Dorfbach bei Niederpfriemelhausen

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

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Wolfgang Hinderjock
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Ungelesener Beitrag von Wolfgang Hinderjock »

Um den Thread mal wieder in die Ernsthaftigkeit zurück zu führen, es geht ja immerhin um ein berühmtes Gewässer!

Vor einigen Jahren hatte ich ausgiebig Gelegenheit den Dorfbach von Niederpfriemelhausen zu befischen.
Das begab sich so, eigentlich war ich in den Harz gereist um einen familieren Besuch bei meiner entfernten Verwandtschaft abzustatten, zumindest vorgeblich, das möchte ich mal eingestehen.
Wenn man nun mit der ganzen Familie verreist, ist es manchmal so, daß mitgeführtes Angelgerät ein gewisses familieres Spannungspotential bieten kann. Ich hatte mir damals gerade eine neues Auto gekauft, die Tatsache, daß sich bei dem von mir erwählten Modell im Kofferraum zwei Klappen befinden, in denen man eine dritte Sitzbank verschinden lassen kann spielten bei der Kaufentscheidung eine nicht unwesentliche Rolle.
Ich kaufte also die dritte Sitzbank nicht mit, wohl aber diese Klappen!
Die Hohlräume unter diesen Klappen können eine Fliegenfischerausrüstung inclusive Wathose bequem aufnehmen und spiegeln dem familiären Umfeld doch einen leeren Kofferraum vor, das schützt vor übellaunigen Gesichtern beim Verladen des Gepäcks und anschließendem Gemecker über die ersten 100km der Fahrt.
Dort angekommen, wo die schon erwähnte Verwandtschaft wohnt, gelang es mir nach hastigem Quartiermachen etwas zeitlichen Freiraum zu gewinnen, ziemlich unverdächtig verschwand ich also mit "leerem" Kofferraum vom Gehöft, das Gesicht meiner Frau spiegelte allerdings gewisse Ahnungen ihrerseits wieder.
Nach wenigen Minuten stand ich dann also am Gestade eines mir wohlbekannten Wässerchens, doch oh Schreck, überall von den Uferbäumen und von den Brücken leuchteten mich rote auf der Spitze stehende Quadrate an, das ganze Wässerchen war eine einzige Schonstrecke geworden.
Beim Stadtbummel am nächsten Vormittag bog ich dann mal so ganz beiläufig in den örtlichen Angelladen ab, um mich kundig zu machen.
Die Kunde die ich vernahm machte mich nicht so recht glücklich, das besagte Wässerchen hatte im Vorjahr ein derbes Hochwasser erlebt, wohl auch ein damit verbundenes Fischsterben und war nun neu besetzt worden, was eine Sperrung über längere Zeit nach sich zog.
Der Angelladenbesitzer muß wohl mein länger werdendes Gesicht bemerkt haben und meinte plötzlich, er hätte da noch was.
Da wäre noch der Dorfbach von Niederpfriemelhausen, ein absoluter Geheimtip, insbesondere etwas für Tippetarienfischer.
Innerlich rätselte ich nun herum was ein Tippe-dingsda sei, kaufte aber trotzdem eine Tageskarte. Ich wollte mir die Blöße nicht geben danach zu fragen, hatte auch wenig Zeit, denn auch das größte Softeis an welchem gerade die Famile schleckte ist einmal zu Ende!
Ich erschien garade noch rechtzeitig wieder auf der familieren Bildfläche......
Nur meine Frau schaute mich mit einem eigenartigen Lächeln an.

