Hilfe bei Gespließter!

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Matthias S.

Hilfe bei Gespließter!

Ungelesener Beitrag von Matthias S. »

Guten Abend!

Vielleicht kann mir ja hier jemand helfen!?

Ich habe durch eine Erbschaft eine Zweihand-Gespließte der Marke "Scottie" erhalten. Die Rute ist 12 Fuß lang und für die Schnurklassen 8/9 ausgelegt.

Die Verbindung der einzelnen Rutenteile findet nicht durch Steckhülsen statt, sondern die abgeschrägten Enden müssen miteinander verbunden werden.

Und genau hier beginnen meiene Fragen. Irgenwie müssen die Teile ja miteinander verbunden werden. Meine Vermutung ist, dass sie mit irgenwas umwickelt werden, nur mit was?
Wer kann mir sagen, wie genau diese Rute zusammengebaut wird? Hält diese Verbindung?

Ich hoffe, mir kann hier jemand helfen,

mit freundlichen Grüßen,
Matthias

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Royal Coachman
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Sharps

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Mathias !

Das ist eine Sharps und zwar ein Nachkriegsprodukt ca aus den 50iger oder Anfang er 60iger Jahre. Wahrscheinlich eine Spezialanfertigung, die mit starkem Bindegarn verbunden wird. Diese Verbindungen halten bei sorgfältiger Wicklung bombenfest und haben den Vorteil der durchgehenden Elastizität und vermeiden Hülsenbruch.

Diese Rute ist wahrscheinlich eine "Dapping" Rod, wurde also zum Fischen vom Boot aus auf Seeforellen in den schottischen Lochs verwendet, wobei die Schnur z.T. mit dem Wind ausgebracht und dann die Rute einfach gesenkt (dapping!) wurde. Das mühevolle Zusammenbauen hat diese Verbindungsform verschwinden lassen. Ich würde damit nicht fischen, sondern sie mir als Dekorationsstück an die Wand hängen, denn diese Ruten sind eigentlich nicht zum Werfen gebaut worden und können durch unsere modernen Schnüre und die erzielten Schnurgeschwindigkeiten sogar beim Werfen brechen.

freundlichst
Royal Coachman

PS: bis Mitte der 60iger Jahre findet sich das in den Katalogen!
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Matthias S.

Ungelesener Beitrag von Matthias S. »

Hallo Coachman,

vielen Dank für diese Informationen! Dass die Rute bereits so alt ist, habe ich nicht gedacht, da sie noch in einem hervorragendem Zustand ist.

Im "Brindley John Ayers Catalogue of Vintage and Collectable Fishing Tackle" (vielleicht ist dieser ja bekannt) habe ich eine ähnliche Rute entdeckt. In der Beschreibung wird gesagt, dass dies eine der besten Spey casting rods sein soll. Dies bezieht sich wohl auf den damaligen Zeitpunkt, da ich nicht glaube, dass sie mit den modernen Ruten mithalten kann.

Um es kurz zu machen, irgendwie reizt es mich doch ganz gewaltig, die Rute mal zusammenzubauen und ein paar Würfe zu versuchen...

Herzlichen Dank,
Matthias
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Dirk Janßen
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Ungelesener Beitrag von Dirk Janßen »

Ich meine, dass solche Ruten mit einem nassen Lederriemen verbunden werden. RC hat aber möglicherweise auch recht.

TL
Dirk
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Berner
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Ungelesener Beitrag von Berner »

hallo matthia

es handelt sich nicht um eine dapping, sondern lachsrute. eine sogenannte "spliced" version, wurde nicht als spezialanfetigung sondern regulär und in grossen mengen von sharpes gefertigt.

wie dirk richtig sagt werden die teile mit nassen lederriemen umwickelt und das hält auch, heute benutzt man lenkerband oder isolierband aus dem elktrogeschäft. hält noch besser und lässt sich auch problemlos entfernen. man trägt einfach eine solche rolle lenkerband in der fischeste mit sich.

solche ruten werden in irland und uk an lachstrecken regelmässig noch gefischt. ich habe auch noch eine spliced aus greenheart von hardy, auch die fischt immer noch wunderbar (auf seeforellen).

gruss

berner
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jpj
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Ungelesener Beitrag von jpj »

Hallo

Die Rute muß nicht antik sein; Sharpe's verkaufte solche Spliced Lachsruten noch bis spät ins letzte Jahrhundert. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, hatten die auch das Band im Programm. Natürlich tut's wie beschrieben auch Elektro-Isolierband, oder man kann auch ganz traditionell mit Bienenwachs behandeltes Leinengarn zum Wickeln nehmen, gibt's beim Sattler.

