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Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 10.03.2021, 13:28
von Hans.
http://www.fliegenfischer-forum.de/phoenixleader.html
Hallo Michael,
hallo Freunde des gedrehten Vorfachs,
danke für das Testen! Die Vorteile liegen auf der Hand. Dennoch würde ich mir einen Erfahrungaustausch über folgende Fragen wünschen, also bitte schreiben, wenn jemand etwas beitragen kann:
1. Führt das perfekte Strecken des Vorfaches nicht zu einem sofortigen Furchen der Trockenfliege? Bei mir war es so und das hatte mir die Sache SOFORT verleidet. Oder gibt es einen Ausgleich durch ein sehr langes Tippet? Hatte ich nicht ausprobiert.
2. Die Vorfächer sind sehr kurz, nur etwas über 5 Fuss. In ruhigen Flussabschnitten mit glattem Spiegel werden mindestens 9, besser sogar 12 Fuss lange Vorfächer gefischt. Wie ist die Erfahrung in diesen Bereichen mit so einem kurzen Vorfach?
3. Keine Dehnung = keine Schockdämpfung. Wie geht ihr damit um? Kann eine weichere Rute und ein langes Tippet hier einen Ausgleich schaffen?
Dank und Gruß
Hans
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 10.03.2021, 15:02
von Trockenfliege
Zu 1. : Eine mehr oderweniger perfekte Streckung möchte ich häufig haben, daher ist das kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Gegen vorzeitiges Dreggen der Fliege gibt es verschiedene Anbietevarianten.
Zu 2.: Die Vorfächer enden auf 0,25mm. Das entspricht dem unteren Ende des Kraftübertragungsteil eines "normalen" Vorfachs.
Daran knüpfe ich dann noch eine gewisse Länge 0,20er und dann die Spitze. Damit erreiche ich eine übliche Länge.
zu 3.: Diese geflochtenen Vorfächer entsprechen dem Kraftteil und dem Übergangsteil eines normalen Vorfachs.
Da hat man auch bei normalem Mono nicht viel Dehnung. Außerdem kommt noch die Dehnung der Vorfachspitze und die der Fliegenschnur und der Rute dazu.
Ich sehe da überhaupt kein Problem, wenn jetzt ein kleiner Teill des Systems weniger Dehnung hat. Solche Probleme hatte ich mehr beim Umstieg von mittelschnellen auf schnelle Ruten in Bereichen, wo ich mit 14er oder 16er Spitzen fische. Deswegen habe ich im Drill mal Fische abgerissen.
Daher: Ja, eine weichere Rute und ein längeres Tippet kann helfen - wenn das Problem überhaupt auftritt.
Ich habe früher selber Vorfächer gedreht, aus dünner Monoschnur mit vielen Fäden, abgestuft bis auf 4 x 0,12er.
Vorteile: Super Abrollverhalten, überhaupt kein Kringeln und viel Dehnung.
Später habe ich nur noch die Buttsection aus dem gedrehten Zeug genommen und dann bin ich wieder ganz davon abgekommen.
Gründe:
-Sichtigkeit, mir war das zu viel Seil - auch wenn es die Fische vielleicht nicht beeindruckt hat.
- Der Wassernebel bei jedem Wurf. Meine gedrehten Vorfächer schwammen zwar wunderbar, nahmen aber trotzdem Wasser auf, das dann bei jedem Schwung einen feinen "Regen" erzeugte. (Zur Testaussage der oben genannten Vorfächer, dass sie kein Wasser aufnehmen, weil sie nicht hohl seien, galt für meine Gedrehten nicht. Die waren auch nicht hohl und haben trotzdem Wasser aufgenommen durch die strukturierte Oberfläche und die Kapilarwirkung der Zwischenräume.)
- Nach einem Hänger kringelte sich das Vorfach und musste wieder entkringelt werden.
Ich bin dann wieder zu Selbstgeknüpften zurückgekehrt.
Seit einigen Jahren benutze ich aber häufig auch gezogene Vorfächer.
LG
Reinhard
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 10.03.2021, 20:03
von MahiMahi
Hallo zusammen,
ich habe mit einer Rute von Axel Janousch gefischt und war sehr angetan von der Kombi. Das warf sich sehr angenehm und weich, zudem präzise ins Ziel.
Kombi heißt: Phoenix DT Seidenschnur mit den Vofächern vom FFF-Test.
Es ist von Vorteil bei einer mittelschnellen Rute bis durchgehend ins Handteil, wegen der null Dehnung. Perfekt für gespliesste Ruten.
Wegen der Länge: Einfach noch Monofil dazu anknüpfen.
Grüße
Harry
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 10.03.2021, 23:16
von webwood
Hallo,
unsereins zwirbelt seit Jahren seine Vorfächer selbst.
