Die Nase

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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pehers
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Die Nase

Ungelesener Beitrag von pehers »

Servus werte Freunde!

Ich habe vor Kurzem einen Artikel über die Donau im Raum Aschach und den dortigen Fischbestand gelesen im Rahmen einer Renaturierung gelesen.

Dieser Artikel hat nun wieder einmal einige weitere Fragen aufgeworfen:

Vor dem Hintergrund der früher extrem weit verbreitenden Nasenbestände, stellt sich die Frage in wie weit würde es Sinn machen an Solmonidenrevieren diese wichtige Fischart wieder anzusiedeln. Vor allem in den voralpinen Flüssen (Traun, Enns, Ager, Ybbs...) müsste die Nase doch weit verbreitet gewesen sein.

Warum ist die Nase -auch in noch nicht gestauten Flußabschnitten so massiv zurückgegangen?

Wie weit in die Äschenregion hinein ist sie verbreitet und/oder verbreitet gewesen?

Beste Grüße und herzlichen Dank für Antworten,
Hans
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Rattensack
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Ungelesener Beitrag von Rattensack »

Hallo Hans,

diese interessanten Fragen sind für mich fast "maßgeschneidert" - darum möchte ich dir darauf sehr umfassend antworten. Im Moment hab ich leider kaum Zeit, ich werde in ein paar Tagen darauf reagieren!

Beste Grüße,
Clemens
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pehers
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Ungelesener Beitrag von pehers »

Passt - auf Dich habe zu dem Thema eh gewartet!

Hans
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pehers
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Ungelesener Beitrag von pehers »

Servus!

Noch eine Zusatzfrage:

Müsste sich nicht eine Wiederansiedlung in hohem Maße positiv auf den Gesamtfischbestand eines Gewässers auswirken, da die Nase eine ganz spezielle Nische in der Fischgemeinschaft einnimmt und so die Gesamtbiomasse beträchtlich ohne Verdrängung erhöhen könnte?

Hans
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Rattensack
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Ungelesener Beitrag von Rattensack »

Hi,
bemerkenswert welche Gedanken du dir machst und sehr interessante Frage, da werd ich mal gleich antworten! Weil die unglaublich wichtige Stellung der Nase in unseren ursprünglichen Gewässersystemen wird ja gemeinhin viel zu wenig erkannt und gewürdigt!

Im Rhithral (= Forellen- + Äschenregion) wird der Aufwuchs (DIE produktive Fläche in Fließgewässer - Mittelläufen) vor allem durch Insektenlarven genutzt (sog. Weidegänger, bekannt z.B. die Heptageniidien unter den Eintagsfliegen, welche nachts unter den Steinen hervorkommen und den Aufwuchs abweiden). Die Nahrungspyramide wäre damit z.B. Kieselalge - Eintagsfliege – (räuberische Köcherfliege) - Äsche - Huchen (- Mensch:) )

In ursprünglichen Systemen kam es zumindest temporär zu einer massiven Einwanderung von Nasen, welche wie du andeutest als einzige heimische Fischart den Algenaufwuchs effizient nutzt. Damit verkürzt sich die Nahrungspyramide auf z.B. Kieselalge - Nase – Huchen!

Wenn man bedenkt, dass sich laut Lehrbuch die Biomasse von einer trophischen Ebene zur nächsten etwa um den Faktor 10 verringert, kann man zurecht schließen, dass sich die Fischproduktivität dadurch massiv steigern sollte! So einfach ist das ganze natürlich aber auch nicht..

Quantitativ sehr bedeutend war vermute ich mal auch der Längstransport von Nährstoffen aus den Unterläufen in die Oberläufe im Zuge der Massenmigrationen, welche sich über viele hunderte km erstrecken konnten. (Durch Markierungsversuche nachgewiesen z.B. Barbe: Donau / Passau – Lech - Donau/ Wien! Nase: 446 km!). Geschlechtsprodukte, verendende Laicher, Jungfische ... da machte das Huchen sein im Rhithral vermutlich noch Spass...

Wieso es mit einem einfachen Wiederansiedeln im Rhithral nicht getan ist, bzw. wieso das i.d. Regel nicht funktioniert und wieso das Besetzen von Nasen sowieso fast immer ein unbeschreiblicher Blödsinn ist gibt's incl. einiger Beispiele demnächst!

