Besuch bei Ron Kusse, USA

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Spliessè

Besuch bei Ron Kusse, USA

Ungelesener Beitrag von Spliessè »

Hallo Gespliessten-Freunde!
Da Ron Kusse nur noch sehr entfernt etwas mit "günstigen" Gespliessten zu tun hat, eröffne ich hier was Neues.
Neugierig geworden durch seine website http://www.ronkusse.com/ und durch Hinweise von Freunden in den USA, wollte ich einen Besuch in New York dazu nutzen, mal bei ihm vorbeizuschauen.
Washingtonville, sein Wohnort, liegt schon deutlich in den legendären Catskills ca. 120 km nördlich Südspitze Manhattan westlich vom Hudson River. Auf der Landkarte sieht das allerdings viel näher aus!
In Telefonaten vorher erwies sich Mr. Kusse als äußerst freundlich, er bot an, mich sogar vom nächsten Bahnhof abzuholen.
Hier also eine Gebrauchsanweisung, für alle, die ebenfalls mal zu ihm reisen wollen. Allerdings ist diese jetzt nur noch kurzfristig interessant, da er in Kürze, genau gesagt "so bald wie möglich", umziehen wird und zwar in Richtung "1000 Islands" , dh. so 300 Meilen weiter nördlich. http://www.1000islandsinfo.com/fishing.htm. Dort hat er schon ein Haus und ein Boot.
Im Moment noch kommt man zu ihm per Eisenbahn aus Manhattan ausgehend von der Penn Station. Dort kauft man ein Ticket für die "Metro North Line" in Richtung "Port Jarvis". Umsteigen muß man nicht in Hoboken in New Jersey, sondern in "Secaucus" ! Die Tickets gibt es aber NICHT bei der Metro North sondern bei "New Jersey Transit"! Bei drei Eisenbahngesellschaften in der Penn Station hat mich das schon eine Menge Rennerei gekostet, das herauszufinden und die Damen und Herren von der Eisenbahn waren da auch schon mal freundlicher. Achtung bei den Fahrzeiten! Zwei Züge am Vormittag , der letzte um ca. 9 Uhr, Ankunft in Salisbury Mills um ca. 10 Uhr 30! Salisbury Mills ist der nächste Bahnhof zu Mr. Kusse, d.h. so ca. 5 Meilen. Abfahrt ist wichtiger! Ein Zug geht zurück um 1 Uhr 25 nachmittags, der nächste um ca. 15 Uhr 45 und dann erst wieder nach 22 Uhr, Ankunft in Secaucus zurück kurz vor Mitternacht!! Dann schafft man das nicht mehr zurück nach Manhattan, außer vielleicht mit dem Taxi!
Salisbury Mills ist ein reiner Pendler-Bahnhof mitten in der Natur ! Der "Indian Summer" war schon deutlich sichtbar und die Landschaft dort ist sehr pittoresk! Also etwa wie ein weitläufigeres Sauerland!(Ja, auch da ist es sehr schön!)
Mr. Kusse holte mich dort nach Anruf vom Bahnhof ab und das war auch notwendig, da außer einer Tankstelle und drei oder vier Häusern nichts in unmittelbarer Nähe angesiedelt war. ("We don`t have taxis here!") Immer wieder erstaunlich, das man nach so relativ kurzer Zeit aus Manhattan heraus mitten in einem ländlichen "Bilderbuch"-Amerika landet.
Mr. Kusse unternahm zunächst mit mir eine kleine Tour mit seinem Pick-up durch sein Revier und zeigte mir "seine" örtlichen Forellenflüsse, alles öffentliche Gewässer. Einige sahen absolut traumhaft aus, ebenfalls aus dem sprichwörtlichen Bilderbuch entsprungen. (Ein Flüsschen hieß z.B. "Otterkill"!) Fotos habe ich nicht gemacht, da ich mich auf das Gespräch mit ihm konzentriert habe. Ich werde aber bei meinem nächsten Besuch in New York dort mal versuchen, ein oder zwei Tage zu fischen. Er sagte, er hätte große Probleme, dort mehr als 2 Meilen zu fahren und NICHT an einem "trout water" vorbeizukommen.
Sein Haus liegt neben wenigen anderen gewissermaßen wie in einem Naturpark, wohl nur sehr schwer selbst mit dem Leihwagen zu finden. Seine Werkstatt ist natürlich (eigentlich wie immer!) wesentlich kleiner, als es die Fotos auf seiner website vermuten lassen. Es sieht auch genauso aus, deshalb habe ich auch nicht um Erlaubnis zum Fotografieren gebeten.