Das eine gezwirntes Vorfach mehr Spray erzeugt, mag ich gerne glauben, ebenso dass es sichtbarer ist. Es ist wohl auch eine Frage des befischten Gewässers. Ich angle am Unterlauf der Ammer und das ist dort immer noch ein Gebirgsfluss mit Weißwasseranteil. Theoretisch bin ich mir sicher das an meinem Gewässer eine neongelbe Backingschnur als Vorfach mit 25 cm Tippet genauso fängig wäre. Das Abrollverhalten eines gezwirbelten Vorfaches finde ich ausgezeichnet und Windknoten sind i.d.R. schnell erledigt, Auch das Dämpfungsvermögen eines gezwirnten Vorfachs finde ich beachtlich. Ich hatte bisher zwei mal das Glück einen Huchen an der Leine zu haben und das mit 16er Vorfach, Beide Male konnte ich den Fisch landen, (einmal mit glühendem Handgelenk/ Einhandrute).
Ich denke daher, "das optimale Vorfach" gibt es genau so wenig wie die optimale Fliege/Nymphe. ´Die Wahl des Vorfaches hängt wohl sehr vom befischten Gewässer ab. Finde ich OK, ansonsten wäre das Fliegenfischen zu einfach. Wurmbaden kann jeder.
Pers. Anmerkung: Mich hat es 2020 gesundheitlich ziemlich gewaffelt. War 2020 genau zwei mal beim angeln. Schlechter Job als Mod. gemacht, doch krank sein, nicht fischen zu können und hier aktiv sein, war mit zu viel.
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 10.03.2021, 23:30
von Henning60
Hallo Webwood,
Krankheit ist immer Mist.....
Ich wüsnsche dir gute Genesung auf das du bald wieder oft fischen kannst..
TL, Henning
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 11.03.2021, 12:14
von Harald aus LEV
Meine Erfahrungen mit gedrehten Vorfächern sind überwiegend positiv.
Ich habe ans Ende einen Vorfachring gebunden, an den ich dann eine, den jeweiligen Verhältnissen entsprechende Spitze binde.
Der einzige Nachteil, den ich kenne ist der, dass sie sich mit der Zeit verknoten können, wenn man z. B. mal nicht sauber geworfen hat, mehrfach Kehrwasser mit unterschiedlich wechselnden Strömungen befischt oder es Hänger gibt. Einen festgezogenen Knoten aus einem Geflechtvorfach zu entfernen ist langwierig bis unmöglich. Damit möchte ich mich am turbulenten Gewässer nicht herumschlagen.
Daher bin ich wieder zu den gezogenen bzw. selbst geknüpften Vorfächern zurück gekehrt.
Gehe ich jedoch an einen Flussabschnitt der eher ruhig und gleichmäßig fließt, sind die geflochtenen immer eine Option.
Gruß
Harald
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 12.03.2021, 00:55
von Willi Barthel
In mehr als 40 Jahren Fliegenfischerei habe ich einige Entwicklungen im Bereich unserer Ausrüstung erleben und probieren dürfen. Darunter auch die geflochtenen Vorfächer. Hergestellt, beworben und verkauft von großen Namen und Firmen unserer Branche.
Die meisten haben die Sache eingestellt. Warum wohl ?
Den Vorteil der Geflochtenen sehe ich nur in einigen wenigen Bereichen.
Die sehr guten Abrolleigenschaften und Streckung der geflochtenen Vorfächer bieten Vorteile bei speziellen Anwendungen, z.B.:
> Trockenfliegenfischen
> Meerforellen-Fischen am Meer, mit häufig windigen Bedingungen
Nachteile aus meiner Sicht:
Zuhause an einem kleinen Fluss im Mittelgebirge mit schnell wechselnden Strukturen bin ich häufig gefordert schnell zu wechseln zwischen Trockenfliege und Nymhe in unterschiedlichen Tiefen. Oder gar eine kleine Nassfliege als Streamer.
Selbst an den großen Flüssen Sloweniens und anderen Reisezielen kann an einem Fischertag häufiger ein schneller Wechsel der Methoden und damit Anbieteweise der Köder erf. werden.
Mit einem geflochtenen Vorfach ist aus meiner Sicht ein kontrolliertes Nymhenfischen oder Nassfischen in definierter Tiefe nur schwierig oder nicht möglich.
Die Flexibilität des Monofilen (geknüpften oder gezogenen) Vorfaches hat bei mir dazu geführt die aus Neugier erworbenen Geflochten abzuschaffen.
Es gab nie eine Situation wo ich diese Teile später wirklich vermisst habe.
