Erfahrungen und Reisebericht meines Norwegentripps

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.

Wolf_XXL

Erfahrungen und Reisebericht meines Norwegentripps

Ungelesener Beitrag von Wolf_XXL »

Hallo Leute,

so nun bin ich wieder im Lande, wohlbehalten zurückgekehrt aus Norwegen. Habe eine Menge großartiger Eindrücke eines wunderbaren Landes und ein paar unvergessliche Anglermomente in meinem Rückreisegepäck mitgebracht. Für jeden der mal in Erwägung gezogen hat, nach Norwegen zu einer Angelexcursion aufzubrechen dem kann ich nur dazu raten, es ist ein Land das geradezu danach schreit beangelt zu werden, ein richtiges Paradies und das bestimmt nicht nur für die Kutterfischer mit ihren schweren und schwersten Tiefseeausrüstungen. Ich war nur mit Fliegenruten bewaffnet unterwegs, hatte von der #6 Einhand bis zur #9 Zweihand alles dabei. Hauptsächlich hatte ich die Reise in diesem Jahr nur gemacht um Erfahrungen und Informationen über Gewässer sowie Kartenverkaufsstellen zu ergründen. Umso mehr hatte es mich erfreut das nicht alle Lachsflüße generell zum 31. August schließen. Manche haben sogar bis zum 30. September geöffnet da sie sich auf das Aufsteigeverhalten der Lachse und Meerforellen eingestellt haben. So kam ich dann auch in den Genuß ein paar Tage an einem Lachsfluß angeln zu können. Leider hat das Wetter in der Region in der ich mich aufgehalten habe ganz schöne Kapriolen geschlagen, von Sommer bis Winter war in den 3 Wochen alles vorhanden und so gestaltete sich das fischen an dem stark Hochwasserführenden Fluß nicht gerade einfach, aber alleine schon die gekauften Karten zwingen einen dazu sie dann auch auszufischen da sie nicht gerade billig sind. Hinzu kommt das man eigentlich eine komplette Bindeausrüstung mitnehmen sollte (gestaltet sich auch recht schwierig, die Frau möchte ja auch noch Gepäck mitnehmen) da zum einen die Flüße sich im Einsatz der zu verwendenden Fliegen sehr unterscheiden und zum anderen das die dort gängigen Muster nicht gerade Sonderangebote sind, so kann es denn schon mal vorkommen das man für die passenden Fliegen in den dortigen Angelgeschäften bis zu 10,-€ per Stück berappen muß. Unbedingt zu empfehlen ist auch ein Thermometer, damit man sich mit den jeweiligen Fliegen auf das Wasser einstellen kann. Weiterhin sei gesagt, wer nach Norwegen reist und an den großen Flüßen angeln geht, der sollte seine Spielzeugruten zu Hause lassen, dort ist starkes Gerät gefragt, meine Einhand 9ft #6 habe ich garnicht ausgepackt. Gefischt habe ich mit der Einhand 9ft #8 und der Zweihand 13ft #9. Nun da mir auch jeglicher Wissensstand darüber fehlte begann ich mit der 9ft #8 zu fischen, ich begab mich also das erste mal an einen guten Norwegischen Lachsfluß der Fische bis 20 Kg produzieren kann. Wie schon weiter oben angeführt, durch die Schlechtwetterlage, führte der Fluß sehr viel Wasser was das fischen mit der Einhandrute zur reinsten Schwerstarbeit ausarten lies. So sind denn die aus einigen Büchern gewonnenen Erkenntnisse, was das menden der Leine und die Führung der Fliege angeht nicht so leicht in die Tat umzusetzen. So kam es das ich natürlich am ersten Tag meine in mich gesetzten Erwartungen nicht erfüllt habe und als Schneider ohne jeglichen Fischkontakt das Wasser in der Dunkelheit verlassen habe. So traf ich dann weitere Vorbereitungen, stattete mich mit unterschiedlichen Polyleadern mit verschiedenen Sinkgeschwindigkeiten aus und setzte meine Hoffnungen auf einen Fischkontakt in den 2.ten Tag. Freundlicher Weise, das ganze denn auch noch in Deutsch einer Sprache die ich am besten verstehe, bekam ich noch einige wertvolle Hinweise in dem dortigen Angelgeschäft. So gewappnet begab ich mich dann an den nächsten Pool da der erste (laut Aussage einer der besten) an dem Tage nicht mehr frei war. Der Pool besser der Angelplatz war leider nur mit dem Boot zu erreichen (eine Insel im Fluß gesäumt mit Stegen und Stromschnellen) was mir schon im Vorfeld einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat, denn einen reißenden Fluß zu überqueren und das ganze alleine ist nicht ganz Risikofrei. So am Wasser angekommen packte ich dann meinen ganzen Mut ein (was macht man nicht alles für´s Hobby) und versuchte mich also als Ruderer, ich denke ich habe eine ziemlich jämmerliche Figur dabei abgegeben. Achja da war doch was, sollen da nicht große Steine im Flußbett liegen auf die man achten müsse. Nun irgendwie habe ich es denn dann doch geschafft die Insel zu erreichen und war erst mal erleichtert nicht abgesoffen zu sein. Dort habe ich dann erst mal meinen Tatendrang zu angeln gestoppt und ganz genüßlich 3 Zigaretten zur Beruhigung geraucht. So den Adrenalinspiegel wieder gesenkt richtete ich dann meine Gerätschaft für diesen Tag her, diesmal die Zweihand und fand nun wieder völlig andere Bedingungen vor, unterhalb der Stromschnellen gab es einen Streckenabschnitt der zum bewaten geeignet war und hier nun die Einhandrute die bessere Wahl gewesen wäre, sodann ich auch auf diese gegangen bin. Der weitere Verlauf des Tages verlief sehr ruhig kein Fischkontakt aber dafür die Gedanken bei der Überquerung des Flußes im Hinterkopf. Leider kam dann noch starker Regen auf was die Flüße leider sehr schnell noch mehr ansteigen läßt und so brach ich auch den 2.ten Tag ergebnislos ab und machte mich daran wieder ans rettende feste Ufer zu kommen bevor noch mehr Wasser das unterfangen Flußüberquerung noch schwieriger gestalten würde. Tja und dann kam was kommen mußte, der Wasserdruck packte meine Nußschale und drückte sie in diese vermaledeiten Felsblöcke die im Flußbett lagen, richtig ich sollte ja darauf achten, nun aber saß ich erst mal fest und kam nicht weg. Nun war guter Rat teuer eingekeilt zwischen Felsblock und Eiland, stark strömendes Wasser das mich zum einen nicht aus der Zwickmühle rauslies zum anderen mit dem Heck immer wieder ans Land drückte, mein eigenes Gewicht das ich nun verlagern mußte um dort loszukommen, so startete ich den Versuch nochmal an Land zu gehen, welcher jedoch kläglich scheiterte da sich durch das verlagern plötzlich das Boot löste, nur gut das ich die Ruder griffbereit gelegt hatte, so paddelte ich wie eine verrückter Stromaufwärts um diese Blöcke zu umfahren und schaffte es Gottlob gesund auf der Festlandseite anzukommen.

