Fliegen und Cocktails

Zwei schier unerschöpfliche Themen. Achtung! Hier tauschen nicht nur die Profi-"Tüddeler" ihre Geheimtipps aus.

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fischers franze
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Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von fischers franze »

Ist euch das auch schon aufgefallen?

Die Materialliste bei Bindeanleitungen hat immer was von einem Cocktailrezept, irgendwas fehlt, trotz gut bestückter Bar immer.

Da sieht man eine schöne Fliege, will sie nachbinden, in meinem Fall, probiert sie nachzubinden, und siehe da, für die Flügelscheide wird ein Segment aus der linken unteren Schwungfeder des einbeinigen Stelzers verwendet.
Ich sitzt dann da und denk mir, sch....wamm drüber, dann nehme ich einfach doch wieder was vom Fasan, aber immer mit einem komischen Gefühl ob die Fliege dann auch wenigstens so ungefähr wird wie auf dem schönen Bildchen dargestellt.

Wie haltet Ihr das? Einfach das verwenden was da ist, oder zum Partnermens Fischer radeln und dann doch nicht das bekommen was vom Originalbinder angeführt war?

Gruß Franz
Zuletzt geändert von fischers franze am 18.03.2013, 17:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Michl
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von Michl »

Hallo Franz,
genauso ist das.
Aber derjenige der die Fliege erbunden hat, hatte ja das selbe Problem.
Er wollte eigentlich die Feder des dreibeinigen Schnäblers und hatte nur noch einbeinigen Stelzer. :?:
Hat er halt den genommen.
So mach ich das auch.
Den Fischen ist das wurst, denn Fliegen werden zu 90 % für die Fischer gebunden.
Hauptsache ist, Haken ist dabei. :!:
Wie beim Cocktail der Alkohol.
Puristen allerdings haben da natürlich andere Ansichten.
Die dürfen sie auch behalten, von mir aus.

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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MuddlerMinow
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von MuddlerMinow »

Ein Montagvormittag Thread über Fliegenbinden und Cocktails?? Also echt Leute, ziemlich dekadent.

Ich kenne das doofe Gefühl auch. Allerdings fühlen sich die 30€, die man dann mal eben so für die Hoffnung, alle Original Materialien zu kaufen ausgibt, noch mieser an..ich entscheide mich da fürs kleinere Übel und nehm dann den Dreibeinigen oder gleich eine Ausländerin :badgrin: (hoffentlich werde ich nicht geschlagen, aber ich bin weltoffen und gegen die Unterdrückung chinesischer Hennenbälge..)

Ein positiver Aspekt kommt hinzu: fehlen Dir schon zwei Materialien, ist das wie eine Konzertparaphrase über ein Opernthema zu schreiben: ein komplett neues Stück, aber doch mit den schönen Melodien und Einfällen der Originalkomposition.
VG & Tl Gabriel
Smollo327
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von Smollo327 »

Hallo,

ich sehe das ähnlich wie Michl, die Fliegen binde ich hauptsächlich für mich. Malcolm Greenhalgh hat in seinem Buch "The Floating Fly" einige Fliegenmuster aufs Korn genommen und so weit reduziert, dass diese sich wesentlich einfach binden lassen. C. Boyd Pfeiffer geht da noch einen ganzen Schritt weiter und hat ein komplettes Buch herausgegeben über "Simple Flies: Flies You Can Tie with Three Materials or Less", die Fliegen die hierbei heraus kommen sind mir allerdings zu unschick und zu amerikanisch, finden unter Fischen jedoch bestimmt ihre Abnehmer.

Ob die Nassfliegenhechel jetzt aus Goldregenpfeifer, Wachtel oder chinesische Henne ist, das ist dem Fisch ziemlich egal. Da ist die Länge der Fibern wesentlich entscheidender, aber sicher nicht deren Anzahl, ein schönes Zitat von o.g. Pfeiffer ist: "Trout can not count". Man denke nur an die Diskussion um Chadwick's 477 Wolle, auch den heute angebotenen Substituten für teures Geld kann ich nichts abgewinnen. Zurückgedacht hat Sawyer damals das verwendet, was günstig er zur Verfügung hatte, nämlich die Stopfwolle der tristen beige-grauen Socken. Die meisten Muster sind aus Materialien entstanden, die man immer und günstig zur Verfügung hatte, also aus dem, was von der Jagd auf allerlei schmackhaftes Getier übrigblieb. Und wenn man noch überlegt, wo sich das Fliegenfischen entwickelt hat, wird klar, dass Moorhuhn ein elementarer Bestandteil der Bindekiste sein muss. Wären die Einflüsse Australiens größer gewesen, hätten wir sicher Wellensittich als Hechellieferanten.

