Die "Ethik" des Fliegenfischers

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markus
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Beitrag von markus »

Goethe hat geschrieben:Der Herr: „Es irrt der Mensch, solang´ er strebt."
Hallo,

Ihr seid lieb.

In meinem ersten Posting habe ich geschrieben: „Der Ethos beschreibt die Gewohnheit des Verhaltens über einen längeren Zeitraum hinweg, so dass sich daraus Grundsätze ableiten lassen können. Das ist Ethik.“ Desweiteren habe ich versucht, Euch auf die Widersprüchlichkeit hinzuweisen, die in Euch ruht. Leider ist niemand darauf eingegangen, auch mal so etwas wie eine „Ethik des Bösen“ zu formulieren.

Spätestens seit Auftauchens des Fliegengottes Cornelius in unserem Forum müsste es doch deutlich geworden sein, dass 2 Seelen in unserer Brust ruhen.

Die Begrifflichkeit Ethik liest sich im Wikipedia so:
„Die allgemeine Ethik - die im Folgenden einfach als Ethik bezeichnet wird - stellt Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und die Bewertung seiner Motive und Folgen auf.„

Und jetzt kommt der Hammer: „Die Ethik baut als philosophische Disziplin allein auf das Prinzip der Vernunft.“

Habt Ihr Lust auf eine neue Runde?

TL Markus
"Mit der Fluggerte ist man imstande, die seit grauer Vorzeit in uns schlummernden Jagdinstinkte auf unblutigste Weise zu stillen." (Steinfort, Voljc)
posti
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Beitrag von posti »

pehers hat geschrieben:......
@Markus und Posti:
Ich finde, Werner hat das Problem gut aufbereitet und dass es jedenfalls wichtig ist, sich immer wieder zu fragen, ob man sein Tun in der Art und Weise, wie man es eben ausführt, vor sich und anderen rechtfertigen kann. Besser wäre vertreten, denn rechtfertigen, muß sich, wer etwas verbrochen hat. Es ist eben nich so klar, ob alles, was im Rahmen der Fischerei so vertreten wird auch seine Berechtigung hat und nicht eigentlich Lustgewinn auf Kosten der Kreatur ist. Das sollte man immer hinterfragen!
Hallo Hans,
Kein Einspruch von meiner Seite zu den Ausführungen von Dir und Werner. Ihr habt inhaltlich sicher Beide recht.
Ich finde halt, dass diese Ausführungen, Definitionen, Erklärungen, etc... wissenschaftlich möglicherweise halten werden, aber für mich mit der Ethik des Fliegenfischer(ens/ers) nicht wirklich viel zu tun haben.
Ich brings für mich auf einen einfachen Nenner:
Grundsätzlich brauch ich einmal ein Gewissen, damit ich zwischen gut und schlecht, zwischen richtig und falsch in Bezug auf andere Lebewesen unterscheiden kann.
Ist eben dieses so ruhig wie möglich, fühl ich mich beim Fliegenfischen (Angeln, etc..) glücklich und ausgeglichen, dann ist es für mich ok.
Einige meiner Freunde bzw. engere Bekannte haben mir das auch schon bestätigt: "seit du mit dem Fliegenfischen begonnen hast, wirkst du viel ausgeglichener".
Dazu brauch ich keine Definitionen von Ethik, Parameter für irgendwelche Zugänge zu irgendwas Kryptischem, keine Beschreibung von irgendwelchen Spannungsfeldern, etc...
Aber dies bitte nicht als Angriff oder negativer Kritik auffassen, das ist tatsächlich bloß meine innerste Überzeugung. Müßte ich das alles wissenschaftlich aufbereiten, so würde ich zur Gänze mit dem Angeln (einschließlich Fliegenfischen) aufhören. Ich würde ganz einfach den "Spaß an der Freud" verlieren.
Mit herzlichem Gruß
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markus
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Beitrag von markus »

posti hat geschrieben:Grundsätzlich brauch ich einmal ein Gewissen, damit ich zwischen gut und schlecht, zwischen richtig und falsch in Bezug auf andere Lebewesen unterscheiden kann.
Nein, lieber Peter,

dafür brauchst Du kein Gewissen, sondern Vernunft.

TL Markus
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Wasserpatscher
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Beitrag von Wasserpatscher »

markus hat geschrieben: „Die Ethik baut als philosophische Disziplin allein auf das Prinzip der Vernunft.“
Das wir lieb sind, wissen wir. Du willst wohl eher sagen "einfältig"...??

Das mit der Ethik und der Vernunft läuft auf Utilitarismus hinaus. Bisschen eng, diese Definition.
Liebe Grüße, Gerhard

„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“
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markus
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Beitrag von markus »

Wasserpatscher hat geschrieben:Das wir lieb sind, wissen wir. Du willst wohl eher sagen "einfältig"...??
Hallo Gerhard,

nein, ich meine es so, wie ich es gesagt habe.

TL Markus
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posti
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Beitrag von posti »

markus hat geschrieben:
posti hat geschrieben:Grundsätzlich brauch ich einmal ein Gewissen, damit ich zwischen gut und schlecht, zwischen richtig und falsch in Bezug auf andere Lebewesen unterscheiden kann.
Nein, lieber Peter,

dafür brauchst Du kein Gewissen, sondern Vernunft.

TL Markus
Hallo Markus,
da schließt das Eine ja nicht zwangsläufig das Andere aus - oder? :wink:
Ausserdem hab ich ja ausdrücklich " .... in Bezug auf andere Lebewesen..." dazugefügt - da genügt Vernunft alleine, so glaube ich, halt nicht so ganz.
Mit herzlichem Gruß
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Wasserpatscher
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Beitrag von Wasserpatscher »

Männer und Gefühle - zwei Welten treffen aufeinander...

Ja, zum Kuckuck, Ethik hat etwas mit Gefühlen zu tun!
Liebe Grüße, Gerhard

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roland k
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Beitrag von roland k »

zur Ethik gehört auch, dass man sich nicht rechtfertigt oder sogar entschuldigt, wenn man einen Fisch der maßig ist und ausserhalb der Schonzeit gefangen abgeschlagen hat, oder einen Bach durchwatet oder einen störenden Ast am Wasser absägt.

Roland
man muss einfach reden, und kompliziert denken - nicht umgekehrt
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markus
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Beitrag von markus »

roland k hat geschrieben:zur Ethik gehört auch .......
Hallo Roland,

selbstverständlich gehört das auch mit dazu.

TL Markus

PS: Ich werde aber 1000 gute und vernünftige Begründungen dafür abgeben, warum dieses Verhalten abzulehnen ist. Bei uns würde ein solches Verhalten zum sofortigen Einzug der Lizenz und zum Ausschluss aus dem Verein führen. Mit Recht.
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roland k
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Beitrag von roland k »

markus hat geschrieben:
roland k hat geschrieben:zur Ethik gehört auch .......


PS: Ich werde aber 1000 gute und vernünftige Begründungen dafür abgeben, warum dieses Verhalten abzulehnen ist. Bei uns würde ein solches Verhalten zum sofortigen Einzug der Lizenz und zum Ausschluss aus dem Verein führen. Mit Recht.
und genau deswegen, weil die Anglerschaft immer und überall den Bückling macht sind wir jetzt da wo wir jetzt sind! Wir Angler üben ein RECHT aus, welches sein Menschengedenken vollzogen wird. Wenn das auch einige nicht wahrhaben wollen, sollen sie bleiben wo sie sind oder ihren Horizont um die Ecken und Enden erweitern damit sie die Biozönose verstehen und keine Ideale Wunschvorstellung hegen und vertreten.

Roland
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pehers
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Beitrag von pehers »

Servus!

@Werner: Der Maßstab der Verhältnismäßigkeit ist für mich deshalb der einzig brauchbare, weil er eben universell einsetzbar ist.

Wie sehr oft in dieser Diskussion von verschiedenen Mitdiskutanden festgehalten, muß eben jeder für sich entscheiden, was für Maßstäbe an sein Handeln anlegt und andereseits auch wieder an jede Situation.

Plakativ formuliert hat ein 10 - jähriger beim Lauberlfischen andere Maßstäbe als ein saturierter Fliegenfsicher beim Äschenfischen an Steyr zu erfüllen - will ich mal meinen.

Aber man kann jedem als Richtschnur mitgeben, sich immer zu überlegen, ob das eine oder andere zur Erreichnung des Ziels Fische zu fangen unter den gegebenen Umständen notwendig, zielführend und vertretbar ist! Dies anhand einiger Beispiele erläutert hat nach meiner Erfahrung der 10-jährige Neuling und 30-jährige Spätberufene immer gleichermaßen verstehen können! Der Wille, sich auch daran zu halten und hohe Maßstäbe anzulegen, der muß natürlich aus jedem Fischer selber kommen (from secret place inside N. Mclean).

Beste Grüße,
Hans
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Beitrag von Wasserpatscher »

horstie honk hat geschrieben:
Wasserpatscher hat geschrieben:Männer und Gefühle - zwei Welten treffen aufeinander...

Ja, zum Kuckuck, Ethik hat etwas mit Gefühlen zu tun!

[schnellschuss]so in der richtung 'gefühlte vernunft'?[/schnellschuss]


[hey mods! post. ist zum löschen freigegeben. gez. horstie)

Ja, gefühlte Vernunft ist gar nicht so falsch!
Liebe Grüße, Gerhard

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Werner48

Beitrag von Werner48 »

Hallo,
ich fürchte, wenn wir über die Definitionen von Vernunft ( im kant'schen Sinne) diskutieren und Ethik ganz allgemein so zu begründen versuchen, wird die Angelegenheit "uferlos".
Schließlich kann man nicht voraussetzen, dass jeder die "Kritik der theoretischen Vernunft" gelesen (und verstanden ) hat.

Deshalb führt Peter's Gedankengang vielleicht ein wenig näher "ans Fischwasser" .

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Grundsätzlich brauch ich einmal ein Gewissen, damit ich zwischen gut und schlecht, zwischen richtig und falsch in Bezug auf andere Lebewesen unterscheiden kann. 
Ist eben dieses so ruhig wie möglich, fühl ich mich beim Fliegenfischen (Angeln, etc..) glücklich und ausgeglichen, dann ist es für mich ok. 
Ich möchte dem hinzufügen : Wenn ich mir bewusst bin, dass meine Gewissen keine feste Größe ist und ich mich gelegentlich frage, ob mein Umgang mit dem Fischen/ den Fischen von Verhältnismäßigkeit und Ehrlichkeit geprägt ist, habe ich gute Chancen, mich berechtigterweise "glücklich und ausgeglichen" zu fühlen. ( was andere auch immer darüber denken mögen.)
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Wasserpatscher
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Beitrag von Wasserpatscher »

"Die Kritik der reinen Vernunft" hilft uns wahrscheinlich wirklich nicht weiter, aber vielleicht der kategorische Imperativ, ebenfalls von Kant, sehr streng, sehr altmodisch, aber er hat was:

"Handle so, dass jeder Zeit dein Handeln zur Maxime des Handelns* erhoben werden kann.“

* also auch zur Grundlage einer Gesetzgebung
Liebe Grüße, Gerhard

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Beitrag von pehers »

Servus!

Ein bisschen off topic, weil es mir einfach gefiel:
"Fliegenfischen ist eine hinlänglich erprobte Methode, sich die Wirklichkeit vom Leib zu halten."
Spitze - reicht das nicht als Grund!

L.G.
Hans
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