Stammbaum gesucht

Alles rund um Stärken & Schwächen, Marken, Klassen, Aktionen u.s.w. der für unser Hobby unverzichtbaren "Gerten" und "Schnuraufwickler". Du hast allgemeine oder spezielle Fragen, gute oder schlechte Erfahrungen zu bestimmten Gerätschaften mitzuteilen? Hier ist Platz dafür und Du bekommst die Antworten, die Du suchst...

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henkiboy
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Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von henkiboy »

Hallo Freunde,
im letzten Jahr habe ich eine gespliesste Fliegenrute......ich geb zu......günstig in der Bucht geschossen. Nach der Überweisung eines relativ läppischen Betrages kam eine Mail: "Leider hat mein Sohn in einem unbeaufsichtigtem Moment während des Verpackens die Ersatzspitze durchgebrochen. Wenn sie möchten können sie vom Vertrag zurücktreten."
Ich habe da direkt Lunte gerochen und habe auf Abwicklung des Vertrages bestanden.
Als das Paket dann ankam habe ich ein (für einen Laien) wirkliches Schmuckstück vorgefunden. Die Ersatzspitze war tatsächlich direkt hinter dem Spitzenring gebrochen. Sah aber aus wie durchgekniffen. Ansonsten war die Rute in einem ungefischten 1A-Zustand. Das Futteral war anbei und total von Mottenfrass zerfressen. Zur Auktion gehörte noch eine Ryobi 445.
Nun zu den eigentlichen Daten:
Lable: Dickson&Son (Alex Martin)
Herstellerland: Schottland (Edinburgh)
Rutenserie: Thistle
Länge: 2,30 m (7,5 Fuß)
Klasse: #5

Folgende Angaben standen in der Artikelbeschreibung:

Rute: Dickson # 5 2,30m mit 2 identischen Spitzen und Originalfutteral.
Rute ist neu und ungefischt, Griff noch in Folie. Habe sie auf Grund ihres Alters als gebraucht eingestellt!!! Blank ist absolut gerade, die Steckverbindungen top i.o. Rollenhalter in Nickelsilber, Tropenholzspacer. Die eingestellten Bilder des Verkäufers bestätigen diese Angaben!

Natürlich habe ich vor Abgabe meines Gebotes versucht etwas über die Rute bzw. das Lable herauszubekommen. Leider waren die gefundenen Infos nur sehr dürftig:

Die Firma Dickson&Son ist ein 1820 gegründeter Hersteller von Waffen aus Edinburgh. Irgendwann schloß sich Alex Martin der Firma an, der einen bekannten Tackleshop in Edinburgh hatte und sich vor allem mit der gleichnamigen Rolle (Thistle) einen Namen machte. Diese unter Eigenlable vertriebene Rolle ist zumindest ein begehrtes Sammlerobjekt. Irgendwo stand dann in englischer Sprache das die Firma Dickson&Son die (unter eigenem Lable verkauften) Ruten wahrscheinlich bei Hardy in Auftrag hat fertigen lassen - man weiß ja nicht ob das stimmt!
Aber vielleicht ist ja unter den Reihen der Gespliessten-Spezialisten hier unter uns jemand der mehr über die Firma-/ die Rute zu berichten weiß.

Inzwischen habe ich die defekte Spitze beim Gerd-Peter Wieditz reparieren lassen (war wohl kein Akt und selbst der Originalspitzenring konnte verwendet werden) und ein Probewerfen hat sich äußerst positiv dargestellt. Ein neues Futteral habe ich der Rute ebenfalls gegönnt. Nachfolgend ein paar Bilder des Feuerholzes für "Kohlefaserfreaks":
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Nun zu meinem "Begehren":
Wer kann mir mehr über die Geschichte der Rute sagen? Wann wurde sie gebaut? Wer hat sie tatsächlich gebaut (Dickson&Son ist wahrscheinlich nur ein Lable für eingekaufte Ruten)? Was ist die Rute tendenziell tatsächlich wert? Soll ich sie fischen oder als Dekorations- bzw. Sammlerobjekt halten?
Kleiner Zusatz: Gerd-Peter Wieditz denkt das die einzelnen Spleisse "gefräst" worden sind, was tatsächlich eher auf einen größeren Hersteller wie Hardy hindeuten würde und nicht auf eine individuelle Einzelperson.

Über möglichst reichhaltige Infos, besonders aus dem Lager der "Spezies" hier würde ich mich dehr freuen!

liebe Grüsse
Detlef
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Royal Coachman
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Detlef!

Das ist ein sehr schönes Stück, aber ich darf dazu zwei Anmerkungen machen.