So ganz kann ich mich auch nicht dem Materialfetischismus verwehren und hab dadurch eigentlich schon zuviel Auswahl am Bindetisch.

Viele Grüße,
Smollo
fischers franze
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von fischers franze »

Hallo Smollo und die anderen
Das mit der grauen Sockenstopfwolle kenn ich auch, daraus habe ich meine aller erste Fliege und auch noch völlig ohne Anleitung gebunden.
Mir war aufgefallen daß an dem See (Weiher) an dem das Anfischen stattfand jede Menge Kaulquappen waren.
Also hab ich mir zu Hause fix ein paar zusammengewurstelt, am See anbgekommen und die Gerte aufgerüstet, wurde ich natürlich sofort von einem Goldzahnkormoran misstrauisch beäugt und
mit dem Kommentar dass ich mit " so einem Graffel was ich da dabeihab sowiso nix fang", bedacht.
Als ich nach 5 Minuten wieder mein "Geraffel einpacken musste, weil das Fanglimmit erschöpft war, hat der mittfühlende Fischereikammerad fast seinen Stumpen (Zigarre) verschluckt, wenn ich da dran denke
muss ich immer moch grinsen.

AZStSch.
Franz
Zuletzt geändert von fischers franze am 20.03.2013, 08:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von L4nc3r »

Ahoi,

solange die alternativen Materialien so ziemlich die selben Eigenschaften aufweisen, sehe Ich das auch garnicht so eng.
Manche Materialien aber wurden bwusst gewählt, wenn Ich also statt synthetischem, wasserabweisendem Material, natürliches verwende, muss Ich mir dann auch im klaren sein, das dies die Wurf- und Sink-Eigenschaften verändert. Ist allerdings auch oftmals halb so wild, wenns nicht gerade große Hechtfliegen sein sollen.

MfG Benji
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von Olaf Kurth »

Smollo327 hat geschrieben:...... ein schönes Zitat von o.g. Pfeiffer ist: "Trout can not count". Man denke nur an die Diskussion um Chadwick's 477 Wolle.............

Oh doch, lieber Smollo,

unsere wilden Fische zählen sehr genau mit!
Unter Wasser lachen sie sich schlapp und schmeißen sich innerlich weg, wenn Du mit einem unorthodoxen Muster ans Wasser gehst und ihnen das vorsetzt. Drei statt der original sechs Beine? Kaninchenfell statt Seehunddubbing oder original Scheitelaffenfell? An unseren Gewässern ein absolutes No-Go!!!!!!!

Wie gesagt, die wilden Bf. und Rainis sind äußerst wählerisch, sie zieren sich, sie haben Ansprüche........... und wehe Dir, Du fragst, wie eine Fliege angebunden werden soll............. selbst die Knoten werden unter Wasser sehr genau unter die Lupe genommen............. und wenn dat dilletantisch war, dann wird dat nix mit der Trutte............. klingt komisch, iss aber so........... :shock:

Liebe Grüße in die Runde,

Olaf
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Re: Fliegen und Cocktails

Ungelesener Beitrag von Achim Stahl »

Moin,


den Vergleich von Bindeanleitungen und Cocktailrezepten finde ich ziemlich passend. Ich habe bisher Kochrezepte zum Vergleich herangezogen - kommt wohl aufs selbe heraus.

Wer sich an Rezepte hält, sowohl die Original Zutaten als auch die Original Mengen (Proportionen) verwendet und alles nach Rezept verarbeitet, wird etwas Brauchbares produzieren.

Wer keine Ahnung von den Eigenschaften der Zutaten, den richtigen Mengen bzw. Proportionen und der Verarbeitungsweise hat und dennoch ohne jedes Rezept wild darauf loskocht bzw -bindet, wird teure Zutaten für etwas mehr oder weniger Ungenießbares verschwenden.

Wer sich mit den Zutaten, den passenden Mengen, der Verarbeitung und dem Geschmack der Gäste/Fische auskennt, der kann auch kreativ werden, der weiß, dass er auch mal Bärlauch statt Knoblauch oder eine Rebhuhnhechel statt einer Moorhuhnhechel verwenden kann. Der kann sogar so mutig werden, dass er Schokolade und Rehrücken zu einem köstlichen Gericht kombiniert oder eine Green Highlander mit Craftfurschwinge und Epoxyaugen bindet. 8)

Ich male mir immer wieder gerne aus, wie die klassischen Fliegenmuster unserer Altvorderen ausgesehen hätten, wenn sie unsere modernen Materialien zur Verfügung gehabt hätten. Ich bin sicher, die würden viel entspannter damit umgehen, als die meisten, die deren Muster heute peinlich genau zu imitieren versuchen. :wink:


Viele Grüße!


Achim
Früher war mehr Lametta!
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