Schönes Thema, find ich,
Clemens
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pehers
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Ungelesener Beitrag von pehers »

Servus Clemens!
Die Nahrungspyramide wäre damit z.B. Kieselalge - Eintagsfliege – (räuberische Köcherfliege) - Äsche - Huchen (- Mensch )


Huchen - Mensch:

H O F F E N T L I C H !!!

Beste Grüße,
Hans
Zuletzt geändert von pehers am 28.12.2005, 09:57, insgesamt 1-mal geändert.
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stefan grau

Ungelesener Beitrag von stefan grau »

Die Nase war z.B. in meiner Heimat dem Kanton Bern bis in die 50`er Jahre weit verbreitet - heute haben wir nur noch einen elendiglichen Haufen von weniogen Einzelindividuen.
Siw eurde grösstenteils vom Menschen ausgerottet, ja selbst die Angler betrachteten die Nase als Fluch und bürgerten in der Ssane z.B. den Huchen ein. Die Folge; Nasen weg (ok, nicht nur wegen dem Huchen), danach auch der Huchen.

Heute versuchen wir kramphaft wieder eine Einbürgerung der Nase, dies vorallem in den Aeschenstrecken.

Eine interessante Doku über die Nase gibts hier;

http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/shop ... 7hAeNA.pdf
oder hier;
http://unio.igb-berlin.de/abt4/mitarbei ... f/fh.shtml

Gruss und frohes, neues, fischreiches Jahr

Stefan
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pehers
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Ungelesener Beitrag von pehers »

Servus, noch eins:

Warum ist das Aitel auf deren anderen Seite auch in massiv degradierten Gewässern ein unheimlich erfolgreiche Fischart.

Aufgrund der Indifferenz gegenüber der meisten Faktoren (Struktur, Temperatur, Habitat) oder lediglich weil keine langen Wanderungen notwendig sind?

Beste Grüße,
Hans
Zuletzt geändert von pehers am 29.12.2005, 08:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Tom Doll
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Ungelesener Beitrag von Tom Doll »

Hallo Leute,

Ich habe so das Gefühl, daß die Nasen von selbst wieder kommen wenn es noch welche gibt.
In Rosenheim mündet die Sims - Rohrdorfer Ache an der Eisenbahnbrücke in den Inn. Jedes Jahr im April laichen dort die Nasen aus dem Inn auf einem großen Kiesbett. Nach den Beobachtungen der letzten Jahre sieht es für mich so aus als ob es wieder mehr Nasen werden. Gleiches gilt auch für die Barben. Das liegt sicher zum Teil dran, daß kaum noch jemand auf diese Fische angelt, bzw weiß wie das geht (gibt es auch)
Ob ein Besatz mit Nasen was bringt weiß ich nicht.
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stefan grau

Ungelesener Beitrag von stefan grau »

Nasenbesatz geht ohne probleme, wir machens jedenfalls erfolgreich, sofern alles andere am und im gesässer stimmt
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Rattensack
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Ungelesener Beitrag von Rattensack »

Servus Hans, hallo die anderen
spät aber doch!

Um die Nasen – Sache diskutieren zu können, müssen wir vorher kurz auf die Ökologie der Art mit Schwerpunkt Donauraum eingehen.

Nasen laichen auf stark überströmten Schotterbänken. Die Larven werden nach dem Schlupf passiv durch die Strömung abgedriftet, und sammeln sich in strömungsgeschützten Bereichen. Die Jungfische stehen auf stark überströmten Schotterflächen, je größer und älter die Nasen werden umso weiter raus ziehen sie. Ursprünglich war es den Nasen möglich, saisonal und entwicklungsabhängig die optimalen Lebensräume aufzusuchen. Beispielsweise konnte ein Individuum in den Beckenlagen der Donau wie Machland, Tullner Becken oder östlich von Wien (riesige, flach überströmte Schotterflächen, viel Licht! Algenwachstum!) fressen, zum Laichen in den Tiroler Inn, den Lech oder in die Traun/Ager/Vöckla/Alm ziehen, in der Wachau überwintern etc. Die stromauf gerichteten Wanderungen kompensierten dabei auch die Abdrift der Larven stromab. Experimentell wurden derartige Wanderungen über viele hunderte km durch Markierungsversuche Mitte des 20. Jahrhunderts belegt.

