Island hopping auf den Malediven
Ein Reisebericht von Dr. David Popp
Intro: Dieser Trip auf die Malediven war das erste große Fliegenfischer-Abenteuer für mich seit langem und ich hatte wirklich nicht vor darüber zu schreiben. Sonst hätte ich mir mehr Mühe gemacht und bessere Fotos geschossen, insbesondere von den vielen Arten an gefangenen Riff-Fischen.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, dass ich vor allem in den 1990er Jahren für das älteste deutsche Fly-Only Magazin ‘Der Fliegenfischer’ (seit 1975), was weltweit das zweitälteste nur nach ‘fly fisherman’ aus den U.S.A. ist, sowohl als Autor, als auch fast zwei Jahre in der Redaktion direkt vor Ort in Nürnberg tätig war. Und dass ich gespließte Fliegenruten baute, sowohl klassisch hexagonal und später mit meinem Freund Volker Engelmann zusammen auch die ersten quadratischen ‘Quad-Ruten’ in Good Old Germany fertigte (siehe David Popp/Volker Engelmann (1998) ‘Quads’. Der Fliegenfischer 130: 26-31). 
Da man vom Rutenbau allein in Deutschland nur bedingt leben konnte und ich 2001 die Möglichkeit bekam, wieder Vollzeit in die Wissenschaft zurückzukehren, natürlich nicht in Deutschland, sondern in einer etwas ‘anderen Welt’, dem Land der aufgehenden Sonne, in Japan, verschlug es mich dorthin. Um mich in meinem Fachgebiet, der ‘Cellular Filament Systems’, wieder zu etablieren, was auf Deutsch etwa soviel wie ‘die fundamentalen biologische Zellpolymere’ bedeutet, blieb für das Fliegenfischen nicht allzu viel Zeit. Zur Erklärung, die Anglizismen sind dem zweiten Weltkrieg geschuldet, seitdem ist Englisch und nicht mehr Deutsch oder Französisch die Amtssprache der Wissenschaft. Wie mancher weiß, sind die Urlaubstage in Japan kärglich, gemessen an denen der Deutschen. In Singapore, wo ich nun am ‘Institute of Molecular and Cell Biology’ (IMCB) forschen darf, ist das nicht besser. 
Nachdem ‘Der Fliegenfischer’ defacto seit Mitte 2011 leider nicht mehr existiert und ich somit quasi ‘heimatlos’ wurde, habe ich mich entschlossen, künftig meine Erlebnisse und andere Fliegenfischer-Erfahrungen im Fliegenfischer-Forum einzubringen. Das fand ich unter den verbliebenen deutschen Fliegenfischen Medien, was dem ‘Der Fliegenfischer’ in seinem Anspruch, das Schöne am Fliegenfischen in all seinen Aspekten naturnah und selbstlos zu vermitteln am nächsten kam. Wie das Fliegenfischer-Forum, war ‘Der Fliegenfischer’, ja auch im wesentlichen eine Zeitschrift, die selbstlos von seinen Autoren getragen wurde, denn ein Honorar gab es hier wie da nicht. 
Medizin Nobelpreisträger Sydney Brenner, der in Singapore mein Nachbar im Forschungs-Institut des IMCB ist, spricht oft davon, dass ihm ein passionierter Amateur in der Wissenschaft viel lieber ist als der ausgebuffte Profi, da ersterer letztendlich bessere Wissenschaft macht. Ich glaube das trifft ebenso zu auf Autoren, die über die Passion der Fliegenfischerei, mit der Leidenschaft eines passionierten Amateurs berichten. Denn wie damals in ‘Der Fliegenfischer’ sind im Fliegenfischer-Forum die Impressionen, Meinungen sowie Fotos der Autoren authentisch und nicht in irgend einer Form, z.B. durch Zukauf von Fotomaterial manipuliert. Und das war mir wichtig, und gab letztlich den Ausschlag, mich hier einzubringen.
***
Als AngMo (der übliche Begriff für weiße Ausländer wie mich in Singapore, ein Wort chinesischen Ursprungs, was in seiner übelsten Form soviel bedeuten kann wie ‘langnasiger, rothaariger Teufel’) hatte ich mich für diesen Malediventrip erst qualifizieren müssen. Organisiert von Coho, dem Fliegenfischerladen in Singapore. Die Qualifikation war eine Bus-Tour an einige ‘Saltwater Stocked-Ponds’ im Nordwesten von Malaysia, wo ich mich über ein langes Wochenende offenbar als nicht allzu unangenehmer Zeitgeist erwies, insbesondere nach dem längsten aber zu guter letzt erfolglosesten Drill meines Lebens (Bericht wird folgen). Danach wurde ich ein bisschen mehr ernst genommen und auf die Liste der potentiellen Teilnehmer der '2013 Malediven Expedition' gesetzt, die in der letzten Märzwoche stattfinden sollte. Insgesamt neun Tage, aber abzüglich Flug- und Schiffstransport-Zeit zu den Fischgründen nur sieben Tage Fliegenfischen auf Trevally, Bonefish und Co. Es zog sich noch eine Weile hin, bis 8 Fliegenfischer ca. 2000 Euro berappt hatten, inklusive Flug. Henry, der Coho Manager war als Guide dabei. Wir flogen von Singapore nach Male, der Hauptstadt der