Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

Moderatoren: Maggov, Forstie, Michael., Olaf Kurth

Köcherfliegenlasse
Beiträge: 96
Registriert: 22.04.2020, 17:53
Hat sich bedankt: 24 Mal
Danksagung erhalten: 28 Mal

Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Köcherfliegenlasse »

Habe gerade eine interessante Studie gefunden zum Fraßverhalten des Fischotters im Erzgebirge. Dabei wurden Kotproben unter Brücken gesammelt und mit dem Mikroskop die Bestandteile analysiert. Ein Fokus der Studie lag u.a. im Vergleich der deutschen und tschechischen Gewässer hinsichtlich der Räuber-Hinterlassenschaften.
Die Auswertung ist dann eher qualitativ zu verstehen (zB in 45% der Fundstellen wurde Fischart XY im Kot entdeckt). D.h. es gibt keine definitive Aussage wie viel Prozent der Nahrung aus einer bestimmten Fischart kommt.

Hier ein paar "Funfacts" die ich aus der Studie herausgelesen habe

- Von den knapp 1200 Proben....wurde in keiner einzigen Reste von Äschen identifiziert (Option 1: es gibt keine mehr - ganz so schlimm ist es aber nicht würde ich sagen. Option 2: die Jagdweise des Otters passt nicht gut zur Äsche und ihrem Fluchtverhalten; das ist die These die in der Studie diskutiert wird)
- Obwohl in den Gewässern kaum Karpfenfische vorkommen gibt es einen signifikanten Anteil davon in den Hinterlassenschaften - Otter machen also gerne Besuch bei benachbarten Stillgewässern wo sich einfach Beute machen lässt
- die Groppe ist ein sehr wichtiger Futterfisch, es gibt wohl auch Otterpopulationen die sich fast ausschließlich davon ernähren
- Der Anteil erbeuteten Amphibien ist viel höher als erwartet
- auch Krebse, Vögel, Insekten und kleine Säugetiere zählen signifikant zur Nahrung

In Summe scheint der Otter ein ziemlicher Opportunist zu sein der sich auf die Nahrung einschießt die er mit dem geringsten Aufwand erreichen kann. In den direkten Elbenebenflüssen sind bspw. Schwarzmeergrundeln vielfach in seiner Nahrung vertreten. Als Beispiel ein Screenshot der Studie zum Frosch-Fraß

Das wird natürlich nicht dafür sorgen das wir auf einmal alle Otter-Freunde werden. Aber vielleicht wird sein Einfluss überschätzt. Was sind eure Erfahrungen zu Otterbeute?

Den Link zur Studie gibt es hier

Quelle: ALKA Wildlife https://share.google/rpjbcI1mC3knLxQDc

VG Lasse
Dateianhänge
Screenshot_20260117_200904_Adobe Acrobat.jpg
Screenshot_20260117_200904_Adobe Acrobat.jpg (110.83 KiB) 520 mal betrachtet
Benutzeravatar
MahiMahi
Beiträge: 798
Registriert: 17.01.2020, 09:14
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 262 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von MahiMahi »

Ja,

glauben darf man alles, nur ob es stimmt? Da habe ich meine Zweifel.
Ich habe an einem Gewässer wo ich 12 Jahre eine Jahreslizenz hatte von Jahr zu Jahr immer mehr Forellen
die an Land lagen gefunden. Halb aufgefressen und liegenlassen.
Der Otter fragt nicht, er nimmt was er kriegt.
Das dumme Gelabere von denen die sich Irgendwas-Schützer nennen glaube ich sowieso nix.