Wir haben uns auch nicht über technisch-handwerkliche Details unterhalten, sondern über alles mögliche andere, z.b über alte Leicas. (Mr. Kusse ist gelernter Fotograf!) Auch über die Präzisison von Verleimungen von Spleissen, die bei neuen Orvis-Gespliessten ganz sonderbare Ausprägungen annimmt! (Dazu ein gesonderter Beitrag in Kürze!) Er zeigte mir ein Bündel von ca. 30 kurzen Musterstücken, mit denen er "neue" Klebstoffe ausprobiert hat. Fertig zum Versand hatte er eine dreiteilige "Kusse Original" , die schon wunderbar war, ich hätte sie liebend gerne mitgenommen! Aber jetzt, Hand auf`s Herz, in der optischen Anmutung, nicht besser war als eine Henseler (oder Baginski oder Brunner oder....) Wenn man so eine neue Gespliesste in die Hand nimmt, ist das immer wieder faszinierend, und das war hier auch nicht anders,- alles bolzengerade, der Tip mit einem ganz leichten Hauch nach oben, um wohl einem Set etwas vorzubeugen.
Eine Zweiteilige war zum Lackieren fertig und ich hatte genügend Zeit, während Mr. Kusse ein Telefonat führte, diesen zentimeterweise rundum zu betrachten, alles absolut makellos. Er macht wirklich alles selbst. Ein enormer Edelholzvorrat und sackweise Metallspäne bei der Drehbank sprechen für sich. Rollenhalter und auch die Hülsen sind wunderschön, entweder gebläut oder silber. Diese haben eine ganz leichte Prägung mit seinem Stempel ("The folks from Japan are mad about such details!")
Auf meine Frage hin, ob die fertig lackierte Rute, die absolut blank waren, noch signiert, bzw. mit Namenszug, Modell oder Gewichtsklasse beschriftet würden, antwortete er, "I`m not a Picasso! These are no works of art, they are fishing instruments! And about the weight you better find out yourself!) Eine prinzipiell sympathische Antwort,- aber auf mein etwas erstauntes Gesicht hin, kam der weitere Kommentar,- das ja sein Namenszug in dem Rollenhalter graviert wäre, und den könnte man nicht entfernen oder tauschen, ohne die Rute, bzw. den Griff schwer zu beschädigen. Wenn man eine Rute fälschen wollte mit einem berühmten Namen, wäre das "Signieren" einfacher, als die Hardware zu manipulieren. (Wer hat schon die Möglichkeit, die Handschrift eines Walt Carpenter z.B. im Vergleich zu studieren? Hier im alten Europa wohl kaum jemand!?) )
Ich habe dann auch eine "Original" in dem "klassischen" Format 7,5 Fuß als dreiteilige bestellt. Diese kostet 1890 Dollar, das sind knapp 1500 Euro. (Mit zwei "gespiegelten" Spitzenteilen, - Preisvergleiche mit anderen Rutenbauern kann dann jeder selbst anstellen!Die Beaverkill kostet geflammt knapp über 2000!) Er notiert sich jede Bestellung auf einer eigens gedruckten großen Karteikarte mit allen Details. Ich bekomme (hoffentlich) einen längeren Griff, der hinten dicker ist als üblich.
Die Frage nach der Preisliste habe ich schlichtweg vergessen. Zweiteilige sind auf jeden Fall deutlich billiger, die günstigste Ruten sind die imprägnierten "Elf" und "Elfin" - Ruten, die bei knapp 1200 Dollar starten. Diese gibt es, ebenso wie die "Quads" nur als Zweiteilige, weshalb beide für mich (leider) wegen der ungünstigeren Fliegereignung nicht in Frage kamen. Man merkte aber deutlich, daß die Elf/in-Modelle ihm sehr am Herzen lagen,- er meinte, daß diese von den Wurfeigenschaften her sein Optimum bieten würden. Das wären die besten "Casting-Rods", die er
bauen würde. Er sagte auch, daß diese "ein echter Treffer" gewesen wären,- "worked out really fine", so daß ich das so interpretiere, daß er deren Taper selbst entwickelt hat Die Beaverkill, Catskill und die Original -Serie beruhen meiner Einschätzung nach auf alten Taper-Formeln von Leonhard. Auf die Frage hin, nach den einzelnen tatsächlichen Gewichten der Ruten, in den verschiedenen Schnurklassen, zog er eine ziemlich vergilbte alte Broschüre irgendwo aus der Schublade, welche aus der alten Leonhard-Werkstatt stammte und übernahm die dort angegebenen Gewichtsangaben (so ca. zwischen 3 und 7 ounces) Fakt ist, daß die Catskill und die Original Serie, dieselben Taper verwenden, sie unterscheiden sich nur in den Wicklungen.(Die Beaverkill wahrscheinlich auch)