Malediven, einem ca. fünfstündigen Flug, und erreichten unser Ziel um etwa 22:00 Uhr, um direkt auf unser Boot transferiert zu werden, dort zu nächtigen, und dann am nächsten Morgen in ca. 12-stündiger Fahrt zu unserer ersten Insel zu dampfen. Nun es stellte sich heraus, das Boot war nicht da. ‘Yeh man,’ dachte ich, 'wahrscheinlich liegt es an mir, habe wieder mal schlechtes Karma mitgebracht'. Wo der Fehler lag war unklar, jedoch bezogen wir gegen Mitternacht alle ein Hotel im Zentrum von Male, das offensichtlich von unserem lokalen Veranstalter auf den Malediven vorab gebucht worden war. Nun ich bezog mit Henry ein Zimmer und versuchte zu schlafen. Wir bekamen die Nachricht, wir würden mit einem anderen und etwas kleineren Boot als ursprünglich gebucht, der Mashibaru, am Abend in See stechen und am darauffolgenden Morgen fischbereit sein, zur gleichen Zeit als ursprünglich vorgesehen. In all den Jahren vorher (Coho organisiert eine jährliche Tour seit vielen Jahren) hatte der Betreiber in den Malediven stets behauptet, des Nachts nicht fahren zu können, da viel zu gefährlich, wegen der Korallenriffe etc.. Das erwies sich letztlich als Marketing Trick um mehr Bezahl-Tage herauszuholen. Später fanden wir heraus, dass selbst große Fähren des Nachts von Kurendhoo im Lhaviyani Atoll nach Male transferieren, also ist das durchaus nichts ungewöhnliches und ist eben nur ein gutes Argument der lokalen Bootsunternehmer, um den Profit zu erhöhen.
Ron und Aaron waren nicht zu bremsen, hier Aaron im Hafen von Male in Aktion. Im Hintergrund rechts ein Flugzeug auf dem Male Airport. Foto: DP.
Wir bummelten durch Male und vertrödelten die Zeit, aber Aaron und Roy, unsere zwei ‘Extremisten’, waren vom Fliegenfischen im Male Hafen nicht abzubringen und landeten auch einige kleine Fische, bis wir endlich um ca. 19:00 Uhr abends abgeholt wurden und mit einer kleinen Privatfähre auf unser Mutterschiff, die Mashibaru, transferiert wurden. Der Kahn hatte fünf Kojen für je 2 Personen und angeschlossenem WC/Dusche. Da wir nur zu neunt waren, wies mir Henry eine Kabine ganz für mich alleine zu. Die Gefahr des Nachts durch Schnarchen gestört zu werden, war somit gebannt, thanks Henry! Nun galt es für mich nur herauszufinden, wie es um meine Seetauglichkeit bestellt war. Vorsorglich hatte ich mir ein Konsortium an Tabletten dagegen Seekrankheit besorgt, diese erwiesen sich letztendlich aber als unnötig. Die ganze Nacht dampften wir nach Norden und erreichten um ca. 7:00 Uhr morgens unsere erste Destination, eine Insel im Lhaviyani Atoll. 
Frühstück wurde serviert, Kaffe und Tee, Toast, selbst gemachter Mayo-Thunfischsalat und frische tropische Früchte, wie Papaya oder Mango, einfach lecker. Die Crew bestand aus drei Personen, dem Captain Ibrahim Ali, einem erfahrenen Fischer, der lange Jahre in der Thunfischfangflotte der Malediven gearbeitet hat und die Gewässer wie seine Westentasche kannte. Dann war da der Koch, den wir nicht oft zu Gesicht bekamen, da er seine Küche huldigte, wo er einfache aber wunderbar schmeckende Gerichte zauberte, ob gegrilltes Huhn, nicht zu scharfe Curries oder frisch gefangenen Fisch, gedünstet, gebraten oder als Sashimi zubereitete. Der dritte im Bunde, ‘The Deckhand’ servierte das Essen und war für den Transfer an Land und zurück mit dem kleinen Beiboot verantwortlich. Ins Beiboot passten jeweils maximal 6 Personen und so waren immer mindestens zwei Fahrten nötig, um uns alle an Land und wieder zurück zu bringen.
Ein leichter Regen, der einzige der gesamten Tour, hatte gerade aufgehört, als der schale Regenbogen erschien. Im Hintergrund eine der Inseln, die wir befischten. Foto: DP.
Dies war meine erste Fliegenfischertour auf Meeresfische in den Tropen. Meine langjährigen Erfahrungen in der Meeresfischerei waren auf kältere Gewässer beschränkt, wie auf Striper und Bluefish an der Ostküste der USA, Surf Perch in California, Makrele und Wolfsbarsch in Portugal oder Seabass und Bonito in Japan. Deshalb nahm mich Henry an diesem ersten Morgen unter seine Fittiche. Er band mir eine #6 White Clouser ans Vorfach. Unsere erste Insel war nicht gerade eine der kleinsten, die wir in den folgenden sieben Tagen befischen würden, ca. 4 Kilometer lang und 500 Meter breit. Etwa 20-30 Meter vom Ufer entfernt waren viele schwarze Flächen von ‘Turtle Grass’. Dieses Meeresgras, Thalassia testudium, ist überall in den Tropen in flachen, sandigen Gewässern zu finden.
 