1. die Rute ist meiner Ansicht nach gefischt und zwar beide Spitzen, das kennt man an den feinen Rissen der Wicklungen an den Hülsen, sowas entsteht nicht beim Werfen auf der Wiese sondern beim Drill eines Fisches und ist ganz normal. Noch kein Rutenbauer konnte hier Abhilfe schaffen.

2. die Rute wurde sicher nicht bei Hardy gebaut, denn Hardy lackiert nicht im ganzen, sondern zuerst den Blank und dann jede Bindung einzeln. Deine Rute ist jedoch anscheinend incl. Wicklungen lackiert.

Es gab und gibt in England zahlreiche Gespließtenbauer, die alle tolle Ruten mach(t)en.

Der Wert so eines Stückes ist sehr individuell zu sehen aber unter 300 Euro liegt er nicht, eher höher, besonders wenn ein Sammler von dieser Marke noch keine Rute besitzt.

Fische Sie, für die Wand ist sie zu schade, Du solltest nur wissen wie man sie aufbewahrt (niemals liegend) und wie man sie
pfleglich behandelt z.B. niemals die Hülsen drehen und immer ganz zusammenstecken.

Ich habe in einem anderen Thread genau beschrieben, was zu beachten ist, da ging es um eine Brunnerrute.

tight lines
Gebhard

PS: der Bruch ist wahrscheinlich in einer Autotür oder am Kofferraumdeckel passiert.
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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henkiboy
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von henkiboy »

Hallo Gebhard,
dank dir für deine Antwort. Leider beantwortet sie einige der "Kernfragen" nicht. Wie alt mag das gute Stück sein? Gibt die mitgelieferte Ryobi 445 vielleicht Anhaltspunkte? Wann oder bis wann wurde diese gebaut? Das die Rute gefischt wurde glaub ich eher weniger. Wer lässt da schon die Folie um den Kork? Weiterer Anhaltspunkt: Von wann bis wann gab es Fliegenruten und Fliegenrollen von Alex Martin? Die ersten tauchen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts auf. Der Kerl wird doch wohl nicht mehr wie fünfzig Jahre Ruten gebaut oder vertrieben haben! Oder etwa doch? :shock:

liebe Grüsse
Detlef

P.S.: Die Marke Dickson&Son gibt es heute immer noch. Allerdings nur in Hinsicht des Waffensektors. Leider haben sie die Mails von mir bis heute nicht beantwortet, obwohl sie sicher einiges aufklären könnten!
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Frank.
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von Frank. »

henkiboy hat geschrieben:Wer lässt da schon die Folie um den Kork?!
Lieber Detlef,

der Schutz von Korkgriffen durch Folie ist - soweit ich weiß - eine relativ junge Erfindung. Noch vor 20 Jahren gab es das meiner Erinnerung nach nicht. Vielleicht kennt sich jemand damit besser aus, aber ich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass sich die Folie der Bauzeit der Rute verdankt!

Ansonsten teile ich Gebhards Meinung.

Ohne Seriennummere wird es jedenfalls sehr, sehr schwer, das Alter der Rute näher zu bestimmen.

Was dich vielleicht noch interessieren könnte: Die Rute verdankt ihren ja etwas merkwürdigen Namen (Distel) der Tatsache, dass sie dafür sorgen würde, dass eine Trockenfliege "sanft wie der Samen einer Distel" auf dem Wasser landen würde.

Dein Frank
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von posti »

Servus,
henkiboy hat geschrieben:..... Wer lässt da schon die Folie um den Kork?....
jeder, der damit den Kork schützen will, und nicht weiß, dass er damit genau das Gegenteil bewirkt. Da hab ich schon einige gesehen.
Zur Rute selbst kann ich leider nix sagen, tut mir leid.
Mit herzlichem Gruß
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henkiboy
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von henkiboy »

Hallo Frank,
die Rute ist ja definitiv schottischen Ursprungs. Demzufolge hat die Distel (The thistle) auch eine ganz andere Bedeutung: Sie ist sozusagen das Nationalsymbol Schottlands.
Auch die relativ (bei Sammlern) begehrten und gesuchten Rollenmodelle von Alex Martin trugen meist (oder zumindest oft) die Serienbezeichnung "Thistle".
Eine Seriennummer hat in grauer Vorzeit vielleicht mal das Futteral hergegeben......auf der Rute fehlt sie jedoch leider.
@Posti: Du wirst es nicht glauben, aber auch ich habe früher das "Griffkondom" drüber gelassen. Inzwischen bin ich von der Marrotte aber abgekommen.
Ich denke das man mit der dazu gehörigen Rolle gegebenenfalls zeitlich einschränken könnte. Von wann bis wann wurde der Japaner gebaut?