LG
Harry
Hydra
Beiträge: 105
Registriert: 27.11.2024, 09:23
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hallo,
ja, der Otter nimmt, was er kriegen kann. So funktionieren nun mal alle Lebewesen, nur der Rahmen, in dem sie das können, unterscheidet sich je nach ökologischer Nische. Es gibt Bilder von Bibern, die Fische verputzen obwohl Biber hardcore Veggies sind. Was hier oft falsch diskutiert wird, sind die Auswirkungen. Für uns ist es egal, ob der Otter 100-, 90-, oder 70% seiner Nahrung in Form von Fischen konsumiert. Wir müssen verstehen, dass die Anzahl der Predatoren direkt an das Vorhandensein geeigneter Ressourcen gekoppelt ist und daher der Otter keinen substanziellen Schaden an unseren Fischbeständen verursachen kann. Anders als der Kormoran kann er nicht einfach woanders hinfliegen, wenn die Nahrung knapp wird, er bleibt in seinem Revier. Wenn es dort nicht (mehr) genügend Fisch gibt, wird er verhungern. Daher etabliert er sich nur in Revieren, die genügend Nahrung anbieten, um ihn, seine Partnerin und den Nachwuchs zu ernähren. Die Vorstellung, dass durch den Otter ein Fischbestand gefährdet wäre, ist der gleiche Fehler, den Menschen immer wieder machen. Raubtiere haben fast immer einen positiven Einfluss auf die Bestände, denn, wie die Studie und auch Harrys Kommentar klarstellen: der Otter nimmt was er (am einfachsten) kriegen kann und das sind die schwachen, kranken oder verletzen Individuen. Diese aus dem Bestand zu entfernen, ist die beste Methode gesunde un starke Bestände zu bekommen. Alle Tiere erzeugen einen riesigen Überschuss an Nachkommen. Würden alle überleben, wären die Ressourcen in kürzester Zeit aufgebraucht. Die Zahl an Nachkommen, die überleben dürfen, ist eine Konstante in der belebten Natur, die bei etwa 2,2 überlebende Nachkommen pro Weibchen beträgt, egal bei welchen Art. Die 2 hinter dem Komma kompensiert Zeugungsunfähigkeit bei Weibchen und stellt das Potential zur Verbreitung (oder Wiederherstellung) der Population sowie die Spielwiese der Evolution dar. Die Die Anzahl an produzierten Nachkommen hat also nichts mit dem Bestand zu tun und auch nicht die Zahl der gestorbenen/gefressenen Individuen. Es spielt für den Bestand auch keine Rolle, wann ein Individuum aus dem Bestand genommen wird, denn seine Biomasse wird in den Kreislauf zurückgeführt. Forellen produzieren Nachkommen in gigantischem Überschuss. Ein Weibchen kann 10.000 Eier pro Saison legen. Der Bestand wird ausschließlich über die zur Verfügung stehende Ressourcen (Nahrung, Unterstände) reguliert, nicht über die Anzahl gestorbener bzw vom Otter verputzten Individuen. Ein Punkt der das sehr klar zeigt, ist die Tatsache, dass früher sowohl mehr Raubtiere als auch mehr Beute vorhanden war. Ein zweiter Hinweis ist etwas, das Harry auch angesprochen hat. Herumliegende tote angefressene Fische sprechen nicht dafür, dass diese Otter Mangel leiden. Das ist eher vergleichbar mit Bären in Alaska, die nur die Haut und den Rogen der Lachse essen und den Rest liegen lassen. Das spricht schon eher für gute Bestände. Der Fischbestand ist gut genug um den Otter zu ernähren und bleibt, trotz Lebensmittelverschwendung seites der Otter, stabil. Der Otter ist ein Garant dafür. Mehr Besatz bedeutet nicht mehr Fische im Gewässer und Entnahme durch Otter bedeutet nicht weniger Fische im Gewässer. Alles wird im Überschuss erzeugt, so dass viele sterben müssen, damit das System stabil bleibt, dafür verkraftet das System auch viele Tote. Es kommt nur dann nachhaltig aus dem Gleichgewicht, wenn ganze Ökosysteme oder ökologische Nischen verschwinden, also nur durch menschliches Fehlverhalten oder globale Umwelkatastrophen, wie z.B. Kometen/Asteroiden-Einschläge oder Eiszeiten.

Grüße,

Arne
Hydra
Beiträge: 105
Registriert: 27.11.2024, 09:23
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hallo,

ich bin übrigens kein irgendwas Schützer, ich möchte aber meine Angelgewässer und ihre Bestände sichern. Zudem bin ich Biologe und bin schon der Ansicht, dass das meiste, was Wissenschaftler erforschen, stimmt. Das Problem ist eher der Rahmen. in den das Erforschte stimmt. Um diesen Rahmen und auch die generellen Aussagen zu verstehen, muss man die Publikationen aber lesen. Zumindest steckt immer reelle Daten hinter den Analysen, kein Hörensagen oder Einzelbeobachtungen. Es gibt viele verschiedene Tierarten, die Fisch fressen. Wer was dabei hinterlässt, kann man vom reinen Ansehen meist nicht genau auf den Verursacher zurückführen. Da ist mir dann eine wissenschaftliche Untersuchung auf jeden Fall lieber, das kann ich nachvollziehen, wenn ich es lese, auch die Grenzen der Aussagen.

