Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
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Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Ein Thema zur Selbstreflektion von uns Fliegenfischern, das mich ernsthaft interessiert.
Wie sind eure Meinungen zu der folgenden Fragestellung:
Verhält sich der Fliegenfischer "besser", weil hegender/schützender gegenüber der Natur, als beispielsweise Kanuten, Radfahrer, Wanderer oder andere Natursuchende Freizeithelden?
Wie sind eure Meinungen zu der folgenden Fragestellung:
Verhält sich der Fliegenfischer "besser", weil hegender/schützender gegenüber der Natur, als beispielsweise Kanuten, Radfahrer, Wanderer oder andere Natursuchende Freizeithelden?
VG & Tl Gabriel
- Frank.
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
LieberGabriel,MuddlerMinow hat geschrieben: Verhält sich der Fliegenfischer "besser", weil hegender/schützender gegenüber der Natur
das wäre schön - aber ich glaube es nicht. Es ist nur so, dass viele von uns - namentlich in unserem Forum - besonders aktiv und offensiv dafür eintreten, dass es vielleicht einmal so werden wird.
Diese Rufer in der Wüste haben ganz gewiss ein geschärftes Bewusstsein für einen schon[hak]enden Umgang mit der Kreatur, für die Hege von Beständen und den Gewässerschutz; sie sind - hoffe ich - immerhin weithin sichtbar und haben einen positiven Einfluss.
Aber sie sprechen, fürchte ich, durchaus nicht für die Mehrheit.
Auch bei uns gibt es schwarze Schafe. Auch bei den Wurmbadern gibt es vorbildliche Sportfreunde.
Ich bin dankbar für jeden, den wir überzeugen können. Ich weiß aber, dass es auch hier bei uns absolut beratungsresistente Fliegenfischer gibt. Dennoch gilt: Niemals aufgeben! Niemals kapitulieren!
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
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flo staeuble
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
ich glaub auch nicht. aber ich bin mir sicher, dass es niemanden gibt, der wahrhaftigkeit und edelmut derartig bauchladenartig vor sich herträgt als gewisse fliegenfischer. das hat mich schon immer gestört und ich hab bisher noch nicht herausgefunden, warum das vielen so eminent wichtig ist.MuddlerMinow hat geschrieben: Verhält sich der Fliegenfischer "besser"?
grüße vom flo
- Frank.
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Kleine These, lieber Flo: Weil es außer den Anhängern des einarmigen Schnapsflaschenreißens kaum eine andere Gruppe von Freizeit"sportlern" gibt, die in der Öffentlichkeit einen vergleichbar schlechten Ruf wie Angler haben …flo staeuble hat geschrieben:und ich hab bisher noch nicht herausgefunden, warum das vielen so eminent wichtig ist.
Es gibt genug Menschen, die beim Wort "Angler" unweigerlich an dicke weiße Bäuche, Feinrippunterhemden, Tarnhosen aus Altbeständen von Bundeswehr oder NVA, halbleere Bierkisten, schmutzige Fingernägel und Maden im Kühlschrank denken.
Dein Frank
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Franz Kafka
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Butenbremer
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
@ Flo - ich finde das gar nicht so unerklärlich. Schließlich war Fliegenfischen lange Zeit ein sehr elitärer Sport, hauptsächlich vom Adel und der Oberschicht betrieben. Auch heute ist die Preisgestaltung vieler Geräte/Lizenzen/Mitgliedsbeiträge derart, dass eine gewisse Finanzkraft für die Ausübung des Sportes hilfreich ist. Ohne jetzt belastbare Zahlen zu kennen, vermute ich auch einfach mal, dass der Prozentsatz der Akademiker unter den Fliegenfischern ziemlich hoch sein dürfte. All das begünstigt einen gewissen Dünkel, würde ich meinen.
Auch der Gedanke, das Fischen nicht hauptsächlich zum Füllen der Pfanne zu betreiben, sondern als Wert an sich zu betrachten, ist wohl bei den Fliegenfischern zuerst aufgekommen. Das kann, wer möchte, als eine Art Evolution betrachten, mit der man sich vom reinen Nahrungserwerb emanzipiert und nach "höherem" strebt.