Am nächsten Morgen, ich leistete gerade gedankliche Schwerstarbeit, da mich zwei wichtige Fragen quälten, was ist ein Tippedingensda und wie seile ich mich ab, die Zeit der Tageskarte lief ja..............
Das Grübeln hatte schnell ein Ende, meine Frau verkündete den Tagesplan, ich kam darin komischerweise nicht vor, sie lächelte bloß wieder so eigenartig........
Plötzlich stand ich alleine da, nur ich, die Tageskarte, mein Auto und seine Klappen, respektive deren Inhalt.
Wenige Augenblicke später hetzte der olle Diesel durch die Serpentinen in Richtung Niederpfriemelhausener Dorfbach.
Erst erfolgte eine Kurzbesichtigung des Gewässers, welches direkt durch Niederpfriemelhausen führte, schnell fand ich auch den steingefassten Teich mit dem Springbrunnen.........
Die Tageskartenstrecke begann allerdings etwa einen Kilometer weiter unten, oberhalb eines Wehrs.
Ich fand auch schnell einen Parkplatz und begann die Wathose über meine Sonntagskluft zu stülpen, besser gesagt, wer mich kennt der weiß, das ich mich mehr hineinwurstete, auf meinen Pullover mußte ich verzichten, der ließ sich nicht mehr mit einwursten. So schritt ich dann in dem an seinen Dehnungsgrenzen angekommenen Teil von Wathose mit frischgebügeltem hellblauen Hemd an den Start.
Ehrlich gesagt, ich hatte einen verpatzten Start, ich rutschte auf der steilen Böschung aus, ein Ast verhakte sich unter meiner Axelhöhle, es machte laut "Ratsch....." und das Hemd war hin, ich trug nun also teilweise brust-und rückenfrei.
Vom Ufer ließ sich der Bach nicht befischen, da die Zäune der anliegenden Grundstücke bis ans Wasser gingen, teilweise bestand das Ufer auch aus Mauern.
Ich fischte mich nun langsam stromauf, durch einen recht beißfreudigen Bestand an untermaßigen Bach-und Regenbogenforellen, die größeren Exemplare waren wohl alle in einem nichtbeangelbaren Nebenarm zu Hause, wo sie von vielen Leuten mit Maden gefüttert wurden, der örtliche Händler konnte sicher schon vom Madenverkauf an Urlauber recht gut leben.
Paar hundert Meter weiter hoch schien sich das mit den Maden bei den Fischen noch nicht so herumgesprochen haben, ich löffelte aus einer schmalen tiefen Rinne immerhin eine gute 50er Bachforelle heraus.
Wenige Minuten später stand ich dann am Springbrunnen, der eigentlich den Namen "Kurteich" führte.
Besser gesagt ich stand an der Wehrmauer des besagten Teiches wo ich wie durch kleine Burgzinnen erstmal einen Blick nehmen durfte.
Ich umging das Wehr und da war ich nun.
Ein Raunen ging durch die Menge der an der Ufermauer versammelten Kurgäste und Urlauber, man schien auf mich gewartet zu haben.
Laute Zurufe und heftiges Gestikulieren rundum, ich überlegte kurz ob ich mich nun verbeugen müsste.
Durch den Teich zogen einige recht respektable Regenbogenforellen, wohl auf den Madensegen von den Mauern wartend, einige Exemplare waren echt gewaltig. Ich fühlte mich plötzlich wie in einer Mischung von Lake Platsch und Circus Maximus..............
Wohl hatte ich einige meiner fiesen giftgrünen Platsch-Streamer dabei auch war Schaumstoff für eine Notbrotfliege vorhanden, aber angesichts der johlenden Menge, die kleine Bogenbrücke über den Teich hatte sich inzwischen auch gefüllt, verließ mich der Mut, gesenkten Hauptes verließ ich unter Unmutsäußerungen der Zuschauer die Arena.......Feigheit vor dem Feind, wobei mich große Regenbogner nicht schrecken!
Etwas abseits des regen Zuschauerbetriebes bagann ich weiter oberhalb wieder mit der Fischerei, der Abschnitt war allerdings sehr breit und ganz flach, hatte auch kaum Einstandsmöglichkeiten, nach einigen Metern stieß ich aber auf eigenartige Gebilde aus Beton die in den Gewässergrund eingelassen waren, in ihrer Mitte prangten glänzende Edelstahlgeländer, waren das etwa die rätselhaften Tippeldinger?
In einem dieser Dinger zog ein Senioerenklub mit gerafften Röcken und hochgekrempelten Hosen im Storchengang seine Bahn, immer im Kreis herum.
Nun fielen in meinem Gehirnkasten doch einige Relais ab und ich begriff endlich was ein Tippetarium ist, der olle Kneipp möge mir meine damalige Unwissenheit verzeihen......
Diese Tippeldinger waren aber nicht nur für Seniorenklubs von Interesse, waren diese etwas tieferen Bereiche doch die einzige Einstandsmöglichkeit für Fische in diesem Abschnitt.
So eilte ich von Tippetarium zu Tippetarium und machte mich mit den Gegebenheiten des Tippetarienfischens vertraut, zugegeben die Geländer störten anfangs etwas, doch gelang mir tatsächlich der Fang von weiteren drei maßigen Fischen, es hätten mehr sein können, wären nicht die Kreistrampler gewesen, welche von diesen vorzüglichen Angelstellen Besitz ergriffen hatten.
Auf dem Rückweg zum Auto, auf einem etwas vom Wasser entfernten Wanderweg begegnete mir ein einheimischer Fliegenfischer, der auf diese Weise den "Kurteich" weiträumig umging, auch son Feigling.............
Am Auto angekommen verstaute ich meinen Krimskram wieder in den besagten Klappen, seltsamerweise verblieb der da auch den Rest des Urlaubs.
Niederpfriemelhausen gibt es scheinbar öfter.
Zuletzt geändert von Wolfgang Hinderjock am 08.06.2005, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Wolfgang !

