Hi Schnurpfleger,
@Martin: ZurErgänzung deiner Schulchemie
Duroplast: Epoxi, Polyesterharze, 2K-Produkte, erweichen bzw schmelzen nicht bei Erwärmung sondern zersetzen sich.
Thermoplast: Polycarbonat PC, Polyethylen PE, Polyvinylchlorid PVC, Polyamid PA, alle Kunststoffe, die bei Erwärmung weich werden und aufgeschmolzen werden können (schweißbar).
Elastomere: Gummi- / Kautschukprodukte (auch sythetische Kautschuke)
PVC ist ist eine Thermoplast und in seiner ursprünglichen Form hart und spröde (Abwasserrohre, Kunststofffensterrahmen).
Dem PVC werden Weichmacher zugefügt, die die Vernetzungsstruktur so verändern, dass es z.B. als Coating für unsere Schnüre weich genug wird. Diese Weichmacher können im Laufe der Zeit bei billigen Produkten! ausdiffundieren (vgl. Warnungen vor Billig-PVC-Spielzeug für Kleinkinder aus China)
Die grün-bläuliche Färbung der Flamme beim Ankokeln von PVC an einem Stück Kupferdraht entsteht durch den Chlorgehalt von PVC. Wenn Schnüre "verspröden" liegt dies in erster Linie daran, dass die unzureichend UV-beständig sind. Dieser Versprödungsprozess ist in Hinblick auf die chemische Struktur sehr komplex und es sprengt den Rahmen dies hier näher zu erläutern, muss auch nicht. Eine hochwertige PVC-Schnur sollte auch nach einigen Jahren nicht verspröden. Einsetzende Versprödung erkennt man bei PVC-Schnüren, wenn sich netzartige Linien auf der Oberfläche bilden (ähnlich der Krakele-Rissbildung auf geglätteten Betonoberflächen).
PU nimmt bei den Kunststoffen eine Sonderstellung ein, je nach Zusammensetzung kann PU ein Duroplast, ein Thermoplast oder auch Elastomer sein. Im Falle unserer Schnüre ist PU ein Thermoplast, denn NUR Thermoplaste lassen sich schweißen. Der Vorteil von PU ist, dass es abriebfester ist als Weich-PVC, eine erheblich höhere Weiterreißfestigkeit und mechanische Belastbarkeit besitzt (Dichtungen, Schuhsohlen von Sportschuhen) und eine deutlich geringere Versprödungsneigung und höhere Alterungsbeständigkeit hat. Allerdings ist PU weniger beständig gegen Lösungsmittel, stärkere Säuren und Laugen.
Dass PU als geschmeidiger Thermoplast allerdings keine Stoffe enthält, die für die Geschmeidigkeit im Sinne von "Weichmachen" sorgen, ist so nicht ganz richtig, es sind nur ganz andere Stoffe, die nicht ausdiffundieren bzw die gesamte Struktur und Chemie ist anders als im Falle von PVC. Unter Berücksichtigung der Belastungen, denen die Fliegenschnur ausgesetzt ist, ist m.E. aus werkstofflicher Hinsicht PU bei Fliegenschnüren dem PVC überlegen.
Schnurpflege schadet bestimmt nicht, ich bezweifel allerdings, ob dies bei modernen bzw. halbwegs hochwertigen Schnüren aus Sicht des Materials notwendig ist. Hochwertig im Sinne von Kunststoffqualität beinhaltet nicht zwingend einen hohen Preis, da sich der Materialpreis für den Coatinganteil einer Schnur im Centbereich bewegt.
Gruß vom platten Niederrhein