübliche Tonkinrohr-Durchmesser betrage 2,5 Inches, das sind 63,5 mm. Damit kann ich auch gleich den Umfang des Rohres errechnen (2 x Pi x r): 199,5 mm.
Beabsichtige ich nun aus diesem Rohr 24 Spleiße für Spitzen- bzw. Mittelteile zu gewinnen, dann verfügt der Spleiß durchschnittlich über eine Breite von 8,3 mm. das sollte reichen.
Der sauber herausgespleißte Rohspleiß hat im Querschnitt eine trapezoidale Form. Die zu behobelnden Seitenflächen des Spleißes stehen in einem Winkel von genau 15° zueinander. Vernachlässigen wir zunächst mal die Wölbung auf der Emailseite und ziehen eine Segmentlinie durch die Eckpunkte des Spleißes, dann stehen die Seitenflächen zu der ursprungsidentischen Senkrechten auf der Emailseite in einem Winkel von jeweils 7.5° zueinander. Das hat Folgen:
Zu 1.: Dieser Spleiß liegt in der 90°-Nut nicht fest, sondern kann unkontrolliert um seine Längsachse rotieren - er "kippelt". Folge: Die Spleißwinkel können nicht sauber gehobelt werden, der erste Winkel beträgt mehr als 60°. Das zieht sich auch durch den Endhobelvorgang durch, sofern ich nicht durch gezeilte Neigung der Hobelsohle in Bezug auf die Formoberfläche den zutreffenden Winkel "herausarbeite". Und wenn der erste Winkel nicht stimmig ist, dann ist es auch der zweite nicht und es kann durchaus sein, dass ich diesen Fehler vor Erreichen des Endmaßes nicht mehr herausbekomme...
Zu 2.: Hier liegt der Spleiß schon etwas fester in der assymetrischen Vorhobelnut; grundsätzlich sind die Probleme etwas geringer, aber gleichwohl vorhanden.
Zu 3. Mit dieser Maßgabe arbeite ich seit Beginn meiner Rutenmacherei ohne Beanstandung. Sollten die Spleißrisse im Winkel etwas ausgelaufen sein, kann ich immer noch durch "freihändiges" Hobeln den Spleiß so anpassen, dass er satt in der Form liegt.
Zu 4. und 5. brauche ich keine Aussagen zu machen, weil das dem Kunstschnitzen schon sehr nahe kommt.
Nun kommt aber noch hinzu, dass der Spleiß mit seiner "unteren" Ecke nicht bis tief in die Nut hineinreichen darf, weil dem der runde Rücken der Emailseite im Weg steht. Dieser Rücken legt sich der 30°-Flanke in seiner halben Höhe an. Tut er das an diesem Punkt nicht, dann gibts zwangsläufig schiefe Winkel. Spätestens beim Zusammenkleben des Blanks merkt man das dann. Und ich finde, es gibt weniger aufwändige Methoden, um zu Brennholz zu kommen...
Meine Frage ist jetzt die: Wie haltet Ihr das mit dem Vorhobeln? Haben wir etwa unter uns auch "Kunstschnitzer"? Oder - andersrum betrachtet - bin ich zu penibel? Hat einer von Euch die Begründung für Garrisons 57° parat?
Eure Meinung und ihre Begründung zu diesem Thema würden mich sehr interessieren.
Schönen Restsonntag
wünscht der Freimut
***Edit: Ich habe bei George Maurer die Winkelangabe ändern müssen: Seine Empfehlung lautet 30° + 60°.
Im französischen Rutenmacher-Forum ( http://www.forum-gillum.com ) stellte ein Einsteiger die Frage, was es mit dem 57°-Winkel der asymmetrischen Vorhobelform auf sich habe. Die Antworten reichen von
1. 60° (George Maurer) über
2. 57° (Garrison/Carmichael),
3. 52,5° (W. Cattanach) bis hin zu
4. gleich in die 60°-Nut resp.
5. gleich in die Endhobelform!
Cattanach ist, glaube ich, der einzige, der das recht liebevoll erklärt:
Der handelsübliche Tonkinrohr-Durchmesser betrage 2,5 Inches, das sind 63,5 mm. Damit kann ich auch gleich den Umfang des Rohres errechnen (2 x Pi x r): 199,5 mm.
Beabsichtige ich nun aus diesem Rohr 24 Spleiße für Spitzen- bzw. Mittelteile zu gewinnen, dann verfügt der Spleiß durchschnittlich über eine Breite von 8,3 mm. das sollte reichen.
Der sauber herausgespleißte Rohspleiß hat im Querschnitt eine trapezoidale Form. Die zu behobelnden Seitenflächen des Spleißes stehen in einem Winkel von genau 15° zueinander. Vernachlässigen wir zunächst mal die Wölbung auf der Emailseite und ziehen eine Segmentlinie durch die Eckpunkte des Spleißes, dann stehen die Seitenflächen zu der ursprungsidentischen Senkrechten auf der Emailseite in einem Winkel von jeweils 7.5° zueinander. Das hat Folgen:
Zu 1.: Dieser Spleiß liegt in der 90°-Nut nicht fest, sondern kann unkontrolliert um seine Längsachse rotieren - er "kippelt". Folge: Die Spleißwinkel können nicht sauber gehobelt werden, der erste Winkel beträgt mehr als 60°. Das zieht sich auch durch den Endhobelvorgang durch, sofern ich nicht durch gezeilte Neigung der Hobelsohle in Bezug auf die Formoberfläche den zutreffenden Winkel "herausarbeite". Und wenn der erste Winkel nicht stimmig ist, dann ist es auch der zweite nicht und es kann durchaus sein, dass ich diesen Fehler vor Erreichen des Endmaßes nicht mehr herausbekomme...
Zu 2.: Hier liegt der Spleiß schon etwas fester in der assymetrischen Vorhobelnut; grundsätzlich sind die Probleme etwas geringer, aber gleichwohl vorhanden.
Zu 3. Mit dieser Maßgabe arbeite ich seit Beginn meiner Rutenmacherei ohne Beanstandung. Sollten die Spleißrisse im Winkel etwas ausgelaufen sein, kann ich immer noch durch "freihändiges" Hobeln den Spleiß so anpassen, dass er satt in der Form liegt.
Zu 4. und 5. brauche ich keine Aussagen zu machen, weil das dem Kunstschnitzen schon sehr nahe kommt.
Nun kommt aber noch hinzu, dass der Spleiß mit seiner "unteren" Ecke nicht bis tief in die Nut hineinreichen darf, weil dem der runde Rücken der Emailseite im Weg steht. Dieser Rücken legt sich der 30°-Flanke in seiner halben Höhe an. Tut er das an diesem Punkt nicht, dann gibts zwangsläufig schiefe Winkel. Spätestens beim Zusammenkleben des Blanks merkt man das dann. Und ich finde, es gibt weniger aufwändige Methoden, um zu Brennholz zu kommen...
Meine Frage ist jetzt die: Wie haltet Ihr das mit dem Vorhobeln? Haben wir etwa unter uns auch "Kunstschnitzer"? Oder - andersrum betrachtet - bin ich zu penibel? Hat einer von Euch die Begründung für Garrisons 57° parat?
Eure Meinung und ihre Begründung zu diesem Thema würden mich sehr interessieren.
Schönen Restsonntag
wünscht der Freimut
***Edit: Ich habe bei George Maurer die Winkelangabe ändern müssen: Seine Empfehlung lautet 30° + 60°.