Gleich geht's los mit dem Beiboot Richtung Insel, rechts ‘The Deckhand’. Foto YuHock.


Obige zwei Fotos: In den dunklen ‘Turtle Grass’ Flächen der ersten Insel waren die Fische zu finden.  Im Vordergrund unser Guide Henry. Fotos: DP.
Einer der seltsamsten Zeitgenossen des ersten Tages, ein ‘Treadfin Salmon’, eine Spezies die eher in Australien zuhause ist. Oberflächlich betrachtet ähnelt er dem Bonefish. Auf den Malediven bislang nicht sonderlich bekannt. Zweimal traf ich auf einen Schwarm.  Foto: DP.
Mitten in die Grasflächen hineinwerfen, riet mir Henry und dann zurück strippen. Es dauerte nicht lange und etwas hatte meine Fliege attackiert. Ein kleiner Bluefin Trevally. Einige weitere folgten, bis plötzlich unser Beiboot mit voller Fahrt auf uns zukam. 'Was ist los', dachte ich, als ‘The Deckhand’ den Motor abstellte und auf uns zudriftete, in jeder Hand eine Kokosnuss, die er gekonnt köpfte, bevor er sie mit einem breiten Lachen an uns weiter reichte. Wahrhaftig köstlich. Ja, in den Malediven ist es nicht nur warm, sondern fast vulkanisch heiß und man sollte genügend Wasser mitnehmen, um einige Stunden fischend, ohne Dehydration zu überleben. Bald war Mittag und unser Koch brachte Lunch. Meist serviert unter Palmen aber oft inmitten einer Unmenge von angeschwemmten Plastikflaschen und anderem Unrat. Bis auf einmal, da setzten sich alle ins Wasser und hatten Lunch dort, das war irgendwie cool,
denn zumindest die Wassertemperatur war kühler wie die der Luft, wenn auch nur um einige Grad Celsius. Das Essen war immer top. Unser Koch beäugte immer kritisch, wie wir auf sein Gekochtes reagierten. Einmal war etwas Fisch übrig und ging zurück. Es ließ nicht lange auf sich warten und der Captain fragte anstelle des Kochs, ob etwas nicht richtig war mit diesem Gericht. Natürlich nicht, es war einfach zu viel. Die Agenda der Crew war wirklich, es uns allen recht zu machen, habe selten so einen von Herzen kommenden Service erlebt.
Fliegenfischer Lunchtime nach Maledivenart, eines meiner Lieblingsfotos dieses Trips | Unten: Vor dem Riff in der flimmernden Hitze dümpelte unser Mutterschiff. Fotos DP

