Anfängerfragen.. torpedierte Trockenfliegen etc..

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

Moderatoren: Maggov, Forstie, Michael., Olaf Kurth

rgermo
Beiträge: 87
Registriert: 14.12.2006, 13:48
Wohnort: Alzey

Anfängerfragen.. torpedierte Trockenfliegen etc..

Ungelesener Beitrag von rgermo »

Hallo Kollegen/innen,

eine Frage die ich in diesem
http://85.88.1.69/forum/showthread.php? ... hahnenbach

Thread schon einmal gestellt habe, konnte ich nach wie vor für mich selbst noch nicht beantworten:

Wie geht der erfahrene Fliegenfischer damit um, daß die Trockenfliege beinahe immer kurz nach dem Einwurf von Jungfischen (Döbel etc..) unter Wasser gezupft wird?

Wenn ich eine vielversprechende Stelle ausgemacht habe und die Fliege oberhalb einwerfe, wie verhindere ich, das selbige beinahe immer von kleinen Fischen umhergezupft wird und dann eben nicht mehr schwimmt und oft auch nicht mehr dahin treibt wo ich sie gerne hätte?
Nevr-Sink und Verwandte helfen zwar, aber nur solange noch keine Brut daran herum manipuliert.

2. Frage:
In meinem zugewachsenen Hausgewässer ist es mir (pers. Problem vermutlich) nicht möglich, meine Fliege beim ersten Wurf dort zu plazieren, wo ich sie gerne hätte. Da ich keinen Rückschwung ausführen kann wegen des Bewuchses, muss ich mit Rollwurf oder so seitlich werfen. Da fehlt mir aber die Länge und ich muss mich mit 2-3 Rollwürfen rantasten. Durch diese Aktivität, vermute ich, daß ich die scheuen Fische nachhaltig vergraule.

Wie dramatisch ist es an einer Angelstelle mehrmals Schnur aufzunehmen und zu legen? Mein Gefühl sagt mir, die Forellen haben längst das Weite gesucht bis ich mit meinem Köder an Ort und Stelle bin.

Würde mich über Einschätzungen von den erfahrenen Leuten freuen.
Danke
Ralf
Tom Doll
Beiträge: 562
Registriert: 28.09.2006, 13:07
Wohnort: Großkarolinenfeld
Danksagung erhalten: 8 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Tom Doll »

Hallo Ralf,

Probiere es mal mit einer 10-12er Buck Caddis oder ähnlich, könnte sein, daß die kleinen die große Fliege nicht anpacken und Forellen stehen drauf.

Gruß

Tom
You can tune a car, but you can't tuna fish
Nico (Berlin)

Ungelesener Beitrag von Nico (Berlin) »

Morgen! Natürlich reichen Rollwürfe, um wilde Forellen zu vergraulen, gebauso wie auch schnelle Bewegungen in der Nähe. Da hilft nur anpirschen und die Fliege anders zu präsentieren. Du kannst mit der Trockenfliege auch stromab fischen, indem du Sie abtreiben lässt und Schnur nachfütterst. Meist hat man so nur eine Chance, weil die Schnur irgendwann über den Fisch treibtm, aber die reicht oft.

Gegen das Zupfen von Jungfischen an der Fliege habe ich noch nichts gefunden, auch große Muster sind sehr interessant für diese. Am besten die steigende Forelle möglichst zielgenau anwerfen...


Gruß

Nico

http://www.flyfishers-delight.de
Maggov
Moderator
Beiträge: 5549
Registriert: 28.09.2006, 14:21
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 308 Mal
Danksagung erhalten: 401 Mal

Ungelesener Beitrag von Maggov »

Hallo Ralf,

stomabfischen ist ein Trick - allerdings nur für die Präsentation und nicht Dein jungfischproblem.

Falls Du selbst bindest rate ich Dir sog. hochschwimmende Materialien wie Rehhaar oder Foam zu nehmen. Damit lassen sich viele Muster binden und sie kommen auch wieder an die Oberfläche. Verssuche z.B. mal eine Irresistable Adams. Das Teil hat einen Körper aus Rehhaar und geht eigentlich schon ungefettet nie unter.

Viele Grüsse und v.a. viel Erfolg

Markus
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
Benutzeravatar
Frank.
Ehren-Moderator
Beiträge: 5843
Registriert: 28.09.2006, 11:35
Wohnort: Niedersachsen
Hat sich bedankt: 353 Mal
Danksagung erhalten: 573 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Lieber Ralf,

