Hi, grüße euch alle und habe natürlich auch eine Frage.
Einige Zeit wühle ich das Forum schon durch und finde keine Antwort auf meine Frage...
Wann weis ich ob eine Fliege fängig ist oder nicht? Wann montiert ihr eine andere Fliege? Nach 5, 10, 15 oder 30 Min. Und nach welchen Kriterien geht ihr bei der Wahl der nächsten Fliege vor ???
Wenn es auf diese Frage eine eindeutige Antwort gäbe...
Da gibt es verschiedene erfolgversprechende Theorien:
1. Vertrauen in die Fliege bringt Fische (rel. einfach umzusetzen)
2. Natur beobachten. Welche Insekten sind auf, welche unter der Wasseroberfläche? (braucht schon erheblich mehr Aufwand). Entsprechende Fliege anbinden.
3. Wahllos Fliege nach Fliege ausprobieren, bis endlich ein Fisch zupackt (Variante der Verzweiflung).
Am besten ist aber die eigene Erfahrung, und die wächst nur, wenn du fischen gehst. Und wenn alles nichts nützt, versuch mal Nr. 3, das hat mir schon manchen Fisch gebracht
Gute Frage! Wer das mit Sicherheit beantworten kann, dem gebührt der Nobelpreis
Ich versuch immer rauszufinden, was gerade so am/über dem Wasser herumfliegt, bzw. im Wasser so herumschwimmt. Daran passe ich nach Möglichkeit mein Muster an.
Ich habe da ein paar Lieblingsmuster (denen ich vertraue), die probier ich relativ lange aus bevor ich wechsle, selbst wenn ich damit wertvolle Angel- bzw. Fangzeit vergeude. Frei nach meinem Motto: "beim Angeln bloß keinen Streß aufkommen lassen"
Momo hat's auch schon erwähnt: das kommt wahrscheinlich mit der Erfahrung - die fehlt mir allerdings auch noch.
das ist eine komplexe Frage gelassen ausgesprochen!
Wann weis ich ob eine Fliege fängig ist oder nicht?
Na ganz einfach: wenn die Fische auf die Fliege beißen.
Wann montiert ihr eine andere Fliege? Nach 5, 10, 15 oder 30 Min.
Das hängt von dem Charakter und der Frustrationstoleranz des Fischers ab.
Und nach welchen Kriterien geht ihr bei der Wahl der nächsten Fliege vor ???
Das geht meistens dann nach dem Bauchgefühl, wenn nicht , wie Moreno schon geschrieben hat, die Fische beim Fressen beobachtet und die Nahrungsquelle identifiziert werden kann.
Jeder Fliegenfischer hat ein kleines Sortiment an Fliegen, denen er ganz besonders vertraut (ist bei jedem ein anderes!) und welche sich in seiner Erfahrung über längere Zeit als die für ihn fängigsten herausgestellt haben. Die werden in schwierigen Situationen dann halt der Reihe nach ausprobiert.
So ganz ohne eigenen Schweiß, sprich Sammeln von Erfahrung am Wasser, wirst Du also nicht auskommen, denn auf Deine Fragen gibt es keine einfachen, kurzen Antworten.
Beste Grüße
Klaus
Gruß
Klaus
"Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen"
Platon (panta rhei)
die richtige Fliegenwahl ist oft nicht einfach, für einen Einsteiger natürlich schon gar nicht. Deshalb ist es auch nicht in ein paar Worten erklärt.
Für Anfänger ist es immer gut wenn dieses Problem bei einem Fliegenfischerkurs den entsprechenden Raum einnimmt. Tut es leider oft nicht, denn für Viele heißt Fliegenfischen lernen nur Werfen lernen. Aber das ist ein anderes Thema...
Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Situationen, bei denen man teils sehr leicht, teils extrem schwer erkennen kann, ob eine Fliege fängt oder nicht.
Die einfachste Situation: ich sehe einen fressenden Fisch. Wenn ich einem steigenden Fisch meine Trockenfliege perfekt präsentiere muß er sie auch nehmen, ansonsten fische ich das falsche Muster (oder - und das ist sehr häufig der Fall - die Präsentation war doch nicht so perfekt). Aber das Verweigern der Trockenfliege, obwohl der Fisch steigt ist ein starkes Indiz, dass die Fliege nicht passt. Das gleiche gilt auch, wenn ich einen Fisch ausgemacht habe und ihm gezielt eine Nymphe oder einen Streamer vorsetze. Verweigert er, werde ich spätestens nach dem dritten oder vierten Versuch das Muster wechseln.
Etwas schwieriger: Ich fische irgendwo, wo mit Sicherheit Fische sind, ich kann sie aber nicht sehen. Hier hilft oft nur Erfahrung und Vertrauen in Universalmuster, die nie ganz verkehrt sind. Jeder fortgeschrittene Fliegenfischer hat ein paar Muster in seiner Dose, denen er in so einer Situation vertraut, und sie deshalb auch sehr lange fischt bevor er sie austauscht. Bei mir sind das zum Beispiel Wooly Bugger, Pheasant Tail Nymphe, Hasenohr-Goldkopf-Nymphe, Red Tag, Superpupa und schwarze Ameise. Je öfter ich das Gewässer befische, desto mehr Erfahrungen mache ich und desto mehr Vertrauen habe ich in meine Fliegenwahl. Allerdings wechsle ich dennoch ab und zu die Fliege, oft einfach aus Neugier, ob ein anderes Muster auch fängt. Versuch macht klug. Führt der Versuch aber nicht bald zum Erfolg, kommt wieder das bewährte Muster dran. Das führt auch zu dem Phänomen, dass man mit bestimmten Mustern besser fängt als mit anderen obwohl es bei dem Kollegen, der die gleiche Strecke befischt ganz anders aussieht.
Erschwerend kommt bei der Fliegenwahl noch hinzu, dass viele unserer Gewässer einem sehr hohen Befischungsdruck unterliegen. So ist ein Goldkopf in einem wenig befischten Wasser oft eine sehr gute Idee, wenn die Fische jeden Tag aber einige Dutzend Goldkopfnymphen sehen und damit auch schon entsprechende Erfahrungen gemacht haben, werden sie Goldkopfmuster meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das gleiche gilt für alle anderen Standartmuster, die sie jeden Tag bis zum Erbrechen vorgesetzt bekommen. In diesem Fall hilft es sehr oft, mit den wildesten Sachen zu fischen, die die Fische noch nie gesehen haben: riesige Landinsektenimitationen mit Gummibeinen, pinkfarbene Nymphen und Streamer, winzig kleine Muster...(auch auf die Gefahr hin, dass einige Leute, die das Gewässer schon seit Jahrzehnten immer mit den gleichen Mustern und mit immer weniger Erfolg befischen, sagen, solche Fliegen seien unwaidmännisch und haben nichts mit Fliegenfischen zu tun)
The worst case: Ich habe keine Ahnung, ob meine Fliege verweigert wird, oder ob einfach kein Fisch da ist. Das ist die typische Situation, wenn man an einem unbekannten Gewässer und/oder auf Fischarten fischt, die nicht so häufig vorkommen. Zum Beispiel Huchenfischen oder auf Meerforelle in der Ostsee oder Salzwasserfischen im Mittelmeer oder in der Karibik. Das ist nun wirklich fatal. Denn wenn kein Fisch da ist, hilft auch kein Fliegenwechsel. Ist aber ein Fisch da, der meine Fliege verweigert und ich wechsle nicht, hab ich auch verloren. Für diese Situation gibt es meiner Meinung nach keine allgemeingültige Lösung. Wenn man für einen Fischkontakt im Schnitt über 1000 Würfe braucht, dauert es Jahre, um vernünftige eigene Erfahrungen zu machen. Man ist deshalb zu Anfang immer auf den Rat von anderen entsprechend erfahrenen Fischern oder Guides angewiesen und sollte sich danach richten, auch was die Fliegenwahl angeht. Ob man die empfohlenen Muster nun alle viertel Stunde oder alle zwei Stunden wechselt oder mit einem Muster die ganze Zeit fischt ist meistens zweitrangig. Das Problem ist oft nur, zu erkennen, ob der Ratgeber wirklich Ahnung hat oder nur so tut!
Dann gibt es noch die wirklich selektiven Fische, die nur eine ganz spezielle Nahrung in einem bestimmten Entwicklungsstadium zu sich nehmen. Darüber sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Dabei ist diese Situation viel seltener als man annehmen sollte. Wer hat nicht schon erleben müssen, wie eine Forelle, die ganz eindeutig selektiv nach Baetis Rodani Aufsteigern in Hakengröße 18 gegangen ist von einem Plumsangler mit dicker Korkpose und Tauwurm gefangen wurde...Andererseits gibt es ab und zu wirklich selektive Fische, und sie können uns zum Wahnsinn treiben. Aber meistens sind wir zumindest in der glücklichen einfachen Situation, dass wir zuschauen können wie unsere Fliege verweigert wird und deshalb wissen, dass wir mit dem aktuell angeknoteten Muster nichts werden.
Ich hoffe, was ich hier geschrieben habe ist einigermaßen hilfreich und trägt nicht noch mehr zur Verwirrung bei.
Hallo Achim,
deinen Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen und muss dir ein großes Lob aussprechen. Von der Seite habe ich das ganze noch nicht betrachtet.
Im Frühjahr habe ich mir fest vorgenommen einen FF-Kurs zu besuchen. Jetzt im Herbst erschien mir das nicht mehr sinnvoll.
Hallo zuammen,ich bin ja auch noch Anfänger! Habe mir Anfang des Jahres ein Sortiment Fliegen gekauft,wahllos angebunden...und nix gefangen!Ich konnte sie auch nicht irgendwo zuordnen,sahen für mich mehr oder weniger gleich aus!Habe dann angefangen selber zu binden!Zuordnen kann ich sie immer noch nicht,und ehrlich,was ich da "binde"sind doch eher "Mutanten"...aber ich hab dann den Rest des Jahres recht gut gefangen!!Wahrscheinlich hatte ich nur unglaubliches Glück,aber ein bisschen Glück gehört ja immer dazu....in diesem Sinne Grüsse von Andreas