Hallo,
ich bin im Präsidium des Verbands Hessischer Fischer, auch wenn ich seid einigen Jahren nicht mehr sehr aktiv bin. Die wenig wirksame Öffentlichkeitsarbeit und politische Einflussnahme bzw. die Art und Weise, wie das gemacht wird, finde ich zu kurz gesprungen, weshalb ich meinen Aufwand dort reduziert habe. Natürlich kann man im Verband die gleichen Meinungen und Ansätze hören wie hier. Im Vergleich zu den Jägern ist die Anglerkommunity aber extrem divers, was man auch hier im Forum öfter merkt, obwohl das Spektrum der Meinungen bei den Fliegenfischern vieeeeel geringer ist als über alle Angler betrachtet. Natürlich versucht unser Verband, wie auch die anderen Anglerverbände, rechtliche Rahmenbedingungen zu verbessern. Das zeitigt auch große Erfolge. Das neue hessische Fischereirecht sei hier genannt. Hier wurden große Fortschritte z.B. in Richtung Catch&Release durch den Verband erreicht und der Fußabdruck der Angler ist deutlich zu sehen. Im Fall Kormoran haben wir in Deutschland eine Sondersituation mit sehr starken Ornithologenverbänden, die politische eine stärkere Position haben als wir. Trotzdem herrscht eben auch in der Anglerschaft keine Einigkeit bei vielen Themen und, wie wir auch in diesem Faden hier sehen, wird eben sehr schnell nach Abschüssen, Bestandsregulierung etc. gerufen. Füt Aussenstehende wirkt das sehr blutrünstig und parallel fehlt die wissenschaftliche Basis für faktenbasierte Entscheidungen. Überlegt Euch mal, wie dieser Faden hier von uninformierten Lesern wargenommen würde: Kormoran, Gänsesäger, Otter, : alles abschießen, am besten ausrotten, wäre die Botschaft die mitgenommen wird. Echte Fakten: Fehlanzeige, wissenschaftliche Untersuchungen: abgelehnt und durch eigene Meinung ersetzt. So wird man sicher nicht gehört. Auch die Szenarien, die hier dargestellt werden sind zum Teil recht weit von der Realität entfernt. Da haben wir den ersten Winter in dem See länger zufrieren seit Dekaden, schon wird das Ende der Fischpopulationen als unabwendbar deklariert. Ich sehe meist zwischen Dezember und März kaum mal eine Äsche und auch nur selten Mal eine Forelle. Die stehen sehr tief und sie bewegen sich kaum, daher fange ich auch viel seltener etwas. Zwischen März und Dezember bin ich an der Mümling seit zehn Jahren nie Schneider geblieben, Zwischen Dezember und März läuft es sehr zäh. Ich bin mir aber ganz sicher, dass die Fische da sind und ich sie in der kommenden Saison wieder öfter im Kescher habe. Solange Kormorane da sind, sind es auch die Fische, das gleiche gilt für Otter. Jeder Art ist anders zu bewerten. Diejenigen Arten, die früher im Revier heimisch waren, werden in Fließgewässern nicht in der Lage sein, dauerhaften Schaden an den Fischbeständen anzurichten und werden im Gegenteil zu besseren Beständen führen, gerade in der Situation, in der sie gerade wieder Fuß fassen und nur selten vorkommen. Bei rein künstlichen Gewässern, die eben kein natürliches biologischen Gleichgewicht habe, können die Schäden gravierend sein. Hier sollte aber auch hinterfragt werden, ob eine solche Form von Teich überhaupt einen ökologischen Sinn erfüllt oder nur zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient.
