Rückkehr zum Yama / Magadan in Russisch Fernost
22. August bis 06. September 2010
Ein Reisebericht von Wim Ramakers
Es hatte eine Weile gedauert. Unser letzter Besuch am Traumfluss Yama datierte schon aus 2003. Nachdem wir diesen Fluss als die ersten Ausländer schon 1990 erstmals befischten und anschließend jedes Jahr dort verweilten, hatten Norweger zwischen 2003 und 2009 die Lodge am Studenaya komplett ausgebucht. Anlass für uns, um nach Vertragsende ganz schnell wieder einen Termin festzulegen!

Warum gerade der Yama? Silberlachse kann man ja an vielen Flüssen der russischen Ostküste fangen, vielleicht sonstwo sogar besser, größer und mehr... Der Grund liegt eher in der absoluten Einsamkeit und der absolute Reiz darin, dass es hier super "Beifänge" geben kann!

Denn hier findet man herrliche Kundzha’s (Salvelinus Leucomaenis oder White Spotted Arctic Char), riesige arktische Äschen, Unmengen an Dolly Varden und den seltenen Gelbmaul-Saibling (Salvelinus Levanidovi oder Yellow Mouth Char). Die Erwartungen waren also hoch gespannt. Denn egal, wer schon zuvor dort war: immer war die Begeisterung hoch.
Magadan liegt im fernen russischen Osten, 1500 Kilometer nördlich von Ochotsk und eine Flugstunde von Kamtschatka entfernt. Viele Flüsse enden dort am Ochotskischen Meer. Für Fliegenfischer sind die Ola mit ihrem Nebenfluss, der Lankovaya und vor allem der 260 Kilometer lange, in Yamsk mündende YAMA-Fluss am wichtigsten. Da Moskau kaum Interesse für das > 6000 Kilometer weiter östlich gelegene Magadan zeigt, ist die Gegend arm, sehr arm. Klar, dass die Einheimischen trotz der scharfen Fangquoten und der recht intensiven Kontrolle versuchen, mittels illegalem Fischfang ihr Dasein etwas aufzubessern. Klar, dass ausländische Touristen dann oft schon einen Hubschrauber brauchen, um ungestört fischen zu können. Die Studenaya Lodge liegt dann auch ideal, mit besonderer Genehmigung, etwa 70 Hubschrauber-Minuten von Magadan entfernt, inmitten des dortigen Nationalparks. Für Einheimische ohne Erlaubnis unzugänglich…. Schade dass es soweit kommen musste.
Eigentlich ist die Anreise kurzweilig; wenn alles klappt. In gut 2 ½ Stunden fliegt die Aeroflot von Deutschland oder den angrenzenden Ländern nach Moskau Sheremetyevo 3. Pass-und Zollkontrolle gehen heutzutage rasch voran und 3 Stunden später zieht, von der gleichen Plattform, die Boeing 767 in knapp 7 ½ Stunden nach Magadan, wo die Uhr schon 10 Stunden weiter als bei uns schlägt. Abhängig vom Wetter fliegt der Hubschrauber dort am nächsten Tag oder am Tag danach zum Fluss.
Unsere 13 Pax-Gruppe flog teilweise ab Frankfurt und teilweise ab Brüssel. Die Frankfurter landeten exakt nach Plan in Magadan. Die Brüsseler dagegen erst 2 Tage später, aber genau rechtzeitig, um mit den anderen den Hubschrauberflug anzutreten. Aber - es muss gesagt werden: 2 Nächte im Luxushotel in Brüssel mit anschließendem Business Class Flug der Aeroflot nach Magadan war keine schlechte Alternative.

Bei Ankunft in der Lodge, nach einem herrlichen Heliflug über die in der Sonne badende Taiga, oft durchkreuzt durch silberne Flüsse und viele Seen, wurden wir ganz herzlich begrüßt von Sacha und Viktor, die wir schon vor fast 20 Jahren beim ersten Yamabesuch kennenlernten.

Im Winter hatte es einen Brand gegeben. Drei Holzkabinen sind weg. So sollten 6 Leute in einer großen Holzkabine mit Holzofen, Betten und Elektrizität vom nicht hörbaren Generator untergebracht werden. Die Übrigen bezogen zu je 2 Personen (7) Großwandzelte, die wie das Blockhaus ausgestattet waren. Nach 6 Tagen sollte gewechselt werden, was aber von allen Zeltbewohnern nicht genutzt wurde. Die Anlage enthielt sonst noch ein großes Blockhaus mit Restaurant und Küche, ein großes Blockhaus mit Vorraum, Trockenraum, Sauna und Duschecke, mit 24 Stunden warmem Wasser! Dazu 2 saubere Toiletten, eine Anlage zum Waschen und Zähneputzen, zwei  50 PS Jetboote, sieben 2-Personsschlauchboote und weitere Anlagen, Werkstatt und Gemüsegarten, samt 6 Leute Personal, von denen 2 Guides, inklusive 1 richtiger Fliegenfischer/Fischereiinspektor waren.
Die Studenaya Lodge selbst liegt etwa 60 Kilometer vom Meer entfernt, strategisch günstig positioniert, dort, wo die teefarbene Studenaya in den klaren Yamastrom fließt. Lachse steigen zwar kaum den 
Studenayafluss selbst hoch, aber sie halten doch oft eine Weile hier. Kundzhas dagegen lieben diesen Nebenfluss. Deswegen ist dies, je nach Wassermengen, ein ausgezeichneter Homepool. Klar, dass wir es hier wohl 11 Nächte aushalten würden.
Als wir den Fluss zum ersten Mal wiedersehen, steht dieser, trotzt gutem Wetters, mindestens 1 Meter höher, als wir es je gesehen haben. Er ist aber noch relativ klar und kann deshalb wohl befischt werden. Jedoch nicht so, wie es vor Ort normalerweise praktiziert wird. Im Normalfall wird etwa die Hälfte der Teilnehmer vom Camp aus bis etwa 10 Kilometer nach oben gefahren und lässt sich dann zu je zweit und mit Lunchpaket im Schlauchboot hinuntertreiben.
Unterwegs wird an Erfolg versprechenden Stellen gehalten, vom Land bzw. watend gefischt und Mittags am Lagerfeuer z.B. ein Saibling gebraten. 
Der andere Teil floatet entsprechend vom Camp nach unten und wird abends wieder abgeholt. Am nächsten Tag wird gewechselt. 
Bei diesem Hochwasser jedoch wurden an den ersten beiden Tagen nur die Jetboote eingesetzt, mit Positionswechseln nach je etwa 2 Stunden fischen.
Und das war gar nicht so leicht, denn bei richtigem Hochwasser sind die Fangstellen recht begrenzt. In ruhigen Abschnitten wurden zwar viele Saiblinge und einige Äschen gefangen, aber mit den (Silber)Lachsen und Kundzhas schien nicht viel los zu sein.
Der Fischinspektor meinte, es wäre sehr lange kalt gewesen. Die Lachse wären bedeutend, also bis zu 2-3 Wochen länger als sonst im Meer geblieben. Jetzt würden sie in Rekordtempo aufsteigen, damit sie noch vor dem frühen Wintereinbruch ihr Laichgeschäft machen konnten. Pools, soweit überhaupt erkennbar, wurden einfach überschlagen. Wo waren sie denn, diese Silberpfeile? 