Ich habe mich dann nach einer geeigneten Rute für meine Lieblingsrolle der Schnurklassen 7 bis 9 (die er genau kannte) erkundigt. Er schlug eine Klasse 7 vor in 8 Fuß Länge (nicht in 8/30! Das reicht für große Meerforellen und Grilse, sagt er! ) , den Rollenhalter würde er extra stabil auslegen, "so daß es passt!" Also habe ich noch eine zweite Rute bestellt. Ebenfalls dreiteilig, als "Catskill"! Ja, das ist schon eine Menge Holz (Preis wie oben!) Aber erstens habe ich ja genügend Zeit zum Sparen und zweitens,- "no risk, no fun"! (Fällig wurden je 300 Dollar Anzahlung!)
Wichtig ist, zu erwähnen, daß sich Mr. Kusse sehr genau nach den Fischereibedingungen hier bei uns erkundigte, die Preisgestaltung an Spitzengewässern erntete ziemliches Unverständnis. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, kostet eine Jahreserlaubnis an öffentlichen Gewässern bei ihm nicht viel mehr als ein Briefporto.
Jetzt zu den Widernissen! Wenn er denn umzieht, wird er natürlich mit seiner Werkstatt umziehen, das bedeutet eine kleine logistische Meisterleistung! Und wahrscheinlich auch, daß er eine Zeit lang keine Ruten bauen kann. Außerdem jetzt für alle,- die neue Preisliste ist schon gedruckt, ich habe noch die alten Preise bekommen. Ich habe nicht so genau hingesehen, ich schätze aber mindestens 25 % höher. Sein Kommentar,- in Zukunft (ich habe ihn so verstanden, ab nächstes Jahr) wolle er nur noch ca. 20 Ruten pro Jahr bauen! Die Nachfrage könne er nur über den Preis regulieren und selbst damit sei er noch billiger, als manche Kollegen. Meine relativ kritische Anfrage zu den abzubuchenden 300 Dollar pro Bestellung beantwortete er dahingegehend, daß wenn er das nicht ganz klar machen würde, er täglich so viele Bestellungen bekommen würde, daß er sie niemals bearbeiten könnte! Es sei so eine Art Schutzgebühr. In den ca. 1,5 Stunden, die wir in seiner Werkstatt saßen, erhielt er zwei Anrufe wegen Bestellungen, eine nahm er auf, die andere vertröstete er mit dem Hinweis auf den Besucher aus Deutschland.
Hallo an den unbekannten Besteller der "baitcaster"! Er erwähnte, als ich ihn auf Lieferzeiten ansprach, ohne, daß ich davon was sagte, eine Bestellung aus Deutschland über eine "baitcaster", "der würde jetzt schon so lange warten", die" müsste er jetzt mal fertig machen"! Daraufhin sagte ich nur " ich hätte davon gehört" und erlaubte mir zu erwähnen, in der Hoffnung das positiv zu beeinflussen, "da würde jemand langsam ein wenig ungeduldig" ! Er entschuldigte sich,- das hätte mit seiner Augenoperation zu tun gehabt, da würden einige warten, aber das würde er angehen. Na ja, vielleicht hat es ja was genutzt!
Habe ich was vergessen? Vielleicht noch folgendes: Wir unterhielten uns über die Bogdan-Rollen,- also,- er ist mit Stan (dem Alten!) befreundet und dieser kommt noch immer fast mehrmals die Woche in die Werkstatt trotz seines hohen Alters. (Einige Leute denken ja, Stan Bogdan wäre schon verstorben!!) Einen Qualitätsunterschied zwischen älteren und neueren Rollen sieht er nicht, da die beiden schon seit zig Jahren zusammenarbeiten.
Meister Kusse brachte mich dann zurück zum Bahnhof und wir passierten Washingtonville, eine sehr pittoreske, absolut klischeehafte amerikanische Kleinststadt,- eine Tankstelle, ein Diner, einer Dugstore, eine Kirche ,--- ........ und jede Menge Bäume und Natur! (Ich erwischte absolut pünktlich den Shuttle-Bus zu dem übernächsten Bahnhof, leider war der Bus zu langsam! Kein Problem, da warten dann ca. 50 Leute 10 Minuten auf den armen Irren aus Deutschland! Und keiner beschwert sich! Auch kein wirkliches Problem,- bis Secaucus holte der Zug dann wieder ca. 8 Minuten der Verspätung heraus!)
Das war`s so ziemlich,- zwei sehr intensive Stunden mit einem sehr interessanten Menschen! Allein das ist mit Geld eigentlich nicht zu bezahlen. Schade, daß wir wegen der ungünstigen Zugverbindungen nicht noch mehr Zeit gehabt haben.
Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt!
Ich hoffe, daß ich niemanden enttäuscht habe, daß ich nicht mit den allerletzten Betriebsgeheimnissen aufwarten konnte!
Grüße an alle Gespliessten-Freunde!
Spliessè