Insofern betrachten sich manche Fliegenfischer vermutlich als bewusster und reflektierter auch im Umgang mit der Natur - und das ist eine Ansicht, die ich im bestimmten Umfang teile, eben aus den im anderen Thread genannten Gründen. Man leiht sich nicht nur mal für einen Nachmittag eine Fliegenrute. Bevor man das erste Mal erfolgreich am Wasser steht, muss man sich schon ein ganzes Stück mit der Materie auseinander gesetzt haben, und dabei hat man, wenn alles gut gegangen ist, hoffentlich auch eine gute Portion Respekt vor der Umwelt gelernt. Leider geht es nicht immer gut
Ein gehöriges Maß an Ignoranz dürfte aber auch den Fliegenfischern zu eigen sein - eine Flugreise nach Patagonien, oder wo immer sonst ein Fliegenfischerparadies in der Ferne zu finden ist - schadet der Natur sicher mehr als die genannte Badelatsche. Und ich würde diese Reise trotzdem sofort antreten, wenn mir jemand drei Wochen bezahlten Zusatzurlaub gewährt
Im übrigen sollten wir uns schon darüber freuen, dass bei uns überhaupt ein gewisser Standard im Umgang mit der Natur und ihren Kreaturen erreicht ist. Letztes Jahr in Finnland stand ich im Hafen von Oulu und habe einer bunt gemischten Gruppe Einheimischer beim Barschfischen zugesehen, natürlich mit lebenden Köderfischen. Die Barsche wurden einfach lebend in den Eimer geworfen und sind dort elend verreckt. Als ich die Kollegen darauf ansprach, haben die eine ganze Weile gebraucht, um zu verstehen, was ich überhaupt meine, und das lag nicht an den beidseitig vorhandenen Englischkenntnissen
Auch der Gedanke, das Fischen nicht hauptsächlich zum Füllen der Pfanne zu betreiben, sondern als Wert an sich zu betrachten, ist wohl bei den Fliegenfischern zuerst aufgekommen. Das kann, wer möchte, als eine Art Evolution betrachten, mit der man sich vom reinen Nahrungserwerb emanzipiert und nach "höherem" strebt.
Insofern betrachten sich manche Fliegenfischer vermutlich als bewusster und reflektierter auch im Umgang mit der Natur - und das ist eine Ansicht, die ich im bestimmten Umfang teile, eben aus den im anderen Thread genannten Gründen. Man leiht sich nicht nur mal für einen Nachmittag eine Fliegenrute. Bevor man das erste Mal erfolgreich am Wasser steht, muss man sich schon ein ganzes Stück mit der Materie auseinander gesetzt haben, und dabei hat man, wenn alles gut gegangen ist, hoffentlich auch eine gute Portion Respekt vor der Umwelt gelernt. Leider geht es nicht immer gut
Ein gehöriges Maß an Ignoranz dürfte aber auch den Fliegenfischern zu eigen sein - eine Flugreise nach Patagonien, oder wo immer sonst ein Fliegenfischerparadies in der Ferne zu finden ist - schadet der Natur sicher mehr als die genannte Badelatsche. Und ich würde diese Reise trotzdem sofort antreten, wenn mir jemand drei Wochen bezahlten Zusatzurlaub gewährt
Im übrigen sollten wir uns schon darüber freuen, dass bei uns überhaupt ein gewisser Standard im Umgang mit der Natur und ihren Kreaturen erreicht ist. Letztes Jahr in Finnland stand ich im Hafen von Oulu und habe einer bunt gemischten Gruppe Einheimischer beim Barschfischen zugesehen, natürlich mit lebenden Köderfischen. Die Barsche wurden einfach lebend in den Eimer geworfen und sind dort elend verreckt. Als ich die Kollegen darauf ansprach, haben die eine ganze Weile gebraucht, um zu verstehen, was ich überhaupt meine, und das lag nicht an den beidseitig vorhandenen Englischkenntnissen
Was ist schlimmer, Unwissen oder Gleichgültigkeit? Keine Ahnung, ist mir auch egal!
