Die "Ethik" des Fliegenfischers

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein. Erlebtes Fliegenfischen - hier kannst Du Deine Erlebnisse für alle schildern, wir lesen gerne Storys von früher und heute!
(Bitte prüfe zuerst, ob nicht eine der nachfolgenden Rubriken geeigneter für Deinen Beitrag ist).

Moderatoren: Maggov, Forstie, Michael., Olaf Kurth

Benutzeravatar
sedge111
Beiträge: 590
Registriert: 29.09.2006, 08:13
Wohnort: im Weltkulturerbe
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 12 Mal

Beitrag von sedge111 »

Hallo ,

keine leichte Kost!!!

Ich denke, dass Frank recht hat. Die Problematik ist zu komplex, als dass mehr als ein Minimalkonsens herauskommen wird.

Respekt vor der Kreatur ist sicherlich ein Ansatz, der mE nicht diskutierbar ist.

Ich habe bei derartigen Diskussionen immer ein wenig das Problem, dass sie sehr häufig in meinen Augen ein wenig "scheinheilig" geführt wird.

Bei all den eheren Grundsätzen (Respekt, Waidgerechtigkeit, Bescheidenheit (Hallo Stephan u. Julian!), Kollegialität....) finde ich, dass wir uns ohne wenn und aber auch eingestehen müssen, dass wir mit unsere Passion Urinstinkte ausleben, die der heutigen Moralvorstellung widersprechen.

Keiner von uns muss heute noch zum Nahrungserwerb zum Fischen gehen. Der Jagdtrieb ist uns allen mehr oder weniger in die Gene gelegt. Bei vielen ist er retardiert, wir unterdrücken ihn halt nicht.

Es ist eine Tatsache, dass wir uns das Recht über Tod oder Weiterleben des gefangen Fisches zu entscheiden zusprechen.

Aus diesen Gründen werden wir in Diskussionen mit andern, aber auch mit uns selbst IMMER angreifbar bleiben.

Ein generelle Beantwortung der Ethik unseren Passion wird daher, wenn überhaupt nur zu dem oben erwähnten Minimalkonsens führen. Viel wichtiger aber scheint, dass jeder einzelne von uns auf Grundlage dieses Minimalkonsenses seinen individuellen (unantastbaren) Maximalkonsens findet!

Grüße!

Tom
Benutzeravatar
Wasserpatscher
Beiträge: 126
Registriert: 08.02.2007, 00:03
Wohnort: Oberursel

Beitrag von Wasserpatscher »

sedge111 hat geschrieben:Ich habe bei derartigen Diskussionen immer ein wenig das Problem, dass sie sehr häufig in meinen Augen ein wenig "scheinheilig" geführt wird.
Das, Tom,

sehe ich auch so. Und habe ich in anderen Anglerforen auch als Grundhaltung der Mehrheit erlebt - bloß nicht zu genau hingucken! Umso überrascht-erfreuter war ich, dass hier die Mehrheit diesen Widerspruch nicht mit Gleichgültigkeit und fadenscheinigen Argumenten übertüncht, sondern deutlich sieht und sich damit auch auseinander setzt.
Liebe Grüße, Gerhard

„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“
Benutzeravatar
macyog
Beiträge: 132
Registriert: 12.01.2007, 13:03
Wohnort: Detmold
Hat sich bedankt: 8 Mal
Danksagung erhalten: 9 Mal

Beitrag von macyog »

Hallo,

tolles Thema, über das nicht nur Fliegenfischer nachdenken sollten. :wink:

Ich habe jetzt die Wahl, 300Seiten zu schreiben, oder es so kurz wie möglich zu formulieren, letzteres ist glaube ich angenehmer :) .

Aus meiner Lebenseinstellung heraus bilden sich für mich auch meine moralischen Einstellungen gegnüber der Natur und damit auch zur Kreatur und in unserem Fall dem Fisch.
Allem davon versuche ich mir größt möglicher Achtsamkeit zu begegnen. In der festen Überzeugung keinem Lebewesen unnötiges Leid zu zufügen und meiner Leidenschaft, dem Fischen allgemein, kann ich mich daher z.B. nicht für reines C&R aussprechen.
Es ist für mich also eine Frage der Verhältnismäßigkeit, dem Fisch und seiner Umwelt mit der richtigen Achtsamkeit zu begegnen. Dieses Verhalten versuche ich aber auf mein ganzes Leben anzuwenden, und wir Fliegenfischer sind nicht nur Fliegenfischer, wir sind auch Freunde, Eltern, Kinder, Kollegen ... einfach Menschen, aber welche, die sich im besonderen Maße um die fischereiliche Natur mit großer Verantwortung kümmern.