Manche Rutenbauer fertigen solche Stücke noch auf Anfrage, z.B. der Kanadier Bob Clay oder der US-Amerikaner Per Brandin. Die Aktion soll angeblich wie bei einer Einteiligen sein. Außerdem leiden diese Ruten bei Verwendung in Salzwasser nicht unter Korrosion der Metallhülsen.

Mich würde es sehr interessieren, wie sich so eine Rute tatsächlich am Wasser verhält. Dürfen wir auf einen Bericht hoffen?

Gruß

jpj
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Jahrhundert

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo !

Welches Jahrhundert meinst Du ?

Sharps gibt es schon lange nicht mehr!

freundlichst
Royal Coachman
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jpj
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Re: Jahrhundert

Ungelesener Beitrag von jpj »

Royal Coachman hat geschrieben:Hallo !

Welches Jahrhundert meinst Du ?

Sharps gibt es schon lange nicht mehr!

freundlichst
Royal Coachman
Hallo,

Möglicherweise verwechsele ich das. Ich meine jedoch, Sharpe exitiert immer noch in Aberdeen und baut Ruten. Es werden auch noch gespliesste Sharpe-Ruten gebaut, und sogar noch der Marke Scottie, wenn auch nicht mehr von Sharpe selber sondern von S&J Tackle in London. Letztere kauften irgendwann Mitte der 1980er deren Gespliesstenbau: die Marke, die Maschinen -- und ein paar der Arbeiter sollen auch mit übernommen worden sein.

Aber mein Gedächtnis mag mich trügen.

Gruß,

jpj
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Sharps

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo JPJ!

Da hast Du schon Recht, aber die Bambusläger wurden in den späten 60iger Jahren verkauft. Einen Teil erwarb damals der legendäre Jamie Maxton Graham. Es werden auch nur Gespließte bis zur Länge 8" und Schnurklasse 5 angeboten, deswegen meine Meinung, daß es sich, wenn nach 1968 gebaut, um eine Spezialanfertigung handeln könnte.

Interessant wäre auch zu wissen, ob er "Hund" das zusätzliche Zeichen "TM" über dem Kopf trägt, das würde auf ein späteres Baudatum hinweisen, die früheren, von Sharps selber gebauten Ruten haben das nämlich nicht. Ich habe solch eine Rute mal geworfen, die war mit starker, schwarzer Schnur (gekordelt!) zusammengebunden, ähnlich wie bei Klarinetten früher am Mundstück das Blättchen befestigt wurde.

freundlichst
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jpj
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Kurze geschichte von Sharpe's

Ungelesener Beitrag von jpj »

Royal Coachman hat geschrieben:aber die Bambusläger wurden in den späten 60iger Jahren verkauft. Einen Teil erwarb damals der legendäre Jamie Maxton Graham.
Hallo Coachman,

Dass Ruten von James Maxtone Graham -- dem Autor und, ähem, schillernden Angelgeräte-Händler -- gekauft wurden, kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber die Tonkin Rohre?

Mein Kenntnisstand ist folgender (mußte ein wenig kramen):

Die Firma Sharpe's wurde von John Shepherd Sharpe 1920 in Aberdeen gegründet, wo er in der John Street Ruten der Marke "Scottie" herzustellen begann. Das besondere an den Ruten war ab den 1930ern die Imprägnierung mit Phenolharz (Bakelit) -- ein Verfahren das man von Orvis aus den USA übernommen hatte. Es macht die Blanks wasserfest und somit resistent gegen den allseits gefürchteten Schimmel. Außerdem wird die Aktion dadurch steifer, woran die Taper aber angepasst sein sollen. 1933 erhiet Sharpe auf der Triennale in Mailand für diese Ruten eine Goldmedallie.

Später beschaffte Sharpe u.a. zwei Fräsmaschinen, die 1940 in den USA für Rolls Royce gebaut worden waren. Während des Krieges fräste man damit sogar Bauteile für Spitfires!

In den 1960ern gewann man Lee Wulff als Designer für Ruten, die hauptsächlich in die USA exportiert wurden. Außerdem wurden Ruten u.a. für Cortland hergestellt (444). Dies waren auch die erfolgreichsten Jahre für die Scottie Ruten in Großbritannien. Ich vermute wie Du, dass Matthias' Rute aus dieser Zeit stammt. Die "Featherweight" Forellen-Ruten haben nach wie vor einen guten Ruf, und besonders auch die Spliced Spey-Ruten, wie die von Matthias.