Du hast mir ja richtig Mut gemacht, da werde ich doch zusätzlich einen Steinschlaghelm mitnehmen. Wo ich den aber im Auto unterbringe ohne daß es jemand merkt, weiß ich noch nicht .

Dein Bericht hat Vorbildwirkung auf mich, in jeder Hinsicht.

Es grüßt den "MASTER OF HORRIFIC GREEN STREAMERS"

freundlichst
Gebhard
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Reisebericht

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

REISEBERICHT NIEDERPFRIEMELHAUSEN

Die Anreise gestaltete sich als äußerst schwierig, da mein Navigationssystem diesen weltberühmten Kurort anscheinend nicht gespeichert hatte und so kamen wir nach einem sauber gefahrenen Violinschlüssel, der jeden Musikfreund entzückt hätte, endlich am Kurort an. Das Hotel glich allen Hotels in Kurorten, nicht mehr ganz taufrisch, aber gut in Schuss, wobei die freundliche Begrüßung wohltuend zu vermerken war.
Auf den Zimmerbalkonen saßen einige Kurgäste unter weiss-blauen Sonnenschirmen, Jahrhunderte blickten auf uns herab und genauestens taxiert bezogen wir die geräumigen Zimmer.
Das schon geschlossene Gemeindeamt verhinderte ein sofortiges Fischen und so blieb nur die Gewässerbesichtigung. Der durchflossene Dorfteich mit Springbrunnen wurde als Plantschbecken für Alt und Jung massiv genützt, trotzdem konnte ich einige starke Forellen hinter der Wasserwand des Felsenspringbrunnens ausmachen.
An den Tippetarien im Fließwasser, eifrigst benützt von den älteren Herrschaften beobachtete ich mehrere Schatten von größeren Fischen, die anscheinend ohne sich um die “Wassertreter“ zu kümmern Jagd auf Nymphen machten.
Ansonsten bot der Bach wenig , ziemlich viel Braunalge überzog den Boden wo die Fließgeschwindigkeit niedrig war.

1. Fischtag
Nachdem ich die Lizenz für eine Woche gelöst hatte, war es für den durchflossenen Dorfteich schon zu spät, der Badebetrieb hatte eingesetzt und so entschloss ich mich, dem Oberlauf mit den Tippetarien einen Besuch abzustatten. Auf Grund der Beobachtungen des Vortags sollte hier was zu fangen sein, doch zu meiner Überraschung reagierten die gestern so gar nicht scheuen Fische auf mein Erscheinen mit panischer Flucht. Deckungsmöglichkeiten gab es so gut wie keine und ziemlich ratlos stand ich in der Botanik . Also weiter aufwärts, da gibt es wenig zu berichten, der Bach war eingetieft verbaut und rieselte geradeaus ohne Kehren oder kleine Schwellen, die sich als Fischstandort geeignet hätten, dahin . Am Rande unter hereinhängendem Gras konnte ich einige kleinere Forellen entdecken, mit Fangen war aber nichts. Plötzlich entdeckte ich in einiger Entfernung Büsche und ein Wehr, mein heftiges Marschieren wurde von der Tafel “Fischereigrenze Niederpfriemelhausen“ 40 m vor dem Wehr abrupt gestoppt. Etwas unschlüssig ging ich weiter, lehnte meine Fliegenrute an einen Busch und schob vorsichtig den Kopf über die Kante der seitlichen Mauer.
Das Paradies tat sich auf , große Schatten am Gewässergrund verrieten die Anwesenheit von Fischen jenseits der Kilomarke, am Rand standen kleine Bachforellen und inhalierten irgendwelche antreibenden Insekten, im Auslauf pendelte eine stattliche Äsche in der Strömung.
“Hier dürfen Sie nicht fischen, das ist privat !“ schreckte mich eine Stimme auf, ein junger Mann stand hinter mir und betrachtete mit Interesse meine Fliegenrute.
“Hatte ich auch nicht vor, aber schauen wird man ja noch dürfen !“
“Mit einer aufgebauten Rute haben Sie hier nichts verloren !“
Da hatte er Recht und nach einer Entschuldigung meinerseits, dass dies Angesichts dieses tollen Fischbestandes doch verständlich sei, gingen wir beide unserer Wege. Der meine führte mich geradewegs an die Hotelbar; mit einem “Glen Fiddich“ bekämpfte ich meinen Frust.