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flo staeuble
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
ohohoh, jetzt wirds kompliziert.
da kommt mein lieblingsthema daher und ich bin grade am kofferpacken - ab in den urlaub.
trotzdem noch als anregung
@frank: nenene, das ist mir zu hübsch, die verteidigung der anglerschaft als solcher als quell der gschaftelhuberei (so, nun ist das böse bayerische wort gefallen) ist mir zu weit hergeholt.
da kann ich mit butenbremers "dünkel"-formulierung schon mehr anfangen.
dazu nur soviel: fischefangen zum spass (schon wieder ein schlimmes wort in den ohren der aufrechten, also sag ich wohl besser "zum zwecke des ganzheitlichen natur- und kosmos-erlebnisses) mit allem damit verbundenen leid für die kreatur als wertiger zu definieren als fischefangen zum aufessen ist zwar in des fliegenfischers emotionalität das normalste von der welt - das aber mal tatsächlich intellektuell zu verargumentieren dürfte mehr als schwer fallen.
NEIN, NICHT SCHON WIEDER DIESE DISKUSSION!!!!!!!!!!
ich hau ab. urlaub. schöne zeit allen!
flo
p.s. ich hab einfach nie verstanden, warum um das fliegenfischen aussenrum soviel gewese gemacht werden muss. nicht falsch verstehen, auch ich kann mich stundenlang über bindematerialien, vorfachlängen und schwierige präsentationen unterhalten. aber ein zusätzlicher lyrischer unterbau? brauch i ned.
zum schluss ein zitat des legendären londoner kochs marco pierre white. in seinem atemberaubend tollen kochbuch, das die "magie der küche" wie kein anderes einfängt, sieht man ihn auf der letzten seite auf einem stylishen schwarzweissfoto, eine zigarette rauchend, nach dem service allein im nächtlich verlassenen lokal sitzen.
bildunterschrift ist sein zitat: "am ende des tages ist es nur essen. nichts weiter."
DAS find ich lässig......
da kommt mein lieblingsthema daher und ich bin grade am kofferpacken - ab in den urlaub.
trotzdem noch als anregung
@frank: nenene, das ist mir zu hübsch, die verteidigung der anglerschaft als solcher als quell der gschaftelhuberei (so, nun ist das böse bayerische wort gefallen) ist mir zu weit hergeholt.
da kann ich mit butenbremers "dünkel"-formulierung schon mehr anfangen.
dazu nur soviel: fischefangen zum spass (schon wieder ein schlimmes wort in den ohren der aufrechten, also sag ich wohl besser "zum zwecke des ganzheitlichen natur- und kosmos-erlebnisses) mit allem damit verbundenen leid für die kreatur als wertiger zu definieren als fischefangen zum aufessen ist zwar in des fliegenfischers emotionalität das normalste von der welt - das aber mal tatsächlich intellektuell zu verargumentieren dürfte mehr als schwer fallen.
NEIN, NICHT SCHON WIEDER DIESE DISKUSSION!!!!!!!!!!
ich hau ab. urlaub. schöne zeit allen!
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p.s. ich hab einfach nie verstanden, warum um das fliegenfischen aussenrum soviel gewese gemacht werden muss. nicht falsch verstehen, auch ich kann mich stundenlang über bindematerialien, vorfachlängen und schwierige präsentationen unterhalten. aber ein zusätzlicher lyrischer unterbau? brauch i ned.
zum schluss ein zitat des legendären londoner kochs marco pierre white. in seinem atemberaubend tollen kochbuch, das die "magie der küche" wie kein anderes einfängt, sieht man ihn auf der letzten seite auf einem stylishen schwarzweissfoto, eine zigarette rauchend, nach dem service allein im nächtlich verlassenen lokal sitzen.
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Butenbremer
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
sorry wenn ich da jetzt den Klugsch***** raushängen lasse, aber eben um die Emotionalität des Fliegenfischers geht es Dir doch, wenn Du wissen willst, wo der Dünkel herkommt. Da muss man gar nichts intellektuell verargumentieren
.
Wenn aber noch eine kulturhistorische Begründung her muss, so war es vielleicht so, dass die englischen Fliegenfischer in vergangenen Jahrhunderten wert darauf gelegt haben, es sich leisten zu können, diesen Zeitvertreib nur aus Muße auszuüben, nicht aber um den schnöden Hunger zu befriedigen, wie der Bauer von nebenan. Ebenso, wie man auf eine vornehme Blässe stolz war, die belegte, dass man es nicht nötig hatte, unter freiem Himmel zu schuften.