Grüße

Arne
Fliifi-Sepp
Beiträge: 871
Registriert: 30.11.2020, 13:37
Hat sich bedankt: 47 Mal
Danksagung erhalten: 275 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Ich habe die Studie genau durchgelesen und befreundete Fischerei-Biologen um deren Einschätzung gebeten. Alle kontaktierten Biologen haben die Studie gekannt und sind der Meinung, daß diese korrekt durchgeführt wurde und Ergebnisse für sie nachvollziehbar sind.

Aus diesen Gesprächen mit den Biologen haben sich einige für mich interessante Erkenntnisse ergeben:
Der federführende Wissenschaftler dieser Studie ist persönlich bei den anderen Biologen bekannt und selber aktiver Fliegenfischer.
Die Studie soll den Otter nicht relativieren oder rehabilitieren, sondern liefert den Interessen-Vertretern der Fischer hevorragende Argumente, weil sie dokumentiert, daß der Otter eben nicht nur Fische frisst, sondern ein nicht unerheblicher Teil seiner Beute Amphibien und sogar Vögel sind. Der Stellenwert von Fischen ist vielleicht bei verschiedenen Naturschutzverbänden nicht sehr hoch und diese werden oft nur als Nahrung für fischfressende Vögel und Otterer gesehen. Aber genau diese Verbände beklagen den Rückgang von Amphibien und Vögeln. Der Otter geht sicher nicht an einem leicht zu erbeutenden Frosch vorbei, oder an einem Gelege mit Eiern oder Jungvögeln. Das betrifft auch Flussuferläufer (für den werden bei uns Kiesbänke gesperrt) oder Gänsesäger.

Und genau deshalb ist die Studie gut!

Die Losungen für diese Studie wurden im Frühjahr und im Herst eingesammelt. Und dann führt das genau zu diesem Ergebnis.

Wenn die Losungen im Winter eingesammelt worden wären, dann würden Amphibien und Vögel praktisch keine Bedeutung im Beutespektrum spielen. Denn dann fressen Otter tatsächlich weitaus überwiegend Fische.
Aber wäre das tatsächlich eine Erkenntnis, die uns Fischer in der Argumentation für eine Otter-Entnahme weiterhelfen würde?

LG Sepp
Michl
Beiträge: 522
Registriert: 14.10.2007, 11:43
Wohnort: Binswangen
Hat sich bedankt: 95 Mal
Danksagung erhalten: 179 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Michl »

Hallo Arne,
diese These ist sicher grundsätzlich richtig.
Kann ich auch als Nicht-Biologe nachvollziehen.
Aber was hier fehlt, ist der Einfluss des Menschen auf das gesamte System.
Wenn beispielsweise aufgrund Flurbereinigung und Entwässerung keine Laichgewässer für Amphibien in ausreichender Zahl vorhanden sind frisst der Otter keine Frösche.
Wenn keine Schermäuse mehr da sind wegen Lebensraumveränderungen fällt das auch weg, ebenso Teichhühner, Enten und andere Wasservögel.
Weil er eben nimmt was er kriegt sind dann die Fische die überwiegende Nahrungsquelle.
Und das schadet den Beständen schon.
Und wenn die "gehegten und gepflegten" oder besetzten Bestände an Forellen dezimiert werden ist die Aufregung ( zu Recht??) groß.
Ist wie bei allen "Rückkehrern" unter den Predatoren, der Lebensraum hat sich seit dem Verschwinden verändert unter dem Einfluss des Menschen, und das nicht zum Positiven.....
Zudem sind sie aus dem Bewusstsein und damit der Akzeptanz der heute lebenden Menschen verschwunden, werden also nicht als Teil der natürlich vorkommenden Fauna gesehen.

Wir haben seit etwa 10 Jahren wieder Uhus in der Umgebung, Anzahl steigend.
Nun sind einige Katzen verschwunden und ein Zwergdackel wurde angegriffen.
Manche Leute fordern schon, das die Vögel geschossen werden.......
Wo das Biotop stimmt, ist Deine Aussage vollkommen richtig.
Wo nicht wirds schwierig.

