Fischbesatz an der hessischen Sinn

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Peter Pan
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Fischbesatz an der hessischen Sinn

Ungelesener Beitrag von Peter Pan »

Hallo Fliegenfischer,

hier mal ein kleiner Bericht der ARGE-Sinntal über die Besatzmaßnahmen an der hessischen Sinn nach den verheerenden Kormoraneinflügen im Winter:

Information zur Besatzmaßnahme am 28.07.2010

Seit ca. 10 Jahren sind im Sinngrund mit steigender Tendenz Kormorane in die Gewässer eingefallen. Der Kormoran ist kein heimischer Vogel, er frisst täglich ca. 500 g Fisch und verletzt bei seiner Jagd etwa die gleiche Menge mit seinem Hakenschnabel die dann elendig zu Grunde gehen. Ein einzelner Kormoran vernichtet in 5 Jahren etwa 2 Tonnen Fische. Seit 2002 bemühen wir uns um Unterstützung bei der Oberen Naturschutzbehörde, um die bisher entsetzlichen Schäden an der Fischfauna abzustellen (bisher zwei Ordner mit Schriftverkehr).

Bisher wurde unsere Arbeit und unser Einsatz für die Wiederansiedelung ausgerotteter Fischarten von dieser Behörde gelobt. Der Abwendung der Schäden trotz fundierter Unterlagen wurde nur minimal entsprochen. Die steigenden Kormoraneinfälle sind als Artenschutzkatastrophe größten Ausmaßes einzustufen.

Allein die Schäden in dem Naturschutzgebiet in den letzten 5 Jahren beziffern sich auf über 3,5 Tonnen wertvoller und geschützter Fischarten. Die Streckenlänge des ausgewerteten Naturschutzgebiets beträgt ca. 1,5 km, der derzeitige Fischbestand entspricht dem Zustand nach einem Fischsterben. Die gesamte Länge unseres Gewässers beträgt 11,5 km. Welcher Gesamtschaden entstanden ist werden wir nach den Bestandsaufnahmen feststellen. Wir gehen davon aus, dass etwa 80% der Fische von den Kormoranen gefressen oder letal verletzt wurden.

Unser Einsatz aus privaten Mitteln beträgt bisher über 20.000 EUR für Wiederansiedelungsprojekte, ohne administrative und manuelle Leistungen.

Trotz höchst kritikwürdiger Haltung des Dezernats Artenschutz beim Regierungspräsidium Darmstadt mit unwürdigen Stellungnahmen und falschen Behauptungen, haben wir uns weiter bemüht und immer wieder Neubesatzmaßnahmen durchgeführt. Zusammengefasst 1.060 kg Bachforellen und 15.200 Bachforellen bis ca. 18 cm und weitere ca. 50.000 Äschen, Barben, Nasen, Gründlinge, Schmerlen, Koppen und Elritzen. Diese Bestände sind fast wieder ausgerottet.

Der bisherige Gesamtschaden an der Fischfauna beträgt ca. 50.000 EUR. Die heutige Besatzmaßnahme wird in sehr großem Umfang getätigt werden, um erneut die Forellen und Äschenpopulation aufzubauen. Diese Investition kostet ca. 7.000 EUR

Es werden besetzt:

juvenile Bachforellen bis 18 cm - 8.000 Stück
adulte Bachforellen bis 40 cm - 100 Kilo

juvenile Äschen 1 jährig - 3.000 Stück
juvenile Äschen 2 jährig - 1.000 Stück
adulte Äschen 3 jährig - 100 Kilo

Stückzahl etwa 12.500

Eine Kostenbeteiligung des Hess. Umweltministerium ist zugesagt, Danke schön. Wir hoffen, dass dieser Kosten trächtige Besatz nicht erneut im kommenden Winter gefressen wird, das wäre das Ende eines der besten hessischen Fließgewässer.

Im Vorfeld der heutigen Maßnahme haben wir bereits in die Sinn 200.00 kg adulte Bachforellen und ca. 500 juvenile Bachforellen besetzt.

Hier ein paar Bilder der Besatzmaßnahme:

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Fischzüchter Lothar Keidel mit

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seinen Äschen

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sie sehen gut aus

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Ein- und Dreisömmrige Äschen im Vergleich

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Sinntals Bürgermeister Carsten Ulrich und Alfred Schmidt von der ARGE-Sinntal

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Torsten und Dao werden beim Besatz gefilmt

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Sehr zufriedene Gesichter.