Der Kormoran ist ein ganz anderes Ding. Er kam früher im Binnenland nur auf der Durchreise vor (siehe in den Schriften von Konrad Lorenz). Nachdem der Mensch seine natürlichen Nahrungsquellen (Hering, Stint) in Nord- und Ostsee fast vollständig vernichtet hat, ist er gezwungen ins Binnenland auszuweichen. Abschüsse in bestandsregulierendem Umfang bekommen wir nicht umgesetzt. Da hilft kein Jammern und kein Schimpfen. Es gäbe aber eine Alternative über die hier leider niemand redet, nämlich die eigentliche Ursache anzugehen und die Bestände von Hering und Stint besser zu schützen. Dafür müsste die kommenzielle Befischung beendet werden und Fanglimits für Angler eingeführt werden. Ein Angler, der Kormoranabschüsse fordert und die kommerzielle Fischerei verbieten möchte aber selber Kühlboxenweise Heringe nach Hause schleppt, ist nicht glaubwürdig, sondern beweist seinen Egoismus nach dem Motto: Alle Fische gehören mir, ich teile nicht und nehme so viel wie ich kriegen kann mit dem üblichen "sonst rechnet sich das Angeln ja nicht". Genau diese Art von Kommunikation verhindert wirksam dass ein Politiker oder die Presse unsere Themen aufnimmt. Da ist die Öffentlichkeitsarbeit der (anderen) Naturschutzverbände um Lichtjahre voraus und deshalb wird es bei uns nicht Mal im Fall Kormoran nennenswerten Abschuß geben, obwohl die EU von allen Mitgliedern das Monitoring und die Bestandsregulation fordert und die wissenschaftlichen Beweise für große Schäden an Fischpopulationen bedrohter Arten in der Wissenschaft unumstritten sind. Wie bei anderen Umwelschutzmaßnahmen auch, setzt Deutschland das einfach nicht um, wie auch die Gewässerrahmenrichtlinie.
Viele Grüße
Arne
Was der Fischotter im Erzgebirge frisst
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Michl
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst
Hallo Beppo,
Ich kann nur meine Meinung von mir geben, was anderes hab ich nicht.
Und die bilde ich mir aufgund der mir vorliegenden Informationen.
Der Otter wird immer leichte Beute bevorzugen, also zuerst einen vollen Teich besuchen bevor er den Aufwand im Fliesgewässer betreibt.
Wenn ein Maisfeld da ist bleiben die Sauen ned im Wald.
Was die Einschätzung der Verluste angeht hast Du recht.
Ich tendiere da aber schon zu Arnes Haltung, klingt für mich schlüssig, allerdings ohne das ich dazu Erfahrung habe.
Und wenn Du wissen willst was der Verband in dem Bereich macht dann stelle eine Anfrage oder lies die entsprechenden Programme und Infoblätter.
Da wirst Du an Informationen kommen auf die eine oder andere Weise.
Ob Dir gefällt was zu erfahren ist wage ich aufgrund der bisherigen Beiträge zu bezweifeln.
Gruß Michl
Ich kann nur meine Meinung von mir geben, was anderes hab ich nicht.
Und die bilde ich mir aufgund der mir vorliegenden Informationen.
Der Otter wird immer leichte Beute bevorzugen, also zuerst einen vollen Teich besuchen bevor er den Aufwand im Fliesgewässer betreibt.
Wenn ein Maisfeld da ist bleiben die Sauen ned im Wald.
Was die Einschätzung der Verluste angeht hast Du recht.
Ich tendiere da aber schon zu Arnes Haltung, klingt für mich schlüssig, allerdings ohne das ich dazu Erfahrung habe.
Und wenn Du wissen willst was der Verband in dem Bereich macht dann stelle eine Anfrage oder lies die entsprechenden Programme und Infoblätter.
Da wirst Du an Informationen kommen auf die eine oder andere Weise.
Ob Dir gefällt was zu erfahren ist wage ich aufgrund der bisherigen Beiträge zu bezweifeln.
Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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drehteufel
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst
Hallo Arne,Hydra hat geschrieben: ↑23.01.2026, 11:55 Solange Kormorane da sind, sind es auch die Fische, das gleiche gilt für Otter. Jeder Art ist anders zu bewerten. Diejenigen Arten, die früher im Revier heimisch waren, werden in Fließgewässern nicht in der Lage sein, dauerhaften Schaden an den Fischbeständen anzurichten und werden im Gegenteil zu besseren Beständen führen, gerade in der Situation, in der sie gerade wieder Fuß fassen und nur selten vorkommen. Bei rein künstlichen Gewässern, die eben kein natürliches biologischen Gleichgewicht habe, können die Schäden gravierend sein. Hier sollte aber auch hinterfragt werden, ob eine solche Form von Teich überhaupt einen ökologischen Sinn erfüllt oder nur zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient.
