Fischen in Portugal

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.

rychciak

Fischen in Portugal

Ungelesener Beitrag von rychciak »

Hatte im September eine Umfrage zu Portugal gestartet. War leider nicht viel in Erfahrung zu bringen. Bin aufs Gratewohl los und habe es mit dem Fischen probiert. Hier mein Bericht:

Portugal

Vom 09.10. bis 21.10.2004 besuchte ich zum ersten mal die Algarve. Die Temperaturen lagen zwischen 21 und 30 Grad. Die Sonne schien üppig und der Atlantik war ungewöhnlich warm. Der Atlantik ist auch das Stichwort für meinen Bericht. Im Fluggepäck hatte ich eine 8er Flugrute und passende Schnur (schwimmend und sinkend), eine Teleskoprute 3,60m und zwei Spinnruten 2,70.

Die Briese vom Meer und die starke Brandung am ersten Tag der Anreise ließen ahnen, dass sich das Fischen mit der Flugrute problematisch entwickelt.

Aber nun zu meinem Bericht. In Sagres hatte ich das erste mal Gelegenheit einheimische Angler zu beobachten, wie sie von den etwa 60 m hohen Klippen der "Fortaleza" und "Cabo de Sao Vicente" Robalos und andere mir nicht bekannte Fische hochkurbelten. Die Ausrüstungen waren z. Tl. sehr alt und grob. Sie verwendeten 4 - 5 m Ruten, eine große Korkpose mit etwa 2m langen Vorfach. Als Köder kamen Makrelenstücke und Muschelfleich an den 4er Haken. Aber sie waren sehr erfolgreich. Von einem Wirt habe ich erfahren, dass von den Klippen alljährlich Angler stürzen und ich beschloss, es gar nicht erst zu versuchen. Die Strände von Sagres waren zum Fischen ungeeignet, aber sehr schön. Der "Praia de Beliche" ist ein Mekka für Wellenreiter aus aller Welt. Auf meiner Suche fand ich einen Abstieg auf dem Weg zum "Cabo de Sao Vicente", dem westlichsten Zipfel Europas. An der 2. Angelplatzmarkierung (Straße zum Kap) ist ein Abstieg mit leichten Gerät möglich. Bei ruiger See konnte ich Meeräschen und andere Fischschwärme beobachten. Leider neigte sich der Tag dem Ende und ich musste ohne zu Fischen den Rückweg zu meiner Unterkunft, übrigens ein schönes Ferienhaus in der Nähe von Poches, antreten.

In Portimao, am Strand "Praia da Rocha"´ beobachtete ich einen einheimischen Angler, der mit Brandungsruten auf hochrückige Fische aus war. Als Köder verwendete er in Salz eingelegtes Muschel- und Schneckenfleisch. Er gab mir zu verstehen, dass die Zeit der Ebbe um 18:00 Uhr die beste Fangzeit sei. Vor dem Vorfach, etwa 2,50m lang, war ein 100g Blei eingeschlauft. Auch hier wurde mit der 4er Hakengröße gefischt.

An der Mole vom Hafen Portimao, Arade-Mündung, boten die Fischer als Köder Wattwürmer an und waren damit durchschnittlich erfolgreich auf Robalos und Hochrückige. Im Yachthafen von Portimao tummelten sich die Meeräschen und ich beschloss, es mit der Fliegenrute zu probieren. Der Wind war stark, doch die Gebäude vom Hafen lenkten den Wind vom Yachthafen weg. Als ich mein Gerät fertig machte, stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich meine Fliegenboxen vergessen hatte. Nur einzelne Trockenfliegen wie die Red Tag hefteten an meiner Weste. Ich bot die Fliegen an, doch nichts passierte. Die Fische schwammen zur Fliege und drehten wieder ab. Gefrustet packte ich wieder zusammen, mit dem festen Vorhaben, es an einem anderen Tag mit sog. Brotfliegen zu versuchen. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen.

Im Yachthafen von Quarteira tummelten sich Massen von Meeräschen. Das Fischen ist aber an der Nobelpromenade verboten. Lediglich am Hafeneingang kann man es mit der Grundangelei versuchen. Spinnfischen ist sicher auch bei ruiger See möglich.

In der "Praia do Albandeira" nähe Poches hatte ich endlich einen Angelplatz entdeckt, von dem man aus nicht sehr großer Höhe (etwa 5m) auf Robalos & Co fischen kann. Hier kam auch meine Nichtfischerfamilie auf ihre Kosten. Der Strand mit weißen Sand lag abgelegen und war nicht so überlaufen wie die anderen Strände in den Städten und Turistikhochburgen. In den Felsen hat das Wasser eine Vielzahl von Grotten und Durchbrüche gewaschen. Man kann direkt mit dem Auto zum Strand. Einen teuren Imbis gab es auch dort.

Die beste Fangzeit war 08:00 und 18:00 Uhr vor dem Tied (Rückkehr der Flut). Wattwürmer sind sehr fängig, allerlei Hochrückige und Robalos gingen an den 4er Haken. Die Wattwürmer gab es in einem Angelfachgeschäft in Faro. Als Vorfach verwendete ich 1,5 m, 0,30er Monofile und die schon erwähnte Korkpose. Die Korkpose bastelte ich mir aus einen Flaschenkorken, da ich meine Korkposen für die Köderfischangelei zu Hause gelassen hatte und einen Neukauf ablehnte. Die Größe der Fische ist nicht erwähnenswert. Es tröstete mich, dass die Einheimischen auch keine größeren an den Haken bekamen. Das Fleisch war sehr wohlschmeckend und die Mittel- und Bauchgräten gingen leicht auszulösen.

Gleich in der Nähe, in westliche Richtung liegt der Strand "Praia do Parranquinho". Dort befindet sich eine Felsplattform ca. 1 m über dem Wasser, die leicht zu erreichen ist. Bei ruhiger See kann man es mit der Fliegenrute oder Spinnrute versuchen. Leider entdeckte ich die Plattform am letzten Tag meines Urlaubes und die starke Brandung ließ ein Fischen nicht zu.

Alles in Allem war das Fischen im Meer wenig attraktiv. Von der Steilküste ist das Fischen nur auf Grund oder Pose möglich. Lediglich seichte Buchten, wenn man sie denn findet, Häfen und Flussmündungen lassen eine Meeresfischerei bei ruhiger See mit der Fliege zu. Fairerweise muss ich aber sagen, dass ich keine Angelreise sondern einen Familienurlaub gemacht habe. Bei einer reinen Angelreise wären sicher bessere Erfolge zu verzeichnen gewesen.

Für die Nichtangler habe ich hier noch ein paar Tipps. In der Stadt Loule findet jeden Sonnabend ein großer Wochenmarkt statt. Hier bekommtst du erstklassiges Obst und Gemüse sowie Fleisch und Fisch zu kaufen. Gleich in der Nähe von Loule, in Almancil gibt es eine gute Kartbahn. In Almancil war auch unsere Fussball Nationalmannschaft zur EM einquartiert. Quarteira und Vilamoura solltest du meiden. Das sind große Touristenzentren, wobei letzteres für die Golfer attraktiv sein soll. Lissabon ist eine Reise wert, pass aber auf und lass dir keine Drogen aufschwatzen.

Die Küstenstadt Carvoeiro liegt in einer Bucht ohne Hafen. Das Panorama ist traumhaft und es gab eine Vielzahl von Restaurants die zum Verweilen einluden.
___________________
Wer mehr wissen möchte, kann mich per mail erreichen. Vielen Dank für alle die mir Tips gegeben haben.


Petri Heil
Gerd
Antworten