Abendliches Entspannen an Bord unseres Boots im Hafen des Captains. Von links: Seat, Roy und Aaron. Foto: DP.
Am vierten Tag waren wir ganz in der Nähe des Dorfes des Captains auf Kurendhoo und auf seinen Vorschlag hin beschlossen wir, dort über Nacht anzulegen. Er lud alle zu sich zuhause ein, einem kleinen Haus, selbst Henry hatte das noch nicht erlebt. Die Familie, seine Frau, zwei Töchter, dicht verschleiert. Die Frauen hatten Essen vorbereitet, ungemein leckeres ‘Local Fingerfood’ und süße Früchte zusammen mit schwarzem Tee. Ich kann nur sagen: es war ein interessantes Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Das spannende an dieser Malediventour war, dass wir jeden Tag eine andere Insel angesteuert haben, dort im tieferen Wasser geankert und übernachtet haben und dann früh morgens auf die jeweilige Insel übergesetzt sind. Die besten Beißzeiten waren von Ebbe an, die ersten zwei Stunden der einlaufende Flut und nachdem die Flut herein war, ca. eine Stunde bei auslaufender Flut. Unsere Fischwoche war eine ‘Spring Tide’ und das Wasser stieg schnell an. Eine ‘Nip Tide’ ist deswegen besser, da die Flut langsamer hereinkommt 
und somit die Beiß- und effektiven Fischzeiten um einiges länger sind (ca. jeweils eine Stunde). Außerhalb dieser Zeiten kann man natürlich auch Fische fangen, vor allem Fische, die das Korallenriff ihr zuhause nennen, wie verschiedenste ‘Grouper’, ‘Goat Fish’ oder kleine ‘Snapper’. Oder man läuft am Strand entlang und wirft gezielt Fische auf Sicht an. Oft traf ich auf einen Schwarm ‘Mullets’, konnte diese ‘Algenfresser’ jedoch nie zum Nehmen der Fliege verleiten. Und als ich einmal einen schnellen Wechsel zu einer grünen ‘Seaweed Fly’ versuchte, war der Trupp weiter gezogen, bevor ich einen Wurf raus bekam. Generell braucht man auf den Malediven Kondition, um in der Hitze (fast kein Schatten) stundenlang durchzuhalten. Zudem ist man oft auf der Pirsch, da auch die Fische ständig ihren Standort wechseln. Deshalb legt man oft etliche Kilometer pro Tag zurück, entweder außerhalb oder watend im Wasser.
Ein kleiner Triggerfish, dessen menschenähnliche Zähne selbst bei kleinen Exemplaren gefährlich aussehen. Große Triggerfische waren jedoch nicht leicht zum Nehmen der Fliege zu bewegen. Foto: DP.

Grouper waren in zahlreichen Variationen zu fangen, manchmal gerieten sie gar zum Ärgernis, da sie die Fliege vor den Trevally einsaugten, um dann in die Tiefe zu flüchteten und dort die Schnur um die Korallen zu wickeln, was oft zum Verlust der Fliege führte. Foto: DP.

Verschiedenste Arten von ‘Goatfish’ sind am Riff zu finden, diese sind übrigens besonders wohlschmeckende Speisefische. Fotos: YuHock, DP.


Snapper jeglicher Art sind zu fangen. Fotos: YuHock, DP.

Andere Fische, die aggressiv nach der Fliege gehen: oben ein ‘Small Spotted Dartfish’, unten ein für den Autor unbekannter aber fulminanter Kämpfer. Fotos: DP.
Der obligatorische aber schwer zu hakende Hornhecht. Foto: DP.
Die obigen Bilder sind nur ein kleines Poutpourrie der Fische, die zu fangen sind: Ich allein fing viel mehr Fischspezies aber in den letzten beiden Tagen des Trips versagte meine wasserdichte Kamera, die Batterien waren flach und ich hatte das falsche Ladegerät eingepackt. Der für mich wohl interessanteste Fisch, den ich haken konnte, war der ‘Flutefish’, ein Art Hornhecht mit einer langen Schnauze, die wie sein Name sagt, an eine Flöte erinnert. Der größte war über einen Meter lang und hätte sicher ein tolles Foto ergeben, wenn die Batterien nur länger durchgehalten hätten.

Müde ‘Krieger’ nach einem langen Tag unter der Sonnenglut. Links Aaron, rechts Ronald. Foto: DP.

Wenn die Gezeiten gerade ungünstig sind und die Fische nicht beißen, lohnt es sich, seine Rute beiseite zu legen und im Schatten eines Baumes oder der Sanddünen ein Nickerchen zu halten und Kräfte zu sammeln. Hier zu sehen eine Sandbank, die sich zwischen zwei benachbarten Inseln erstreckt.  Foto: DP. Das Mondlicht spiegelte sich im Meer in goldenen Talern. Im Vordergrund an Deck unsere Ruten und Rollen die nach dem Waschen mit Süßwasser nebst ‘Stinkstiefel’ zum trocknen aufgereiht sind. Foto: DP.