Der Kormoran ist ein ganz anderes Ding. Er kam früher im Binnenland nur auf der Durchreise vor (siehe in den Schriften von Konrad Lorenz). Nachdem der Mensch seine natürlichen Nahrungsquellen (Hering, Stint) in Nord- und Ostsee fast vollständig vernichtet hat, ist er gezwungen ins Binnenland auszuweichen. Abschüsse in bestandsregulierendem Umfang bekommen wir nicht umgesetzt. Da hilft kein Jammern und kein Schimpfen. Es gäbe aber eine Alternative über die hier leider niemand redet, nämlich die eigentliche Ursache anzugehen und die Bestände von Hering und Stint besser zu schützen. Dafür müsste die kommenzielle Befischung beendet werden und Fanglimits für Angler eingeführt werden. Ein Angler, der Kormoranabschüsse fordert und die kommerzielle Fischerei verbieten möchte aber selber Kühlboxenweise Heringe nach Hause schleppt, ist nicht glaubwürdig, sondern beweist seinen Egoismus nach dem Motto: Alle Fische gehören mir, ich teile nicht und nehme so viel wie ich kriegen kann mit dem üblichen "sonst rechnet sich das Angeln ja nicht". Genau diese Art von Kommunikation verhindert wirksam dass ein Politiker oder die Presse unsere Themen aufnimmt. Da ist die Öffentlichkeitsarbeit der (anderen) Naturschutzverbände um Lichtjahre voraus und deshalb wird es bei uns nicht Mal im Fall Kormoran nennenswerten Abschuß geben, obwohl die EU von allen Mitgliedern das Monitoring und die Bestandsregulation fordert und die wissenschaftlichen Beweise für große Schäden an Fischpopulationen bedrohter Arten in der Wissenschaft unumstritten sind. Wie bei anderen Umwelschutzmaßnahmen auch, setzt Deutschland das einfach nicht um, wie auch die Gewässerrahmenrichtlinie.
Viele Grüße
Arne
bedeutet das im Umkehrschluss, dass es an der Küste keine/weniger Kormorane gibt und sich diese nur ins Binnenland verlagert haben, die Gesamtzahl von früher also in etwa gleich ist?
Das bezweifle ich stark oder gibt es Belege dazu?
Meiner Meinung nach hat sich der Vogel durch absolut überzogenen Schutz in Gebiete ausgebreitet, in die er nicht gehört und deren Bewohner sein zeitweise massenhaftes Auftreten auch nicht verkraften und deren Fluchtmechanismen gar nicht auf diese Bedrohung eingestellt sind, siehe z.B. die Bäche in Sachsen-Anhalt und deren Äschenpopulationen.
Daher gehört er für mich im Binnenland konsequent bejagt und über die Dezimierung der Gelege nachhaltig auf eine erträgliche Zahl gebracht.
Ich bin der Meinung, dass es selbst in der Binnen-Anglerschaft viel zu viele Kormoran-Befürworter und -Lobbyisten gibt. Und so lange das so ist, haben die Binnengewässer und deren Bewohner ganz schlechte Karten, auch wenn es nur einmal in der Dekade ist.
Sorry, aber ich bin echt sprachlos.
Gruß,
Marco
- MahiMahi
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst
drehteufel hat geschrieben: ↑24.01.2026, 10:00 Daher gehört er für mich im Binnenland konsequent bejagt und über die Dezimierung der Gelege nachhaltig auf eine erträgliche Zahl gebracht.
Ich bin der Meinung, dass es selbst in der Binnen-Anglerschaft viel zu viele Kormoran-Befürworter und -Lobbyisten gibt. Und so lange das so ist, haben die Binnengewässer und deren Bewohner ganz schlechte Karten, auch wenn es nur einmal in der Dekade ist.
Genau so ist es!
LG
Harry
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Hydra
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst
MahiMahi hat geschrieben: ↑24.01.2026, 11:15Hallo Marco, hallo Harry,drehteufel hat geschrieben: ↑24.01.2026, 10:00 Daher gehört er für mich im Binnenland konsequent bejagt und über die Dezimierung der Gelege nachhaltig auf eine erträgliche Zahl gebracht.
Ich bin der Meinung, dass es selbst in der Binnen-Anglerschaft viel zu viele Kormoran-Befürworter und -Lobbyisten gibt. Und so lange das so ist, haben die Binnengewässer und deren Bewohner ganz schlechte Karten, auch wenn es nur einmal in der Dekade ist.
Genau so ist es!
LG
Harry
ich teile diese Ansicht und es gibt dafür viele gute Gründe, die (ausserhalb von Deutschland) auch gesehen werden. Viele europäische Länder machen das auch so.