PS schönen Urlaub!!!
Wenn aber noch eine kulturhistorische Begründung her muss, so war es vielleicht so, dass die englischen Fliegenfischer in vergangenen Jahrhunderten wert darauf gelegt haben, es sich leisten zu können, diesen Zeitvertreib nur aus Muße auszuüben, nicht aber um den schnöden Hunger zu befriedigen, wie der Bauer von nebenan. Ebenso, wie man auf eine vornehme Blässe stolz war, die belegte, dass man es nicht nötig hatte, unter freiem Himmel zu schuften.
PS schönen Urlaub!!!
Was ist schlimmer, Unwissen oder Gleichgültigkeit? Keine Ahnung, ist mir auch egal!
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Schönen Urlaub, Flo!
Rascher Nachtrag noch: aber natürlich spielt Dünkel dabei auch eine Rolle! Ich erinnere an
Dein Frank
Rascher Nachtrag noch: aber natürlich spielt Dünkel dabei auch eine Rolle! Ich erinnere an
Da dünkele ich gerne Richtung vornehmer Blässe …Frank. hat geschrieben:dicke weiße Bäuche, Feinrippunterhemden, Tarnhosen aus Altbeständen von Bundeswehr oder NVA, halbleere Bierkisten, schmutzige Fingernägel und Maden im Kühlschrank.
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
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CPE
Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Da schieße ich mir zwar widerwillig aber doch zielgenau mal in den eigenen Fuß:MuddlerMinow hat geschrieben:Verhält sich der Fliegenfischer "besser", weil hegender/schützender gegenüber der Natur, als beispielsweise Kanuten, Radfahrer, Wanderer oder andere Natursuchende Freizeithelden?
http://en.wikipedia.org/wiki/Sport#Etym ... nd_meaning
Kanuten sind also nach aktueller Definition von Sport Sportler. Fliegenfischer sind es nicht, weil sie in der Regel kein Interesse an Wettbewerb haben und in der Regel selbst mit Schonhaken und Handlandung dem Tier doch Schaden zufügen.SportAccord uses the following criteria, determining that a sport should:[1]
have an element of competition
be in no way harmful to any living creature
not rely on equipment provided by a single supplier (excluding proprietary games such as arena football)
not rely on any 'luck' element specifically designed in to the sport
Wenn der Kanut nun mit seinem Paddel die Laichgründe durchpflügt, so ist das vielleicht Bräsigkeit aber nicht Teil des Spiels...
Und jetzt?
Fliegenfischereiliche Grüße,
Norbert
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Moin,
Ein Fliegenfischer, der durch Laichgründe trampelt, sollte in der Tat besser wissen was er da tut. Und dennoch passiert es immer wieder.
Vielleicht sollte man die Fische mal fragen, was ihnen besser gefällt:
Der Fliegenfischer, der ihnen einen Haken ins Maul verpasst und sie massiv aus ihrer ursprünglichen Befindlichkeit herausbringt, der auch sonst die Fische lang anhaltend alarmiert und verschreckt oder ein Wanderer oder Paddler, der sich gar nicht um sie kümmert?
Mal ehrlich, was soll das das Geziere: Wir gehen ans Wasser, um Spaß mit den Fischen zu haben, und dieser Spaß ist extrem einseitig. Dass wir uns angesichts dieses drastischen Eingriffs in die Lebenswelt der Fische ansonsten so waidgerecht und naturschonend wie möglich zu verhalten versuchen, ist eher Schadensbegrenzung als der Gipfel des Naturliebhabertums.
Viele Grüße!
Achim
So what?Carl Phillip Emanuel hat geschrieben: [Wenn der Kanut nun mit seinem Paddel die Laichgründe durchpflügt, so ist das vielleicht Bräsigkeit aber nicht Teil des Spiels...
Und jetzt?
Ein Fliegenfischer, der durch Laichgründe trampelt, sollte in der Tat besser wissen was er da tut. Und dennoch passiert es immer wieder.
