Der Riesachsee – ein Naturjuwel
Ein Beitrag und Fotos von Karl Reisenbichler
Auf 1330 Metern Seehöhe liegt mitten in den steirischen Bergen der Riesachsee. Er ist nicht nur ein landschaftliches Juwel, sondern auch ein faszinierendes Fischgewässer.

Es ist Ende Mai und wir fahren wieder einmal zum 1330 Meter hoch gelegenen Riesachsee bei Schladming in der Steiermark. Der idyllisch gelegene Bergsee ist im Privatbesitz der Familie Meißnitzer (Gasthof Tetter) in Untertal. Fischen im See und in den umliegenden Bächen ist nur bei einem Aufenthalt im Gasthof oder der Berghütte erlaubt. 

Gespeist wird der See von zahlreichen, höher gelegenen Seen der umgebenden Berge. Hauptsächlich erhält er sein klares Wasser von einem namenlosen Bach, den wir der Einfachheit halber Riesachbach nennen und der von den ebenfalls im Besitz der Familie Meißnitzer befindlichen Sonntagkarseen (2064m) herabfließt. 

Im Riesachsee darf mit Spinner gefischt werden, in den Zu- und Abflüssen ist jedoch nur Fliegenfischen mit Schonhaken erlaubt. 

Im See gefangene Fische können gegen Bezahlung mitgenommen werden, in den Bächen herrscht grundsätzlich Catch & Release.

Übernachtet haben wir wie immer in einer, direkt am See gelegenen, Fischerhütte. In dieser Hütte ist für maximal acht Personen Platz. Für das leibliche Wohl muss man selbst sorgen. Eine sehr frühzeitige Anmeldung ist ratsam, die Hütte ist gerade von Seefischern sehr gut ausgebucht.

In diesem Jahr gab es noch sehr spät Schneefall auf den Bergen. Die Gipfel waren daher mit Schnee bedeckt und nachmittags gab es durch die Schneeschmelze Eintrübungen und höheren Wasserstand. Vormittags jedoch waren die Bedingungen ideal für das Fliegenfischen im Riesachbach. Die Trockenfischerei im teilweise schnell fließenden Wasser war einfach traumhaft. Einen Saibling nach dem anderen konnten wir mit einer Royal Coachman (Gr. 12 – 14) oder einer Rehhaar-Sedge fangen. Die Bachforellen waren an diesem Tag deutlich in der Minderheit.

Am Nachmittag kam das erwartete Schmelzwasser und zwang uns zu einer Pause. Nach einer ausgiebigen Jause und einem kleinen Umtrunk spazierten wir den See entlang, um auf das Steigen der Bachforellen zu warten. Während es im Tal ein brütend heißer Tag war, verspürt man in dieser Höhe die Hitze weniger. Ein recht angenehmer Spaziergang also. Bald sahen wir die ersten Ringe am Wasser. Wir setzten unsere Hoffnungen auf eine Rehhaar-Sedge (12er) und wurden nicht enttäuscht. Schlag auf Schlag bissen die Bachforellen – ja, sie schienen geradezu beißwütig. Ein selten erlebtes Ereignis.

Am nächsten Tag war eine Pause vom Fischen angesagt und wir wanderten durch die schöne Landschaft mit ihrer herrlichen Flora&Fauna, um einige Fotos zu schießen. Es ist kein Wunder, dass diese Gegend auch ein beliebtes Ziel für Wanderer ist.

Das Hochmoor mit seinen kleinen Rinnsalen und Bächen ist ein ideales Gebiet für das Aufkommen von Bachsaiblingen. Selbstverständlich dauert aber der Wuchs der Saiblinge in dieser Höhe doppelt so lange wie im Tal. Auch kann man keine allzu großen Exemplare erwarten. Im Durchschnitt sind die Saiblinge im Bach zwischen 15 und 30cm. Und das ist bei der Höhenlage ohnehin bereits recht stattlich. Im See allerdings darf man durchaus auf große Bachforellen hoffen. 

So wurde im Mai 2006 eine 10kg schwere Bachforelle gefunden. Der präparierte Kopf ist im Gasthof Tetter zu bewundern. Abgesehen von diesem Rekordexemplar gibt es im See Fänge von 4 bis 7kg.

Im Riesachsee werden einmal im Jahr Bachforellen und Seesaiblinge gesetzt. Der Bachsaibling hat durch die passende Umgebung ein natürliches Aufkommen und ist in großer Zahl vorhanden. Das gezielte Fliegenfischen auf die wunderschön gefärbten Fische macht große Freude. Nicht vergessen darf man den Ursaibling oder „Schwarzreuter“, der in sehr großen Mengen vorkommt. Mit seiner unglaublichen Farbgebung immer wieder ein großes Erlebnis.

Im Bach ist man mit einer nicht allzu langen Vorfachspitze und einer 3er-Schnur gut beraten. Frischt der Wind auf, und das macht er in dieser Höhe gern, kann mit einer 5er-Schnur gefischt werden. Das glasklare und relativ seichte Wasser macht die Fliegenfischerei nicht einfach. Keine weiten Würfe, damit die Hauptschnur nicht zu schnell von der Strömung gezogen wird. Vorsichtiges Anpirschen, gezielte Würfe mit einer leichten Rute sind das Geheimnis zum Erfolg. Watstiefel sind ausreichend und unbedingt erforderlich. Denn mit seinen vielen Wassergräben gleicht das Gebiet einem Hochmoor. Wer die Stiefel vergisst, muss notgedrungen in die Wathose schlüpfen. So wie es manchen von uns ergangen ist. Da darf dann auch in dieser Höhenlage mal etwas geschwitzt werden.
Der Wettergott hatte diesmal großes Einsehen mit uns und bescherte uns wahrlich traumhafte Tage. Das Wetter kann in den Bergen aber auch etwas ungemütlich werden. Allerdings nur, wenn man auf wetterfeste Kleidung und zur Vorsicht einen warmen Pullover vergisst. Schön, wenn man diese Kleidung nicht braucht, dabeihaben sollte man sie auf jeden Fall.

Das Fischen an diesem schönen See mit seiner beeindruckenden Bergkulisse ist ein nur schwer zu überbietendes Erlebnis. Seit 1991 verbringen wir jedes Jahr einige Tage am Riesachsee. Es ist jedes Mal wieder anders und dabei immer aufregend, gemütlich und eine wunderschöne Zeit. Ein Angelerlebnis, dass mit ruhigem Gewissen jedem empfohlen werden kann.

Mehr Infos und zu buchen bei:
Hermann und Josefine Meißnitzer
Alpengastho Tetter
A-8971 Rohrmoss – Schladming
Tel. +43-3687-61130, Fax +43-3687-6113013
www.tetter.com
 
 
 
 
 


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