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
Hydra
Beiträge: 105
Registriert: 27.11.2024, 09:23
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hallo Michl,

o ganz rausgelassen habe ich das Thema Mensch gar nicht, es ist in Kleinigkeiten im Text versteckt. Natürlich hast Du Recht damit, dass der Mensch das Ganze durcheinander bringt. Da sollte man aber dann auch nicht den Otter bezichtigen, denn die Ursache ist dann eben der Mensch. Es könnte passieren, dass das was Du beschreibst in manchen Habitaten sogar passiert. Dann beschleunigt aber der Otter nur das, was wir begonnen haben. Über einen kurzen Zeitraum würde der Otter diesen Lebensraum ausbeuten, bis die Ressourcen nicht mehr reichen und dann verhungern. Da dieser Lebensraum dann nicht mehr in der Lage ist, einen Otter zu ernähren werden dann, insbesondere bei Besatz, die Bestände sehr schnell wieder wachsen. Das wäre dann auch eine der wenigen Situationen bei denen Besatz Sinn ergibt.
Das ist aber reine Theorie und spielt in der Praxis keine Rolle, denn der Otter ist ein "Rückkehrer", nachdem er fast ausgerottet war und wird nur Habitate besiedeln, deren Bestände sicher ausreichen. Wenn wir ein solches einigermaßen intaktes Habitat dann doch wieder zerstören, z.B. um einen vierspurigen Fahradweg anzulegen, damit jeder die tolle Renaturierung sehen kann, fällt es mir seeeeehr schwerden Otter dafür zu verdammen. Meiner Meinung nach ist das Modell "machet Euch die Erde Untertan" das Kernproblem, das nicht nur im christlichen Weltbild verankert ist. Hier rechtfertigt der Mensch jede Zerstörung und jede Ausrottung damit, dass der Mensch das Recht habe, alles für sich in Anspruch zu nehmen. Natürlich nur mit dem Recht des Stärkeren. Bei vielen ist die Tatsache, dass die Ressourcen begrenzt sind, dass wir den Wert von etwas erst erkennen, wenn wir es zersört haben, dass wir den Wert eine einzelnen Art in unserem Ökosystem nicht kennen, dass wir alles vernichten, was uns im Wege stehen könnte uvm., also zusammengafasst, dass wir realitätsfremd und kurzsichtig sind, noch nicht angekommen, obwohl das ganz gut belegt ist.
Wie Du schon gesagt hast, gilt dieser Effekt, dass wir sofort alles vernichten wollen, was unsere Kreise stört, leider für alle Rückkehrer, Wolf, Uhu, Bär, Otter, etc. Erst bejammern wir ihr verschwinden, dann bringen wir chon den ersten Rückkehrer wieder um. Daran sieht man auch, dass die Rückkehrer ein emotionales und kulturelles Problem sind, kein ökologisches. Zu diesem Thema ist für "Fliegenfischen" in diesem Jahr unter dem Arbeitstitel "Die Geister die wir riefen" ein Artikel von mir geplant.

Viele Grüße,

Arne
Beppo
Beiträge: 322
Registriert: 25.11.2012, 17:18
Hat sich bedankt: 74 Mal
Danksagung erhalten: 86 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Beppo »

Hallo in die Runde,
die Studie belegt was viele vermutet haben. Schön das dafür Geld da war. Studie hin, Realität her, die Teichwirte in der Lausitz, der Oberpfalz etc. haben da so ihre eigenen Studien gemacht und die sind teilweise erschreckend.
Was ist eigentlich die Quintessenz aus dieser Studie???
Gruß Beppo
Hydra
Beiträge: 105
Registriert: 27.11.2024, 09:23
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hi,

einige zentrale Punkte sind hier schon angesprochen worden.
- Otter fressen nicht nur Fisch, sondern je nach Verfügbarkeit auch Amphibien, Reptilien, Säugetiere, Vögel, Krebse und Insekten (insgesamt etwa 30%)
- die am häufigsten gefressene Tiergruppe in der Studie waren Frösche, nicht Fische.
- Salmoniden stellenden zweithöchsten Anteil an der Nahrung, wobei die Äsche in dieser Studie nicht als Nahrung des Otters vorkommt, was sich mit anderen Studien deckt. Dieser Punkt ist, gerade weil die anderen Salmoniden stark vertreten sind und die Äsche in zumindest einigen der untersuchten Gewässer vorkommt, sehr interessant und wird damit erklärt, dass Äschen ins Freiwasser flüchten, während Forellen im nächsten Unterstand in Deckung gehen (naja).