Zur Anzahl der Kormorane: Das heisst nicht automatisch, dass die Anzahl gleich geblieben ist. Die Verlagerung der Kormoranpopulationen findet seit einigen Jahrzehnten statt und fällt zeitlich mit den Bestandseinbrüchen von Stint und Hering zusammen. Über die Generationen haben sich die Vögel durch den genannten Nahrungsmangel immer weiter die Flüssen entlang ins Binnenland verbreitet und an die neuen Bedingungen angepasst. Dabei hat sich eine Unterart (Phalacrocorax carbo sinensis) ins Binnenland ausgebreitet aber nicht die ursprünglich an den Küsten beheimatete Unterart Phalacrocorax carbo carbo. Die Abgrenzung von Unterarten ist eine umstrittene Angelegenheit, weist aber in diesem Fall deutlich daraufhin, dass sich diese Unterarten sich eben durch die Verlagerung ins Binnenland in eine eigene Art entwickelt. Die Gesamtanzahl der Kormorane ist heute deutlich niedriger, als vor 200 Jahren. Es gibt eine Studie, die den Verlust von Fischbiomasse im Rhein im Vergleich zu der Zeit vor der Begradigung des Rheins (1817 - 1876) durch Tulla auf etwa 94% beziffert. Im Meer ist es ähnlich. Wir haben einfach nicht mehr viel Fisch und haben auch sehr wenige Binnengewässer. Deshalb sind ja auch die Verluste, die wir heute erleben viel schlimmer, denn viele Fischarten sind schon in ihren Beständen schwer angeschlagen. In Nord- und Ostsee leben heute mit Sicherheit viel weniger Kormorane und Gänsesäger als damals.
Trotzdem sind Deine Aussagen alle richtig: wir haben nichts dagegen unternommen, dass diese Ausbreitung stattfindet, die wir durch unseren Eingriff in die ursprünglichen Lebensräume erst herbeigeführt haben. Zunächst mit guten Gründen, denn der Kormoran war in den 50er - 70er Jahre vom Aussterben bedroht (ca. 5000 Brutpaare in Europa). Dann kamen die genannten Schutzmaßnahmen, die aber nichts für Stint und Hering beinhalteten. Seither wachsen die Bestände wieder, vor allem im Binnenland. In den anderen europäischen Ländern wird der Kormoran im Bestand reguliert.
Ich halte Bestandsregulierungen bei einigen Arten für absolut sinnvoll, ja notwendig. Kormoran, Signalkrebs, Nutria, Waschbär, die Grundeln, Riesenbärenklau, Riesenknöterich, Indisches Springkraut uvm sollten als Neozoon und-phyten reguliert bzw. zurückgedrängt werden. Auch heimische Arten, die durch unser Verhalten Vorteile erlangten und sich unreguliert ausbreiten, bis sie andere Arten verdrängen, sollten im Bestand reguliert werden.
Ich teile auch einen gewissen Pessimismus und bin zornig auf die Politik, die alles was in und am Wasser stattfindet ignoriert, solange es nicht um Vorteile für Großkonzerne geht. Auch die Bevölkerung teilt dieses Desinteresse und labert endlos davon wie wichtig Wasser für das Leben ist, schert sich aber nicht im geringsten darum. In der Mümling kann man den ganzen Tag in der Innenstadt fischen und wird von niemandem bemerkt. Ganz hinten hinter dem finstersten Eck im Garten, den Müllkontainern der Unternehmen, da fliesst sie und keiner schaut da rein. Klar, da liegen überall Gartenabfälle und gerne schmeisst man auch mal seinen Müll da rein, es liegt ja schon viele drin, da fällt das ja nicht auf. Ich kenne eine Stelle in der Innenstadt von Erbach, da werden pro Jahr etwa 700 Underberg-, 365 Wein- und ein 365er Satz Jacki Cola reingeworfen. Die Polizeiwache ist 50m weit weg. Die Jungs stehen auf der Brücke und schmeissen alles rein. Wenn man sie anspricht wandern die Flaschen von heute im Mülleimer, der 5m weiter weg steht, am nächsten Tag landen sie wieder im Wasser.
Wir müssen aber realistisch bleiben und statt zu schimpfen schauen, wie und was wir verbessern können. Da bin ich der Meinung, dass wir nicht genug Reichweite haben um diese Regulierungen zu erreichen. Wir können aber bei uns direkt am Wasser die Bedingungen verbessern und es dem Kormoran so schwer wie möglich machen und gleichzeitig die für die Fische zu verbessern. Wir können statt stolz eine große tote Forelle in die Kamera zu halten, Bilder davon in die lokale Presse bringen, wie wir Kiesbetten anlegen oder Forellen- und Äschenbesatz machen.
Sorry für den Ton, ich musste mich mal ein bisschen abarbeiten und habe niemanden hier im Forum gemeint.
Grüße,
Arne