Was passiert nun wenn ein Gewässer reguliert, eingestaut und Wanderungen durch Kraftwerke unterbunden werden? In Gewässern, welche für alle Entwicklungsstadien geeignete Lebensräume auf genügend großer Strecke bieten, können sich Nasen halten. Ansonsten werden die in den Oberläufen gefangene Restbestände wenige Generationen weiter existieren, nach einigen Jahrzehnten jedoch verschwinden – die Bilanz ist hier negativ, wenn alle Lebensstadien in einem Gewässerabschnitt gefangen sind. So geschehen in der gesamten steirischen Enns, wo nach Errichtung der Kraftwerke (stromab des Gesäuses) Nase und Barbe verschwanden. Tiroler Inn genau dasselbe. Mur, Drau, Salzach, Traun ähnlich.

Ob die Nase in einer Gewässerstrecke (also in der Regel zwischen unpassierbaren Querbauwerken) eine selbst erhaltende Population bildet, ist also ein dynamisches Gleichgewicht aus Jungfischabdrift, stromauf gerichteten Kompensationswanderungen und Verfügbarkeit bzw. Qualität des Lebensraumes für die unterschiedlichen Lebensstadien.

Grundsätzlich gilt die Nase als etwas rhithraler als die Barbe, d.h. sie kommt bis weiter in die Oberläufe vor (Beispiel Obere Drau). Allerdings ist die Nase empfindlicher gegenüber Gewässerverschmutzung, anspruchsvoller hinsichtlich des Lebensraumes (Laich- und Jungfischhabitate!) und reagiert stärker auf die Fragmentierung des Lebensraumes durch Querbauwerke.

Wenn in einem Gewässer aktuell Barben nachzuweisen sind, ist dies als fast sicherer Hinweis zu deuten, dass das Gewässer historisch auch Nasen führte. Damit zurück zur Traun&Ager, wo es heute noch Barben gibt, Nase aber futsch. Historische Aufzeichnungen gibt’s beispielsweise vom Kloster Lambach aus dem 18. Jhdt. Aus Traun, Ager, Vöckla und Alm wurden jährlich einige tausend Pfund Nasen und Barben und einige hundert Pfund Huchen gefangen! Hier haben wir eine Sondersituation, weil wohl auch die Gütesituation für das Verschwinden der Nase verantwortlich war.

Ich kenn das System zu wenig, um zu beurteilen, ob eine Wiederansiedelung der Nase vielleicht Erfolg versprechend wäre. Hängt vermutlich damit zusammen, wie groß zusammenhängende Fließstrecken sind. Fischtreppen können kaum die Massenmigrationen der Nase ermöglichen (weißt du zufällig, ob’s beim KW Lambach ein Monitoring der FAH gab?). Die Art ist grundsätzlich sehr anspruchsvoll, was die Funktion von Fischaufstiegen betrifft. Eine starke Dotation im Verhältnis zum Gesamtabfluss, optimale Auffindbarkeit des Einstieges und großes Wasservolumen im Fischaufstieg dürften besonders wichtig sein. Wohl aber können gute Fischaufstiege eine natürliche Wiederbesiedelung von Gewässerstrecken ermöglichen, genetischen Austausch ermöglichen, und in seltenen Optimalfällen vielleicht sogar eine gewisse Kompensation von Driftverlusten bewirken.

Du hast ja unsere Studie vom Oberen Donautal gelesen und weißt deshalb: Wenn gewisse Schlüssellebensräume wiederhergestellt werden, gibt’s plötzlich wieder massenhaft Jungnasen. Dabei ist zu bedenken: 1 Nasenrogner produziert viel 10.000e Eier (bis zu 100.000!). Ein Besatz von Massenfischarten beispielsweise in die Donau ist daher absoluter nonsense. Man hört ja in letzter Zeit viel von Nasenbesatz, so wurden bei Linz Nasen aus Tschechien (:mad: ) und in der Wachau Tiroler Nasen :( besetzt. Ein paar tausend einsömmrige Nasen oder ein paar zehntausend Brütlinge sind für die Donau quanititativ total unbedeutend, birgen aber doch das Risiko einer genetischen Verfälschung, Einschleppen von Krankheiten, Parasiten etc.
Schad ums viele Geld!

