Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst
Verfasst: 23.01.2026, 10:55
Hallo,
ich bin im Präsidium des Verbands Hessischer Fischer, auch wenn ich seid einigen Jahren nicht mehr sehr aktiv bin. Die wenig wirksame Öffentlichkeitsarbeit und politische Einflussnahme bzw. die Art und Weise, wie das gemacht wird, finde ich zu kurz gesprungen, weshalb ich meinen Aufwand dort reduziert habe. Natürlich kann man im Verband die gleichen Meinungen und Ansätze hören wie hier. Im Vergleich zu den Jägern ist die Anglerkommunity aber extrem divers, was man auch hier im Forum öfter merkt, obwohl das Spektrum der Meinungen bei den Fliegenfischern vieeeeel geringer ist als über alle Angler betrachtet. Natürlich versucht unser Verband, wie auch die anderen Anglerverbände, rechtliche Rahmenbedingungen zu verbessern. Das zeitigt auch große Erfolge. Das neue hessische Fischereirecht sei hier genannt. Hier wurden große Fortschritte z.B. in Richtung Catch&Release durch den Verband erreicht und der Fußabdruck der Angler ist deutlich zu sehen. Im Fall Kormoran haben wir in Deutschland eine Sondersituation mit sehr starken Ornithologenverbänden, die politische eine stärkere Position haben als wir. Trotzdem herrscht eben auch in der Anglerschaft keine Einigkeit bei vielen Themen und, wie wir auch in diesem Faden hier sehen, wird eben sehr schnell nach Abschüssen, Bestandsregulierung etc. gerufen. Füt Aussenstehende wirkt das sehr blutrünstig und parallel fehlt die wissenschaftliche Basis für faktenbasierte Entscheidungen. Überlegt Euch mal, wie dieser Faden hier von uninformierten Lesern wargenommen würde: Kormoran, Gänsesäger, Otter, : alles abschießen, am besten ausrotten, wäre die Botschaft die mitgenommen wird. Echte Fakten: Fehlanzeige, wissenschaftliche Untersuchungen: abgelehnt und durch eigene Meinung ersetzt. So wird man sicher nicht gehört. Auch die Szenarien, die hier dargestellt werden sind zum Teil recht weit von der Realität entfernt. Da haben wir den ersten Winter in dem See länger zufrieren seit Dekaden, schon wird das Ende der Fischpopulationen als unabwendbar deklariert. Ich sehe meist zwischen Dezember und März kaum mal eine Äsche und auch nur selten Mal eine Forelle. Die stehen sehr tief und sie bewegen sich kaum, daher fange ich auch viel seltener etwas. Zwischen März und Dezember bin ich an der Mümling seit zehn Jahren nie Schneider geblieben, Zwischen Dezember und März läuft es sehr zäh. Ich bin mir aber ganz sicher, dass die Fische da sind und ich sie in der kommenden Saison wieder öfter im Kescher habe. Solange Kormorane da sind, sind es auch die Fische, das gleiche gilt für Otter. Jeder Art ist anders zu bewerten. Diejenigen Arten, die früher im Revier heimisch waren, werden in Fließgewässern nicht in der Lage sein, dauerhaften Schaden an den Fischbeständen anzurichten und werden im Gegenteil zu besseren Beständen führen, gerade in der Situation, in der sie gerade wieder Fuß fassen und nur selten vorkommen. Bei rein künstlichen Gewässern, die eben kein natürliches biologischen Gleichgewicht habe, können die Schäden gravierend sein. Hier sollte aber auch hinterfragt werden, ob eine solche Form von Teich überhaupt einen ökologischen Sinn erfüllt oder nur zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient.
Der Kormoran ist ein ganz anderes Ding. Er kam früher im Binnenland nur auf der Durchreise vor (siehe in den Schriften von Konrad Lorenz). Nachdem der Mensch seine natürlichen Nahrungsquellen (Hering, Stint) in Nord- und Ostsee fast vollständig vernichtet hat, ist er gezwungen ins Binnenland auszuweichen. Abschüsse in bestandsregulierendem Umfang bekommen wir nicht umgesetzt. Da hilft kein Jammern und kein Schimpfen. Es gäbe aber eine Alternative über die hier leider niemand redet, nämlich die eigentliche Ursache anzugehen und die Bestände von Hering und Stint besser zu schützen. Dafür müsste die kommenzielle Befischung beendet werden und Fanglimits für Angler eingeführt werden. Ein Angler, der Kormoranabschüsse fordert und die kommerzielle Fischerei verbieten möchte aber selber Kühlboxenweise Heringe nach Hause schleppt, ist nicht glaubwürdig, sondern beweist seinen Egoismus nach dem Motto: Alle Fische gehören mir, ich teile nicht und nehme so viel wie ich kriegen kann mit dem üblichen "sonst rechnet sich das Angeln ja nicht". Genau diese Art von Kommunikation verhindert wirksam dass ein Politiker oder die Presse unsere Themen aufnimmt. Da ist die Öffentlichkeitsarbeit der (anderen) Naturschutzverbände um Lichtjahre voraus und deshalb wird es bei uns nicht Mal im Fall Kormoran nennenswerten Abschuß geben, obwohl die EU von allen Mitgliedern das Monitoring und die Bestandsregulation fordert und die wissenschaftlichen Beweise für große Schäden an Fischpopulationen bedrohter Arten in der Wissenschaft unumstritten sind. Wie bei anderen Umwelschutzmaßnahmen auch, setzt Deutschland das einfach nicht um, wie auch die Gewässerrahmenrichtlinie.