Nur die Frösche und die Salmoninden werden hier Gruppiert, die anderen Fische sind für jede Art einzeln erfasst. Das ist in sofern merkwürdig, als dass die Forellen (Bach- und Regenbogen) die einzigen Salmoniden im Revier darstellen, da die Äsche ja nicht gefunden wurde. Maränenverwandte kommen im Erzgebirge soweit ich weis nicht vor. Maifische und Lachse werden es wohl auch nicht bis ins Erzgebirge schaffen.

- nach den oben stehenden Gruppe (Frösche, Salmoniden) sind die am häufigsten gefundenen Arten Groppen, Schmerlen, Gründlinge, Rotaugen und Elritzen gefolgt von Barschen und Karpfen. Dabei ist die Zusammensetzung in den beiden untersuchten Gebieten (Tschechein und Sachsen) recht verschieden. In Tschechien fällt das Erzgebirge schnell in Niederungen ab, deshalb sind dort die Karpfenartigen stärker vertreten.
ZUsammenfassend steht der Opportunismus im Vordegrund. Otter fressen was sie kriegen können: Alles was langsam ist, häufig vorkommt und am besten in Unterstände flüchtet ist stark vertreten. Fische die ins Freiwasser flüchten, sehr schnell oder wendig sind, werden seltener erbeutet. Wie hier schon gesagt wurde, bekommt man die Amphibienliebhaber hier am einfachsten dazu Bejagungen zuzustimmen. Denn im tschechischen Teil der Untersuchungsregion sind diese mit etwa der Hälfte der Nahrung vertreten, im deutschen Bereich ersetzt die Groppe und die Salmoniden einen Teil der Frösche,

Für mich sind das die wesentlichen Erkenntnisse aus der Studie. Wenn andere hier noch andere Punkte als wichtig empfinden, bitte hier diese noch anmerken.

Grüße

Arne
Fliifi-Sepp
Beiträge: 871
Registriert: 30.11.2020, 13:37
Hat sich bedankt: 47 Mal
Danksagung erhalten: 275 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Hallo Beppo,

die Quintessenz habe ich in meinem Post vom 21.01. aus meiner Sicht schon dargestellt, das deckt sich weitest gehend mit den Ansichten von Arne.

Hallo Arne,

einen Punkt will ich gerne noch näher beleuchten:

Neben den "normalen" Nahrungsquellen stehen den Fischprädatoren auch Fischteiche in nicht unerheblichem Umfang zur Verfügung und suggerieren ein nahezug unendlich erscheinendes Nahrungsangebot, was zu einer unnatürlich hohen Populationdichte der Fischpredatoren führt.

Frieren aber in einem strengen Winter die Stillgewässer und Teiche zu, muss sich der ganze Predatorenbestand einer größeren Gegegend auf die wenigen nicht zugefrorenen Fließgewässer konzentrieren. Der entsprechend hohe Fraßdruck auf die Fischbstände der Fließgewässer kann dann schon zu Besorgnis erregenden Bestandseinbrüchen führen.

Aus meiner Sicht wäre eine Prädatorendichte bis zu einem Unfang richtig, die auch in der beschriebenen Situation die Fischbestände der Fließgewässer nicht zu sehr schädigt?

LG Sepp
Hydra
Beiträge: 105
Registriert: 27.11.2024, 09:23
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hi Sepp,

in der Regel sollte auch das kein echtes Problem darstellen. Zunächst frieren solche Teiche nur selten und dann auch nur für einige Tage bis wenige Wochen vollständig zu. Teiweise zugefrorene Teiche und Seen werden vom Otter sicher weiter genutzt, den Teiche it wenge strukturiertem Grund machen die Jagd einfach. Sollte das trotzdem mal vorkommen, denke ich, dass ein gesunder Bestand diese kurzfristige Mehrbelastung problemlos übersteht. Falls doch ein Schaden entsteht, werden die Lücken innerhalb einer Saison wieder gschlosen, denn wegen der geringeren Konkurrenz werden mehr Jungfische überleben.
Wie auch bei zum Beispiel Schaafen, denke ich, dass die Haltung und Zucht von Tieren das Problem darstellen, nicht der Predator. Schaafe gehören nicht auf engem Raum eingezäunt, zumindest nicht dort, wo Wölfe vorkommen. Wenn doch, dann braucht man Schutzhunde, die bei den Schaafen leben und die Wölfe fernhalten. Die meisten schlimmen Vorfälle mit dem Wolf kommen dadurch zu Stande, dass die Schaafe in Panik geraten und der Wolf in der Folge auch. Die Fischzuchtteiche sind ebenso wie ein Buffet für Kormorane, Otter, Fischadler und andere.

