Hi RC
vlt hast du dich etwas unpräzise ausgedrückt aber.....
Royal Coachman hat geschrieben:
Entschuldige aber Du hast hier einen Denkfehler, die Kohlefaser ist zu elastisch und gibt dem Zug noch weiter nach, auch wenn der schon aufgehört hat. Dadurch schnellt sie dann stark gegen die lose gewordene Schnur, und genau das gilt es zu vermeiden, was aber mit einer Kohlefaser nicht möglich ist.
....keine Rute der Welt gibt einem Zug nach, der nicht (mehr) vorhanden ist. Die Rute gibt exakt so schnell nach, wie sich der Zug verändert und schnellt nicht von Geisterhand auf einmal gegen eine inzwischen spannungslose Schnur.
Schon gar nicht eine Kohlefaserrute, die eine sehr viel geringere Dämpfung hat und schneller reagiert als jedes andere Rutenmaterial. Die Kohlefaser selbst ist übrigens genau wie Glasfaser absolut unelastisch.
Royal Coachman hat geschrieben:
PS: ich hatte schon Rüttelerlebnisse, daß ich geglaubt habe es beutelt mir die Rute aus der Hand!
Im Drill unter hoher Zugbelastung der Schnur arbeitet ausschließlich das Rückgrat der Rute; ist dieses entsprechend steif, schlägt jeder Ruck bis ins Handgelenk. Je spitzenbetonter die Aktion der Rute, desto ausgeprägter ist diese Eigenschaft und zusätzlich ist der Hebel (ungebogene Rutenlänge) erheblich größer als bei parabolischer Aktion. Hier ist m.E. ausschließlich die Aktion der Rute relevant, d.h. das Verhältnis von Änderung der Auslenkungskraft (Schnurzug) zu Änderung des Auslenkungsweges (Biegung). Ggf. bei moderaterer Biegung noch die Rückstellgeschwindigkeit, d.h. die Dämpfungseigenschaften des Materials.
Royal Coachman hat geschrieben:
Du weißt doch, daß man einen Haken auch verkehrt setzen kann: ein kurzer Druck auf die Rute läßt die Rute sich nach unten biegen und die Spitze schnellt zuerst nach oben!
Das ist dieser Effekt, der bei Kohlefaserruten dieses Gegenschlagen hervorruft. Der Fisch dreht sich rasant und die Rute federt die Schläge nicht ab, well sie zu schnell und zu elastisch reagiert.
Die Rute ist zu elastisch, gibt zu schnell nach und federt genau deshalb Schläge NICHT ab? Das ist nach meinem Verständnis ein Widerspruch in sich. Außerdem ist das allein von der Mechanik/Dynamik der Rute ein riesiger Unterschied, ob du einen Ruck nach unten vom massegrößten Ende der Rute (Handteil) über die gesamte träge Rutenlänge ausführst oder der Fisch vom masselosen Ende der Rute her zuppelt. Kein unvermittelter Zug an der Spitze der Rute, wird die Rutenspitze oder einen anderen Rutenbereich in eine dem Zug entgegengesetzte Richtung bewegen, schon gar nicht wenn dieser durch die relativ langsame Fischbewegung eingeleitet wird, die über Vorfach und Schnur bereits vorgedämpft an der Rutenspitze ankommt.
Übrigens wird der "umgekehrte Anschlag" weniger durch die "nach oben schnellende Rutenspitze" verursacht, sondern durch die Trägheit, bzw Kraft der durch diese Bewegung beschleunigten Schnumasse.
Royal Coachman hat geschrieben:
Wenn nun noch dazu ein Jig als Köder verwendet wurde, entsteht durch die Trägheit des Jigkopfes ein zusätzlicher Hebel und der Haken ist im Nu heraußen.
Die zusätzliche Masse des Jigkopfes spielt natürlich bei ungespannter Schnur eine Rolle, dann kann der rüttelnde Fisch diesen schneller abschütteln als einen Haken ohne Beschwerung. Befindet sich steter Drill-Zug auf der Schnur, ist die resultierende Kraft der vom Fischkopf durch Rütteln beschleunigten Masse von einigen Zehntel Gramm an einem Hebel von wenigen Millimetern Länge (Schenkellänge des Hakens) i.d.R. vernachlässigbar.
Royal Coachman hat geschrieben:Dazu kommt, daß 90 % der Fliegenfischer stromab eine Fisch zu sehr forcieren.
90% d.h. 9 von 10 Fliegenfischern drillen stromab verkehrt? Das sind dann aber mächtig viele.
Zu starkes Forcieren verursacht nämlich einen Drill allein aus dem Rückgrat der Rute, d.h. keine oder zu geringe "Feder-Reserve" und die Schläge gehen, wie von dir berichtet, voll ins Handgelenk, dass es "die Rute aus der Hand beutelt". Eine "schnelle" Rute kommt aktionsbedingt sehr viel eher in den "harten Bereich" der Rutenbiegung als eine mit geschmeidig parabolischer Aktion. Entsprechend groß ist bei (zu) hartem Rückgrat die Gefahr, den direkten Kontakt zum Fisch, d.h. die Schnurspannung für kurze Augenblicke zu verlieren.
Es kommt m.E. viel mehr auf die Aktion an sich als auf den Rutenwerkstoff an.
Wie gesagt, vielleicht hast du dich für meine Begriffe in o.g. Passagen etwas unverständlich ausgedrückt aber nach meinem Verständnis waren diese nicht stimmig.
Gruß vom platten Niederrhein