Da ich mich in nächster Zeit leider nicht zu Wort melden kann, hier noch einige Gedanken, die mir im Laufe des Sommers so durch den Kopf gegangen sind.
Besinnliche Gedanken zu unserer Passion!
PHILOSOPHISCHE BETRACHTUNG unserer Tätigkeit
die wievielte ?
Es war heuer im Sommer, mein Freund Thomas hatte eine Gastkarte für einen Gebirgssee ergattert und da ich zu diesem Zeitpunkt gerade einen Freund im Hause hatte, nahmen wir ihn mit. Es war wohl der schwärzeste Tag seines Anglerlebens, er war Programmierer bei einer großen Firma und wollte einfach Fische fangen.
Menschen die in erster Linie Fische fangen wollen, sind an einer Angelrute fehl am Platze, man könnte sie mit Kunstkennern vergleichen, die nur Farbe und Leinwand sehen und nicht das Gemälde.
Es muss einfach mal gesagt werden, dass viele unserer Zunft, welche Tage und Nächte an einsam und schwer zugänglichen Plätzen verbringen, es nervig finden, immer wieder bei ihrer Rückkehr gefragt zu werden:
Was hast Du gefangen?
Wie viele Fische und wie groß sind diese?
Warum fährst Du so weit, vergeudest nur Zeit und fängst dann nichts?
Es gibt eigentlich nur vier Typen von Anglern:
1. der Beutejäger, er strebt unter allen Umständen den Rekord an, man kann ihn in allen einschlägigen Magazinen sehen, wie er fast unter der Last des gefangenen Rekordfisches zusammen bricht. Wahrscheinlich endet er im Kampfstuhl eines Hochseekutters mit einem Blue Marlin am Haken.
2. der Wettkämpfer, er tritt meistens in Horden auf, die Beute wird nach Kilogramm bemessen, er angelt bevorzugt in Gesellschaft und ein Pokal ist meistens wichtiger als die Fische.
3. der schwer arbeitende Familienvater, man sollte sich durch sein meist etwas desolates Äußeres nicht täuschen lassen, er ist ein absoluter Fachmann, der seit Jahren mit seinen Kumpels am Wochenende loszieht, er kennt jede Ecke seiner Gewässer bestens.
Sein Hauptbegehr: er will Fische und er kriegt sie auch!
4. die vierte Sorte bin ich selbst, aber ich bin Gott sei Dank nicht alleine, im Laufe der Jahrzehnte habe ich viele Gleichgesinnte getroffen, wir gehen zum Fischen und in Wirklichkeit ist es uns ziemlich egal, ob wir welche fangen oder nicht.
Aber wer gibt das schon zu?
Man findet uns in wilden, schönen Gegenden, die einfach so sind wie sie sind; wir sagen allen die es hören oder auch nicht hören wollen, dass wir nur deshalb dahin fahren, weil diese Gewässer noch nicht so stark befischt sind, dann beißen die Fische einfach besser (hoffentlich).
Wir wandern kilometerweit durch Moorlandschaften, klettern durch Schluchten und erzählen unseren Frauen, dies verschaffe uns Bewegung. Vielleicht sind wir auch Schwindler oder zumindest heuchlerisch veranlagt, wenn wir vorgeben Ruten und Leinenexperten zu sein, in Wahrheit träumen wir von einem jungfräulichen Gebirgsfluss am Ende der Welt, mit wunderbar gezeichneten Forellen, springenden Lachsen und golden gefärbten Fahnenträgerinnen. Die sorgfältige Geschäftigkeit beim Zurechtmachen von Angelgerät, der wir mit Akribie nachkommen, ist reine Verschleierungstaktik um zur sonnenüberfluteten Heide oder zum gleißenden Gebirgssee zu kommen. Wer braucht schon dringend Forellen, der Angelplatz muss richtig aussehen damit die Angellust aufkommt. Sicher, wir fischen mit Nymphen, Nass- oder Trockenfliegen, stromauf oder diagonal, dies alles gehört zum Spiel, das wir so gewissenhaft betreiben und wir fangen unbestreitbar auch gerne Fische, aber der wahre Grund für einen Fischereiausflug ist es nicht. Es geht um den Aufbruch im Morgengrauen, die Vorfreude, den Flachs mit dem Begleiter und an einem Ort zu sein, an dem es vielleicht so aussieht, als sei er gerade erschaffen worden.
ES IST DAS FISCHEN, NICHT DER FISCH!
Aus diesem Grunde habe ich Mitleid mit meinem Gast, dem Programmierer
meint Euer
Royal Coachman






