Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

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Köcherfliegenlasse
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Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Köcherfliegenlasse »

Habe gerade eine interessante Studie gefunden zum Fraßverhalten des Fischotters im Erzgebirge. Dabei wurden Kotproben unter Brücken gesammelt und mit dem Mikroskop die Bestandteile analysiert. Ein Fokus der Studie lag u.a. im Vergleich der deutschen und tschechischen Gewässer hinsichtlich der Räuber-Hinterlassenschaften.
Die Auswertung ist dann eher qualitativ zu verstehen (zB in 45% der Fundstellen wurde Fischart XY im Kot entdeckt). D.h. es gibt keine definitive Aussage wie viel Prozent der Nahrung aus einer bestimmten Fischart kommt.

Hier ein paar "Funfacts" die ich aus der Studie herausgelesen habe

- Von den knapp 1200 Proben....wurde in keiner einzigen Reste von Äschen identifiziert (Option 1: es gibt keine mehr - ganz so schlimm ist es aber nicht würde ich sagen. Option 2: die Jagdweise des Otters passt nicht gut zur Äsche und ihrem Fluchtverhalten; das ist die These die in der Studie diskutiert wird)
- Obwohl in den Gewässern kaum Karpfenfische vorkommen gibt es einen signifikanten Anteil davon in den Hinterlassenschaften - Otter machen also gerne Besuch bei benachbarten Stillgewässern wo sich einfach Beute machen lässt
- die Groppe ist ein sehr wichtiger Futterfisch, es gibt wohl auch Otterpopulationen die sich fast ausschließlich davon ernähren
- Der Anteil erbeuteten Amphibien ist viel höher als erwartet
- auch Krebse, Vögel, Insekten und kleine Säugetiere zählen signifikant zur Nahrung

In Summe scheint der Otter ein ziemlicher Opportunist zu sein der sich auf die Nahrung einschießt die er mit dem geringsten Aufwand erreichen kann. In den direkten Elbenebenflüssen sind bspw. Schwarzmeergrundeln vielfach in seiner Nahrung vertreten. Als Beispiel ein Screenshot der Studie zum Frosch-Fraß

Das wird natürlich nicht dafür sorgen das wir auf einmal alle Otter-Freunde werden. Aber vielleicht wird sein Einfluss überschätzt. Was sind eure Erfahrungen zu Otterbeute?

Den Link zur Studie gibt es hier

Quelle: ALKA Wildlife https://share.google/rpjbcI1mC3knLxQDc

VG Lasse
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MahiMahi
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von MahiMahi »

Ja,

glauben darf man alles, nur ob es stimmt? Da habe ich meine Zweifel.
Ich habe an einem Gewässer wo ich 12 Jahre eine Jahreslizenz hatte von Jahr zu Jahr immer mehr Forellen
die an Land lagen gefunden. Halb aufgefressen und liegenlassen.
Der Otter fragt nicht, er nimmt was er kriegt.
Das dumme Gelabere von denen die sich Irgendwas-Schützer nennen glaube ich sowieso nix.

