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Kritisches zum Fischbesatz, speziell mit Cypriniden
Verfasst: 07.10.2015, 22:12
von Rattensack
.. möchte ich hier unter die Leut' bringen.
http://www.ratschan.at/downloads/OeF_56 ... besatz.pdf
Lg,
clemens
Re: Kritisches zum Fischbesatz, speziell mit Cypriniden
Verfasst: 08.10.2015, 00:13
von gespliesste
Hallo Clemens,
vielen Dank für den interessanten Artikel!
Sehr gut und fundiert geschrieben und das deckt sich zu 100% mit den Strategien für die Bewirtschaftung unserer Gewässer.
Auf Grundlage der WRRL und den entsprechenden Fördergeldern haben wir zumindest beim Aufstieg über die letzten Jahre eine ungehinderte Durchgängigkeit für unseren Bodenseezufluss erzielt. Bei einer Überprüfung mit einer Reuse im Bereich eines Umgehungsgerinnes konnten 3 Monate nach Fertigstellung 14 verschiedene Fischarten nachgewiesen werden. Die Abstiegsmöglichkeiten sind nach meiner Erfahrung flächendeckend ein großes Problem, selbst bei den meisten Neubauten. Das wird uns wohl noch auf absehbare Zeit beschäftigen.
Das grösste Problem bei uns ist die Kolmation der Gewässersohle und die starken Hochwasser durch Begradigungen / Verbauung. Entweder finden die Fische keine geeigneten Laichplätze oder sie werden beim Hochwasser zerstört bzw. zugesetzt. Daher kommen wir ohne unterstüzenden Maßnahmen noch nicht aus. Intensive Landwirtschaft, die Versiegelung von Flächen und unzureichend ausgelegte Regenwasserückhaltebecken hinterlassen am Gewässergrund ihre Spuren.
Wir werden am Freitag mit einem Bagger an geeigneten Stellen die Gewässersohle umsetzen um den Kies zu waschen. Dazu haben wir ein entsprechendes Monitoring um den Erfolg der Maßnahme zu überprüfen.
Dazu arbeiten wir mit M+S Brutboxen. Der Laich wird aus eigenen Beständen aus unserem Zufluss gewonnen. In der staatl. Fischbrutanstalt bis zum Augenpunktstadium vorgezogen und dann im Gewässer erbrütet. Vorgezogene Brütlinge bzw. Sömmerlinge besetzen wir gar nicht mehr. Gerade bei Seeforellen haben wir den Verdacht das sich die Prägung auf das Heimatgewässer nicht enstsprechend ausbildet.
Da wir nahe der Wasserscheide zwischen Donausystem und Rheinsystem liegen ist die Gefahr groß die Bestände durch den Besatz von gebietsfremden Pupolationen ein und derselben Art nachhaltig zu schädigen. Oberstes Ziel ist die fundierte Ausbildung der jeweiligen Gewässerwarte in den ortsansässigen Vereinen. Da ist noch viel Luft nach oben, gerade die Älteren haben deutlich andere Vorstellungen und sehen eher den kurzfristigen Erfolg durch fangfähigen Besatz - meist egal woher die Fische kommen. Die jüngeren Angelfischer haben oft eine andere Denke und engagieren sich mit viel ehrenamtlicher Arbeit in den jeweiligen Projekten.
P.S.: Wir haben übrigens auch noch eine ordentliche Nasenpopulation in unserem Gewässer. Nicht in den Massen wie von dir beschrieben, aber da sind einige Exemplare deutlich über 60cm dabei ...
LG,
Olaf
Re: Kritisches zum Fischbesatz, speziell mit Cypriniden
Verfasst: 09.10.2015, 10:17
von Royal Coachman
Hallo Clemens!
Danke für diesen aufschlussreichen Artikel, dem ich nur beipflichten kann.
Es ist allerdings überaus schwierig entsprechendes Besatzmaterial (furchtbares Wort!) zu bekommen.
Ich beschäftige mich derzeit intensiv mit der Wiederansiedlung von Elritzen und habe mit meiner ersten Besatzmaßnahme Schiffbruch erlitten, da die Elritzen aus einem
anderen Gewässersystem kamen. Die zweite Maßnahme war etwas erfolgreicher aber hier spielen auch andere Dinge mit, wie z.B. die intensive Viehhaltung in der Landwirtschaft und dadurch die massive Ausbringung von Odel und Gülle. Derzeit versuche ich in Gesprächen mit den Bauern den Abstand bei der Ausbringung zu den Zulaufgräben auf freiwilliger Basis zu vergrößern. Diese Zulaufgräben bilden bei der jeweiligen Einmündung in den Hauptbach kleine Flachwasserzonen mit Schilfbestand, ideal für Elritzen, da hier das Wasser etwas wärmer ist als im überwiegend grundwassergespeisten Bach.
Da keinerlei Besatz seit drei Jahren eingebracht wurde ist ein geändertes Verhalten der Forellen zu beobachten. Durch den starken Fraßdruck, bedingt durch die Reiher haben Besatzfische nur in geringer Anzahl überlebt. Trotzdem haben wir heuer ein massives Aufkommen von ein- und zweisömmrigen Jungfischen, die anscheinend Informationen besitzen, wie man sich im Winter vor dem Reiher schützt. Auch die Laichzeiten haben sich nach hinten verschoben, zum Großteil hat das Laichgeschäft noch nicht begonnen!
Ich hoffe von Dir weiterhin Interessantes und vor allem Hilfreiches im Bezug auf unsere Gewässer zu lesen
tight lines
Gebhard
Re: Kritisches zum Fischbesatz, speziell mit Cypriniden
Verfasst: 14.10.2015, 19:29
von Rattensack
Hallo Freunde,
Olaf danke für das nette feedback und deine Erfahrungen aus dem Bodenseegebiet! P.S. darf mich glücklich schätzen wohl schon ein paar 10.000e Nasen vermessen zu haben; über 60cm war bisher tatsächlich erst eine einzige dabei (Isar-Unterlauf)! Aber vielleicht werden sie bei euch ja größer ..
@Gebhard
Royal Coachman hat geschrieben:
Derzeit versuche ich in Gesprächen mit den Bauern den Abstand bei der Ausbringung zu den Zulaufgräben auf freiwilliger Basis zu vergrößern
Supa, das wär vielerorts wichtig.
Royal Coachman hat geschrieben:
Es ist allerdings überaus schwierig entsprechendes Besatzmaterial (furchtbares Wort!) zu bekommen.
Drum ist die Botschaft des Artikels auch, generell die Hände von Besatz zu lassen, zumindest bei allen Arten, bei denen’s nicht aus fischereiwirtschaftlichen Gründen unbedingt sein muß.
Lg,
Clemens
Re: Kritisches zum Fischbesatz, speziell mit Cypriniden
Verfasst: 14.10.2015, 20:03
von Royal Coachman
Hallo Clemens!
Wenn es mir gelingt die Elritzen wieder an zu siedeln vermindere ich den massiven Druck der Laichforellen auf die eigenen Jungfische (2. Flaschenhals Hanfland!).
Derzeit vermindere ich diesen durch Winterfütterung und ein höheres Jungfischaufkommen ist durchaus zu verzeichnen. Ich möchte ab er binnen der nächsten zwei Jahre die Winterfütterung komplett zurückfahren. Derzeit bin ich bei 50% im Vergleich vor zwei Jahren.
Besatz schließt sich bei mir von vorne herein aus, im Winter sind bis zu 17 Reiher auf 2 km am Bach.
tight lines
Gebhard