In ein produktives Nasengewässer zu besetzen ist daher total unnötig, den Lebensraum verbessernde Maßnahmen haben einen viel stärkeren Effekt. In ein fragmentiertes, nicht produktives Nasengewässer (Oberläufe) zu besetzen ist unsinnig, weil nicht Erfolg versprechend, auch wenn historisch Nasen vorkamen. Für die Ager könnt ich mir aber vorstellen, dass es funktionieren könnte, wenn man es gscheit anstellt (geeignetes Material!), weil ein Grund des Aussterbens die Gütesituation war, die sich seitdem ja massiv gebessert hat. Auf Basis der längszönotischen Position (Temperaturregime, aktuelles Fischartenspektrum, ...) wäre ein selbst erhaltender Bestand denkbar. Die Produktivität von Gewässerstrecken für die Fischerei würde durch einen Nasenbestand jedenfalls sicher steigen! Besonders unter dem Gesichtspunkt, auch Huchen wieder erfolgreich anzusiedeln.

Ich hoff damit etwas zur Linderung deines Wissensdurstes beigetragen zu haben und freue mich auf eine fruchtbare Diskussion,
Clemens

P.S. Zum Aitel vielleicht ein andermal
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Ungelesener Beitrag von pehers »

Servus Clemens!

Mir wurde gesagt, daß es in der Ager nie Nasenbestand gegeben haben soll - was mich gelinde gesagt, überrascht hat!

Ich kann mir nur vorstellen, daß die Durchgängigkeit des Kontinuums schon sehr lange beeinträchtigt war, denn ich habe noch vor ca. 10 Jahren haufenweise Nasen im Attersee gefangen, auch werden ab und an Nasen oberhalb der Strecke des SAB gefangen.

Mich würde natürlich auch interessieren, inwieweit die Nasen vorhandene Aufstiegshilfen nützen können, denn an der Donau habe ich einer Studie entnommen werden AUfstiegshilfen ja besonders von Nasen angenommen (nach der Laube).

Diese Studie hat jedoch (du wirst sie aller Wahrscheinlichkeit nach kennen), wie Du festgestellt hast, ausgesagt, daß diese Wanderbewegungen bei weitem nicht reichen, um mehr als die Abdrift zu kompensieren, da weite Staubereiche durchwandert werden müssten.

Wie kann man es dann erreichen - ohne Beastz, daß eine Wiederansiedlung erfolgt, wenn in einem Gewässerabschnitt nicht einmal mehr Restpopulationen zu finden sind?

Wie lange muß eine durchgehendes Gewässerkontinuum vorliegen, um einen selbstreproduzierenden Bestand zu ermöglichen? Eine weitere schweizerische Studie, besagt, daß es relativ kleinräumig möglich ist Populationen zu erhalten, gibt es hier wirklich keine Chance?

Warum hält sich neben Aitel auch die Barbe besser?

Beste Grüße,
Hans
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Ungelesener Beitrag von Rattensack »

Hi Hans,

bevor ich auf deine Fragen eingehe: Meinst du die Studie von der FAH Freudenau?

Clemens
A curious thing happens when fish stocks decline: People who aren't aware of the old levels accept the new ones as normal. Over generations, societies adjust expectations downward .. (Kennedy Warne)
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pehers
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Servus Clemens!

Ja, genau die meine ich, bin ja treuer Besucher Eurer HP - besonders beeindruckt war ich von der Mur FAH!!!

Beste Grüße,
Hans
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Ungelesener Beitrag von Rattensack »

Abend Hans
Original geschrieben von Pehers
Servus Clemens!
Mir wurde gesagt, daß es in der Ager nie Nasenbestand gegeben haben soll - was mich gelinde gesagt, überrascht hat!

Wer hat dir den Blödsinn erzählt? In der Ager gab es garantiert Nasen, das ist auch durch historische Aufzeichungen vom Stift Lambach dokumentiert. Das ist so leicht von der Lippe, es gab keine Nasen, nur weil ein Fischer sich nicht daran erinnern kann, schließt er gleich, es sei immer so gewesen?!? Es soll auch Salmoniden - Chauvinisten geben, die gar nicht wahr haben wollen, dass ihre liebste Fliegenstrecke ursprünglich ein Nasen - Barben - Gewässer war, mit Äsche auch stark aber wohl kaum Forellen.

Ich kann mir nur vorstellen, daß die Durchgängigkeit des Kontinuums schon sehr lange beeinträchtigt war, denn ich habe noch vor ca. 10 Jahren haufenweise Nasen im Attersee gefangen, auch werden ab und an Nasen oberhalb der Strecke des SAB gefangen.

Ich denke auch, die Nutzung der Wasserkraft hat an der Ager sicher eine lange Tradition!