Vielleicht sollte man die Fische mal fragen, was ihnen besser gefällt:
Der Fliegenfischer, der ihnen einen Haken ins Maul verpasst und sie massiv aus ihrer ursprünglichen Befindlichkeit herausbringt, der auch sonst die Fische lang anhaltend alarmiert und verschreckt oder ein Wanderer oder Paddler, der sich gar nicht um sie kümmert?
Mal ehrlich, was soll das das Geziere: Wir gehen ans Wasser, um Spaß mit den Fischen zu haben, und dieser Spaß ist extrem einseitig. Dass wir uns angesichts dieses drastischen Eingriffs in die Lebenswelt der Fische ansonsten so waidgerecht und naturschonend wie möglich zu verhalten versuchen, ist eher Schadensbegrenzung als der Gipfel des Naturliebhabertums.
Viele Grüße!
Achim
Früher war mehr Lametta!
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Tja, und trotzdem sammeln Fliegenfischer auch Müll ein, engagieren sich für Flussrenaturierungen, gegen Wasserverbauungen, Bestandsschutz (wieviele Äschen glaubt ihr würden noch ohne uns in den Gewässern schwimmen?) um mal konkret zu schreiben, was mir da einfällt.
Ich denke, die Notwendigkeit der Nahrungsbeschaffung und deren Triebe kann man besser bei Aldi, als beim Fliegenfischen studieren: wenn da die Leute mit voller Beute (geladenem Kofferraum) vom Parkplatz fegen, denk ich immer daran, dass sie ihren - triebhaft ausgedrückt - "super-billig-viel-Beute Abschuss" in Sicherheit bringen wollen. Das aber nur nebenbei..
Am besten wäre es natürlich, der Mensch wäre gar nicht vorhanden. Dann wären unsere Flüsse intakt, sauber, fischreich und weiß der Reiher was.
Tatsache ist aber, dass der Mensch da ist und seine Umwelt im weitesten Sinne nutzt, ob zum Spaß und Spiel oder aus ernsteren Gründen (wobei ja Spaß eines der ernsthaftesten, sprich wichtigsten Themen für den gemeinen Freizeithelden darstellt).
Ich denke, wenn man sich als Fliegenfischer für was "besseres" hält, ist man vor sich selbst verpflichtet, das auch einzulösen. Sprich, man trampelt nicht durch die Kinderstuben, wirft einen offensichtlich untermassigen Fisch gar nicht erst an und lässt bei einigen erfolgreichen Fängen auch mal das Tagwerk ruhen und genießt die Zeit, die man am Fluss verbringen kann.
Für solche Fälle hab ich jedenfalls jede Menge Rauchbares dabei, ne Buddel mit was süffigem und natürlich auch paar Happen zum Essen. Die Kamera und ein kleines Buch, wo man mal paar Gedanken oder Beobachtungen festhalten kann..
Ich finde jedenfalls Eure Gedanken sehr interessant und würde immer dafür plädieren, dass wir Fliegenfischer aus der Tradition und aus unserem Selbstbild heraus versuchen, etwas besser zu handeln, anstatt nur Nutznießer und gnadenloser Spaßkonsument zu sein.
Schönen Abend!
Ich denke, die Notwendigkeit der Nahrungsbeschaffung und deren Triebe kann man besser bei Aldi, als beim Fliegenfischen studieren: wenn da die Leute mit voller Beute (geladenem Kofferraum) vom Parkplatz fegen, denk ich immer daran, dass sie ihren - triebhaft ausgedrückt - "super-billig-viel-Beute Abschuss" in Sicherheit bringen wollen. Das aber nur nebenbei..
Am besten wäre es natürlich, der Mensch wäre gar nicht vorhanden. Dann wären unsere Flüsse intakt, sauber, fischreich und weiß der Reiher was.
Tatsache ist aber, dass der Mensch da ist und seine Umwelt im weitesten Sinne nutzt, ob zum Spaß und Spiel oder aus ernsteren Gründen (wobei ja Spaß eines der ernsthaftesten, sprich wichtigsten Themen für den gemeinen Freizeithelden darstellt).