Hier einige Eindrücke dieser Reise: Tag drei bleibt mir bestens in Erinnerung als ‘Banded Island’. Und ich wurde zum ‘Banded King’. Aber nun erst mal der Reihe nach. Diese kleine Insel im Noonu Atoll hatte eine Sandbank, über die man ins Meer hinauswaten konnte. Dort platzierte ich mich und warf eine meiner Shrimp Imitation (DPghostshrimp, Bindeanleitung siehe weiter unten) etwa 25 Meter hinaus. Strip, strip, die Rutenspitze dabei unter Wasser halten. Bei jedem zweiten Wurf kam eine Attacke, ein schneller ‘Strip Strike’ (oder auch zwei) um den Haken sicher zu setzen und jedes mal waren das schöne Banded Trevally, die manchmal bis ins Backing flüchteten. Hier an der Sandbank kamen zwei Strömungen zusammen und führten offenbar zu einem guten Nahrungsaufkommen. Einen Tag zuvor hatte Henry an einer ähnlichen gestalteten Sandbank, die zwei andere kleine Inseln verband, ähnliches erlebt, nur mit Bluefin Trevallys anstatt Banded. Der beim Forellen- oder Äschenfischer übliche Anschlag nach oben, ist für die Meeresfischerei eher ungeeignet und obwohl der Fisch meist gehakt ist, hat der Haken oftmals das Maul des Fisches nicht vollkommen penetriert und das führt im Verlauf des Drills meist zu dessen Verlust. Der ‘Strip Strike’ (ein starker Strip, nachdem man einen Biss gefühlt hat) in Kombination mit dem Führen der Rutenspitze unter Wasser garantiert, dass möglichst wenig ‘Slack’ in der Schnur ist und der Haken sicher gesetzt werden kann. Dies wird allerdings in der Salzwasserfliegenfischenliteratur nicht allzu oft thematisiert. Am zweiten Tag war ich noch nicht richtig im ‘Saltwater Mode’ und warf einen großen schwarzen Schatten an, der auf Sicht vorbei zog, wahrscheinlich ein Triggerfisch, der beim dritten Wurf auch zur Seite driftete und die Fliege einschlürfte. Leider setzte ich den Anhieb nach oben. Nach ca. fünf Minuten intensiven Drills kam der Bursche plötzlich direkt auf mich zu, ich konnte die Schnur nicht straff halten und das war's, der Haken hatte das Maul wohl nur unzureichend penetriert. Schade - das wäre vielleicht mein größter Fisch in den Malediven gewesen und ein großer Triggerfisch macht immer was auf einem Foto her.
Eine Seite von ‘Banded Island’. Im Hintergrund unser Mutterschiff. Foto DP.
Die andere Seite von ‘Banded Island’. Im Hintergrund die erwähnte Sandbank. Foto DP.
Der Autor mit einem seinem ersten Banded Trevally (so bezeichnet wegen der dunklen Querstreifen) auf ‘Banded Island’. Foto: YuHock.
Im Drill mit einem ‘Banded Trevally’, die Rute zum Flitzebogen gespannt. Foto: YuHock.
Etwa 30 Banded Trevally später, als der Autor längst zum ‘Banded King’ mutiert war. Foto: Henry.
Schöner Banded Trevally mit einer Bisswunde (oberhalb des Daumens), durch einen Hai oder Barrakuda. Foto: DP.
Auch Ronald finge einige große ‘Banded Trevally’ trotz seines orangefarbenen Hemds. Foto YuHock.

Henry hatte mich gewarnt, nach Haien Ausschau zu halten. Aber ich sah nur welche am ersten Tag. Ich war etwas weiter rausgewatet und plötzlich kamen zwei große schwarze Schatten aus dem ‘Turtle Grass’ direkt auf mich zu, ‘Blacktip Sharks’. Als sie etwa 10 Meter entfernt waren und ich immer noch ihr klares Ziel war, schlug ich mit meiner Winston ein paar Mal auf's Wasser. Daraufhin drehten sie ab und schwammen ca. 100 Meter gemächlich parallel zum Strand. Dann drehten sie aber plötzlich um 180 Grad, aktivierten ihren Turbo und setzten zur Attacke an. Das war mir jetzt zuviel, ich machte, das ich aus dem Wasser kam. Die Jungs erschienen etwas verwirrt, dass die vermeintliche Beute (es war wohl eher Neugier, was sie trieb) plötzlich verschwunden war, als sie an mir vorbeizogen, abdrehten und ins tiefere Wasser verschwanden. Henry hatte mir von einem Vorfall erzählt, als er vor etlichen Jahren in tieferem Wasser zahlreiche Trevally angefischt hatte und sich plötzlich von fünf größeren ‘Blacktip Sharks’ umzingelt sah, die ihn neugierig beäugten. Er beschloss, rückwärts ganz langsam Richtung Land zu waten und alles ging gut. In tropischen Meeren ist es immer besser, ein halbes Auge in die Umgebung zu werfen, um solch unliebsame Begegnungen zu vermeiden.
 