Hier noch das Video von osthessen-news: http://www.osthessen-tv.de/?Kunde=1007&ID=4328

und noch ein Bildbericht: http://www.osthessen-news.de/beitrag_H. ... iv=checked

Wer die hessenschau verpasst hat:
Hessenschau

Bei Minute 00:20:30 fängt es an.


Petri und tight lines

Peter
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greypanther
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Ungelesener Beitrag von greypanther »

Hi Peter,

das schließt ja wohl direkt an die Problematik von Frank an. Der schwarze Tod (früher ein Synonym für die Pest) wütet halt überall in unseren Gewässern, und kein Einsehen bei "Naturschützern" und Behörden.
Manchmal kommt es mir so vor als wenn wir gegen die berühmt-berüchtigten Windmühlenflügel kämpfen würden (Don Quijote lässt grüßen).
Gruß
Klaus


"Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen"
Platon (panta rhei)
ROBBY
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Ungelesener Beitrag von ROBBY »

Hallo Peter,

dann wünsche ich Euch, daß das nicht nur teures und sehr aufwändiges Vogelfutter ist.

Gruß Robby
Gruß Robby
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Peter Pan
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Ungelesener Beitrag von Peter Pan »

In dem Video von Osthessen-news wird ein Herr Müller aus Hünfeld interviewt. Die Aussagen dieses Herren können leider nicht unkommentiert bleiben. Deswegen kommt hier ein offener Brief von Alfred Schmidt an Herrn Müller.

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Sehr geehrter Herr Müller,

ich halte es für besonders wichtig, zu Ihren unsinnigen, überhaupt nicht haltbaren bzw. von großer Unkenntnis zeugenden Aussagen über Kormorane und die verursachten
katastrophalen Schäden, Position zu beziehen.

Offensichtlich leben Sie in einer Gegend, in der es nur verbaute und verschlammte Gewässer gibt, sonst würden Sie das nicht behaupten bzw.  verallgemeinern.

Diese verschlammten und verbauten Gewässer wären ursächlich der Grund für das Aussterben von Bachforelle und Äsche.

Nehmen Sie zur Kenntnis, die Gewässer des Spessart sind geprägt von großer Natürlichkeit und ausgezeichneter Wasserqualität. Ebenso die Gewässer der umliegenden Mittelgebirge. Diese Gewässer haben beste Reproduktionsmöglichkeiten und ein außergewöhnlich hohes Nährtieraufkommen, (wenn Sie wissen was das ist) aus dem sich ein sehr gut orientierter biologischer Zustand errechnet. Dies gilt für den Streckenabschnitt in Hessen als auch für den Verlauf in Unterfranken.

Über Jahrhunderte, behaupten Sie, wäre der Kormoran Bestandteil der Natur gewesen, er wäre eine – Zeigerart -  für ökologisches Zusammenleben. Diese Aussage von Ihnen ist fast nicht mehr zu ertragen. Eigentlich schon impertinent. Der Kormoran ist weder in Hessen noch  in Unterfranken eine heimische Vogelart.
Das sind Behauptungen, die immer wieder von Vogelfreunden in der Öffentlichkeit vertreten werden. 

Diese Irritation wird immer wieder vorgetragen, wenig schmeichelhaft für Sie und ohne ernsthafte Belege, eigentlich nur inhaltloses Sandhasengehopse.

Da Sie für mich wegen Ihres Auftritts absolut unglaubwürdig sind, bitte ich Sie, Ihren unwahren Behauptungen zu entsagen und sich in ehrlicher Erkenntnisstärke Ihrer merkwürdigen Ansichten zu entledigen.

Ich glaube, dass Sie mit neuer Stärke Ihre Kormoran-Depressionen überwinden können um zur Glaubwürdigkeit in künftigen Auftritten zurückzukehren.

Dies gilt natürlich auch für Ihre Aussage, Kormorane würden nur einige Fische fressen. Bei uns waren es auf einer Strecke von 1,5 km 3,5 Tonnen in den letzten 4 Jahren. Belegt und nicht bestritten.

Ich bin der Ansicht, dass Sie mit Ihrem öffentlich erklärten Irrglauben eine gut gemachte Sendung besudelt haben.
  