Durch die Einführung der Glasfaser- und schließlich der Kohlefaserruten geriet der Absatz von Bambusruten gerade für den US-Markt ab den 1970ern in Schwierigkeiten. Als der Betrieb für die Bambusruten in Aberdeen geschlossen wurde, wurde der Bestand -- Maschinen, Bambus usw. -- sowie die Marke von Taylor & Johnson aus Redditch aufgekauft. Man transportierte das gesamte Inventar in eine Lagerhalle in Redditch.

Im Winter 1984 wurde dieser Lagerbestand durch John und Steve Weaver (Vater und Sohn) aus London gekauft -- sprichwörtlich in letzter Sekunde. Die Lagerhalle selbst sollte abgerissen werden und die abgelagerten Tonkin-Rohre wurden gerade der Verbrennung zugeführt. Eine der Fräsen wurde sogar für Schrott demontiert. Auf den Lkw wurde geworfen, was irgendwie Platz hatte: Fräse, Tonkinrohre, Wickelmaschine usw. Für ein zweite Fahrt war es dann schon zu spät.

Bei der Inventarisierung der geretteten Bestände fanden die Weavers eine kleine Hözerne Kiste: Diese enthielt alle Taper und Bauvorschriften von J. S. Sharpe.

Die alte Fräse steht jetzt in Harrow im Norden Londons und verrichtet nach wie vor ihren Dienst, für Ruten nach den original Sharpe-Tapern oder auch nach neuen Tapern, z.B. für Karpfenruten; auf Wunsch auch mit Bakelit-Imprägnierung. Sharpe Scottie-Ruten, die mit dieser Fräse hergestellt werden kann man bei S&J Tackle hierbestellen.

Sharpe's of Aberdeen fertigt nach wie vor im Nordwesten Aberdeens Fliegenruten, z.B. die "Gordon" und die "Belmont" aus Kohlefaser und in naher Zukunft ein neues Modell, den "Reactor" aus -- Möhren.

Gruß,

jpj
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Jamie Maxton Graham

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo JPJ!

Hab mich ungenau ausgedrückt, Jamie hat Blanks gekauft, die er dann in seinen Katalogen angeboten hat.

feundlichst
Royal Coachman

PS: Sharp's hat immer Power-Rods gebaut und sie waren eine meiner ersten Gespließten!
Der immer auf Seiten der Fische steht!
Matthias S.

Ungelesener Beitrag von Matthias S. »

Guten Abend,

vielen Dank für die mittlerweile doch sehr zahlreichen Beiträge.

Ich habe hier sehr viele Informationen über die Herkunft der Rute und die Firma "Scottie" herausziehen können.

Die Rute ist lediglich mit dem kleinen Hund sowie den Schriftzügen "Scottie" und "Impregnated" gekennzeichnet. Es befindet sich kein TM über dem Kopf des Hundes.

Besonders wertvoll waren für mich jedoch die Informationen zum Zusammenbau der Rute. Ich denke, ich werde irgendwann mal die Methode mit dem Klebeband ausprobieren, als die wahrscheinlich praktischere Alternative. Vielleich auch noch das Umwickeln mit gewachstem Bindegarn, wenn mich mal ein Anfall von Nostalgie überkommt.
Wenn ich es dann auch mal geschafft habe, mit der Rute fischen zu gehen, werde ich natürlich einen Erfahrungsbericht hier im Forum schreiben.

Gruß,
Matthias
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Peter Pan
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Hallo Matthias,

ich habe eine Sharpes Scottie mit Hülsen. Ich habe sie schon gefischt. Die Werferei ist schon klasse, nur braucht man eine schwere Rolle. Hast Du Deine ausprobiert?

Gruß

Peter
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olli
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Ungelesener Beitrag von olli »

Hallo in die Runde!

Ich hatte mal eine "Conqueror" von Allcocks. 9 Fuß und Schnurklasse 7/8. Nach meinen Informationen in den Jahren 1934-39 gebaut. Die Rute war in fantastischem Zustand und ich musste sie dann auch mal fischen...
Nachdem man den Rhythmus des Stockes hatte, warf sich das ganz klasse am See. Auch Fische damit zu fangen, war schon ein Erlebnis. Aber dabei blieb es auch. Eine 7er Einhand mit 200gr und entsprechender Rolle zu bewegen, ist für uns verwöhnte Leichtgewichtler echt nur bedingt entspannend!

Ich würde die Rute in jedem Fall mal probieren, bevor ich sie an die Wand hänge!


Grüße, Olli
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