Im Übrigen:
Sehr gute Abrolleigenschaften lassen sich auch durch detaillierte Anpassung zwischen Schnurspitze und Butt der getaperten monofilen Vorfächer erreichen.
Jahre später wurde FC-Vorfach entwickelt um in sichtigen Gewässern vorfachscheue Fische zu überlisten. Wo bleibt bei dieser Überlegung das geflochtene Vorfach…..?
Die monofilen, getaperten Vorfächer der aktuellen Anbieter sind aus meiner Sicht eine Entwicklungsstufe die nur schwer zu toppen sein dürfte.
Gruß
Willi
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 12.03.2021, 04:14
von webwood
Einen festgezogenen Knoten aus einem Geflechtvorfach zu entfernen ist langwierig bis unmöglich.
Hallo,
Da muss ich Harald recht geben. Meist merkt man ja sofort, dass beim Wurf was schiefging. Wenn man dann nicht unverzüglich den Windknoten beseitigt sondern weiterhin wirft, oder gar einen Drill hatte, braucht man sich mit dem Thema nicht weiter zu beschäftigen. Es ist dann einfacher ein neues Vorfach zu verwenden, Was ich meinte ist ein noch nicht zugbelasteter Windknoten. Der lässt sich sehr easy lösen, vermutlich weil eben noch viel "Luft" im Geflecht ist. An der Spitze ist bei mir übrigens auch ein Pitzenbauer Ringerl dran. Ich sichere die Knoten mit Sekundenkleber sowohl an der starken Seite (Schlaufe) als auch an der Spitze (Pitzenbauer-Ringer) bzw. UV- Kleber.
TL
Thomas
Re: Gerät im Test: Gedrehte Vorfächer
Verfasst: 12.03.2021, 11:34
von AlexX!!
hi Zusammen,
ich glaube man muss das etwas differnzierter betrachten.
Furled Leader ist nicht gleich Furled Leader, da gibt es auch bei den gekauften große Unterschiede.
klassisch kann man die Materialien unter Seide und UniThread unterschieden, hinzu kommt, ob das Vorfach
impregniert ist oder nicht, wobei man hier auch unterscheiden muss, mit was inpregniert wurde.
Meine Uni Leader, wasche ich gründlich mit Spüli und Spiritus, um sie danach entweder in der Variante
"leicht" nur mit z.B. Revivex (mehrfach)
"schwer" mit Leinöl (mehrfach) wie eine Seidenschnur einzulassen.
Uni ist ab Werk leicht gewachst, das lässt sie anfänglich gut aufschwimmen, das hält aber nicht sehr lange,
daher das auswaschen mit Spüli/Spiritus
es ist auch hier, wie immer eine Frage des Geschmaks, was man preferiert.
beide haben ihren Reiz sind aber in den Abrolleigenschaften unterschiedlich.
Schwimmen tun beide, speziell die Revivex variante schwimmt ausserordentlich gut,
sogar ohne Fett. ein zwei Leerwürfe und das Vorfach liegt wieder sauber auf,
selbst wenn man zwischenzeitlich eine schwere Nymphe oder Bugger in den Pool sinken ließ.
Aber Furled Leader niemals auf der Straße oder auf der Wiese werfen, dann arbeitet sich Staub, Sand,
Schmutz in die Fasern und die Schwimmeigenschaften leiden stark!
Zum Thema Leerwürfe und Spray, ja das ist da, immer. Ich hab hierfür zwei "Workarrounds"
a.) der erste Leerwurf geht nicht über das Ziel, sondern seitlich vorbei, oder kürzer, dann landet das Spray nicht über
dem Zielfisch
b.) ich lass den ersten Rückwürf nicht strecken, sondern beginne früher mit dem Vorwurf, das die Fliege hinten "peitscht"
Gefühl ist gefragt, sonst kann die Fliege weg sein, daher preferiere ich a.)
generell hab ich im Freundeskreis die Erfahrung gemacht, das die Kollegen die sich ihre Leader selber bauen,
sie lieben und sehr gerne, fast ausschließlich fischen. Kollegen die sich welche kauften, warn meist eher nicht
dauerhaft damit unterwegs.
Ich bringe am Ende des Leader eine Ringerl an, an dem ich .18 - .22er Maxima(chameleon) anknote, an dessen Ende auch wieder
ein Ringerl ist, daran kommt das Tippet je nach Einsatzgebiet.
Schlaufen zum Tippet baue ich nicht mehr gerne, da die Vorfächer so lange halten, das der Schwachpunkt die Schlaufe zum Tippet ist,
man irgendwann kaum mehr einschlaufen/anknoten kann, weil man die Schlaufe nicht mehr sauber öffnen kann, vor allem bei feinem Tippet.
viele Grüße
Alex