Hier der Link zu zwei Fotos!
http://people.freenet.de/en-passant/kusse.htm
Zuletzt geändert von Spliessè am 10.11.2004, 19:02, insgesamt 1-mal geändert.
maruoff

klasse

Ungelesener Beitrag von maruoff »

hallo spliesse,

äußerst gelungene und sympathische darstellung. danke dafür und für den hinweis mit dem baitcaster. wird meinen freund interessieren;)

hatte ähnliche erlebnisse mit herrn brunner. mit lebenden legenden zu sprechen, dazu hat man nicht jeden tag die gelegenheit.
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Lutz/H
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Ungelesener Beitrag von Lutz/H »

Halo Splisse'

Auch wenn sich mir bisher das Mysterium von gespließten Ruten noch nicht erschloßen hat, sind das Berichte, die unterhaltsam sind und ein kleines Stück,"klassischer" Fliegenfischerwelt zeigen. So etwas lese ich gerne.

Vielen Dank
Lutz
Rainer Schmeel

Ungelesener Beitrag von Rainer Schmeel »

Hallo Spliessè,

ich möchte mich meinen Vorpostern anschliessen !
Bitte mehr solche Berichte in dieses Forum !!!!
Danke für den Bericht

Rainer (der auch noch mit Kunststoffen "fuchtelt" ;) )
Spliessè

Ron Kusse!

Ungelesener Beitrag von Spliessè »

Hallo und danke für die netten Komplimente!
Zwei Fotos folgen noch! Im Moment habe ich da ein kleines Problem mit meinem Webspace!
Zu ergänzen wäre vielleicht noch, daß Mr. Kusse beabsichtigt, sein Programm zu verkleinern. Schaun wir, wie sich das entwickelt. Bei so einem Besuch fällt es immer schwer, nicht nur beim "small talk" zu verbleiben, ohne daß der Gesprächspartner das Gefühl hat, man wollte etwas "auskundschaften"! Die persönlichen Berufsgeheimnisse wird man sowieso nicht erfahren. Devise ist bei unseren englischsprachigen Freunden eher: "Have a good time"!
Grüße Spliessè
Spliessè

Kusse Fotos!

Ungelesener Beitrag von Spliessè »

Hallo! Ich habe meinen webspace reaktivieren können!
Ich habe den Link dem Bericht hinzugefügt! Hier noch einmal!
http://people.freenet.de/en-passant/kusse.htm
Grüße Spliessè
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