zur Präsentation ist das Wichtigste ja schon gesagt (wobei beim Wurf stromabwärts mit der Trockenfliege der Fallschirmwurf sehr gut hilft - er gibt der Fliege etwas mehr Zeit). Du findest ihn im Netz an vielen Stellen beschrieben; er ist ganz einfach zu erlernen.
Das Jungfischproblem kennen wir sicher alle; besonders junge Äschen versuchen manchmal, fast alles zu nehmen. Meiner Erfahrung nach hilft da nur eines: Stelle wechseln, und zwar schleunigst. Das hat zwei Gründe: Zum einen sollte man, versteht sich, die Jungfische sorgfältigst schonen. Zum anderen: Die Jungfische finden sich vor allem dort zusammen, wo es keine großen Fische gibt.
Die Kinderstuben und Jugendclubs der Forellen stehen an Stellen im Bach, wo sie geduldet werden und keine Attacke durch starke Fische zu fürchten haben (bei Äschen allerdings ist das anders: Oft wird ein großer Fisch von Kleinen begleitet).
Die großen und größeren Forellen suchen sich Standplätze mit einem reichen Nahrungsangebot, aus dem sie in Ruhe auswählen können; die Zwerge werden dort verscheucht. Eine starke Forelle jagt das Jungvolk sehr nachhaltig weg. Deshalb wirst Du an einem Platz, an dem ständig Kleinfische auf die Fliege gehen, kaum einmal einen deutlich größeren Fisch erwischen können.
An einer Stelle, die wirklich vielversprechend ist, halten sich hingegen kaum einmal größere Mengen des Nachwuchses auf. Man kann das zum Beispiel an Brücken oder Wehren recht gut beobachten: Steht dort ein großer Fisch, halten die Kleinen sehr sorgfältig Abstand (außer, wie gesagt, bei Äschen, die weniger aggressiv auf Konkurrenz reagieren).
Gerade die Passagen im Bach, an denen auf kleinem Raum viele Fische steigen, sind mit ziemlicher Sicherheit Kinderstuben - dort sollte man besser gar keine Fliege plazieren.

Tight lines wünscht
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
rgermo
Beiträge: 87
Registriert: 14.12.2006, 13:48
Wohnort: Alzey

Ungelesener Beitrag von rgermo »

Vielen Dank für die bisherigen Antworten. Die Sache wird etwas klarer. Das Zauberwort ist Flexibilität.
Bei allzu heftiger Sabotageaktivität von Kleinfischen ist es wohl sinnvoll besser die Stelle zu wechseln oder wenn man trotzdem eine Forelle vermutet, naß zu fischen.
In meinem spez. Fall sind die Kleinfische jedoch eher Weissfische, verhält es sich da genauso wie Du Frank es beschreibst? Oft so um die 10 bis 12 cm groß stürzen sie sich auf alles was daherschwimmt. Und sie sind beinahe überall am Bach zu finden.

Gruß Ralf
Benutzeravatar
Frank.
Ehren-Moderator
Beiträge: 5843
Registriert: 28.09.2006, 11:35
Wohnort: Niedersachsen
Hat sich bedankt: 353 Mal
Danksagung erhalten: 573 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Lieber Ralf,

versetzt man sich in die Rolle eines 10 cm langen Weißfisches, dann sollte man auf die Idee kommen, die unmittelbare Nähe schon einer 30er Bachforelle strikt zu meiden ...
Wenn die sich so sicher fühlen, daß sie springlebendig an der Oberfläche fressen, ist mit einiger Sicherheit nichts in der Nähe, was eben sie fressen würde.

Sag mal, noch eine Frage zu Deinen Rollwürfen: Nach Deiner Beschreibung könnte man vermuten, daß Du vielleicht eine falsche Schnur verwendest. 8 oder 10 Meter lassen sich mit Rollwürfen rasch erzielen, wenn man ein bißchen Übung hat. Was hast Du denn an der Rute? - Wenn es am Raum fürs Werfen fehlt, wirkt die richtige Schnur manchmal wahre Wunder. Nach Deinen Beschreibungen des Gewässers klingt mir das doch sehr nach einem Einsatzgebiet für eine DT-Schnur. Eine WF hingegen ist dort oft eher hinderlich.

Herzlich grüßt
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
rgermo
Beiträge: 87
Registriert: 14.12.2006, 13:48
Wohnort: Alzey

Ungelesener Beitrag von rgermo »

Ich habe in der Tat eine 5er Fairplay WF auf meiner Browning Aftma 4-5 , 2.40m Rute.

Sollte ich auf DT umstellen?
Benutzeravatar
Frank.
Ehren-Moderator
Beiträge: 5843
Registriert: 28.09.2006, 11:35
Wohnort: Niedersachsen
Hat sich bedankt: 353 Mal
Danksagung erhalten: 573 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Ja, das solltest Du wirklich einmal versuchen! In einem guten Geschäft läßt man Dich sicher auch ein paar Probewürfe mit so einer Schnur machen, wenn Du die Rute mitnimmst. Eine DT legt sich auch sanfter ab als eine WF, so daß Du die Scheuchwirkung damit reduzieren kannst.

TL - Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
rgermo
Beiträge: 87
Registriert: 14.12.2006, 13:48
Wohnort: Alzey

Ungelesener Beitrag von rgermo »

bestellt! THX

Grüße Ralf
Benutzeravatar
Frank.
Ehren-Moderator
Beiträge: 5843
Registriert: 28.09.2006, 11:35
Wohnort: Niedersachsen
Hat sich bedankt: 353 Mal
Danksagung erhalten: 573 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Frank. »

Gut. Ich persönlich hätte zwar eine andere Schnur gewählt, aber die THX ist weiß Gott nicht schlecht.
Berichtest Du dann mal, wie es damit funktioniert? Ist immer ganz schön, wenn ein Thread richtig zu einem Ende gebracht wird.

