Das Mysterium der gezogenen Vorfächer

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Trockenfliege
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Das Mysterium der gezogenen Vorfächer

Beitrag von Trockenfliege »

In einem anderen Thread
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geht es um die Steifigkeit von Polyleadern und es wurde über kleine Unterschiede und ihren Einfluss geschrieben.
Aber es erinnerte mich an meine eigenen Erfahrungen bei der vermehrten Nutzung von gezogenen Vorfächern.

Jahrzehntelang habe ich außschliesslich selber geknotet und war dadurch natürlich genau über den Aufbau meines Vorfaches im Bild.
Wie ist das aber bei gezogenen Vorfächern?
Der Spitzendurchmesser ist immer bekannt, aber schon der Buttdurchmesser wird eher selten angegeben - ganz zu schweigen vom Taperverlauf.
Als ich vermehrt auf gezogene V. umgestiegen bin, habe ich deutliche Unterschiede bei den verschiedenen Herstellern festgestellt und ich habe mal einige vermessen.
Beim Selberknoten habe ich meistens mit +- 0,50er begonnen und bin bei der Verjüngung mehr oder weniger nach Ritz vorgegangen.
Die Buttsektion variere ich nicht sehr stark, da auch die Fliegenschnurspitzen recht ähnlich sind, unabhängig von den Schnurklassen. Eine 3er endet vielleicht mal auf 0,95mm und die 6er auf 1,05.

Wie sieht das aber bei den Gezogenen aus?
Bei den schon älteren Jenzivorfächern sind auch immer die Buttdurchmesser angegeben. Sie variieren von 0,24 für die 12er Spitze über 0,40 bei der 20er Spitze bis 0,48 für das 0,24er. Welche Logik steckt da dahinter?? Die Fliegenschnurspitzen sind doch eher ähnlich!
Jetzt gabs von Jenz auch geknotete Vorfächer, auch von 0,12 - 0,25 Spitzendurchmesser. Aber der Butt beginnt bei allen mit 0,45! Logik?

Auch die parallelen Spitzenlängen sind bei gleicher Vorfachlänge sehr unterschiedlich lang: Beim 2,8m langen Stroft ist dieser Teil gerade mal 40cm lang, beim Speedline dagegen macht der Spitzenteil die Hälfte des Vorfachs aus!
Dafür ist die Verjüngung von 0,40 auf 0,20 beim Speedline gerade mal 20cm!! lang, beim Stroft sind es ungefähr 1m.

Gezogene V. fangen bei manchen Firmen generel mit 0,45 an - bei anderen mit 0,60. Wieviel macht das aus in der Praxis?
Dazu kommen vielleicht noch unterschiedlich steife Materialien.
Lange Rede....
Ich habe schon so manche Merkwürdigkeiten bei Gezogenen erlebt und verwende heute am liebsten die von Stroft, vor allem die 3,75m langen.
Aus denen schneide ich mir dann durch Kürzen von vorne und hinten was passendes zurecht.
Bei anderen Firmen habe ich auch mal die für mich zu dünne Buttsektion durch ein zusätzliches Stück 0,50 ergänzt.
Ihr seht, nicht nur mit den Fliegenschnüren kann man seine Überraschungen erleben.

Zum Vermessen von Schnüren aller Art verwende ich seit 35 Jahren ein sogenanntes Haarmeßgerät. Das findet Verwendung beim Friseur und jeder Auszubildende muss sich eins zulegen. Da es Nach der Ausbildung eigentlich nicht mehr verwendet wird, kommen die günstig auf den Markt und kosten dann noch ca. 25 - 30E anstatt 100,- Neupreis. Mit dem Teil lassen sich auch sehr gut Fliegenschnüre vermessen.

LG
Reinhard
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Fliifi-Sepp
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Re: Das Mysterium der gezogenen Vorfächer

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Hallo Reinhard,

ja, da kann man schon nachdenklich werden! Habe die Jahrzehnte über viel mit Vorfächern experimentiert. Bei selbst geknüpften Vorfächern kann ich die Ausführungen von Flechsig/Pallot im Kanal Mad River Outfitters voll bestätigen, daß die Biegekurven von Fliegenschnur und Butt-Section gleich sein sollten:
https://www.youtube.com/watch?v=l0tDLthd_hg

Bei den Abstufungen der weiteren Durchmesser gibt es verschiedenste Formeln, die je nach gewünschter Methode einsetzbar sind. Die Ritz-Formeln waren mir aber immer zu kompliziert zu knüpfen. Ich bevorzuge einfachere Formeln mit drei oder vier Sektionen und diese funktionieren für mich sehr gut.