Achtsamkeit bedeutet für mich auch, allem mit dem größten Respekt zu begegnen. Menschen für Tieren und eben auch der Natur. Das heißt auch Rücksicht nehmen, nicht nur auf Fische und Würmer, auch auf Menschen und Grashalme.

Für mich hängt das alles eher zusammen, ich kann eigentlich nicht allein von einer Ethik rein für`s Fliegenfischen sprechen. Ich müßte sonst auch von einer Ethik für das Verhalten hier im Forum sprechen usw. – wer will sich das merken?


Schöne Grüße

Hagen
Benutzeravatar
Heinz
Beiträge: 608
Registriert: 11.12.2006, 01:21
Wohnort: Linz /Oberösterreich
Danksagung erhalten: 32 Mal

Beitrag von Heinz »

Hallo,

ich denke, dass man nicht zwischen einer Ethik beim Fliegenfischen und einer anderen Ethik beim üblichen Fischen differenzieren kann. Die Ethik gegenüber der Kreatur Fisch ist allumfassend. Wenn man allerdings ganz ehrlich ist, dann ist die tiefere Rechtfertigung für unsere Leidenschaft sicher das gelegentliche Entnehmen von Fischen, was in der Folge "das Versorgen" des Fisches-wie wir so euphemisch sagen, zur Folge hat. Insofern muss man mit dem Thema Ethik und Fischen vorsichtig sein und Ethik kann sich in diesem Zusammenhang nur auf Ethik im Rahmen des Fischens beziehen, nicht aber als umfassender Begriff definiert werden.
Es sei denn, wir würden beim Fliegenfischen hakenlos (nicht widerhakenlos, sondern gänzlich ohne Haken) fischen. Weil dann wäre es eine harmlose "Fopperei" der Fische-an hätte bei Trockenfliegen allerdings den spannenden Augenblick, ob man den Fisch "überlistet" hätte-einen Drill würde es dann aber nicht geben, desgleichen keine Entnahme.

Grüsse
Heinz
Ralph Hertling
Beiträge: 750
Registriert: 30.10.2006, 12:22
Wohnort: Dickes B
Hat sich bedankt: 144 Mal
Danksagung erhalten: 54 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von Ralph Hertling »

Moin!!

Ich sehe mich als staunenden, lernenden Menschen, fühle mich als Teil dieser Natur in der ich mich bewege und führe ein ständiges, ehrfurchtsvolles "Wooouhw" auf den Lippen.

Dieses Selbstverständnis bestimmt alle meine Handlungen.

TL
Ralph
Benutzeravatar
markus
Beiträge: 539
Registriert: 28.09.2006, 11:33

Bastelkasten Fliegenfischerethik

Beitrag von markus »

Die Ethik des Fliegenfischens liegt in der Pflege der Widersprüche begründet, die wir alle in uns tragen.


Hallo,

wenn wir das akzeptieren können, basteln wir uns also eine Fliegenfischerethik nach Mass. Die ethischen Grundsätze müssen als Widerspruch formuliert werden und die Vergeblichkeit des Ansinnens respektieren.

Muster:
Obwohl der Fliegenfischer ...., handelt er ...... = er versucht, möglichst ..... .

Beispiele:
Obwohl der Fliegenfischer gerne Fische fängt, weiss er, dass er ihnen beim Fang Schaden zufügt = er versucht sie möglichst schonend zu fangen.

Obwohl der Fliegenfischer gerne Fische zurücksetzt, isst er mit seiner Familie gerne Fisch = er versucht, nur die Menge an Fischen zu entnehmen, die seine Familie verzehren kann.

Obwohl der Fliegenfischer weiss, dass er die Umwelt teils schädigend beeinflusst, watet er im Fluss = er versucht, sich möglichst umsichtig im und am Gewässer zu verhalten.