Klar wäre es eine gute Lösung Bestände sowohl von Predatoren als auch von anderen Tieren (z.B. Reh, Wildschwein, Neozooen) und Pflanzen (z.B. Neophyten) effizient zu Regulieren. Leider sind wir dazu aus vielen Gründen nicht in der Lage und wir können auch nicht wirklich gut beurteilen, was wann "zu viel" ist, Bei Bruno dem Bären war ja schon ein Individuum zu viel für viele Menschen. Da wir in Deutschland gerade in der Jagd (und der Fischerei) im Prinzip noch im Feudalismus leben, also ein in der Regel begüterter Mensch ein Jagdrevier nach Lust und Laune bewirtschaftet, kein vernünftiges wissenschafftliches Monitoring stattfindet und grosser gesellschaftlicher Druck auf "alles umbringen was stören könnte auch wenn es keine vernünftigen Beweise gibt" sehe ich da keine Chance. Einfach Abschüsse ohne Bestandserfassung und Monitoring zu genehmigen, halte ich für falsch und mit so einem halbseidenen Mist wie "Vergrämungsabschüssen" kann man nichts erreichen. Das befriedigt höchstens den Rachedurst der Ahnungslosen. Beim Beispiel Kormoran, wo im Grunde in der Wissenschaft Einigkeit besteht, dass es im Binnenland viel zu viele gibt und dadurch z.T. große Schäden an den Popolationen geschützter Fischarten nachgewiesen werden konnten, könen wir sehen, dass wir in Deutschland weder politisch, noch gesellschaftlich oder auch nur von den Mitteln her in der Lage sind eine echte Bestandregulation umzusetzen. Für uns ist der Besitz und die Bequemlichkeit der einzge nennenswerte Faktor nach dem wir handeln. Frisst der Otter Fische die in der fn Natur leben juckt das keinen. Erst wenn ein kommerzieller (Fischzucht-)betrieb Schäden zu verkraften hat, reagieren wir, dann sind Abschüsse auf einmal kein großes Problem.

Grüße

Arne
Benutzeravatar
MahiMahi
Beiträge: 798
Registriert: 17.01.2020, 09:14
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 262 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von MahiMahi »

Liebe Kollegen,

Seen frieren im Moment nicht nur ein paar Tage zu, bei uns sind sie schon seit Wochen zugefroren.
Kormorane in nicht zu schätzender Anzahl besiedeln unsere Bäume ums Flüssle.
Wir haben seit Jahren keine Forellen mehr besetzt und hatten bis letztes Jahr eine natürliche Nachkommenschaft
die richtig Freude bereitete. Damit ist es nun vorbei! Es sind keine Fische mehr auszumachen.
Ist es das was erreicht werden soll? Nichts wird passieren. Wenn ich nur die Meinung von BUND und Nabu dazu höre
wird mir... ja lassen wir es einfach!
Ade geliebte Äschen, ade geliebte Farios es war schön euch in diesem Gewässer gehabt zu haben.

...
chrissie1971
Beiträge: 196
Registriert: 28.09.2006, 20:56
Wohnort: Dinkelscherben
Hat sich bedankt: 37 Mal
Danksagung erhalten: 45 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von chrissie1971 »

Hallo Harry,

ganz so pessimistisch wäre ich jetzt nicht, zumindest nicht bei den Bachforellen.
Wenn Ihr einen natürlichen Bestand habt, sollten sich die Forellen den Kormoranen zumindest ein Stück weit entziehen können.
Bei den Äschen sieht es vermutlich deutlich schlechter aus.
An meinem Jahreskartengewässer sind die Äschen noch Ende Dezember fleissig gestiegen und ich konnte mehrere Äschen mit der Trockenfliege fangen. Gut zwei Wochen später - nachdem die umliegenden Seen zugefroren sind - habe ich außer ein paar Barben und Aiteln keine Fische mehr gesehen.
Aber selbst hier habe ich die Hoffnung, dass sich ein paar Äschen in tiefere Bereiche zurückgezogen haben.
Im Januar und Februar ist die Zahl der Fische, die ich (man) im Wasser sieht, eh meist ziemlich gering.
Ich hoffe, dass sich der Schaden im April/Mai dann doch nicht so hoch zeigt...