Eine wichtige Erkenntnis die ich dann an dieser Stelle schon ziehen kann: Ein solches Unterfangen ohne jegliche Kenntnis des Gewässers, alleine und ohne Schwimmweste rate ich so niemandem auszuführen. Ich habe hieraus auch meine Lehre bezogen und habe mich gleich noch an Ort und Stelle dazu entschloßen die weitere Tageskarte die ich für diesen Pool bezogen hatte sogar gegebenfalls verfallen zu lassen. Freundlicher Weise hatte der Herr der Kartenausgabe ein einsehen und ich konnte sie in einen anderen Pool tauschen da er auch der Meinung war daß das queren des Flußes an diesen Tagen zu gefährlich sei.

Nun hatte ich also erst mal 2 Tage Pause und war froh darüber, so konnte ich mich erst mal beruhigen und mich wieder aufs Angeln einstellen. Das vergangene Erlebnis verarbeitet kam dann Tag drei, an diesem wollte ich im Pool einen neuen Streckenabschnitt befischen, das Wasser war gefallen (so schnell wie es kommt so schnell ist es auch wieder weg) und ich konnte von der Uferseite aus sehr gut werfen. Sodann entschied ich mich für die Einhand 9ft #8 und begann zu fischen, 3 Stunden waren bereits vergangen und immer noch nichts war passiert ich dachte schon daran die Stelle erneut zu wechseln da passierte es, ich machte meinen schon gedanklich letzten Wurf an dieser Position, da krachte es in der Rute. Zuerst dachte ich "Sch_eiße" Hänger, ich hatte das schnell sinkende Vorfach aufgezogen, aber plötzlich begann Leben in dem Hänger aufzukommen und wie er begann zu Leben uih uih uih, ratzfatz war meine Rolle am rasen und meine Schnur pfiff nur so durch die Ringe, der "Hänger" raste Richtung Flußmitte. Boah Leute ich kann nur sagen das ist ein herrliches Geräusch die Rolle mit solchen Tönen zu hören aber ganz schnell ging auch der Puls in die Höhe. So nun die Rute hoch und halten was das Zeugs hergibt, garnicht so leicht mit einem starken Fisch in einem schnell fließendem Fluß. Und dann kam er hoch und setzte zu einem Sprung an, huh nun fing ich an zu beten das alle Knoten hielten das er richtig gehakt ist und ich zwang mich dazu ruhig zu werden. Nun begann ein sehr zäher Drill anders wie ich ihn von starken Meerforellen gewohnt war, der Fisch ging in die Tiefe und bohrte sich wohl irgendwie in den Grund, daraufhin lies ich kurz den Druck nach gerade so das noch Spannung drauf war und er begann wieder zu laufen, endlich bekamm ich Meter um Meter Schnur zurück und schon war mein Backing wieder ganz drauf da begann er von neuem eine schnelle Flucht zur Mitte hin aber schon nicht mehr so rasant wie die erste. So langsam begann ich mich mit dem Gedanken vertraut zu machen den Fisch landen zu können, einen großen Kescher hatte ich ja parat, aber noch sah ich ja nicht genau was ich denn am Haken hatte besser wie groß er war und schimpfte schon mit mir das ich das Gaff im Auto gelassen hatte. Nun endlich bekam ich wirklich den Fisch zu meiner Position Meter um Meter kam er näher und da sah ich ihn zum ersten mal, jetzt nur keinen Fehler beim Keschern machen ganz ruhig auf die Knie gehen damit er mich nicht so gut sieht, das Handgelenk schon ganz schön beansprucht schob ich den Kescher ganz langsam unter ihn und da Patsch nochmal ein Schlag mit der Schwanzfloße und wieder waren ein paar Meter Schnur draussen, das aber war nun die letze Flucht und ich konnte ihn endlich