Nach diesem Muster kann eine Ethik des Fliegenfischens formuliert werden, die sowohl den Ansprüchen einer Anfängerveranstaltung gerecht wird, als auch einem finalen Ethikseminar Genüge tut. Viel Spass beim Basteln :).

TL Markus
"Mit der Fluggerte ist man imstande, die seit grauer Vorzeit in uns schlummernden Jagdinstinkte auf unblutigste Weise zu stillen." (Steinfort, Voljc)
Benutzeravatar
Volker Krause
Beiträge: 423
Registriert: 29.09.2006, 07:23
Wohnort: Pulheim bei Köln
Hat sich bedankt: 6 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von Volker Krause »

Hallo,
wenn ich jemandem erkläre, warum das Fliegenfischen meine Passion ist, kommt gleich die Frage - ".. und, was machst Du mit den Fischen?" -. Ich sage dann:" Meistens setze ich sie zurück." Diese Antwort stößt in der Regel auf Unverständnis und man fragt mich, warum ich die Tiere dann der Tortur des Drillens und Abhakens aussetze, wenn ich sie nicht verzehren will. Ich gerate da in Erklärungsnöte. Manche Leute ersparen sich dann das Wort "Tierquälerei" aus Höflichkeit mir gegenüber, so denke ich.
Auch Argumente wie " Arterhaltung " oder " Fische verspüren keinen Schmerz (?)" ziehen dann nicht so recht, wohl auch, weil ich sie wahrscheinlich nicht gut rüberzubringen vermag.
Gruß Volker
Nicks Herz zog sich zusammen, als die Forelle sich bewegte. Er fühlte all die alten Gefühle.
Ernest Hemingway - Großer doppelherziger Strom
Benutzeravatar
Parachuter
Beiträge: 169
Registriert: 28.09.2006, 11:30
Wohnort: Giengen an der Brenz, Baden-Württemberg

Beitrag von Parachuter »

Hallo zusammen,

dieses Diskussion ist wirklich sehr tiefgründig und augesprochen gut bislang! In diesem Sinne ein dickes lob an alle, die schon vor mir gepostet haben.

Auch ich denke schon lange über meine Ethik am Wasser nach. Es gibt für mich auch Grundsätze, die ich teilweise aber auch immer wieder in Frage stelle oder mich anders verhalte - wenn ich ehrlich bin.

Für mich gehört zu meiner Ethik die "Ehrfurcht vor dem Leben" (ist glaub ein Zitat von Albert Schweizer" Und ich möchte es auch beim Leben beslassen, denn zum Fischen gehören für mich nicht nur die Fische, sondern alles darum herum auch.

Ein Beispiel. An meinem Stammgewässer brüten jedes Jahr ein paar Eisvögel. Wir Jahreskartenfischer wissen, wo diese brutstellen sich befinden. Für mich heißt dies, dass ich an dieser Stelle nicht fische, weil ich die brütenden Vögel stören könnte. Schließlich möchte ich auch in den folgenden Jahren mich noch an Eisvögel in natura erfreuen.

So gehört es auch für mich zur Ethik, dass ich nur Wate, wenn notwendig und erlaubt, dass wenn ich einen Stein im Fluss drehe (um nach Nymphen zu schauen) diesen auch wieder an seinen Platz zurück lege.

Im direkten Bezug auf Fische habe ich folgende Ethik. Wenn ich einen Fisch töte, dann wird dieser auch gegessen. Ich drille einen Fisch so schnell wie möglich und release ihn sorgfältig. Ich fisch nur mit angedrückten Widerhaken.

Doch wenn es ums Thema Catch und Release geht, mache ich mir auch meine Gedanken, auf die ich noch keine Antwort habe. Ja, ich bekenne, auch ich mal mal ein Bild von einem schönen Fisch. Allerdings weiß ich da nicht mehr, ob dies ethisch ist. Ich hebe ihn zwar minimal aus dem Wasser, doch bedeutet dies für den Fisch zusätzlichen Stress.

Ich freuie mich auf noch weitere Antworten!