TL - Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
Benutzeravatar
Mario Malarczuk
Beiträge: 595
Registriert: 28.09.2006, 13:24
Wohnort: Stuttgart
Danksagung erhalten: 2 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Mario Malarczuk »

Hallo Ralf

Also nur an der Schnur kann es beim besten Willen nicht liegen, wenn man keinen Rollwurf von 10 m schaft. Dies ist mit einer WF auch zu bewältigen und ich vermute mal, dass Deine Technik noch nicht ausgereift ist.
Gut, die Schnur ist jetzt bestellt und eine DT ist für so ein kleines Gewässer sicher die bessere Wahl. Etwas Übung oder ein Wurfkurs solltest Du aber nicht aus den Augen lassen.

Das Problem mit den Kleinfischen sehe ich ähnlich wie meine Vorredner. Wenn eine gute Forelle in der Nähe ist, wirst Du nicht auf so viele Kleinfische stossen, es sei denn, dass die Forelle gerade am rauben ist:D
Wenn Du gute Forellen erwartest und diese mit der Trockenfliege nicht bekommst, dann versuche es einfach mal mit einem Streamer wie einem Wooly Bugger. So findest Du zumindest heraus, ob gute Fische da sind. Ich will Dir nich vom Trockenfischen abraten, da dies viel spannender ist, aber mit einem Streamer bekommt man an manchen Gewässern die guten Fische einfach besser ans Band.

Bei den Äschen sehe ich das nicht ganz so wie die anderen. An unserem Gewässer finde ich in einem Trupp kleiner Äschen eigentlich nie wirklich gute Fische. Gemein bei den Äschen ist, dass man sie mit großen Fliegen nicht ausselektieren kann. Oftmals nehmen auch gerade die guten Fische die kleinsten Mücken und ignorieren die 12 Sedge.

Gruß
Mario
rgermo
Beiträge: 87
Registriert: 14.12.2006, 13:48
Wohnort: Alzey

Ungelesener Beitrag von rgermo »

Original geschrieben von Frank Möbus
Gut. Ich persönlich hätte zwar eine andere Schnur gewählt, aber die THX ist weiß Gott nicht schlecht.
Berichtest Du dann mal, wie es damit funktioniert? Ist immer ganz schön, wenn ein Thread richtig zu einem Ende gebracht wird.

TL - Dein Frank

Ups.. THX meinte in diesem Fall eine in Foren gebräuchliche Kurzform von Thanks..
-tschuldigung.
Ich hab mir eine Fairplay DT5 bestellt.
Wusste gar nicht, daß es solch ein Fabrikat THX gibt. Mein Fehler.

Ich werde berichten, danke auch an alle die hier mit Tipps nicht geizen.


Liebe Grüße
Ralf
rgermo
Beiträge: 87
Registriert: 14.12.2006, 13:48
Wohnort: Alzey

Ungelesener Beitrag von rgermo »

Hallo,
der Vollständigkeit halber habe nun die obengenanne DT auf der Rolle und damit gelingt mir der Rollwurf tatsächlich deutlich besser. Danke für den Hinweis Frank.
Was das Jungfischproblem angeht weis ich keine rechte Lösung ausser auf Nymphe oder nassfliege umzustellen, dann fange ich allerdings auch an manchen Stellen, an denen die Jungfische alles wegzupfen, gute Forellen.

Trockenfliege, obwohl ich damit lieber fische, geht einfach nicht.

nochmal Danke für alle Tipps.
Grüße
Ralf
Electronix
Beiträge: 75
Registriert: 03.10.2006, 13:05

Ungelesener Beitrag von Electronix »

Ich weiss nicht ob dir das hilft, aber an total verwachsenen Gewässern ist manchmal der Bow-and-Arrow-Cast eine gute Möglichkeit, die Fliege dahin zu bekommen, wo man will.
Sicher, nicht die eleganteste Wurf-Lösung und so mancher ambitionierte Werfer empfindet ihn als Beleidigung, aber er ist relativ leicht zu lernen.
Dabei nimmst du die Fliege zwischen Daumen und Zeigefinger und spannst mit der Schnur die Rute ähnlich einem Bogen. Mit etwas Übung schaffst du es sogar, noch ca. eine Meter Schnur nachschießen zu lassen. Die maximale Wurfweite liegt also bei der doppelten Rutenlänge(~2,7m Standard) + etwa 1m + Armlänge = ~6m. Damit ereichst du bei vorsichtigem Anpirschen so manche Forelle die unter überhängenden Gebüsch steht.
Ein weitere Vorteil wäre, dass die Fliege nicht wie beim Rollwurf mit dem Wasser kontakt hat und dadurch besser schwimmt.
Antworten