Hallo Ralf,
das ist bisher so nicht explizit gesagt worden, aber das habe ich natürlich auch mit gemeint als ich von den Millionen € und den vielen Menschen mit Engagement gesprochen habe. Nur ist es bei uns so, dass es ein stillschweigendes Übereinkommen oder auch echte Angst gibt, in den eigenen beruflichen und sozialen Kreisen geächtet zu werden, wenn man die Wahrheit über den Vogel und die Fische ausspricht. Und wenn man es in größerer Runde doch tut, führt das zu geradezu grotesken Reaktionen der Beschwichtigung und des Herunterspielens, so wie wenn sich jemand auf einer Familienfeier voll daneben benommen hat, weil er die Oma angespuckt hat oder so und man versucht, die schöne Veranstaltung doch noch zu retten. Hinzu kommt, dass zumindest in NRW alle Vertreter des irgendwie behördlichen Fischereiwesens einen offiziellen Maulkorb aufgesetzt bekommen haben, bis eine offizielle Landeseinschätzung vorliegt, also bis zum Sankt Nimmerleinstag.
Im Zweiergespräch oder in ganz kleiner Runde hörst du dann allerdings von den wenigen Mutigeren und/oder den Frustrierten Sätze wie "Ja klar wissen wir, dass wir unsere unbekannt verschollenen Transponder (von den Lachs-Smolts) in den Bäumen suchen müssten, dürfen wir aber nicht" oder "Klar haben wir Zahlen wie viele Transponder an Land verbracht worden sind, veröffentlichen dürfen wir das aber nicht". Auf meine These hin, dass man den Zusammenbruch der noch vor den Äschen zusammen gebrochenen Aalbestände doch dringend mal mit der Explosion der Kormoranbestände statitisch korrelieren müsste, kriegst du die Antwort "na klar müsste man das, darfste aber nicht. Du kannst jeden Furz über den Zusammenhang mit dem Schwimmblasenwurm untersuchen, denn der ist Schicksal, das man nicht ändern kann, aber wenn bei dem anderen was raus käme, was dann? Da müsstest du ja was machen!"
Und wenn Totschweigen nicht reicht, dann muss eben geleugnet oder kaputtinterpretiert werden. Beispiel. Die Anglerfänge an der Ruhr sind nach den gesicherten und nicht anzweifelbaren Statistiken der Ruhrfischergenossenschaft auf weniger als 1/3 von über 9 Tonnen Mitte der 1990er Jahre auf weniger als 3 to 2009 zurück gegangen. Wie sich im Gegenzug dazu die Zahl der Kormorane und die Gründung von Brutkolonien entlang des Flusses entwickelt hat, brauche ich nicht zu sagen, aber du glaubst nicht wie viele auch noch so abstruse Begründungen statt des Vogels herbeigeschwatzt werden von "weniger Angler" über "die nehmen die Fische ja gar nicht mehr mit" bis zu "die Wasserqualität hat sich verbessert", "die Wasserpflanzen haben so stark zugenommen, dass man nicht mehr richtig angeln kann" bis hin zu "die Anler sind ja selber Schuld, die besetzen ja so viele Raubfische, die fressen dann alles weg" (da klappt dann plötzlich bei Kaltblütern, was bei den warmblütigen Kormoranen von den gleichen Leuten strikt verneint wird
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) usw. usw.
Langer Rede kurzer Sinn, es fehlt nicht an den Erkenntnissen oder an den Fakten, sondern schlicht am Mut und dem politischen Willen sich dem Unmut der gerade mal 58.000 NABU Mitglieder (deren eigene Zahl im Jahresbericht 2010) in NRW auszusetzen, auch weil es viel einfacher ist, die Vertreter der sicher über 350.000 (nach AUWA wohl sogar über 500.000) Angler mit der Drohung von Liebesentzug, Beschwichtigungen und immer neuen, immer sinnloseren weiteren Untersuchungen im Zaum zu halten.
Ich habe das letztens schon mal mit dem Drei Affen Prinzip beschrieben: Nichts hören, nichts sehen, nichst sagen.
Hilft trotzdem nix, A rsch hu un zäng uusaneinder..... Einsame Rufer in den Wüsten aller Länder vereingt euch
Glück auf
Siegfried