keschern. Da lag er nun mein erster Lachs über 70 cm und 4 Kg schwer sicher kein Riese was man immer wieder liest aber meiner, mein erster Lachs und das mit der Einhandfliegenrute. Ich habe mich gefreut wie ein kleiner Schulbub ein Traum den sicher viele hegen hat sich erfüllt, einen Lachs an der Fliegenrute zu fangen. Für den heutigen Tag machte ich einfach Schluß, ich glaube ich hätte eh nix mehr gerissen und zwei weitere Tage hatte ich ja noch. Diese verliefen dann allerdings sehr ruhig, ich fing noch 3 Meerforellen und witzigerweise ein paar Bachforellen die wohl auch gerne auf die Lachsfliegen gehen. Da nun dieser Fluß auch ab dem 15. Sept. geschlossen wurde machte ich mich noch ein wenig daran an Norwegens tiefstem See auf Forellen zu fischen, auch hier wurde ich an einem Mündungsbereich eines einfließenden Flußes noch reichlich mit guten Bachforellen belohnt.

Abschließend mein Fazit: Dieser Urlaub hat meine Erwartungen was das Angeln angeht weit übertroffen und so steht schon heute für mich fest, auch im Wissen darum das ich für das nächste Jahr gute Karten bekommen werde, ich bin dort wieder aber dann zur Hauptsaison, habe dann noch eine 15 ft #11 oder #12 im Gepäck und werde von 4 Wochen verweildauer 3 wochen intensiv auf den Lachs gehen.

In diesem Sinne
Noellgen, H

Ungelesener Beitrag von Noellgen, H »

Hallo Wolfgang,
schöner Bericht. Vielleicht könntest Du ihn etwas ausführlicher und
mit ein paar Fotos versehen bei den Reiseberichten einstellen lassen.
Tight lines,
Heiner
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todde
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Ungelesener Beitrag von todde »

Moin Wolfgang!

Meinen herzlichen Glückwunsch zum ersten Lachs. DU hast dir IHN wirklich verdient!

gruß
todde
Kole Feut un Nordenwind, givt een krusen Büddel un een lütten Pint.
Wolf_XXL

Ungelesener Beitrag von Wolf_XXL »

Hallo Leute,

Fotos und ein paar Angaben zu den Flüßen die ich kennengelernt habe folgen noch. Ebenso werde ich so es gewünscht wird ein paar Adressen mit Kartenverkaufsstellen hier einschreiben. Die bilder muß ich nur erst noch sichten und dann auf Internet maß einschrumpfen.
Norge-Helmut

Ungelesener Beitrag von Norge-Helmut »

Hallo Wolfgang,
gibt es noch mehr Infos? An welchem Fluss warst DU?
Grüße
Helmut
Maggov
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Ungelesener Beitrag von Maggov »

Hallo Wolfgang,

hab' gerade die Geschicht e zum ersten Mal gelesen. Vielen Dank dafür und Petri!

Gruss

MArkus

P.S.: wie isses mit dem Kajakbestand so? :D
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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fluefiske
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Ungelesener Beitrag von fluefiske »

Hallo Wolfgang !
Als Norgefan ging mir Dein packender Bericht unter die Haut.Wenn Du am Horningdalsvatn mit 514m Tiefe warst,dann könntest Du am Eidselva gefischt haben.Ich wede es ja hoffentlich bald erfahren.Glückwunsch zum 1.Lachs.

Gruß Erich
Norge-Helmut

Ungelesener Beitrag von Norge-Helmut »

Hallo Wolfgang,
hab vorher meinen Glückwunsch zum ersten Lachs vergesse. Nun also:Petri!!! Hoffe mir ist das Glück in diesem Sommer auch holt. Nin in Norge von Mitte Mai bis Ende August.
Grüße aus dem Allgäu
Helmut
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