Fortsetzung folgt
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Foprtsetzung

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

2. Fischtag
Am nächsten Tag war ich schon sehr früh auf den Beinen um vielleicht den Teich in der Ortsmitte für mich alleine zu haben. Die Forellen waren aber anders gewitzt, sobald ich mich zeigte, wanderten sie im Pulk, gemächlich auf die gegenüberliegende Seite. Als die ersten Badegäste auftauchten verzog ich mich ohne einen Erfolg verzeichnen zu können. Also wieder aufwärts zu den Tippetarien und hier machte ich die verblüffende Erfahrung, dass sich Forellen durch die wassertretenden Anhänger Kneipps nicht im geringsten stören ließen, wenn jedoch meine Person mit der Fliegenrute erschien, stürmte alles in wilder Flucht davon. Der restliche Tag gehörte der Familie und eine kleine Wanderung, die uns an einem heimlichen Waldsee führte, wurde mit einem Bade in demselben zum Genuss. Abends an der Bar (nachdem sich die Familie auf ihre Zimmer zurückgezogen hatte) erzählte ich dem Juniorchef des Hauses meine Begegnung vom Vortag am Wehr, er lachte und meinte, das sei der Sohn des Bürgermeisters gewesen, wobei das gesamte Gewässer seinem Vater gehöre , der den oberen Teil wie seinen Augapfel hüte und ausnahmslos niemand fischen lasse.

3.Fischtag
Die Tippetarien ließen mir keine Ruhe und so begab ich mich am Vormittag dorthin, einfach um zu beobachten und vielleicht doch mal einen Fisch heimzubringen, da schon einige abfällige Bemerkungen über meine Fähigkeiten einen Fisch zu fangen gefallen waren. Da bemerkte ich, dass eine, wie ein Storch durchs Wasser staksende Kneippianerin, die Fische anscheinend mit restlichen Semmelstückchen vom Frühstück fütterte. Sofortiges Nachsehen in der Wochenkarte brachte keinerlei Köderbeschränkungen zu Tage, es war anscheinend alles erlaubt! Eine Rehhaarbrotfliege am Vorfach schlich ich mich wie ein Indianer an , alle Register meiner Wurfkunst wurden gezogen doch der Erfolg blieb aus, die Forellen zeigten keinerlei Interesse an meinen Rasierpinseln. Da es mittlerweile schon gegen Mittag ging und die Hitze unerträglich werden begann, blies ich zum Rückzug.
Als sich alles vor dem Abendessen nochmals auf die Zimmer verzog, war meine Zeit gekommen.
Mit einer übriggebliebenen Frühstückssemmel bewaffnet machte ich mich auf den Weg zu den
5 Tippetarien, die hintereinander versetzt im Bach eingebaut waren. Die Fliegenrute wurde ohne Rolle abgelegt. In der linken Hosentasche die Semmel, in der rechten die Fliegenrolle mit einem extra scharfen, dünndrähtigen Fliegenhaken, krempelte ich mir die Hosenbeine bis zum Knie hoch und begann wie ein Storch in das unterste Tippetarium einzusteigen. In der Hälfte der “Watstrecke“ konnte ich direkt vor mir eine starke Regenbogenforelle ausmachen, wie ein Blitz nahm diese die Semmel ! Der “Drill aus der Hand“ war eine spannende Sache und eine schöne Schnittwunde zierte danach den rechten Zeigefinger.
Binnen 25 Minuten konnte ich so drei Regenbogenforellen zwischen 37 und 42 cm zum nächsten Mittagessen landen, ohne dass meine zwar erlaubte aber sicherlich nicht waidgerechte Methode ruchbar geworden wäre.