TL

Jürgen
Benutzeravatar
Thomas aus Hamm
Beiträge: 1260
Registriert: 28.09.2006, 11:03
Wohnort: Hamm/NRW
Hat sich bedankt: 66 Mal
Danksagung erhalten: 17 Mal

Beitrag von Thomas aus Hamm »

Volker Krause hat geschrieben:Hallo,
wenn ich jemandem erkläre, warum das Fliegenfischen meine Passion ist, kommt gleich die Frage - ".. und, was machst Du mit den Fischen?" -. Ich sage dann:" Meistens setze ich sie zurück." Diese Antwort stößt in der Regel auf Unverständnis und man fragt mich, warum ich die Tiere dann der Tortur des Drillens und Abhakens aussetze, wenn ich sie nicht verzehren will. Ich gerate da in Erklärungsnöte. Manche Leute ersparen sich dann das Wort "Tierquälerei" aus Höflichkeit mir gegenüber, so denke ich.
Auch Argumente wie " Arterhaltung " oder " Fische verspüren keinen Schmerz (?)" ziehen dann nicht so recht, wohl auch, weil ich sie wahrscheinlich nicht gut rüberzubringen vermag.
Gruß Volker
Hallo Volker,

dieser Thread hat mich auch sehr nachdenklich gemacht, besonders deiner.

Meine Erklärungen im Bekanntenkreisen führen auch oft zu stirnrunzeln und seltsamen Blicken. Mir kommt es manchmal so vor, bzw. ich ertappe mich selber dabei, dass ich mich praktisch für mein Hobby bzw. Passion indirekt entschuldige. Das kann es doch nicht sein......Selbst meine Frau muß mein Verhalten manchmal entschuldigen (Danke Babs :smt049 )

z.B. Telefonat mit einer Freundin: Wo ist Thomas? der ist zum fischen, naja, dann wirds ja keinen Fisch zum Mittag geben, der schmeißt ja alles wieder rein, oder er fängt nix. Das verstehe ich sowieso nicht......usw.usw.

WARUM ist das so? Warum muß sich der Golfurlauber der sich zum Golfspielen nach Südafrika aufmacht nicht entschuldigen oder hat ein schlechtes Gewissen? Das Gegenteil ist der Fall, klasse, super, das Green war gigantisch, 80 Golfplätze auf 100 km2, da flieg ich im Herbst nochmal hin, stell dir vor Billigclipper, 280 € bis Kapstadt.

Soll ich Dir was sagen Volker, die können mir alle den Buckel runterrutschen :wink: Wenn ich Hunger auf eine Bafo habe, nehme ich Sie mit und freue mich auf das leckere Essen und betrachte es als ein Geschenk der Natur. Andererseits habe ich genauso wie viele von uns, dass körperlich Leiden, gewisse Dinge nicht richtig festhalten zu können. :wink: .

Bei meinen Kindern gehe ich mit diesem Thema ganz anders um, denen erkläre ich alles bis ins Detail, egal ob am Wasser oder beim Binden oder Fischausnehmen zu Hause. Hier macht es meiner Meinung nach am meisten Sinn und stößt auf sehr fruchtbaren Boden. Da habe ich mir auch schon mal eine Stecknadel durch ein Schwiele der Hand gedrückt um den Kindern zu beweisen, dass Fische durch die Fliege auch keinen Schmerz versprüren. (Ob es stimmt weiß ich nicht, den Kindern war es jedenfalls verständlich)

Das wichtigste für mich bzw. uns ist meiner Meinung nach, dass wir unsere Gewässer und deren Lebewesen bzw. als wertvolles Gut und als ein Geschenk betrachten und dementsprechend damit umgehen. Ich bin mir sicher, dass die meisten von uns es auch so handhaben.
Wir benutzen zwar die Natur um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, aber wir geben ihr auch einiges wieder zurück bzw. versuchen durch Einsatz am Wasser (Renaturierung, Fischtreppen, Müllsammeln, Nisthöhlen anbringen, Totholz, etc) ihr etwas zurück zu geben.
Beweisen und Rechtfertigen brauchen wir daher niemandem etwas,

Gruß aus Hamm
Thomas
I love Babs
Benutzeravatar
Wasserpatscher
Beiträge: 126
Registriert: 08.02.2007, 00:03
Wohnort: Oberursel

Beitrag von Wasserpatscher »

Volker Krause hat geschrieben:(...) kommt gleich die Frage - ".. und, was machst Du mit den Fischen?"
Ja, Volker, der Frage begegne ich auch oft. Dahinter steckt dann aber oft eine ganz andere Frage: "Bringst Du das denn übers Herz, Fische zu töten?" - als ob nicht jeder, der Fische (oder Fleisch, oder Pflanzen) isst, dadurch diese auch tötet, und das meistens nicht so zimperlich, wie unsereiner.