Viele Grüße
Arne
ich bin im Präsidium des Verbands Hessischer Fischer, auch wenn ich seid einigen Jahren nicht mehr sehr aktiv bin. Die wenig wirksame Öffentlichkeitsarbeit und politische Einflussnahme bzw. die Art und Weise, wie das gemacht wird, finde ich zu kurz gesprungen, weshalb ich meinen Aufwand dort reduziert habe. Natürlich kann man im Verband die gleichen Meinungen und Ansätze hören wie hier. Im Vergleich zu den Jägern ist die Anglerkommunity aber extrem divers, was man auch hier im Forum öfter merkt, obwohl das Spektrum der Meinungen bei den Fliegenfischern vieeeeel geringer ist als über alle Angler betrachtet. Natürlich versucht unser Verband, wie auch die anderen Anglerverbände, rechtliche Rahmenbedingungen zu verbessern. Das zeitigt auch große Erfolge. Das neue hessische Fischereirecht sei hier genannt. Hier wurden große Fortschritte z.B. in Richtung Catch&Release durch den Verband erreicht und der Fußabdruck der Angler ist deutlich zu sehen. Im Fall Kormoran haben wir in Deutschland eine Sondersituation mit sehr starken Ornithologenverbänden, die politische eine stärkere Position haben als wir. Trotzdem herrscht eben auch in der Anglerschaft keine Einigkeit bei vielen Themen und, wie wir auch in diesem Faden hier sehen, wird eben sehr schnell nach Abschüssen, Bestandsregulierung etc. gerufen. Füt Aussenstehende wirkt das sehr blutrünstig und parallel fehlt die wissenschaftliche Basis für faktenbasierte Entscheidungen. Überlegt Euch mal, wie dieser Faden hier von uninformierten Lesern wargenommen würde: Kormoran, Gänsesäger, Otter, : alles abschießen, am besten ausrotten, wäre die Botschaft die mitgenommen wird. Echte Fakten: Fehlanzeige, wissenschaftliche Untersuchungen: abgelehnt und durch eigene Meinung ersetzt. So wird man sicher nicht gehört. Auch die Szenarien, die hier dargestellt werden sind zum Teil recht weit von der Realität entfernt. Da haben wir den ersten Winter in dem See länger zufrieren seit Dekaden, schon wird das Ende der Fischpopulationen als unabwendbar deklariert. Ich sehe meist zwischen Dezember und März kaum mal eine Äsche und auch nur selten Mal eine Forelle. Die stehen sehr tief und sie bewegen sich kaum, daher fange ich auch viel seltener etwas. Zwischen März und Dezember bin ich an der Mümling seit zehn Jahren nie Schneider geblieben, Zwischen Dezember und März läuft es sehr zäh. Ich bin mir aber ganz sicher, dass die Fische da sind und ich sie in der kommenden Saison wieder öfter im Kescher habe. Solange Kormorane da sind, sind es auch die Fische, das gleiche gilt für Otter. Jeder Art ist anders zu bewerten. Diejenigen Arten, die früher im Revier heimisch waren, werden in Fließgewässern nicht in der Lage sein, dauerhaften Schaden an den Fischbeständen anzurichten und werden im Gegenteil zu besseren Beständen führen, gerade in der Situation, in der sie gerade wieder Fuß fassen und nur selten vorkommen. Bei rein künstlichen Gewässern, die eben kein natürliches biologischen Gleichgewicht habe, können die Schäden gravierend sein. Hier sollte aber auch hinterfragt werden, ob eine solche Form von Teich überhaupt einen ökologischen Sinn erfüllt oder nur zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient.
Der Kormoran ist ein ganz anderes Ding. Er kam früher im Binnenland nur auf der Durchreise vor (siehe in den Schriften von Konrad Lorenz). Nachdem der Mensch seine natürlichen Nahrungsquellen (Hering, Stint) in Nord- und Ostsee fast vollständig vernichtet hat, ist er gezwungen ins Binnenland auszuweichen. Abschüsse in bestandsregulierendem Umfang bekommen wir nicht umgesetzt. Da hilft kein Jammern und kein Schimpfen. Es gäbe aber eine Alternative über die hier leider niemand redet, nämlich die eigentliche Ursache anzugehen und die Bestände von Hering und Stint besser zu schützen. Dafür müsste die kommenzielle Befischung beendet werden und Fanglimits für Angler eingeführt werden. Ein Angler, der Kormoranabschüsse fordert und die kommerzielle Fischerei verbieten möchte aber selber Kühlboxenweise Heringe nach Hause schleppt, ist nicht glaubwürdig, sondern beweist seinen Egoismus nach dem Motto: Alle Fische gehören mir, ich teile nicht und nehme so viel wie ich kriegen kann mit dem üblichen "sonst rechnet sich das Angeln ja nicht". Genau diese Art von Kommunikation verhindert wirksam dass ein Politiker oder die Presse unsere Themen aufnimmt. Da ist die Öffentlichkeitsarbeit der (anderen) Naturschutzverbände um Lichtjahre voraus und deshalb wird es bei uns nicht Mal im Fall Kormoran nennenswerten Abschuß geben, obwohl die EU von allen Mitgliedern das Monitoring und die Bestandsregulation fordert und die wissenschaftlichen Beweise für große Schäden an Fischpopulationen bedrohter Arten in der Wissenschaft unumstritten sind. Wie bei anderen Umwelschutzmaßnahmen auch, setzt Deutschland das einfach nicht um, wie auch die Gewässerrahmenrichtlinie.
Viele Grüße
Arne
