Royal Coachman hat geschrieben:aber die Bambusläger wurden in den späten 60iger Jahren verkauft. Einen Teil erwarb damals der legendäre Jamie Maxton Graham.
Hallo Coachman,
Dass Ruten von James Maxtone Graham -- dem Autor und, ähem, schillernden Angelgeräte-Händler -- gekauft wurden, kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber die Tonkin Rohre?
Mein Kenntnisstand ist folgender (mußte ein wenig kramen):
Die Firma Sharpe's wurde von John Shepherd Sharpe 1920 in Aberdeen gegründet, wo er in der John Street Ruten der Marke "Scottie" herzustellen begann. Das besondere an den Ruten war ab den 1930ern die Imprägnierung mit Phenolharz (Bakelit) -- ein Verfahren das man von Orvis aus den USA übernommen hatte. Es macht die Blanks wasserfest und somit resistent gegen den allseits gefürchteten Schimmel. Außerdem wird die Aktion dadurch steifer, woran die Taper aber angepasst sein sollen. 1933 erhiet Sharpe auf der Triennale in Mailand für diese Ruten eine Goldmedallie.
Später beschaffte Sharpe u.a. zwei Fräsmaschinen, die 1940 in den USA für Rolls Royce gebaut worden waren. Während des Krieges fräste man damit sogar Bauteile für Spitfires!
In den 1960ern gewann man Lee Wulff als Designer für Ruten, die hauptsächlich in die USA exportiert wurden. Außerdem wurden Ruten u.a. für Cortland hergestellt (444). Dies waren auch die erfolgreichsten Jahre für die Scottie Ruten in Großbritannien. Ich vermute wie Du, dass Matthias' Rute aus dieser Zeit stammt. Die "Featherweight" Forellen-Ruten haben nach wie vor einen guten Ruf, und besonders auch die Spliced Spey-Ruten, wie die von Matthias.
Durch die Einführung der Glasfaser- und schließlich der Kohlefaserruten geriet der Absatz von Bambusruten gerade für den US-Markt ab den 1970ern in Schwierigkeiten. Als der Betrieb für die Bambusruten in Aberdeen geschlossen wurde, wurde der Bestand -- Maschinen, Bambus usw. -- sowie die Marke von Taylor & Johnson aus Redditch aufgekauft. Man transportierte das gesamte Inventar in eine Lagerhalle in Redditch.
Im Winter 1984 wurde dieser Lagerbestand durch John und Steve Weaver (Vater und Sohn) aus London gekauft -- sprichwörtlich in letzter Sekunde. Die Lagerhalle selbst sollte abgerissen werden und die abgelagerten Tonkin-Rohre wurden gerade der Verbrennung zugeführt. Eine der Fräsen wurde sogar für Schrott demontiert. Auf den Lkw wurde geworfen, was irgendwie Platz hatte: Fräse, Tonkinrohre, Wickelmaschine usw. Für ein zweite Fahrt war es dann schon zu spät.
Bei der Inventarisierung der geretteten Bestände fanden die Weavers eine kleine Hözerne Kiste: Diese enthielt alle Taper und Bauvorschriften von J. S. Sharpe.
Die alte Fräse steht jetzt in Harrow im Norden Londons und verrichtet nach wie vor ihren Dienst, für Ruten nach den original Sharpe-Tapern oder auch nach neuen Tapern, z.B. für Karpfenruten; auf Wunsch auch mit Bakelit-Imprägnierung. Sharpe Scottie-Ruten, die mit dieser Fräse hergestellt werden kann man bei S&J Tackle
hierbestellen.
Sharpe's of Aberdeen fertigt nach wie vor im Nordwesten Aberdeens Fliegenruten, z.B. die "Gordon" und die "Belmont" aus Kohlefaser und in naher Zukunft ein neues Modell, den "Reactor" aus -- Möhren.
Gruß,
jpj