Mich würde natürlich auch interessieren, inwieweit die Nasen vorhandene Aufstiegshilfen nützen können, denn an der Donau habe ich einer Studie entnommen werden AUfstiegshilfen ja besonders von Nasen angenommen (nach der Laube).

Diese Studie hat jedoch (du wirst sie aller Wahrscheinlichkeit nach kennen), wie Du festgestellt hast, ausgesagt, daß diese Wanderbewegungen bei weitem nicht reichen, um mehr als die Abdrift zu kompensieren, da weite Staubereiche durchwandert werden müssten.

Wie kann man es dann erreichen - ohne Beastz, daß eine Wiederansiedlung erfolgt, wenn in einem Gewässerabschnitt nicht einmal mehr Restpopulationen zu finden sind?

Zu den Ergebnissen von Freudenau musst du bedenken: Im Unterwasser gibt es ein paar hunderttausend Nasen. Davon wurden im Zuge der Studie ca. 10 - 20.000 gefangen, ich hab die Zahlen nicht genau im Kopf. Von denen sind einige Tausende in das Umgehungsgerinne gezogen und haben gelaicht, aber durchstiegen haben den folgenden Tümpelpass nur ein paar hundert! Also absolut zu vernachlässigen im Verhältnis zum Potential!

Die Nase dürfte ein Problem mit im Verhältnis zum Gesamtabfluss gering dotierten FAHs und vor allem Überfällen (wie bei Tümpelpässen) haben, zumindest interpretiere ich das so. Im Gegenzug haben die Ergebnisse gezeigt, dass überfallsfreie, gut dotierte Umgehungsgerinne sehr gut angenommen werden.
Bleibt das Problem des Fischabstiegs!

Heuer werden wir wieder ein bisserl gscheiter, wir machen ein Monitoring eines Schlitzpasses mit Nasenbestand im Unterwasser. Wir sind gespannt!

Wie lange muß eine durchgehendes Gewässerkontinuum vorliegen, um einen selbstreproduzierenden Bestand zu ermöglichen? Eine weitere schweizerische Studie, besagt, daß es relativ kleinräumig möglich ist Populationen zu erhalten, gibt es hier wirklich keine Chance?

Wie ich versucht habe zu skizzieren, ist das davon abhängig, ob die Gewässerstrecke im Optimum der Art liegt, oder am oberen Ende der historischen Verbreitung. Ich kenne einige Restbestände von Nasen, welche in wenige km langen Strecken zwischen Migrationshindernissen bestehen. Das sind i.d.R. kleinere Fließgewässer mit eindeutig potamaler Fauna. Andererseits sind sie in viele km langen Strecken im Übergang zur Äschenregion verschwunden. Siehe Enns oder z.B. Mur stromauf KW Mellach.

Wie erwähnt, wenn andere Ursachen als Migrationshindernisse für das Verschwinden verantwortlich sind - wieso es nicht mit Besatz versuchen?

Wenn es im Unterwasser gute Nasenbestände gibt, sind funktionstüchtige FAHs sicher der zu präferierende Weg! Es reicht halt nicht, Erfahrungen von Forellengewässern auf das Potamal zu übertragen und hier Tümpelpässe mit 20 cm Überfällen hinzubauen. Völlig sinnlos, aber leider gängige Praxis.

Warum hält sich neben Aitel auch die Barbe besser?

Meine Vermutung ist vor allem, dass die Nase infolge langer Driftstrecken der Larven ein Problem hat. Diese Drift diente ursprünglich ja dem Zweck, optimale Jungfischhabitate zu erreichen, das "in die Drift gehen" ist eine aktive Verhaltensweise!

Ob das Aitel sich so viel besser hält würde ich nicht so ohne weiters behaupten, die Art kann halt auch weiter in die Forellenregion rauf existieren, ich würde aber nicht ausschließen, dass auch Aitelbestände in Oberläufen (halt weiter im Rhithral als die Nase) durch Querbauwerke ausgestorben sind. Ich kenne auch Beispiele, wo der Aitel durch regulierungsbedingte Monotonie sehr selten geworden ist. Die Art ist stark an Strukturen wie Totholz oder auch Blockwurf gebunden.

Aber prinzipiell ist der Aitel natürlich eine sehr generalistische Art, die mit sehr weiten Bedingungen zurecht kommt. Nicht ein Nahrungsspezialist, Schotterbank-Fetischist und Mittelstreckenwanderer wie die Nase.

Nasale Grüße,
Clemens
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