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von einem guten Freund habe ich eine sehr merkwürdige Angelrute bekommen - so einen Stecken habe ich bislang noch nie gesehen.
Sie ist offenbar aus einem durchgehenden Stück Pfefferrohr gefertigt und 390 cm lang (wobei wohl vom Spitzenteil etwas abgebrochen ist); die Rutenklasse dürfte so bei 16+ liegen ...
Die Hülsen und der Rollenhalter bestehen aus Messing; die Hülsen werden miteinander verschraubt!
Sehr merkwürdig sieht der Spitzenring (der eben kein Ring ist) aus. Überhaupt scheinen alle Ringe, die jetzt daran sind, nachträglich angebracht worden zu sein; der Rollenhalter hingegen wirkt so, als ob er original wäre. Der Griff wird von einer sorgfältig gearbeiteten Halbkugel aus Hartholz beschlossen; auch die Messingteile sind schöne Handwerksarbeit.
Hat jemand eine Idee? Was das ist und wann es gebaut wurde? Ich bin ziemlich ratlos und hoffe auf eure Kompetenz!
Herzlichst, Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
Also für mich sieht das wie ein defekter Spitzenring aus,früher war da bestimmt noch ein Schnurführungsring aufgelötet.
Sollte ich falsch liegen dann könnte ich mir das Teil auch als Hakenlöser für den Pottwal-Fang vorstellen
Jens
schwarzacht hat geschrieben:früher war da bestimmt noch ein Schnurführungsring aufgelötet
Könnte gut sein! Beim ganz genauen Hinschauen ist da in der Tat so etwas wie eine mögliche alte Bruchstelle zu erkennen. Danke! Aber das hilft in Bezug auf die ganze Rute noch nicht sehr viel weiter ...
Herzlich, Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
Das ist eine alte Stipprute und wahrscheinlich knapp nach der Jahrhundertwende gebaut. Stippruten hatten keinen Korkgriff sondern nur Schieberinge, Foster of Ashbourne bot 1912 eine ähnlich aussehende Rute als "Roach-Rod" an, hiebei ist interessant, daß der Kunde sich die Ringe aussuchen konnte : snake rings, bridge rings and detachable rings. Die dunkle Farbe deutet auf Härtung hin, was die Ringe betrifft, so bin ich auch Deiner Meinung, sie sind nicht original, die Rute hatte aber sicher Ringe. Im Spitzenring fehlt der Ring, wahrscheinlich herausgebrochen.
Nun aber zum markantesten Merkmal dieser Rute, den Schraubverbindungen.
Diese Verbindungen wurden nur sehr selten verwendet, da sie einen bedeutenden Nachteil hatten: ein kleiner Schlag genügt und es geht gar nichts mehr, weder auseinander noch zusammen. Ich kenne nur eine Firma, die noch in ihren Katalogen nach 1900 Ruten mit solchen Verbindungen angeboten hat:
Josef Osvald, Wien !
Die führende Angelmanufaktur der Monarchie, mit Katalogen in allen Sprachen. Sie hatten auch einen Katalog für die Meeresfischerei.
Ich will mich aber nicht festlegen, daß diese Rute von Oswald gebaut wurde, auch von Flechsenberger oder D.A.M. könnte sie sein.
In den Katalogen von Allcocks findet sich ein entsprechender Spitzenring, die Schnurführung war aus Porzellan, den gab es bis in die 50iger Jahre.
freundlichst
Gebhard
Danke, lieber Gebhard! An der Bruchstelle ist nicht mehr zu erkennen, ob das mal Porzellan war. Aber die Ringe sind sämtlich jedenfalls deutlich nach den frühen Jahren dieser Rute angebracht worden - ich kenne die Geschichte des Textilklebebandes nicht sehr genau, aber so schrecklich lang dürfte sie nicht sein. Mal sehen, ob ich die Dinger schonend lösen kann; die Optik des historischen Steckens leidet schon arg darunter. Zum Fischen werde ich ihn wohl ohnehin kaum noch einmal verwenden. Oder vielleicht doch? Bei einem Wurfkontest im Forumskreis? Mit einer 3er DT könnte das ganz lustig werden ...
Herzlichst,
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
Textilklebebänder kann man mit einem Föhn leicht lösen.
freundlichst
Gebhard
Ich weiß. Zur Zeit stehen hier nämlich schon die Fenster offen, trotz heftigen Windes. Das riecht nämlich nicht gut; mein Hund niest schon seit einer halben Stunde ununterbrochen.
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka