Auswirkungen von Hochwasser
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Michl
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Auswirkungen von Hochwasser
Hallo,
nachdem hier qualifizierte Leute unterwegs sind :
Weiss jemand ob es Erkenntnisse über die Auswirkung von Hochwässern auf das natürliche Aufkommen von Salmonidenbrut im zeitigen Frühjahr gibt?
Ich spreche nicht von Besatz sondern ausdrücklich von natürlicher Brut.
Wir hatten gerade an unserem Gewässer eine richtige "Springflut" mit 30 - 40 mm Niederschlag in 30 Minuten und entsprechendem Hochwasser.
Gruß Michl
nachdem hier qualifizierte Leute unterwegs sind :
Weiss jemand ob es Erkenntnisse über die Auswirkung von Hochwässern auf das natürliche Aufkommen von Salmonidenbrut im zeitigen Frühjahr gibt?
Ich spreche nicht von Besatz sondern ausdrücklich von natürlicher Brut.
Wir hatten gerade an unserem Gewässer eine richtige "Springflut" mit 30 - 40 mm Niederschlag in 30 Minuten und entsprechendem Hochwasser.
Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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Maggov
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Hallo Michl,
nachdem Deine (berechtigte) Frage heir etwas verlandet möchte ich dazu Stellung nehmen.
Wir hatten letztes Jahr in meiner Region starke Hochwasser (oder war es vorletztes jahr... sorry). Damals habe ich mir exakt die gleiche Frage gestellt und habe im nachhinein folgenden Eindruck gehabt:
- Fische kommen mit Hochwasser erstaunlich gut zurecht. Ob die Brut jeweils am Standort bleibt hängt wohl sehr stark mit den lokalen Bedingungen (Gewässerstruktur) ab. Man kann auch Fische bei abklingenden Hochwasser beim "Aufsteigen" beobachten.
- Zuchtfische die vor dem Hochwasser gesetzt wurden und noch nicht an die Strömungsverhältnisse angepasst sind, werden wohl dem Streckenbesitzer unterhalb unerwartete Freuden spendieren. Der Rest landet in den Rechen von Mühlenbetreibern oder verendet bei zurückgehendem Wasser. Nachdem die Brut in die (neu enstandenen) Flachwasserzonen von Auen ausweichen sollten diese bei Rückgang des Wassers beobachtet werden. So können eineige Jungfische üebrsiedelt und gerettet werden. Ein undankbarer Job den Petrus hoffentlich später belohnt...
- Interessent in mittel- bis langdfristiger Hinsicht finde ich das Thema Geschiebe bzw. Bildung und Verlagerung von Kiesbetten. Zum einen hat ein Hochwasser ja den Vorteil, dass der Fluss einen Frühjahrsputz erfährt, Sediment aus den Kiesbetten gespült wird und sich neue Kiesbanken bilden. Zum anderen auch den Nachteil, dass diese entweder an ungünstigen Stellen entstehen oder eben ausgespült werden so dass alte Laichplätze unbrauchbar werden und neue woanders nicht direkt nutzbar sind (ein auf den gesamten Fluss relativ irrelevanter Aspekt, als Pächter einer kleineren Teilstrecke jedoch durchaus interessant).
Generell sehe ich die Hochwasser mittlerweile eher als positiv an. Sie schaffen Struktur (wo man es zuläßt) durch Totholz und Geschiebe, verhindern das Zuwuchern durch Pflanzen und das Leben im Fluss wäre seit Jahrmillionen ausgestorben wenn es sich nicht damit arrangieren könnte. In stark verbauten Gewässern wird sich dieser Effekt jedoch immer weniger bemerkbar machen. Dort wirst Du allerdings auch immer mehr Probleme bekommen überhaupt noch Brut zu finden.
Also, lass Dich beruhigen - die Trutten werden sicherlich nach dem Hochwasser noch da sein. Ich drücke Dir zumindest von Herzen die Daumen und bin zuversichtlich.
Liebe Grüsse
Markus
nachdem Deine (berechtigte) Frage heir etwas verlandet möchte ich dazu Stellung nehmen.
Wir hatten letztes Jahr in meiner Region starke Hochwasser (oder war es vorletztes jahr... sorry). Damals habe ich mir exakt die gleiche Frage gestellt und habe im nachhinein folgenden Eindruck gehabt:
- Fische kommen mit Hochwasser erstaunlich gut zurecht. Ob die Brut jeweils am Standort bleibt hängt wohl sehr stark mit den lokalen Bedingungen (Gewässerstruktur) ab. Man kann auch Fische bei abklingenden Hochwasser beim "Aufsteigen" beobachten.
- Zuchtfische die vor dem Hochwasser gesetzt wurden und noch nicht an die Strömungsverhältnisse angepasst sind, werden wohl dem Streckenbesitzer unterhalb unerwartete Freuden spendieren. Der Rest landet in den Rechen von Mühlenbetreibern oder verendet bei zurückgehendem Wasser. Nachdem die Brut in die (neu enstandenen) Flachwasserzonen von Auen ausweichen sollten diese bei Rückgang des Wassers beobachtet werden. So können eineige Jungfische üebrsiedelt und gerettet werden. Ein undankbarer Job den Petrus hoffentlich später belohnt...
- Interessent in mittel- bis langdfristiger Hinsicht finde ich das Thema Geschiebe bzw. Bildung und Verlagerung von Kiesbetten. Zum einen hat ein Hochwasser ja den Vorteil, dass der Fluss einen Frühjahrsputz erfährt, Sediment aus den Kiesbetten gespült wird und sich neue Kiesbanken bilden. Zum anderen auch den Nachteil, dass diese entweder an ungünstigen Stellen entstehen oder eben ausgespült werden so dass alte Laichplätze unbrauchbar werden und neue woanders nicht direkt nutzbar sind (ein auf den gesamten Fluss relativ irrelevanter Aspekt, als Pächter einer kleineren Teilstrecke jedoch durchaus interessant).
Generell sehe ich die Hochwasser mittlerweile eher als positiv an. Sie schaffen Struktur (wo man es zuläßt) durch Totholz und Geschiebe, verhindern das Zuwuchern durch Pflanzen und das Leben im Fluss wäre seit Jahrmillionen ausgestorben wenn es sich nicht damit arrangieren könnte. In stark verbauten Gewässern wird sich dieser Effekt jedoch immer weniger bemerkbar machen. Dort wirst Du allerdings auch immer mehr Probleme bekommen überhaupt noch Brut zu finden.
Also, lass Dich beruhigen - die Trutten werden sicherlich nach dem Hochwasser noch da sein. Ich drücke Dir zumindest von Herzen die Daumen und bin zuversichtlich.
Liebe Grüsse
Markus
- pehers
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Wie überall gibt es auch hier ein Aber:
Bei degradierten Gewässern, deren Abflussgeschwindigkeit erhöht wurde und die vor dem Hochwasser schon keine nennenswerten Strukturen mehr besessen haben, kann ein Hochwasser fatale Auswirkungen haben! Und derartige Gewässer haben wir leider viel zu viele!
L.G.
Hans
Bei degradierten Gewässern, deren Abflussgeschwindigkeit erhöht wurde und die vor dem Hochwasser schon keine nennenswerten Strukturen mehr besessen haben, kann ein Hochwasser fatale Auswirkungen haben! Und derartige Gewässer haben wir leider viel zu viele!
L.G.
Hans
www.soulfishing.eu
I still don't know why I fish or why other men fish, except that we like it and it makes us think and feel. (Roderick L. Haig-Brown, A River Never Sleeps)
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- Friedemann
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Hallo Michl,
vor ca. 2 1/2 Jahren hatten wir ein Hochwasser, das unser Flüsschen
über Nacht von ca. 50 cm Wassertiefe auf über 250 cm ansteigen
ließ. Das Wasser ist fast genauso schnell wieder abgeflossen wie
es gekommen war.
Für viele Menschen war das eine Katastrophe aber nicht für die Fische.
Kurz danach war ich bei einem elektr. Kontrollfischen als Helfer
dabei. Es ging um die Abwuchsraten der eingesetzten Lachsbrut.
Der Bestand an Kleinfischen sowie an Fischbrut ( Forellen, Äschen,
Barben etc.) war so als ob es kein Hochwasser gegeben hätte.
Lt. dem Biologen der das E-fischen leitete würden sich die kleinen Fische
bei Hochwasser einfach in die Deckung von größeren Steinen begeben.
Das siehst du auch bei schnellen und schnellsten Gewässerstrecken
wo die Strömung am Grund von Steinen gebrochen wird - dort
stehen die Fische.
Gruß aus Hessen
Friedemann
vor ca. 2 1/2 Jahren hatten wir ein Hochwasser, das unser Flüsschen
über Nacht von ca. 50 cm Wassertiefe auf über 250 cm ansteigen
ließ. Das Wasser ist fast genauso schnell wieder abgeflossen wie
es gekommen war.
Für viele Menschen war das eine Katastrophe aber nicht für die Fische.
Kurz danach war ich bei einem elektr. Kontrollfischen als Helfer
dabei. Es ging um die Abwuchsraten der eingesetzten Lachsbrut.
Der Bestand an Kleinfischen sowie an Fischbrut ( Forellen, Äschen,
Barben etc.) war so als ob es kein Hochwasser gegeben hätte.
Lt. dem Biologen der das E-fischen leitete würden sich die kleinen Fische
bei Hochwasser einfach in die Deckung von größeren Steinen begeben.
Das siehst du auch bei schnellen und schnellsten Gewässerstrecken
wo die Strömung am Grund von Steinen gebrochen wird - dort
stehen die Fische.
Gruß aus Hessen
Friedemann
- Rattensack
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Hallo Michl!
Generell stimme ich mit meinen Vorrednern überein: Die Auswirkungen auf Fische werden i.d.R. überschätzt.
Ausnahmen sind Hochwässer zu sensiblen Zeiten, z.B. gleich nach der Emergenz von Äschenlarven, die dann stark verdriftet werden, bzw. Geschiebe mobilisierende Hochwässer, wenn die Salmonideneier noch im Sediment liegen. Das kann bis hin zu Totalausfällen von Jahrgängen führen.
Umgekehrt: Große Hochwässer direkt vor der Laichzeit reinigen das Sediment und können zu Rekord-Jahrgängen führen. So nach den 2002er Herbsthochwässern bei uns in Österreich.
Größere Fische finden bei HW ufernahe bzw. in Strukturen Bereiche mit geringen Strömungsgeschwindigkeiten. Besatzfische sind dazu wie bereits erwähnt zu dumm oder nützen die Chance, um abzuhauen
LG,
Clemens
Generell stimme ich mit meinen Vorrednern überein: Die Auswirkungen auf Fische werden i.d.R. überschätzt.
Ausnahmen sind Hochwässer zu sensiblen Zeiten, z.B. gleich nach der Emergenz von Äschenlarven, die dann stark verdriftet werden, bzw. Geschiebe mobilisierende Hochwässer, wenn die Salmonideneier noch im Sediment liegen. Das kann bis hin zu Totalausfällen von Jahrgängen führen.
Umgekehrt: Große Hochwässer direkt vor der Laichzeit reinigen das Sediment und können zu Rekord-Jahrgängen führen. So nach den 2002er Herbsthochwässern bei uns in Österreich.
Größere Fische finden bei HW ufernahe bzw. in Strukturen Bereiche mit geringen Strömungsgeschwindigkeiten. Besatzfische sind dazu wie bereits erwähnt zu dumm oder nützen die Chance, um abzuhauen
LG,
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A curious thing happens when fish stocks decline: People who aren't aware of the old levels accept the new ones as normal. Over generations, societies adjust expectations downward .. (Kennedy Warne)
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Michl
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Hallo,
Danke für die Antworten.
Mir ging es um die Auswirkungen auf die Brütlinge.
Generell glaube ich auch das ein Hochwasser eher positive Auswirkungen hat da unser Gewässer naturnah ist und unbegradigt.
Die Struktur ändert sich, Gumpen werden mit Geschiebe verfüllt und entstehen woanderst wieder, Sediment wird fortgespült, "zugewachsene" Rinnen sind wieder freigewaschen.
Normale Vorgänge eben, nichts Schlechtes.
Normalerweise müsste die Evolution die Fische ja auf Frühjahrshochwasser vorbereitet haben, sollte ja jedes Jahr so sein.
Das Besatzfische einem Hochwasser nicht standhalten merke ich jedes Jahr wenn die darüberliegenden Pächter mal wieder große Regenbogen besetzt haben.
Aber es beruhigt mich doch einigermaßen wenn ich hier über positive Erfahrungen was die Fischbrut angeht lese.
Also Danke nochmal.
Gruß Michl
Danke für die Antworten.
Mir ging es um die Auswirkungen auf die Brütlinge.
Generell glaube ich auch das ein Hochwasser eher positive Auswirkungen hat da unser Gewässer naturnah ist und unbegradigt.
Die Struktur ändert sich, Gumpen werden mit Geschiebe verfüllt und entstehen woanderst wieder, Sediment wird fortgespült, "zugewachsene" Rinnen sind wieder freigewaschen.
Normale Vorgänge eben, nichts Schlechtes.
Normalerweise müsste die Evolution die Fische ja auf Frühjahrshochwasser vorbereitet haben, sollte ja jedes Jahr so sein.
Das Besatzfische einem Hochwasser nicht standhalten merke ich jedes Jahr wenn die darüberliegenden Pächter mal wieder große Regenbogen besetzt haben.
Aber es beruhigt mich doch einigermaßen wenn ich hier über positive Erfahrungen was die Fischbrut angeht lese.
Also Danke nochmal.
Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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Maggov
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Servus Michl,
sieh's mal so. Hier in Bayern haben wir - bedingt durch Schneeschmelze und Frühjahrswetter - regelmässige Hochwasser im Frühjahr. Eine Bachforelle als Winterlaicher hätte sich sonst nicht etablieren können wenn die Brut bei Hochwasser eingeht.
Vielen Dank an die anderen, dass Ihr auch geantwortet habt - ich hatte schon befürchtet, dass der Bereich hier etwas "verlottert"
...
Liebe Grüsse in die Runde
Markus
sieh's mal so. Hier in Bayern haben wir - bedingt durch Schneeschmelze und Frühjahrswetter - regelmässige Hochwasser im Frühjahr. Eine Bachforelle als Winterlaicher hätte sich sonst nicht etablieren können wenn die Brut bei Hochwasser eingeht.
Vielen Dank an die anderen, dass Ihr auch geantwortet habt - ich hatte schon befürchtet, dass der Bereich hier etwas "verlottert"
Liebe Grüsse in die Runde
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Maggov
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Hallo,
noch ein Nachtrag:
Man muss unterscheiden woher die Brut stammt:
Bachforellen u. Bachsaiblinge laichen i. d. R. in Quell(neben)bächen die kaum hochwassergefärdet sind, bzw. nicht so sehr, dass die im Kieslückensystem abgedeckten Eier durch Umschichtung verdriftet werden. Auch Brut ist bei späten Hochwassern noch "im Untergrund".
Wenn Äschen laichen sind die für sie problematischen Hochwässer meist vorüber.
Etwas anderes ist das mit eingebrachten RF-Eiern oder "Bfo-Eiern", die von Elterntieren abstammen, die keinen gewässerangepassten Laichzeitpunkt haben, oder mit einheimischen Eiern die vor der Einbringung bei Quelltemperatur angebrütet wurden und zu früh (am falschen Ort) schlüpfen.
Das ergänzend, da die Bezeichnung Salmonidenbrut nicht darauf schliessen ließ um welche Brut es sich handelt.
Viele Grüsse und Danke für diese Info, die ich gerne weitergebe...
Markus
noch ein Nachtrag:
Man muss unterscheiden woher die Brut stammt:
Bachforellen u. Bachsaiblinge laichen i. d. R. in Quell(neben)bächen die kaum hochwassergefärdet sind, bzw. nicht so sehr, dass die im Kieslückensystem abgedeckten Eier durch Umschichtung verdriftet werden. Auch Brut ist bei späten Hochwassern noch "im Untergrund".
Wenn Äschen laichen sind die für sie problematischen Hochwässer meist vorüber.
Etwas anderes ist das mit eingebrachten RF-Eiern oder "Bfo-Eiern", die von Elterntieren abstammen, die keinen gewässerangepassten Laichzeitpunkt haben, oder mit einheimischen Eiern die vor der Einbringung bei Quelltemperatur angebrütet wurden und zu früh (am falschen Ort) schlüpfen.
Das ergänzend, da die Bezeichnung Salmonidenbrut nicht darauf schliessen ließ um welche Brut es sich handelt.
Viele Grüsse und Danke für diese Info, die ich gerne weitergebe...
Markus