Jetzt geht es zurück zum Mutterschiff. Foto: DP.
Aber ob da wohl alle reinpassen? Foto: DP.

Sandbänke sind gute Angelstellen, da Strömungen oft von zwei Seiten aufeinander treffen, jedoch muss man Vorsicht walten lassen, dass man bei auflaufender Flut (unten) wieder sicher an Land zurück kommt. Sonst ist schneller als man denkt Schwimmen angesagt! Fotos: DP.
Das Abendessen gejiggt in ca. einer Stunde. Etliche ‘Jobfish und Coral Trout’. Übrigens, alle auf Fliege gefangenen Fische wurden ‘releast’. Einige gejiggte Fische wurden von der Crew eingefroren, um sie später als zusätzliche Einnahmequelle zu verhökern.  Foto. DP
Zwei aus unserer Fliegenfischergruppe, YuHock und Fred sind bei Rapalla, Singapore tätig, und natürlich hatten sie eine Menge an ‘Rapalla Lures’ mitgebracht, um am Abend vom Boot aus zu Jiggen und die Lures zu testen. Unser Bootscaptain hatte auf dem Weg zur nächsten Insel immer die besten Stops parat, wo gute Fische zu erwarten waren. Aber es war erst in der letzten Nacht, als Yu Hock zwei große Dogtooth Tuna mit seinen ‘Jigs’ haken und landen konnte. Leider war ich da schon im Tiefschlaf und verpasste die Show. Aber tolles Sashimi gab es dann davon. Unser Koch hatte wie selbstverständlich Soja Sauce und Wasabi mitgebracht, einfach klasse der Bursche. Das beste Sashimi, so fand ich jedoch, war vom Bluefin Trevally. Beides wird man wegen seiner Rarität in einem japanischen Sushi Restaurants vergeblich suchen und nur in wenigen Destinationen weltweit, wie auf einem Flyfishingtrip auf den Malediven finden.

Wenn es an Bord unseres Mutterschiffs Abend wurde, wandelten etliche zur ‘Dark Side of the Force’, was in ‘Star Wars Jargon’ etwa soviel bedeutet wie alle Arten des Angelns, die nicht als Fliegenfischen zu bezeichnen sind.
Es ist ganz, ganz selten, dass sich der Autor auf ‘The dark Side of the Force’, begibt. Aber einmal jiggte ich auch kurz mit auf diesem Malediventrip und landete diesen wunderschönen, farbenprächtigen ‘Yellow Grouper’. Ein ausgezeichneter Speisefisch, wie mir der Captain freudestrahlend versicherte. Den gab es später ‘Deep Fried’ mit frischer Zitrone beträufelt. Foto: DP.
Leckeres Essen an Bord, das am Abend meist aus frisch gejiggten Fischen bestand, zubereitet in verschiedensten Variationen, von Sashimi, gedünstet bis Deep Fried. Offensichtlich machte die Hitze einigen zu schaffen. Am Tisch von links: Henry, YuHock, Ronald. Foto: DP.

 
 
 
 
 

Auch an Tag vier habe ich auch noch gute Erinnerungen. Hier war der Untergrund von vielen größeren, Korallen überzogenen Steinen bedeckt. Bei Ebbe sah ich einige größere tailing Bonefish, die allerdings umgehend verschwanden, noch bevor ich in Reichweite war oder die Fliege zu nahe präsentierte. Yu Hock und Fred machten es aber besser und konnten jeweils einen Bonefish auf Sicht anwerfen und landen.