Wir werden sehen und bis dahin bleibt - zumindest bei mir - die Hoffnung, dass es doch nicht so schlimm kommt!

Grüße
Christian
Michl
Beiträge: 522
Registriert: 14.10.2007, 11:43
Wohnort: Binswangen
Hat sich bedankt: 95 Mal
Danksagung erhalten: 179 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Michl »

Beppo hat geschrieben: 22.01.2026, 09:17 Hallo in die Runde,
die Studie belegt was viele vermutet haben. Schön das dafür Geld da war. Studie hin, Realität her, die Teichwirte in der Lausitz, der Oberpfalz etc. haben da so ihre eigenen Studien gemacht und die sind teilweise erschreckend.
Was ist eigentlich die Quintessenz aus dieser Studie???
Gruß Beppo
Hallo Beppo,
wenn die Studie belegt was viele vermutet haben ist die Essenz ja klar, eben das was die Studie belegt.
Ein Teich ist definitiv eine andere Nummer.
Vor vielen Jahren war ich mal in der Heide im Urlaub, Fliesgewässer vor der Tür, super für mich, Mischgewäser mit Salmoniden, Weissfischen, Barschen und Hechten.
Und ein recht übersichtlicher Teich der zu dem Hofgut gehörte an dem unser Ferienhäuschen stand.
In den Teich hatte vor unserer Ankunft der Hofbesitzer 50 kg Rainis gesetzt, es war der Beginn der Saison.
Unsere Kinder wollten auch angeln, daher ging ich mit ihnen zum Teich.
Nix. Kein Biss.
Hab alles probiert, aber lediglich kleine Rotaugen an den Haken bekommen.
2 halbe Forellen lagen am Ufer.
Beim zweiten Versuch, früh am Morgen, haben wir 2 Otter gesehen die den Teich abgesucht haben.
Den haben die komplett geleert!
Es ist so wie Arne schreibt, leichte Beute wird bevorzugt.
Der Heidebach daneben wurde in der Zeit sozusagen geschont.
Tiere müssen Oportunisten sein, sonst verbrauchen sie zuviel Energie, deshalb wird leichte Beute bevorzugt.
Ein gedeckter Tisch in Form eines Teiches voller Fische wird von allen Fischfressern gerne angenommen.
Das ist kein Masstab für Fliesgewässer.
Die Rückkehr von Arten die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte verschwunden waren bringt in unserer Kulturlandschaft natürlich Probleme auf. Die sollten aber zu lösen sein.
Eine Bejagung bei hohen Beständen gehört meiner Meinung nach ganz klar dazu.
Ob Otter diese Dichte erreicht haben kann ich nicht beurteilen, glaube es aber nicht.
Der Biber hat diese aber, zumindest stellenweise definitiv erreicht, meiner Meinung nach.
Und der Kormoran ist schon lange überfällig.
Das wird sicher spannend in nächster Zeit......

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
Beppo
Beiträge: 322
Registriert: 25.11.2012, 17:18
Hat sich bedankt: 74 Mal
Danksagung erhalten: 86 Mal

Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Beppo »

Hallo in die Runde, hallo Michl,
hier geht es nicht um "meiner Meinung nach ..." und "es müsste ...". Die Studie ist eine Feststellung über den Istzustand. Welche Konsequenzen ergeben sich also daraus, werden diese umgesetzt, sind diese überhaupt umsetzbar usw.?
Übrigens dem Otter ist es völlig egal ob er sich in einem Teich bedient, oder in einem Fließgewässer. Der Unterschied, in einem Teich habe ich einen genauen Überblick über die Verluste, in einem Fließgewässer ist dies schon schwieriger.
Ob Otter, Kormoran, Fischreiher, Gänsesäger, ....., wo fängt man an, wo hört es auf. Interessant wäre hier zu erfahren wie die Vertreter der deutschen Anglerschaft(Präsidium) dazu stehen, ob es diesbezügliche Initiativen im EU-Parlament, oder in den einzelnen Bundsländer gibt. Die Jäger haben es geschafft das jetzt der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wurde. Die Angler ...???
Gruß Beppo
Antworten