Mit freundlichen Grüßen
für die ARGE-Sinntal

Alfred Schmidt
Petri und tight lines

Peter
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Peter Pan
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Ungelesener Beitrag von Peter Pan »

Auch der Verband Hessischer Fischer e.V. hat sich zum Beitrag des Herrn Müller geäussert:

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Ihr Statement in den Osthessen news



Sehr geehrter Herr Müller,

Sie haben die Argumentationshilfe ihres Verbandes sehr gut auswendig gelernt, jedoch wird 
durch ständiges Wiederholen falscher Behauptungen dem Artenschutz mehr geschadet als genutzt.
Wir hatten schon Ihren Bundesverband mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass nicht die Daten veralterter Gewässergütekarten Hessens zur Bestimmung herangezogen werden sollten, sondern dass im Zuge der WRRL-Maßnahmen aktuellere Daten zur Gewässergüte- und struktur bestehen.
Hätten Sie diese vorliegen, so wären Ihre Ausführungen über die Gründe des Aussterbens unserer 
authochthonen Bachforellen und Äschenbestände wiederlegt. Viele hessische Flüsse und Bäche haben in den letzten zwanzig Jahren, allein durch den Druck der Anglerschaft (Verschmutzungseinleitungen wurden angezeigt, Klärwerke wurden auf Einhaltung der Grenzwerte überprüft, Klärwerkstechnik wurde erneuert, Querverbauungen wurden beanstandet u.v.m.) wieder eine gute Wasserqualität erhalten. Durch permanente Forderungen seitens der Angler hat sich auch an der Gewässerstruktur vieles zum Vorteil unserer Fauna und Flora am und im Gewässer geändert. Aufgrund dieser günstigen Entwicklung haben auch die zahlreichen Besatzmaßnahmen von bedrohten bzw. wiederangesiedelten heimischen Fischarten sich bezahlt gemacht, so dass in vielen Fließgewässern das Ziel reproduktiver Fischbestände erreicht wurde.

Leider hat diese günstige Entwicklung auch dazu geführt, dass der Kormoran sich in Regionen ausgebreitet hat, in denen er in den vergangenen hundert Jahren niemals anzutreffen war. Somit auch seit
1998 in Hessen mit z.Zt. 16 Brutplätzen (FENA 2009). Gerade an der Sinn, die immer schon ein naturnahes Gewässer mit Güteklasse 1-2 war, hat der nichtheimische Phalacrocorax carbo sinensis seit Jahren den artenreichen Fischbestand an den Rand der Ausrottung gebracht (dokumentiert und belegbar!).
Wenn Sie in diesem Zusammenhang den Kormoran als Zeigerart für ökologisches Zusammenleben sehen,
dann möchte ich nicht wissen, was Sie unter Biodiversität im Jahr der biologischen Artenvielfalt verstehen.

Die auch vom Vogelschutz geforderten Kormoran-Management-Systeme können nicht nur an der carrying capacity der aquatischen Systeme ausgerichtet werden. Sie müssen unter Beachtung der gesamten regionaltypischen aquatischen Biodiversität auch eine fischereiliche Bewirtschaftung ermöglichen.
Dies hat auch der NABU erkannt und hat dafür eine sehr simple Lösung gefunden.  In seiner Teichanlage Blumberger Mühle in Brandenburg bekommt er wegen der starken Kormoraneinflüge keine Karpfenbrut mehr hoch. 

Deshalb bezieht Ihr Verband seine Besatzfische seit Jahren von einem tschechischen Betrieb, der an seinen Teichen Kormorane schießt um die Aufzucht nicht zu gefährden. Das verschweigen Ihre Kollegen Naturschützer und preisen auf ihrer Website das Teichgebiet Blumberger Mühle als "Modell für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur" an!
In diesem Sinne machen Sie Herr Müller, bitte nicht "weiter so", sondern informieren Sie sich
und erweitern Sie Ihre Wissenslücken. Wir vom Verband Hessischer Fischer e.V. sind Ihnen und Ihrer Ortsgruppe dabei gerne behilflich. Es wäre schade wenn engagierte Naturschützer wie Sie, zu einer "Zeigerart" für schlechtesten Populismus im "Biotopverbund" NABU verbraucht werden.

Mit freundlichen Grüßen


Günter Hoff-Schramm
stv. Geschäftsführer

Mal sehen, ob sich der Herr Müller noch mal meldet.

Petri und tight lines

Peter
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