YuHock mit gutem Bonefish. Foto: Fred.
Ein verliebter Blick. Fred mit seinem allerersten Bonefish auf Fliege. Foto: YuHock.
Auch Tag sieben hatte es noch einmal in sich. Diese letzte Insel hatte zwei Seiten, die eine war geprägt durch steinigen Untergrund, der oft Fische hält, da diese Struktur eine gute Tarnung zu gewährleisten scheint, der andere Teil Sand mit eingesprenkelten Inseln aus ‘Turtle Grass’. Meine Präferenz ist der steinige Untergrund. Diese Präferenz ist rein subjektiv und ähnlich der Forellen- oder Äschenpirsch, wo ich Wildwasser, wie etwa den Habach in Österreich oder den Vindelälven in Schweden lieber befische, als einen langsameren, dahin mäandernden Fluss wie die Wiesent in Franken oder den Battenkill in Vermont, USA. Aber wie gesagt, das ist reine Geschmacksache, denn Fische sind überall zu fangen.
Steiniger Untergrund wie hier an Tag vier, hält wegen seiner Tarnmöglichkeiten viele kleine Fische und Shrimps. Die Räuber wissen das natürlich auch. Hier sah ich bei auflaufender Flut einige große tailing Bonefish, die ich jedoch ohne Erfolg anwarf. Foto: DP.
Fakt ist, dass ich am letzten Tag, nach einer Weile einen guten Bluefin Trevally haken konnte, der mich zweimal ins Backing führte, bevor ich ihn landen konnte. Und mit dem ich mit Wasser gefüllten Stripping Basket halb um die Insel waten musste, um endlich auf HockYin zu treffen, der ein Foto davon machte, da meine Kamera ja keine Power mehr hatte. Aber auch YuHock landete einen guten Bluefin. Und nicht zuletzt Roy und Fred, die sich über ihre Banded Trevally ‘Zwillinge’ diebisch zugrinsten.
Der Autor mit seinem größten ‘Bluefin’ auf den Malediven. Foto: YuHock.
HockYin machte es nach. Foto: Fred.
Da gibts was zu Grinsen. Fred und Roy (rechts) mit zeitgleich gefangenen ‘Banded Zwillingen’. Foto: YuHock.
Leider kommt jede Angelreise irgendwann zu ihrem Ende und am nächsten Morgen dampften wir 12 Stunden zurück nach Male, wo wir nach Mitternacht den Flieger nach Singapore bestiegen. Zurück blieb das Gefühl von guter Kameradschaft und spannenden Drills in den türkisfarbenen Korallenriffs der Malediven, an jedem Tag ein neues Abenteuer auf einer anderen Insel.
Unser letztes Dinner an Bord unseres Mutterschiffs in Male Hafen war von einem besonders farbenprächtigen Sonnenuntergang untermalt. Als ob mir jemand sagen wollte ‘komm wieder so schön ist es hier’. Foto: DP.
Dieses Jahr wollte ich wieder zurück auf die Malediven. Aber der Trip fiel flach. Zudem explodieren momentan die Preise wegen der Kundschaft aus China. Nicht dass diese Leute fischen wollen. Die mieten einfach das Fischerboot, um von Resort zu Resort ‘hoppen’ und im Spa und später wohl im Champagner zu baden, wobei die Preise für den normal verdienenden Fliegenfischer bald nicht mehr bezahlbar sein werden. Extrem schade. Denn wie lange werden die nur wenige Meter aus dem Meer herausragenden Inseln der Malediven überhaupt noch befischbar sein...
Angesichts von ‘Climate Change’ läuft der ‘Countdown’. Ich jedenfalls hoffe darauf, noch einmal in den nächsten Jahren in den Genuss des Abenteuers Maldiven zu kommen, bevor die Inseln durch die steigenden Meeresspiegel zu versinken drohen. Und dann dokumentiere ich das Abenteuer mehr professionell als diesmal, versprochen.

Tipps für die Maldiven:

Fischarten & Fischerei: Bewohnte Inseln sind per Gesetz nicht befischbar. Wer also z.B. ein Resort in den Malediven bucht, kann dort legal gar nicht fischen. Alle Inseln die wir befischt haben waren unbewohnt.
Zu fangen sind alle Arten von Fischen, die das Korallenriff ihr zuhause nennen. Triggerfish, Grouper, verschiedenste Arten von Snapper und Goat Fisch. Zum Teil große Papageienfische habe ich öfters auf Sicht angefischt, sie aber nie zum Nehmen eines Clousers verleiten können. Die DPghostshrimp habe ich leider an diesen Burschen noch nicht ausprobieren können.
Bluefin sowie Banded Trevally sind die Hauptzielfische für den Fliegenfischer auf den Malediven, aber auch Giant Trevally (GT) oder Bonefish sind zu fangen, wenn auch seltener anzutreffen, zumal wenn vom Ufer aus befischt, wie wir es getan haben. Aaron fing auf diesem Trip einen GT von über 15 kg auf eine ‘Popper-Fliege’. Allerdings muss man auf den Malediven schon für seine Fische arbeiten, speziell für große Trevally oder Triggerfish.
Die besten Beißzeiten sind ca. 2-3 Stunden von der Ebbe an, mit ansteigender Flut, je nachdem ob man eine ‘Spring oder Nip Tide’ befischt. Auch ca. 1-2 Stunden bei auslaufender Flut sind viele Fische aktiv. In den ‘Auszeiten’ versuchen, Fische auf Sicht auszumachen und anzuwerfen, denn mit blindem Werfen ist dann nicht viel auszurichten.
Ausrüstung: Fliegenruten der Klassen #5-8 sind ausreichend, kombiniert mit entsprechenden salzwassertauglichen Rollen und entsprechender Backingkapazität (minimum 100 m, 200-300 m sind besser, falls man doch auf einen großen GT trifft). Ich habe meist intermediate tropical Schnüre von Rio gefischt und praktisch nie einen Hänger gehabt. Das mag allerdings anders sein, wenn die Flut langsamer hereinkommt ‘nip tide’ als in unserem Fall, einer ‘spring tide’, dann können Schwimmschnüre von Vorteil sein. Ähnliche Schnüre von anderen Herstellern sind sicherlich genauso geeignet.
Schnell trocknende Kleidung, ein weiter Hut, sowie Handschuhe und Polbrille sind ein Muss. Hemd und Hose am besten in Kaki oder Blau halten, um in die Umgebung einzublenden (der Fisch sieht meist blauen Himmel). Ich weiß, für Fotos sind orangene Hemden oder so spektakulärer, diese haben jedoch mehr potentielle Scheuchwirkung auf die Fische.
Möglichst 2 Liter oder mehr Wasser mitführen, denn der Körper trocknet schneller aus, als man glaubt. Auch ist es nicht unbedingt einfach, von den Inseln aus das Mutterschiff zu kontaktieren. Das Handy ist oft gerade nicht funktionsfähig und wie wir direkt erlebt haben, wird ein Signalisieren vom Ufer aus auch oft übersehen. Als einige von uns am vorletzten Tag frühzeitig das Fischen abbrechen wollten, mussten wir in einer konzentrierten Aktion ca. eine Stunde Plastikplanenfetzen schwenken, bis uns jemand wahrnahm, also nicht gerade beruhigend, wenn wirklich ein Notfall vorherrscht.
Fliegen: Gelb-weiße, grün-weiße und beige-weiße Clouser in den Größen #2-6 sind gute Allround Muster, eine Schachtel voll ist eigentlich alles, was man für eine Woche auf den Malediven braucht.

Diese Standard Clouser Muster in den Größen #2-6 sind die ‘Allzweckwaffe’ auf den Maldiven. Foto: DP.
Als ‘Killerfliege’ für Banded Trevally und einer ganzen Reihe von Riff-Fischen erwies sich jedoch letztendlich meine ‘DPghostshrimp’. Generell lieben die Fische auf den Malediven etwas üppigere Fliegen, in Kontrast zu spärlichen Mustern wie sie in anderen Lokationen z.B. auf Kiribati erfolgreich sind.
Banded Trevally waren begeistert von meinem ‘Ghost Shrimp’ Fliegenmuster. Sicherlich keine ganz neue Idee, jedoch ein Muster das ich in dieser Form in den gängigen ‘Bonefish oder Saltwater Fly Books’ nicht finden konnte. Foto: DP.

Und hier die Ghostshrimp Bindeanleitung auf Englisch, speziell für unsere internationale Leserschaft:
hook: stainless saltwater #4-8
thread: grey
body: white or tan medium chenille
tail: white or tan calf tail with a few strands of crystal flash.
eye: bead chain or dumbell eyes
wing: yellow or tan calf tail or synthetic material
legs: on # 8 hooks two yellow, green or white rubber legs at the front, for #4&#6 hooks four yellow, green or white rubber legs, two at the back, two at the front.

Allgemeine Malediven-Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Malediven
Kontakt zum Autor: Wer näheres wissen möchte, bitte gerne über die Redaktion melden.
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Ein Bericht von Dr. David Popp für www.fliegenfischer-forum.de - Dezember 2014. Fotos/Copyright beim Autor. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.
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