Bei den fertigen knotenlos gezogenen Vorfächern sind wir uns einig. Da verwende ich auch die 3,75 m langen Vorfächer von Stroft für das Fischen mit Trocken- und Naßfliege mit Vorfachspitze 0,17 mm. Kürze oder verlängere diese ebenfalls nach Bedarf. Meist fische ich mit Trocken- und Naßfliege erst mal die 0,17er Spitze ein paar Fliegenwechsel und knüpfe dann ein 0,16er Tippet GTM Stroft an. Dünner gehe ich in der Regel nicht. Brauche ich auch nicht. Selbst an einem renommierten Kreidefluß in England habe ich Ende der Saison damit sehr gut gefangen, obwohl alle mir sagten, daß man dort nur mit 0,08 bis max. 0,12 mm Tippet Fische fangen könnte. Meine Erfahrung war, daß man mit so dünnem Zeug Fische ab einer passablen Größe eher plombieren oder totdrillen kann. Und ich habe und fische durchaus einige Ruten, denen man "Vorfachschonend" zuschreiben würde.

Die Stroft-Vorfächer kommen dem schon sehr nahe, was ich mir für das praktische Fischen vorstelle, auch wenn aus meiner Sicht die Butt-Section je nach Fliegenschnur-Ende meist etwas überdimensioniert ist.

Aber da wird es sicher verschiedenste Meinungen dazu geben. Je nach persönlichen Vorlieben und Gewässer-Situationen haben diese natürlich auch ihre Berechtigung.

LG Sepp
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Thomas E.
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Re: Das Mysterium der gezogenen Vorfächer

Beitrag von Thomas E. »

Trockenfliege hat geschrieben: 06.06.2026, 18:21 Dazu kommen vielleicht noch unterschiedlich steife Materialien.
Moin,

die Steifheit hat mich nie interessiert, zu steife Butt- Teile wirken sich aber nachteilig aus.
Das war ja der Grund, Polyleader anzubieten.

Dyneema ist super weich und das Vorfach daraus streckt sich perfekt, weil es die benötigte Masse hat !

Bis Klasse 5/6 etwa nehme ich noch 0.50mm, ab Kl. 7/8 dann 0.60mm für den Butt- Teil (vom Maxima) und knote nach meinen Formeln runter.

Für die Küste sind gezogene, z.B. Stroft Vorfächer weger der fehlenden Knoten geeigneter.
Zuletzt geändert von Thomas E. am 10.06.2026, 08:08, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
Thomas Ellerbrock
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Re: Das Mysterium der gezogenen Vorfächer

Beitrag von drehteufel »

Hallo zusammen,

bei den meisten gezogenen Vorfächern sind mir die Butt-Teile zu dick.
Für meine Selbstgebauten nehme ich als Butt Maxima Chameleon so um die 0,40 mm und verjünge dann. Das passt von der Biegekurve perfekt zu den meisten Schnüren, ich fische aber nur bis maximal Schnurklasse 4 und kleinere Trockenfliegen.
An der Weißen Traun hatte ich letzte Woche ein Vorfach nach Harvey im Einsatz, das streckte sich perfekt bei 3,70 m Länge. Besteht allerdings auch aus 7 Segmenten, was mir im Normalfall schon zu viel Gefummel beim Selbstbauen ist.
Bei gezogenen Vorfächern gibt es welche von Maxima, deren Butt 0,44 mm dünn ist. Die finde ich auch gut.

Gruß,
Marco
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Re: Das Mysterium der gezogenen Vorfächer

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Hallo Marco,

grundsätzlich bin ich auch ein Fan von Maxima und verwende die Schnüre sehr gerne für selbst geknüpfte Vorfächer. Aber bei den kontenlos gezogenen mit der 0,44 mm Butt-Section haben die Spiten eine so geringe Tragkraft, daß ich die Spitze selbst bei einem 12 ft.-Vorfach sehr weit kürzen muß, daß die ein Tippet mit 0,16 mm GTM Stroft vertragen. Und darunter will ich einfach nicht gehen, da sind die zu erwartenden Fische in Verbindung mit den Strömungsverhältnissen einfach zu stark.

Beim Trockenfliegenfischen ist es übrigens in der Regel nicht sinnvoll, daß sich das Vorfach vollständig streckt, sondern die Fliege so aufkommt, daß sie eine gewisse Strecke frei driften kann.
Also sollte man das Vorfach entsprechend gestalten, oder seinen Wurfstil so anpassen, daß eine möglichst lange freie Drift der Fliege erreicht wird.

Da ich auch nicht fischend regelmäßig bei viel befischten Gewässern vorbei fahre und gerne Fliegenfischern zusehe, kann ich oft schon am Wurf oder beim Ablegen des Vorfaches absehen, wie wahrscheinlich der Fischer einen Fisch fangen wird. Meine Prognose diesbezüglich trifft in den meisten Fällen zu.
Manchmal kann man beim Zusehen mehr lernen, als wenn man selbst fischt.

LG Sepp
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