Fortsetzung folgt
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Thomas aus Hamm
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Ungelesener Beitrag von Thomas aus Hamm »

Schöne Story Gebhard,

aber kannste jetzt nicht mal zum Wesentlichen kommen?????

KURSCHATTEN!!!:holla: Ü 70!!!!!:holla:

Ging da was????????

Auch gerne per PN, Du weißt Olaf bekommt schnell rote Ohren:D

;) Thomas
Zuletzt geändert von Thomas aus Hamm am 27.06.2005, 17:11, insgesamt 1-mal geändert.
I love Babs
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Kurschatten

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Thomas !

Dies ist die offizielle Version, der Kurschattenbericht folgt anschließend !

freundlichst
Gebhard ;)
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Schluss

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

SCHLUSS

Der Fang brachte mir im Hotel ungeahnten Ruhm ein, da Fischerfolg anscheinend selten war.
Nach Erfolg soll man immer eine Pause machen und wir verbrachten einen Badetag, der leider von einem Gewitter am späten Nachmittag abrupt unterbrochen wurde. Es grummelte die ganze Nacht so herum und am nächsten Morgen war der Bach braun aber wie es mit diesen Niederungsbächen ist, das dauert nicht lange und das Wasser klärt sich wieder. Am nächsten Morgen zog ich nochmals los, aber ohne Rute, mein Ansehen als Fliegenfischer war ja gefestigt und so überaus ansprechend war die Fischerei nun doch nicht.

Ohne Rute wanderte ich zum Wehr und da traf ich IHN !
Das konnte nur der Gewässerbesitzer sein, irgendwie passte das ganze Aussehen zusammen, er fischte eine alte Gespließte, die Klamotten abgetragen, die Beine in Kniestiefeln, hatte er mit seiner Fliege auf meiner Bachseite eine überhängenden Weide gehakt und ein nicht druckreifer Fluch begleitete die vergeblichen Löseversuche. “Moment, ich mach das !“ rief ich spontan und machte mich daran ins Weidengehölz einzubrechen “Geben Sie bitte Leine !“, er ließ einen Schnurbogen, sodass ich das Vorfach ergreifen, den Ast zu mir ziehen und die Fliege lösen konnte, es war übrigens ein Royal Coachman, schon damals meine Lieblingsfliege. Ein gebrummtes Danke war die sparsame Reaktion und umgehend flog der Royal Coachman in die Gischt des Wehres. Plötzlich bog sich die krumme Gespließte zum Halbkreis, anscheinend hatte eine der großen Äschen, die ich schon bei meinem ersten Besuch als Schemen erkannt hatte, genommen. Es entwickelte sich ein schwieriger Drill, da ein mächtiger Busch am Ende des Wehrtumpfes ein Nachlaufen unmöglich machte. Nach ca 5 min passierte es, die Äsche ging unwiderstehlich abwärts, mich hatte das Jagdfieber gepackt, ich durchwatete ohne Rücksicht auf meine Bekleidung den Bach, denn ich hatte gesehen, dass ein Kescher aus seinem mitgeführten Rucksack ragte. Alles weitere war kein großes Problem mehr, die Äsche wurde eingesackt, sie hatte 48 cm , ein Prachtexemplar. Als ich ihm ein Petri Heil bot, hielt er mir seinen Flachmann hin und ein exzellenter aber starker Obstler brannte in meiner Kehle.
“Sie müssen der mit den drei Forellen sein ?“
“Ja, stimmt !“
“Nun aber mal ehrlich, womit haben sie die gefangen?“
Ich erzählte es ihm, er lachte: “Hab ich mir schon gedacht, anders kriegt man die Biester nicht, die werden mit dem Brot der “Wassertreter“ dick und fett“
“Wie lange bleiben Sie?“
“Übermorgen geht’s wieder heimwärts“
“Das passt, haben Sie Lust morgen mit mir zu fischen ?“
Was für eine Frage !:bouncing:

Die Familie plante eine Kutschenfahrt und ein Traumtag wurde Wirklichkeit,
wir fischten, fingen, fachsimpelten, plauderten über Gott und die Welt und beendeten den Fischtag in einem wunderbaren Waldgasthof, bei einem kühlen Bier im Garten unter uralten Kastanien.
:Prost:
Niederpfriemelhausen war eine Reise wert, wo das liegt ?
Keine Ahnung :confused:

Royal Coachman

Kurschattenbericht von J.W. folgt
Zuletzt geändert von Royal Coachman am 28.06.2005, 14:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

REISEBERICHT NIEDERPFRIEMELHAUSEN
(die Wahrheit !)
Josef Wolpertinger jun.