Wenn man dann erwähnt, das man auch Fische wieder freilässt, dann kommt manchmal die von Dir erwähnte Reaktion "Wieso hast Du denn dann geangelt? (Das gute Essen - weg ist es!)" aber mindestens ebenso oft auch eine gewisse Erleichterung.

In beiden Fällen bleibt es an diesem - oder jenen - Punkt aber stecken, weiter gehen die Überlegungen nicht, wenn man sie nicht anschubst. Ich glaube, dass wir als Angler uns mit einigen Fragen einfach schon viel mehr befasst haben (sollte jedenfalls so sein), und das wir deshalb einen gewissen Vorsprung haben. Wir müssen also geduldig sein mit unseren ahnungslosen Mitmenschen. Meine Erfahrung ist jedenfalls, das nach einem "Aufklärungsgespräch" oft wirklich alles klar ist, klarer manchmal, als uns selbst.

Ich glaube, dass eine tragfähige (Angel-) Ethik immer das Thema "Achtung und Respekt" umkreisen wird. Wie man diese Haltung umsetzt, ist individuell und situativ verschieden und wird nie endgültig fixierbar sein. Entscheidend ist allerdings, dass man sich an diesem hinterlegten Eichmaß regelmäßig überprüft, und das man sich dabei nichts in die Tasche lügt. Eine gewisse verbleibende Unsicherheit ist da keine Schwäche, sondern im Gegenteil eine Kompetenz, die uns wach hält.

Ein Nebenzweig der "Angelethik": Je länger ich angele, desto mehr stösst mir der Tanz um die "Kapitalen" auf. Angeln ist doch nicht olympisch! Zugegeben, es ist toll, einen wirklich großen Fisch an der Angel zu haben. Aber die zur Schau gestellte Freude darüber artet dann doch oft in Konkurrenzkampf und Neidorgien aus, und genau das hat in der Angelei in meinen Augen überhaupt nichts zu suchen.
Liebe Grüße, Gerhard

„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“
Werner48

Beitrag von Werner48 »

Hallo,
was mich an dieser Diskussion freut, ist, dass ich die in diesem Forum ( und anderen) viel zu seltene Fähigkeit des Zweifels am eigenen Handeln in einer niveauvollen Diskussion vorfinde.
( Ich persönlich kann mit nachdenklichen Menschen mehr anfangen, als mit stets selbstgewissen und - gerechten "Machern".)

Vor Außenstehenden meine Art der Fischerei zu rechtfertigen, habe ich aufgegeben. Es geht nicht und die oben schon erwähnte Widersprüchlichkeit in unserem Handeln ist als nachvollziehbar ethisches Verhalten keinem Nichtangler klarzumachen. Damit müssen wir leben, weil die Widersprüchlichkeit unseres Handelns rational nicht erklärbar ist und Irrationales wie Jagdtrieb und dergl. beteiligt ist.

Diesen imaginären Jagdtrieb kann man niemand erklären, der ihn nicht fühlt und letzterem braucht man ihn nicht zu erklären.

Ich versuche aber mit Blick auf meinen oben erwähnten Kurs herauszukristallisieren, "an welchen Stellen" sich Fliegenfischer wie verhalten. Bisher konnte ich übereinstimmend finden :

1.Nicht alles entnehmen, was man entnehmen darf

2.Möglichst wenig waten

3.Schonend drillen und releasen

Vielleicht gibt es da noch mehr Punkte, die alle gleichermaßen für wichtig halten.
Benutzeravatar
Parachuter
Beiträge: 169
Registriert: 28.09.2006, 11:30
Wohnort: Giengen an der Brenz, Baden-Württemberg

Beitrag von Parachuter »

Hallo zusammen,

Werner48 hat folgendes geschrieben:
"2.Möglichst wenig waten"

Dies würde für mich noch weitergehen. Ich würde es lieber als. Umsichtiges Handeln im und am Wasser bezeichnen, denn auch am Ufer sollte man bedacht vorgehen.

