Lieber Falko,
leider habe ich Deine "Abrechnung" mit unserem Verein erst heute gelesen. Auch wenn ich an der diesjährigen Jahreshauptversammlung nicht teilnehmen konnte, möchte ich auf ein paar Dinge gerne eingehen.
Das mit dem Riss durch den Verein kann ich grundsätzlich bestätigen. Anders als Du sehe ich den Verein allerdings in den letzten Jahren ganz klar auf dem Weg der "Besserung". Wie leider in vielen Vereinen nicht ungewöhnlich, hat sich der Streit lange vor Deinem Vereinsbeitritt innerhalb des alten Vorstandes an der Besatzfrage "Karpfen oder nicht Karpfen" entzündet. Nachdem der Karpfenbesatz von der "Karpfenfraktion" (auf Grundlage von Gewässerbedinungen!) nicht mehr durchsetzbar schien, wurde hier teilweise deutlich unterhalb der Gürtellinie bewusst und vorsätzlich Zwietracht gesäht. Und von dort stammt auch die dümmliche Polarisierung zwischen Fliegenfischern und Stühlchenanglern.
Wenn wir unsere Fischerei für die Zukunft sichern wollen, kommen wir um einen naturnahen Besatz nicht mehr herum. Da kann es nicht das Maß der Dinge sein, ob es an unserem (auch im Sommer kalten) Gewässer Angler gibt, die das nicht interessiert und die weiterhin Ihre Karpfen und Schleien besetzen und fangen möchten.
Näher auf das Wanderfischprogramm einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Aber es dürfte wohl unstrittig sein, dass es einen deutlich positiven Beitrag zu unserer Gewässerentwicklung geleistet hat. Wenn Dich das näher interessiert, kannst Du ja mal im Forum auf
http://www.lms-online.de unter dem Stichwort "Wupper" suchen und nachlesen.
Gerade der derzeitige Vorstand hat ein deutliches Augenmerk darauf, dass die Fraktionen im Verein wieder zusammengeführt werden. Und ein Fischerfest (wie früher) scheint mir da doch ein geeigneter Beitrag zu sein, Barrieren zu überwinden, die sich in der Vergangenheit aufgetan haben.
Womit werden denn konventionelle Fischer aus dem Verein getrieben? … etwa damit, dass man wider besseren Wissens nicht mehr so einfach alles reinschmeißt (und das auch nicht mehr darf), was ein paar Mitglieder gerne hätten, … oder dass Spinner nicht mehr mit Drillingen bestückt werden dürfen, die insbesondere kleineren Fischen das Maul zunageln, … oder wegen eines Zwischenschonmaßes, wodurch man vielleicht mal nur ein paar Fische weniger mitnehmen kann ...
Das mit den neuen Gewässern hast Du ja schon richtig erkannt. Es ist nämlich gar nicht so einfach, welche zu bekommen. Ich bin sicher, dass man da weit mehr getan hat, als mal ein oder zwei Vereine locker anzufragen. Schon zu meiner aktiven Vorstandszeit vor 2003 haben wir intensive Gespräche mit anderen Vereinen geführt. Nur sagen andere Vereine auch nicht mal eben so locker "ja prima, darauf haben wir schon lange gewartet". Die haben nämlich auch Ihre internen Kämpfchen auszutragen oder haben ihre Querköpfe, die Stimmung gegen Konzepte machen, die Ihnen bei genauerer Betrachtung nützlich sein könnten. Da geht es nämlich zu, wie (leider) in jedem oder zumindest in den meisten Vereinen.
Dass Dir die Themen, die Dich mehr interessiert hätten, vielleicht zu Gunsten von Fischerfest und Wanderfischprogramm auf der Versammlung etwas zu kurz gekommen sind, glaube ich Dir. Aber unser 2. Vorsitzender hat nun mal immer die längsten Redebeiträge und Wanderfischprogramm und Fischerfest sind seine "Kinder" …. und ich glaube, da kann der sich bei diesen Themen einfach nicht kürzer fassen.
So einfach ist das … vielleicht. Und wenn das für Dich nicht so einfach ist, kannst Du bestimmt mal an einer Vorstandssitzung teilnehmen und Deine Anregungen auf den Tisch bringen. Ich bin sicher, der Vorstand ist da jederzeit offen.
Vielleicht noch ein paar Worte zur Vereinszeitung. Es wird immer wieder dazu aufgerufen, dass Mitglieder Beiträge schreiben, die dann auch veröffentlicht werden. Das ist absolut kein Vorstandsorgan! Vielleicht schreibst Du mal was zu einem Thema, was Dich interessiert. Zum Beispiel: Schreib doch mal etwas zur Müllsituation an unserer Strecke und organisiere eine Aufräumaktion. Das hat es übrigens schon gegeben. Das müsste mal jemand wieder aufgreifen! Nicht nur meckern, sondern aktiv werden.
Ob man ein Vereinsheim nun braucht oder nicht, darüber kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Fakt ist aber, dass es kein Marmorpalast, sondern ein großes, über hundert Jahre altes Fachwerkhaus mit einem nicht geringen Instandhaltungsaufwand ist. Insbesondere die dem Wasser zugewandte Seite ist arg mitgenommen und schon zur Substanzerhaltung dringend sanierungsbedürftig.
Und man sollte nicht vergessen, dass Vorstandsarbeit viel, viel Arbeit ist, die in der Regel während der Freizeit geleistet wird. Und es gibt in einem so großen Verein viele Verwaltungsaufgaben, die einfach vordringlich erledigt werden müssen. Da können sich auch wichtige Wunschthemen in der Umsetzung mal eine Weile hinziehen.
Ich finde es auch nicht immer einfach, meine Interessen insbesondere in einem großen Verein wieder zu finden. Vereinsveranstaltungen wie Vereinsangeln (das eh nur eine kleine Rolle spielt) und auch Fischerfeste sind auch nicht so richtig mein Ding. Auch gefällt mir nicht alles, was im Vorstand beschlossen wird. Ich sehe zum Beispiel die Tageskartenausgabe auch eher kritisch.
Aber es gibt ein schönes Gewässer und ich kann mich drum herum mit Binde- und Fliegenfischerstammtisch reichlich mit meinem Hobby beschäftigen und habe mit etwas Engagement durchaus die Möglichkeit Veränderungen zumindest langfristig mit zu beeinflussen.
Gruß aus Wuppertal
Stefan