LG
Harry
Hydra
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hallo,
ja, der Otter nimmt, was er kriegen kann. So funktionieren nun mal alle Lebewesen, nur der Rahmen, in dem sie das können, unterscheidet sich je nach ökologischer Nische. Es gibt Bilder von Bibern, die Fische verputzen obwohl Biber hardcore Veggies sind. Was hier oft falsch diskutiert wird, sind die Auswirkungen. Für uns ist es egal, ob der Otter 100-, 90-, oder 70% seiner Nahrung in Form von Fischen konsumiert. Wir müssen verstehen, dass die Anzahl der Predatoren direkt an das Vorhandensein geeigneter Ressourcen gekoppelt ist und daher der Otter keinen substanziellen Schaden an unseren Fischbeständen verursachen kann. Anders als der Kormoran kann er nicht einfach woanders hinfliegen, wenn die Nahrung knapp wird, er bleibt in seinem Revier. Wenn es dort nicht (mehr) genügend Fisch gibt, wird er verhungern. Daher etabliert er sich nur in Revieren, die genügend Nahrung anbieten, um ihn, seine Partnerin und den Nachwuchs zu ernähren. Die Vorstellung, dass durch den Otter ein Fischbestand gefährdet wäre, ist der gleiche Fehler, den Menschen immer wieder machen. Raubtiere haben fast immer einen positiven Einfluss auf die Bestände, denn, wie die Studie und auch Harrys Kommentar klarstellen: der Otter nimmt was er (am einfachsten) kriegen kann und das sind die schwachen, kranken oder verletzen Individuen. Diese aus dem Bestand zu entfernen, ist die beste Methode gesunde un starke Bestände zu bekommen. Alle Tiere erzeugen einen riesigen Überschuss an Nachkommen. Würden alle überleben, wären die Ressourcen in kürzester Zeit aufgebraucht. Die Zahl an Nachkommen, die überleben dürfen, ist eine Konstante in der belebten Natur, die bei etwa 2,2 überlebende Nachkommen pro Weibchen beträgt, egal bei welchen Art. Die 2 hinter dem Komma kompensiert Zeugungsunfähigkeit bei Weibchen und stellt das Potential zur Verbreitung (oder Wiederherstellung) der Population sowie die Spielwiese der Evolution dar. Die Die Anzahl an produzierten Nachkommen hat also nichts mit dem Bestand zu tun und auch nicht die Zahl der gestorbenen/gefressenen Individuen. Es spielt für den Bestand auch keine Rolle, wann ein Individuum aus dem Bestand genommen wird, denn seine Biomasse wird in den Kreislauf zurückgeführt. Forellen produzieren Nachkommen in gigantischem Überschuss. Ein Weibchen kann 10.000 Eier pro Saison legen. Der Bestand wird ausschließlich über die zur Verfügung stehende Ressourcen (Nahrung, Unterstände) reguliert, nicht über die Anzahl gestorbener bzw vom Otter verputzten Individuen. Ein Punkt der das sehr klar zeigt, ist die Tatsache, dass früher sowohl mehr Raubtiere als auch mehr Beute vorhanden war. Ein zweiter Hinweis ist etwas, das Harry auch angesprochen hat. Herumliegende tote angefressene Fische sprechen nicht dafür, dass diese Otter Mangel leiden. Das ist eher vergleichbar mit Bären in Alaska, die nur die Haut und den Rogen der Lachse essen und den Rest liegen lassen. Das spricht schon eher für gute Bestände. Der Fischbestand ist gut genug um den Otter zu ernähren und bleibt, trotz Lebensmittelverschwendung seites der Otter, stabil. Der Otter ist ein Garant dafür. Mehr Besatz bedeutet nicht mehr Fische im Gewässer und Entnahme durch Otter bedeutet nicht weniger Fische im Gewässer. Alles wird im Überschuss erzeugt, so dass viele sterben müssen, damit das System stabil bleibt, dafür verkraftet das System auch viele Tote. Es kommt nur dann nachhaltig aus dem Gleichgewicht, wenn ganze Ökosysteme oder ökologische Nischen verschwinden, also nur durch menschliches Fehlverhalten oder globale Umwelkatastrophen, wie z.B. Kometen/Asteroiden-Einschläge oder Eiszeiten.

Grüße,

Arne
Hydra
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Hydra »

Hallo,

ich bin übrigens kein irgendwas Schützer, ich möchte aber meine Angelgewässer und ihre Bestände sichern. Zudem bin ich Biologe und bin schon der Ansicht, dass das meiste, was Wissenschaftler erforschen, stimmt. Das Problem ist eher der Rahmen. in den das Erforschte stimmt. Um diesen Rahmen und auch die generellen Aussagen zu verstehen, muss man die Publikationen aber lesen. Zumindest steckt immer reelle Daten hinter den Analysen, kein Hörensagen oder Einzelbeobachtungen. Es gibt viele verschiedene Tierarten, die Fisch fressen. Wer was dabei hinterlässt, kann man vom reinen Ansehen meist nicht genau auf den Verursacher zurückführen. Da ist mir dann eine wissenschaftliche Untersuchung auf jeden Fall lieber, das kann ich nachvollziehen, wenn ich es lese, auch die Grenzen der Aussagen.