Ich denke, wenn man sich als Fliegenfischer für was "besseres" hält, ist man vor sich selbst verpflichtet, das auch einzulösen. Sprich, man trampelt nicht durch die Kinderstuben, wirft einen offensichtlich untermassigen Fisch gar nicht erst an und lässt bei einigen erfolgreichen Fängen auch mal das Tagwerk ruhen und genießt die Zeit, die man am Fluss verbringen kann.
Für solche Fälle hab ich jedenfalls jede Menge Rauchbares dabei, ne Buddel mit was süffigem und natürlich auch paar Happen zum Essen. Die Kamera und ein kleines Buch, wo man mal paar Gedanken oder Beobachtungen festhalten kann..
Ich finde jedenfalls Eure Gedanken sehr interessant und würde immer dafür plädieren, dass wir Fliegenfischer aus der Tradition und aus unserem Selbstbild heraus versuchen, etwas besser zu handeln, anstatt nur Nutznießer und gnadenloser Spaßkonsument zu sein.
Schönen Abend!
VG & Tl Gabriel
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Hallo Freunde !
An diesem Punkt der Diskussion muß man die Entwicklung des Fliegenfischens und überhaupt der Fischerei in Europa und England gegenüberstellen.
In Europa war dem Adel die Jagd vorbehalten, der Kirche aber verboten!
Die Kirche bekam die Fischerei im Gegensatz zu England, wo der Landlord über Jagd und Fischerei bestimmen konnte.
Deswegen hat in den angelsächsischen Ländern die Fischerei einen ganz anderen Stellenwert und wenn ein Mitglied des engl. Königshauses etwas zur Gewässerbewirtschaftung sagt, wird es gehört in der Öffentlichkeit.
Auch in den USA hat die Angelfischerei einen ganz anderen Stellenwert, fast jeder Präsident der USA angelte, einige auch mir der Fliege (Eisenhower, Hoover, Carter usw.).
Ganz anders dagegen in Europa, hier wurde es lange Zeit als eine Form des Müssigganges betrachtet und darunter leiden wir noch heute!
Die Ausbildung in einem firstclass College in England beinhaltet Reiten, Segeln und Fliegenfischen, davon können wir am Kontinent nur träumen.
Dadurch fehlt hier das Veständnis für die Fischerei und die Fliegenfischerei im besonderen.
Ich glaube schon, daß Fliegenfischer mehr für die Ökologie ihrer Gewässer übrig haben, besonders wenn sie sich vom Fangdruck befreit haben (eine Alterserscheinung
wird behauptet).
mfg
Gebhard
An diesem Punkt der Diskussion muß man die Entwicklung des Fliegenfischens und überhaupt der Fischerei in Europa und England gegenüberstellen.
In Europa war dem Adel die Jagd vorbehalten, der Kirche aber verboten!
Die Kirche bekam die Fischerei im Gegensatz zu England, wo der Landlord über Jagd und Fischerei bestimmen konnte.
Deswegen hat in den angelsächsischen Ländern die Fischerei einen ganz anderen Stellenwert und wenn ein Mitglied des engl. Königshauses etwas zur Gewässerbewirtschaftung sagt, wird es gehört in der Öffentlichkeit.
Auch in den USA hat die Angelfischerei einen ganz anderen Stellenwert, fast jeder Präsident der USA angelte, einige auch mir der Fliege (Eisenhower, Hoover, Carter usw.).
Ganz anders dagegen in Europa, hier wurde es lange Zeit als eine Form des Müssigganges betrachtet und darunter leiden wir noch heute!
Die Ausbildung in einem firstclass College in England beinhaltet Reiten, Segeln und Fliegenfischen, davon können wir am Kontinent nur träumen.
Dadurch fehlt hier das Veständnis für die Fischerei und die Fliegenfischerei im besonderen.
Ich glaube schon, daß Fliegenfischer mehr für die Ökologie ihrer Gewässer übrig haben, besonders wenn sie sich vom Fangdruck befreit haben (eine Alterserscheinung
mfg
Gebhard
Der immer auf Seiten der Fische steht!