WO WAR ICH DENN DA HINGERATEN ?

Von den durchaus positiven Berichten von Wolfgang und Royal Coachman animiert hatte ich mich aufgemacht, diesem hinterwälderischen Kaff einen Besuch abzustatten.
Schon die Anreise , ein Albtraum :(, 240 km schmale, kaum zweispurige Straßen, schlecht asphaltiert , bergauf bergab, total gerädert kam ich an. Hier ist die wahrscheinlich einzige Übereinstimmung mit RC, Jahrhunderte beäugten kritisch meine Ankunft. Das Hotel, na ja zum Schlafen reichte es gerade, und bestaunt von den anderen Gästen bezog ich mein Zimmer. Meine Ankunft senkte den Altersdurchschnitt um 5 % (von 80 auf 76 !) . Das Kurcafé, malerisch gelegen am betonierten Dorfteich war eine Bruchbude und der Kaffee – nicht zum sauffa – wie mein alter Freund Fischersepp aus Oberbayern treffend bemerken würde.

Also nichts wie ins Gemeindeamt um die Fischerkarte :
“Was Fischerkarte, da wisse mir nix ?“
“Aber es steht doch im Ortsprospekt !“
Nach einigem hin uns her, bekam ich eine Adresse, wo es die Karte geben sollte.
“Fischerkarte ? Des macht nur der Vadda und der ischt jetzt in der Stadt und heimkommen tut er spät oder gar nit.“

Geduld, Geduld und nochmals Geduld !:(

Im sogenannten Kurcafé versuchte ich mit einem doppelten Cognac meine schon etwas ramponierten Nerven zu beruhigen, als mich ein ohrenbetäubendes “Tschinderassa Bumm Bumm Bumm“ vom Barhocker haute, die örtliche Dorfkapelle spielte zum 5 Uhr Tee mit Tanz auf.:band:
Es nützte nichts mehr, Freunde, es herrschte andauernd Damenwahl und so walzte, trottete oder marschierte ich die nächsten 1 ½ Stunden über die Tanzfläche (grimmiger Blick/brutaler Griff = Tango !).
Total ausgelaugt stopfte ich das Abendessen (kalte Platte) in mich hinein, verzog mich auf mein Zimmer und hoffte nach einer ausgiebigen Dusche auf Schlaf. Ein grundsätzlicher Irrtum, wie sich gegen 20 Uhr herausstellte, der “Sound of Blech“ vom gegenüberliegenden Kurcafé ertönte schon wieder, zwar etwas gedämpft, doch gut hörbar und verhinderte jegliche Nachtruhe. Nach 20 min zog ich mich wieder an und ging Nachschau halten, was denn da los sei :
HEIMATABEND !
:drums:
Man überreichte mir einen Begrüßungsdrink und ich durfte bei allen doofen Spielchen mitmachen, die bei solchen Veranstaltungen üblich sind es fehlten nur noch “Sackhüpfen“ und “Blinde Kuh“. :mad:

THOMAS, wenn Du diese Zeilen liest, ich hätte Unterstützung verteufelt nötig gehabt !:redeye:

Fortsetzung folgt
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Fortsetzung

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Am nächsten Tag versuchte ich gegen 10 Uhr die Fischerkarte zu ergattern, doch der Herr des Hauses war erst spät in der Nacht heimgekommen und ich musste mich in Geduld üben. So gegen 11 Uhr saß ich ihm dann am Küchentisch gegenüber, ein Kerl, wie ein Stehschrank mit überdimensionierten Händen, blickte mich durchdringend an :
“Also Fischen willsch bei mir ?“
“Ja, wenn’s möglich ist“
“drei Tag 100 Euro und ich sog’ Dir’s glei, bei der Tafel vorm Wehr isch Schluss, am Wehr hascht Du nix zum Suachen und dasch ma koan Wurm oder Heuschreck nimmsch !“
Mein “Nein, ich bin Fliegenfischer !“ rief ein undefinierbares Brummen hervor.
Unterdessen hatte er aus der Schublade des Küchentisches einen Kartenblock herausgeholt und begann mit krakeliger Schrift und ungeheuer
langsam die Lizenz auszustellen, dass er meinen Namen falsch geschrieben hatte, ließ ich unkorrigiert, sonst säße ich wahrscheinlich heute noch dort.
Endlich konnte ich ans Wasser, das mich für die bisherigen Ärgernisse entschädigen sollte, was soll ich euch berichten : im Bach Braunalgen, im Teich Grünalgen.