Grüße

Arne
Fliifi-Sepp
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Fliifi-Sepp »

Ich habe die Studie genau durchgelesen und befreundete Fischerei-Biologen um deren Einschätzung gebeten. Alle kontaktierten Biologen haben die Studie gekannt und sind der Meinung, daß diese korrekt durchgeführt wurde und Ergebnisse für sie nachvollziehbar sind.

Aus diesen Gesprächen mit den Biologen haben sich einige für mich interessante Erkenntnisse ergeben:
Der federführende Wissenschaftler dieser Studie ist persönlich bei den anderen Biologen bekannt und selber aktiver Fliegenfischer.
Die Studie soll den Otter nicht relativieren oder rehabilitieren, sondern liefert den Interessen-Vertretern der Fischer hevorragende Argumente, weil sie dokumentiert, daß der Otter eben nicht nur Fische frisst, sondern ein nicht unerheblicher Teil seiner Beute Amphibien und sogar Vögel sind. Der Stellenwert von Fischen ist vielleicht bei verschiedenen Naturschutzverbänden nicht sehr hoch und diese werden oft nur als Nahrung für fischfressende Vögel und Otterer gesehen. Aber genau diese Verbände beklagen den Rückgang von Amphibien und Vögeln. Der Otter geht sicher nicht an einem leicht zu erbeutenden Frosch vorbei, oder an einem Gelege mit Eiern oder Jungvögeln. Das betrifft auch Flussuferläufer (für den werden bei uns Kiesbänke gesperrt) oder Gänsesäger.

Und genau deshalb ist die Studie gut!

Die Losungen für diese Studie wurden im Frühjahr und im Herst eingesammelt. Und dann führt das genau zu diesem Ergebnis.

Wenn die Losungen im Winter eingesammelt worden wären, dann würden Amphibien und Vögel praktisch keine Bedeutung im Beutespektrum spielen. Denn dann fressen Otter tatsächlich weitaus überwiegend Fische.
Aber wäre das tatsächlich eine Erkenntnis, die uns Fischer in der Argumentation für eine Otter-Entnahme weiterhelfen würde?

LG Sepp
Michl
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Re: Was der Fischotter im Erzgebirge frisst

Beitrag von Michl »

Hallo Arne,
diese These ist sicher grundsätzlich richtig.
Kann ich auch als Nicht-Biologe nachvollziehen.
Aber was hier fehlt, ist der Einfluss des Menschen auf das gesamte System.
Wenn beispielsweise aufgrund Flurbereinigung und Entwässerung keine Laichgewässer für Amphibien in ausreichender Zahl vorhanden sind frisst der Otter keine Frösche.
Wenn keine Schermäuse mehr da sind wegen Lebensraumveränderungen fällt das auch weg, ebenso Teichhühner, Enten und andere Wasservögel.
Weil er eben nimmt was er kriegt sind dann die Fische die überwiegende Nahrungsquelle.
Und das schadet den Beständen schon.
Und wenn die "gehegten und gepflegten" oder besetzten Bestände an Forellen dezimiert werden ist die Aufregung ( zu Recht??) groß.
Ist wie bei allen "Rückkehrern" unter den Predatoren, der Lebensraum hat sich seit dem Verschwinden verändert unter dem Einfluss des Menschen, und das nicht zum Positiven.....
Zudem sind sie aus dem Bewusstsein und damit der Akzeptanz der heute lebenden Menschen verschwunden, werden also nicht als Teil der natürlich vorkommenden Fauna gesehen.

Wir haben seit etwa 10 Jahren wieder Uhus in der Umgebung, Anzahl steigend.
Nun sind einige Katzen verschwunden und ein Zwergdackel wurde angegriffen.
Manche Leute fordern schon, das die Vögel geschossen werden.......
Wo das Biotop stimmt, ist Deine Aussage vollkommen richtig.
Wo nicht wirds schwierig.

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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