TL

Jürgen
Maggov
Moderator
Beiträge: 5549
Registriert: 28.09.2006, 14:21
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 308 Mal
Danksagung erhalten: 401 Mal

Beitrag von Maggov »

Hallo zusammen,

ich würde gerne anfügen, dass für alle Angler das Fangen sicherlich irgendwo im Vordergrund steht. Jedoch finde ich unter dem Punkt Ethik auch wichtig, dass es ein gewissen Grundverständnis für den Kreislauf der Natur, die Besonderheiten des Ökosystems Wasser und das Geniessen des Beobachtens dieser Aspekte bedarf um eine Ethik in Eure Richtung zu fördern und aufzubauen.

Deshalb würde ich gerne das Fangen etwas in den Hintergrund Rücken und die Hege in den Vordergrund. Klar ist das Fangen der Antrieb, aber die Techniken und Tricks derer wir uns bedienen haben wir i.d.R. von der Natur abgeschaut.

Für mich gehört deshalb das Beobachten und Geniessen einer intakten (oder fast intakten) Umwelt bzw. eines derartigen Mikrokosmoses zu den absoluten Highlights der Fliegenfischerei. Diese erlaubt mir mich nicht nur mit dem Geschehen im Wasser (Futterfische und andere Nahrungsvorkommen) sondern auch mit dem Ufer und deren Bewohner auseinander zu setzen. Sie hat mein Interesse für Insekten deutlich gefördert und deren Wichtigkeit für unsere gesammte Umwelt sehr anschaulich gezeigt.

Vielleicht dient das Dir, Werner, als Aufhänger oder Ausgangspunkt Deiner Schulung.

Zum Ethik selbst würde ich gerne die Aspekte "Erhalt eines Lebensraumes" und das "erforschen eines Lebensraumes" hinzufügen. Dies sollte meiner Meinung nach nicht nur in Fliegenfischerkursen sondern schon bei den Schulungen für den Angelschein stärker "unterrichtet" werden.

Viele Grüsse

markus
Benutzeravatar
Rolf Renell
Beiträge: 1605
Registriert: 29.09.2006, 13:32
Wohnort: Köln,Leverkusen/Berg.Land/Eifel/Irland
Hat sich bedankt: 31 Mal
Danksagung erhalten: 69 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von Rolf Renell »

..setz mal die schon "pragmatisch" genannten Punkte fort.
Ich versuche in meinen Kursen (Theorie&Praxis) schon immer einen gewissen Ethik-Standard anzusprechen/vorzustellen,was der Einzelne mit anfängt kann ich schlecht beurteilen,wills aber angesprochen und dargestellt haben.
Hab in den letzten Jahren viel um das thema gelesen auch bei kollegen und in Literatur gesucht,genannt wurden dabei folgende Themen noch:


- Fischen mit Schonhaken o. angedrücktem W.haken
- Fische werden nicht "gehältert"
- Fischschleimhaut wird so gut es geht geschützt
- Mit "fairen & angepasstem" Mitteln/Gerät fischen
- Das Material den Bedingungen anpassen
- Keine Gewäser "auszubeuten"
- Keinen "Wettbewerb" zu fördern im Sinne von Wettkampf
- Nicht im Kindergarten zu fischen

......sicherlich gibt es noch mehr.

Beste Grüsse ,Rolf
Benutzeravatar
Dirk Janßen
Beiträge: 1530
Registriert: 28.09.2006, 16:21
Wohnort: Dangast
Hat sich bedankt: 42 Mal
Danksagung erhalten: 4 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von Dirk Janßen »

Volker Krause hat geschrieben:(...) kommt gleich die Frage - ".. und, was machst Du mit den Fischen?"
Wer kennt diese Fragen nicht. Wenn ich zum Fischen gehe, dann prinzipiell immer mit dem Ansinnen auch Fisch mitzubringen. Ist der gefangene Fisch aber nicht von der erhofften Art oder (auch geringen) Größe oder ist er nicht frisch nach Hause zu bringen, setze ich ihn wieder zurück. Diese Begründung, hinter der ich auch stehe, konnte bis dato jede(r) nachvollziehen.

Liebe Grüße
Dirk
Fliegenfischen ist der Weg und das Ziel.
Antworten