-
CPE
Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Hallo Gebhard,
Sport im alten englischen Sinne ist genau das: Beschäftigung nicht im Rahmen des Broterwerbs sondern ausschließlich des Müßigganges. Einschließend wenn nicht gar erschöpfend definiert durch die Jagd und den Fischfang. Die spinnenden Briten haben auch überhaupt kein Problem damit, eher im Gegenteil.
Und in der derzeitigen Beschäftigung mit G.E.M. Skues ("Minor Tactics of the Chalk Stream") fällt mir ein/auf: Der Mann hat alles entnommen, was er kriegen konnte. Nix mit Catch & Release.
Grüße, Norbert
Sport im alten englischen Sinne ist genau das: Beschäftigung nicht im Rahmen des Broterwerbs sondern ausschließlich des Müßigganges. Einschließend wenn nicht gar erschöpfend definiert durch die Jagd und den Fischfang. Die spinnenden Briten haben auch überhaupt kein Problem damit, eher im Gegenteil.
Und in der derzeitigen Beschäftigung mit G.E.M. Skues ("Minor Tactics of the Chalk Stream") fällt mir ein/auf: Der Mann hat alles entnommen, was er kriegen konnte. Nix mit Catch & Release.
Grüße, Norbert
-
Hans.
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Re: Sind Fliegenfischer die "besseren Natursuchenden"?
Hallo an alle,
die "besseren Natursuchenden" gibt es unter Fliegenfischern sicherlich, aber auch unter Paddlern, Wanderern, Moutainbikern, Kletterern, etc. Die Frage ist für mich, mit welcher Haltung ich mich in die Natur begebe. Habe ich Achtung vor dem, was mir dort begegnet? Bin ich dankbar, dort zu sein? Kann ich mich an den vielen, auch kleinen Dingen, erfreuen?
Ich habe Mountainbiker auf der Almwiese im Gras sitzend die Berge, die Ruhe, die ganze Erhabenheit der Umgebung genießen sehen. Es gibt aber auch diese: Mit dem Lift rauf auf den Berg und danach viele Kilometer auf extra dafür hergerichteter Strecke per halsbrecherischer Schußfahrt wieder runter, und gleich wieder rauf, und wieder runter. In Graubünden reißt man dafür auf den Almen die gewachsene und sorgsam gehütete Grasnarbe auf, Hütehunde werden über den Haufen gefahren und, verdammt nochmal, schon schlimm genug wegen eines Viehgatters anhalten zu müssen. Aber hinterher das Tor schließen? Wozu denn? Wen interessiert der Hirte, der danach stundenlang die entlaufenen Rinder suchen muss? Die Generation FUN ist es, die uns stinkt. Und da finden sich auch Fliegenfischer, und ob!
Gruß,
Hans
die "besseren Natursuchenden" gibt es unter Fliegenfischern sicherlich, aber auch unter Paddlern, Wanderern, Moutainbikern, Kletterern, etc. Die Frage ist für mich, mit welcher Haltung ich mich in die Natur begebe. Habe ich Achtung vor dem, was mir dort begegnet? Bin ich dankbar, dort zu sein? Kann ich mich an den vielen, auch kleinen Dingen, erfreuen?
Ich habe Mountainbiker auf der Almwiese im Gras sitzend die Berge, die Ruhe, die ganze Erhabenheit der Umgebung genießen sehen. Es gibt aber auch diese: Mit dem Lift rauf auf den Berg und danach viele Kilometer auf extra dafür hergerichteter Strecke per halsbrecherischer Schußfahrt wieder runter, und gleich wieder rauf, und wieder runter. In Graubünden reißt man dafür auf den Almen die gewachsene und sorgsam gehütete Grasnarbe auf, Hütehunde werden über den Haufen gefahren und, verdammt nochmal, schon schlimm genug wegen eines Viehgatters anhalten zu müssen. Aber hinterher das Tor schließen? Wozu denn? Wen interessiert der Hirte, der danach stundenlang die entlaufenen Rinder suchen muss? Die Generation FUN ist es, die uns stinkt. Und da finden sich auch Fliegenfischer, und ob!
Gruß,
Hans
Zuletzt geändert von Hans. am 29.07.2012, 17:47, insgesamt 2-mal geändert.
Man muss nicht alles mitmachen...






