AlexX!! hat geschrieben: Pachtnachbarn von uns haben vor Jahren diverse Versuche gestartet, mit Brutboxen und Co, beste Ergebnisse hatten sie bei direkter Aussaat der Augpunkteier in die Aufgelockerten natürlichen Kiesbänke.
Die Brutboxen sind bei ihnen auch regelmässig verschlammt.
Früher hat man bei uns im (Jura) Fluss S.L. auch die natürlichen-, so wie die künstlichen Kiesbänke aufgelockert und anschließend die Forelleneier im Augenpunktstadium direkt in den Kies eingegeben…. Diese Methode brachte bei uns keinerlei erkennbaren Erfolg und wurde aufgegeben. Man bedenke, dass sich das Porenwasser im Lückensystem (wo sich die Forelleneier befinden) nur sehr langsam bewegt und sich beispielsweise Feinsand von 0,2 mm Teilchengröße schon bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 0,10 m/s ablagert!
Dank der günstigen Wetterlagen in den letzten 3 Jahren hatten wir hohe bis sehr hohe Schlupfraten (z.B. 2017) in unseren Brutsystemen und sehr viele Jungforellen im Fluss dokumentieren können.
Olaf Kurth hat geschrieben: Nein, lieber Christian,
hier liegst Du falsch. Das traurige Bild in den Brutboxen ist keineswegs mit dem Zustand der natürlichen Laichgelege zu vergleichen
(Fluss im Oberpfälzer Jura)
Wir haben Tests durchgeführt und Drahtkörbe mit Kies gefüllt und diese in den Bereichen der Laichgelege auf dem Kies im Fluss ausgelegt. Da sich das Kiessubstrat in den Drahtkörben relativ schnell mit Ablagerungen von überwiegend Seekreide verfüllte, entschlossen wir uns einige der Laichgelege aus Naturverlaichung zu öffnen und nachzuschauen. Wir fanden neben vielen abgestorbenen (weißen und verpilzten) Eiern in nur einem einzigen der Laichgelege auch ein paar wenige Eier im Augenpunktstadium….. Mit der Verschlechterung der Gewässergüte -> Saprobie im Fluss S.L. von I-II im Jahr 1973 auf Gewässergüte Saprobie II (II ist immer noch aktuell) nahm die biogene Entkalkung (Fällung von Calciumcarbonat) deutlich zu, so dass die natürliche Reproduktion der Forellen und Äschen ihr Ende fand …. Betroffen von der Verschlammung durch Seekreide sind alle stark kalkhaltigen Bäche wie beispielsweise die Bäche und Flüsse der Schwäbischen- und Fränkischen Alb …
Ende 2017 haben wir weitere Tests durchgeführt indem wir lange eiserne Nägel in frisch aufgelockertes Substrat gesteckt haben. -> Rostet der Nagel ist Sauerstoff im Substrat. Rostet der Nagel nicht, fehlt es am Sauerstoff. Das Schwarze am Nagel zeigt eine Bildung von Eisensulfid (FeS) an = Abwesenheit von Sauerstoff.
Fluss im Oberpfälzer Jura -> Ein Nagel nach ca. 8 Wochen im Kies ->

- Nagel.....JPG (251.91 KiB) 9263 mal betrachtet
„Nageltest“ siehe Substratqualität ->
http://muschelschutz.de/wiederansiedlung.html
In einem ehemaligen Perlmuschelbach (Granit- Gneisregion) haben wir die größten Probleme mit „treibenden Sand“ -> Zunahme von Erosion…. Der treibende Sand am Bachgrund überdeckt und erstickt die Gelege der Forellen….

(Konnten wir dokumentieren.)
Olaf Kurth hat geschrieben: Erst wenn sich die Feinsedimente über einen längeren Zeitraum im Laichgelege festsetzen und die Sauerstoff-Toleranz der Eier im Kieslückensystem ohne Spülung ihre Grenze erreicht, erst dann werden die Eier regelrecht "erstickt". Fischereibiologen können das sicher besser erklären....
Lieber Olaf, auf diesem Gebiet bin ich so fit wie die Fischereibiologen!
Die Geologie der entsprechenden Fließgewässerlandschaften ist bedeutend und erzählt sehr viel von der Qualität der Laichareale und vieles mehr….
Grüße Christian
PS: Ganz nebenbei bemerkt, ich bin in der Lage, Fließgewässer ökologisch zu bewerten!!