Die zwei Tippetarien erfreuten sich regen Zuspruchs und auf diesen hellen Stellen im Wasser konnte ich zwei Stunden nach den letzten Wassertretern eine Regenbogenforelle mit 35 cm haken. Der restliche Bach war geradlinig verbaut und bot den Fischen wenig Deckung, das war’s für diesen Tag und Gott sei Dank herrschte am Abend Ruhe, sodass ich eine ordentliche Mütze voll Schlaf nehmen konnte um früh morgens am Dorfteich beim Kurcafé mein Glück zu versuchen.

Fortsetzung folgt
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Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

spät aber doch !

4 Uhr morgens kroch ich aus den Federn, um diesem Dorfteich mit seinen doch beachtlichen Regenbogenforellen einen Besuch abzustatten. Doch meine Versuche wurden abrupt gestoppt, das Hotel war verschlossen wie eine Auster, ich konnte nicht hinaus ! Alle Zwischentüren Richtung Rezeption und Restaurant waren versperrt und der Zimmerschlüssel funktionierte hier auch nicht, was tun ? Nach einigem Herumsuchen entschloss ich mich im Halbstock (Stiegenhaus) beim einzigen Fenster auszusteigen. Gedacht getan, doch ich hatte nicht mit dem wachsamen Auge des Gesetzes gerechnet, nachdem ich endlich den Boden erreicht hatte (kleinerer Flurschaden am wunderbar wuchernden Klematis !) legte sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter und eine barsche Stimme fuhr mich an : “Was machen Sie da ?“ der örtliche Polizist hatte meine Bemühungen falsch gedeutet und mich für einen Einbrecher gehalten. Na wunderbar, der Ausweis lag natürlich im Nachtkästchen, aber Gott sei Dank konnte ich ihn mit meinen Fischerausweisen davon überzeugen, das ich kein Ein- sondern ein Ausbrecher sei. Er wünschte mir dann Petri Heil, warum er so grinste war mir ein Rätsel. :confused:

Vorsichtig näherte ich mich dem Teich, zwei riesige Fische, anscheinend Regenbogenforellen konnte ich ausmachen, die gemächlich am Ufer entlangruderten anscheinend auf der Suche nach Fressbarem.
Da keinerlei Deckung vorhanden war, kauerte ich mich ans Ufer um das Wiederauftauchen der beiden abzuwarten. Inzwischen hatte ich eine große Irrestisible ans 18er Vorfach gebunden.
Gerade als ich zum Wurf ansetze, zerriss lautes Gezeter die morgendliche Stille.
“Der will unseren Hansi fangen, der will unseren Hansi fangen !“ :complain:kreischte eine weibliche Stimme im höchsten Diskant und als ich mich umdrehte, sah ich mich mit einer Matrone im Schlafrock, bewaffnet mit einem Regenschirm konfrontiert. Meine Beteuerungen, doch keinesfalls ihren “Hansi“ entnehmen zu wollen, verhallten ungehört und ich musste schnellstens den Rückzug antreten, da der Regenschirm in der Hand dieser wildgewordenen alten Schatheke eine nicht zu verachtende Waffe darstellte.
“Ja, mit unserer Ortsobfrau vom Fremdenverkehrsverein ist nicht zu spaßen“:mocker4:meinte feixend der Polizist, der aus sicherer Entfernung die Szene beobachtet hatte
“den Hansi füttert sie schon zwei Jahre und bewacht ihn wie ihren Augapfel“ .
Dies erklärte auch sein Grinsen im Gesicht von vorhin, wie ein begossener Pudel trabte ich zurück zum Hotel, das Haus war mittlerweile geöffnet und ein kräftiges Frühstück brachte die Welt wieder einigermaßen in Ordnung. Trotzdem reichte es mir, und noch am selben Vormittag reiste ich ab.

Niederpfriemelhausen war KEINE Reise wert meint euer

Josef Wolpertinger jun
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