Die erlösende Nachricht kam dann von einigen aus der Gruppe, die auch eine Spinnrute mitgenommen hatten.

Sie hatten problemlos (in Abschnitten, abgesondert von den Fliegenfischern!) je 15-20 Lachse, relativ frische  Hundslachse und ganz frische Silberlachse am Tag gefangen.

Und zwar, bemerkenswert, voll in der Hauptströmung; kaum im ruhigem Wasser. Bernd Schuster ergänzte dann mit der Bemerkung, dass auch er und Hans Oyen zwar nicht so viele, aber doch mehrere Lachse mit der Fliege erwischt hatten. 
Ja, und wie?

Fast alle Lachse suchen eine Aufstiegstiefe von 70-90 cm, seitlich des Hauptstromes auf. Dort, wo es etwas ruhiger fließt, wenngleich dies auch nur relativ ist. 

Also, hinein waten bis ca. 60 cm Tiefe und Schwimmschnur mit Jig in 45 Grad (Teeny 200-250 mit weniger schweren Fliege geht auch) querüber auswerfen und nicht einstrippen, bis die Schnur still liegt. 

90 Grad, also quer zum Ufer auswerfen, das heißt, eine ganze Weile ohne Fischvorkommen fischen.

Und Einstrippen beim Hinunterfließen bedeutet, die Fliege schneller, zu schnell, zu machen. Auch falsch.

Natürlich erfolgen die meisten Anbisse beim Strecken der Schnur und beim anschließenden Einstrippen… Und siehe da: jeder fing frische Lachse; aber nicht alle gleich viel und schon mal sicher nicht an allen Tagen. 

Wieso? Zwar wirkten einige Fliegen, vor allem die mit aufwändigem Eimuster, deutlich besser als andere.

Auch gab es favorisierte Plätze, die nicht jeden Tag von den gleichen Leuten befischt werden konnten. 

Aber vor allem, weil die Wasserhöhe fast jeden Tag schwankte. Wo man gestern 3 Meter hinein waten musste, sollte man heute 6 bis 10 Meter hinein gehen. 

Dort wo gestern Strömung war, ist heute ein Pool und dort wo gestern gute Fische gefangen wurden, gibt es heute nicht viel zu holen.

Gegen Ende unseres Aufenthaltes konnten so alle der Teilnehmer sehr zufriedenstellend Ihre Lachse fangen.
Die gut ausgerüsteten Fliegenfischer schafften schon 10 - 20 frische, silberblanke Lachse am Tag.

Und das war nur gut, denn nach anfänglichen hervorragenden Fängen von Saiblingen und Äschen nahm dies zum Schluss hin deutlich ab. 
Es sei denn, man hatte eine noch kaum befischte Stelle gefunden. Und dies war oft der Fall, wenn sich eine neue Bank gebildet hatte, dadurch, dass sich das Wasser zurückgezogen hatte.

Eine Ausnahme waren da die herrlichen Kundzhas.

Jeder konnte über die ganze Zeit mehrere dieser wunderschönen Fische bis ca. 1 Meter Länge überlisten.

Fazit: Gute Logistik, gute Ausstattung des Camps, hervorragendes Essen, sehr freundliche Betreuung vor Ort und überdurchschnittliche, wenngleich schwierige Fischerei, wobei die traumhaften Kundzhas, Äschen und die Frischheit der Lachse überraschte, die Saiblinge bis auf einigen Ausnahmen jedoch (und sicher im Vergleich zur Okhota) zu klein waren. 

Unklar ist, ob die Yama Lodge in 2011 operieren darf. Sie liegt im Nationalpark und sieht jedes Jahr gespannt nach einer Verlängerung aus...

Bericht verfasst von: Dr. Wim Ramakers, Oktober 2010.
Der Autor steht für Interessenten-Fragen gerne zur Verfügung (über die Redaktion).



Ein Bericht von Wim Ramakers für www.fliegenfischer-forum.de - Januar 2011. Fotos: Autor und Stefan Benzinger.
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