Irgendwie sollte man doch zu Ergebnissen kommen können!

liebe Grüsse
Detlef

P.S.: Ich versteh ja nicht warum ich keine Antwort-Mail von Dickson&Son bekommen habe.
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von Gammarus roeseli »

Kenne mich ja nicht wirklich aus, aber die richtig alten Gespließten haben doch zusätzliche Wicklungen zwischen den Ringen?!

Mal eine gespließte aus Japan, darauf steht ARGUS ARAI.
Ich vermute mal diese Art gespließte Ruten stammt so ca. aus den 1970ern (?) und der Korkgriff ist auch noch in Folie eingeschweißt…. :D

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Je nachdem wie rum man das Griffstück dreht und mit welchem Spitzenteil man die Rute zusammensetzt, erhält man eine Fliegen oder Spinnrute.
Der Leitring und auch die Ringe am Spitzenteil der Spinnrute haben auch keine Einlage und sind dem Leitring der Rute von Detlef sehr ähnlich.
Könnte nicht der Leitring etwas über eine ungefähre Altersbestimmung aussagen?
Oder diese Erscheinung der weißen bzw. transparenten Ringwicklungen?

LG
Christian

PS: Mein Bauchgefühl meint, die Rute von Detlef könnte so um 1970-80 sein.
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Frank.
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Gammarus roeseli hat geschrieben:Kenne mich ja nicht wirklich aus, aber die richtig alten Gespließten haben doch zusätzliche Wicklungen zwischen den Ringen?!
- Na ja: Das kommt darauf an, was du mit "richtig alt" meinst. Ich habe eine Pezon&Michel von 1946 - ohne Wicklungen zwischen den Ringen. Von den Hardy-Ruten könnte Gebhard das genauer sagen.
Ob die transparenten Wicklungen original sind? Keine Ahnung! Leider findet man nicht viel Bildmaterial zu diesen Ruten, aber die meisten, die ich finde, sind nicht transparent gewickelt.
Mein Bauchgefühl bei Detlefs Rute geht eher Richtung 60er Jahre. Aber genauer kann das wohl nur jemand beurteilen, der sich mit dieser Marke auskennt. Und davon gibt es offenbar nicht so viele …

Von Argus Arai weiß ich gar nichts. Aber tippen würde ich auf die späten 60er/70er Jahre.

Dein Frank
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von henkiboy »

Hallo Freunde,
der Stammbaum der Firmengeschichte von Dickson&Son und Alex Martin Ltd. sagt jedenfalls eines aus:
Die Rute ist wohl nach 1966 gebaut.
Komischerweise kann offensichtlich niemand etwas über die Ryobi 445 sagen. Die Fliegenrolle grenzt das Zeitfenster ja gegebenenfalls ebenfalls etwas ein (durch Überschneidung von Produktionszeiten).
Ich möchte ja nicht wirklich aufgeben näheres über das "Hölzlein" herauszufinden. Egal ob sie 100 oder 1000 € wert ist - man möchte ja letztendlich über den Stecken möglichst genau Bescheid wissen!
Alex Martin hat jedenfalls seit den Dreißigern Getackle unter seinem Namen vertrieben! Da waren aber noch Zwischenwicklungen üblich und Schrumpffolie für den Griff gabe es sicher auch nicht!

liebe Grüsse
Detlef
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von henkiboy »

Hallo Freunde,
ist unter all den Mitgliedern hier denn wirklich keiner, der zumindest etwas über die Rolle aussagen kann?
Das die Rute ein ganz feines Teil ist weiß ich ja. Aber ich hätte natürlich auch gerne Infos bezüglich Alter und so. Da die Rolle wohl zur Rute gehört, könnte zumindest 'ne grobe Einschätzung des Alters drin sein. Bis wann wurden denn Ruten unter dem Lable "Dickson&Son by Alex Martin" hergestellt und vertrieben?

liebe Grüße
Detlef
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Magallan

Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von Magallan »

Detlef,

Hilft das weiter?:


http://classicflyrodforum.com/forum/vie ... 72&t=43219


Gruss Heiko
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Re: Stammbaum gesucht

Ungelesener Beitrag von henkiboy »

Hallo Heiko,
leider nicht wirklich.......hab schon diverse Postings in diesem Forum gefunden, die mit Dickson&Son bzw. Alex Martin zu tun haben.
Ergebnis: Alex Martin hat Getackle unter seinem Namen von den 30ern bis in die 70er hergestellt / herstellen lassen! Sind ja immerhin fast 40 Jahre!
Bei meiner Rute tippe ich auf Ende der 60er bis Anfang der 70er. Aufschluss könnte sicher die Ryobi 445 geben, denn die ist ja auch nicht ewig gebaut worden!
Ein weiteres Indiz: Die Folie am Korkgriff - Seit wann wird so etwas praktiziert? Mitte der 80er war das schon üblich (weiß ich von meiner Silstar-Westminster Fly)!

Gruss
Detlef
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