Hochwasser und Orientierung der Fische

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Philzlaus
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Hochwasser und Orientierung der Fische

Ungelesener Beitrag von Philzlaus »

Ich hätte mal eine Frage zur Anatomie der Fische. Gerade weil in letzter Zeit hier in Österreich kein Tag vergeht ohne Regen schwimmt ständig Dreckbrühe die Bäche hinunter. Wie sehen Fische dann noch wo sie hinschwimmen. Oder haben die ähnlich wie Haie ein integriertes Navi. Es kann ja auch jede Menge Schwemmgut angeschwommen kommen und kann da der Fisch ausweichen?
gruss
Philipp
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Frank.
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Ungelesener Beitrag von Frank. »

Lieber Philipp,

das ist, soweit ich weiß, ein wirklich komplexes Thema, da Fische ein recht breites Spektrum an "Hilfsmitteln" besitzen; schau mal zum Beispiel hier:
http://www.starfish.ch/Korallenriff/Physiologie.html - das dort näher beschriebene Seitenlinienorgan spielt auch bei Süßwasserfischen eine enorme Rolle. Wie der Lachs sich orientiert und "nach Hause" findet, ist ein nach wie vor ungelöstes Rätsel.

Kein Witz und kein Anglerlatein: Vor ca. 15, 17 Jahren habe ich einen extrem dunkel gefärbten 8-Kilo-Hecht gefangen, auf einen kleinen Spinner. Die Augen waren vollkommen weiße Bälle - der Esox war offenkundig stockblind. Aber er stand prächtig im Futter!

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
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webwood
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Ungelesener Beitrag von webwood »

Servus Philip,

mich beschäftigt diese Frage auch, primär wie die Jungbrut in der trüben Brühe was zu fressen findet. Ansonsten denke ich, kommen die Fische mit ihrem Seitenlinienorgan sicherlich ganz gut zurecht. Als Aquarianer hab ich mal blinde Hölenfische in einer Zoohandlung beobachtet. Die schwimmen genaus normal rum wie sehende Fische.

TL

Thomas
Angler sterben nie, die riechen nur so.
Siegfried.
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Ungelesener Beitrag von Siegfried. »

Hallo Phillip,
wie Frank schon richtig sagt kannst, du mit den Antworten auf deine Frage Lehrbücher füllen :shock: und im Ergebnis werden doch wieder ein paar Fragen bleiben. Schon deshalb keine echte Antwort von mir. Bekannt von unseren BF ist ihre "Ortstreue", habe ich selbst in einem früheren Leben mal untersucht und wir konnten teilweise Individuen in jeweils halbjährigem Abstand über 4! Jahre am selben Platz wiederfangen, mit beobachteten Laich"wanderungen" von bis zu 2,5 km dazwischen. Wie bei Lachsen ist aber nicht genau klar, wie sie "den" Ort immer wieder finden, irgendwas wie ein Magnetfeldkompass wie bei Lachsen und Tauben wohl halbwegs klar nachgewiesen wird wohl im Spiel sein. Dazu kommt sicher noch Geruch und selbstverständlich irgendeine 3-dimensionale Vorstellung von ihrer Lebensumwelt, die mit Augen aber eben auch mit dem zu Recht vielgerühmten Seitenlinienorgan erfasst wird. Wenn man bedenkt in was für einem echt turbulenten Lebensraum so eine Gebirgsforelle punktgenau zwischen den Blasen alle mögliche fängt... ich krieg da immer wieder Respekt.

Bei anderen Arten kommt dann noch der Geschmackssin von Lippen über Barteln bis zum ganzen Körper und elektrische Wahrnehmung dazu. Der 7. Sinn (sorry, kennt ihr in A ja gar nicht) ist nix dagegen.

Lange Rede kurzer Sinn, abhanden kommen uns unsere Lieblinge auch bei Hochwasser nicht so leicht und wenn doch schaffen sie meist wie Lassie doch noch "the long way home". Und jetzt der Wermutstropfen - hungern und schlecht wachsen tun sie aber bei langen Hochwässern und länger andauernder bzw. sich oft wiederholender Trübung doch :cry: , weil sie ausgerechnet ihre Beute überwiegend visuell ansteuern, während die Barben- und Karpfenfraktion mit lutschen, schmecken bzw. anders rum und dann spucken oder schlucken bei sowas deutlich besser klar kommt.

Also seids a bisserl nachsichtig mit euörn Forölln (Versuch :oops: ), wenn die sich nach der Flut ausgehungert auf eure Köder stürzen.

Siegfried
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Philzlaus
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Ungelesener Beitrag von Philzlaus »

Danke mal für euer Antworten. Sowas ähnliches hab ich mir gedacht. Dass sie zwar den Standort halten können aber halt nicht visuell oder durch ein anderes Sinnesorgan Beute anvisieren können. Theoretisch ists dann aber auch so das wenn ein Baum mitgeschwemmt wird und die Forelle diesen nicht sieht er sie ohne weiteres treffen kann.
gruss
Philipp
Seeadler
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...

Ungelesener Beitrag von Seeadler »

Hallo Phillip,

das Risiko durch Schwemmgut (Geröll, Holz etc...) bei Hochwasser verletzt zu werden, minimieren die Fische ja auch dadurch, dass sie sich an die Ufer pressen oder hinter Schutzsteinen etc. stehen. Gleichzeitig sparen sie dadurch Energie und werden auch nicht von der Strömung mitgerissen.

Unterstände halten einem also auch den fischbestand bei starken Hochwassern im eigenen Revier und verhindern das Abwandern ins tiefergelegene :)

Nach Hochwassern finden übrigens oft Aufwärtswanderungen abgedrifteter Fische statt. da dürfen dann natürlich keine Wanderbarrieren im Gewässer sein...

Grüße,

Daniel
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gespliesste
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Ungelesener Beitrag von gespliesste »

Hallo,

auch wenn man kaum glauben kann das in einem reissenden Fluss noch Fische ihren Standort halten können, so lehrt die Strömungslehre das die Strömungsgeschwindigkeit direkt am Grund auch in einem noch so tosenden Wasser immer noch null ist. Bei starker Strömung nimmt die Geschwindigkeit natürlich nach wenigen mm sehr schnell zu, aber trotzdem bieten sich da genug Plätze an denen es sich "gemütlich" verweilen lässt. Entweder dicht am Ufer oder in gut strukturierten Gewässern hinter Steinen bzw. in Löchern. Das ist ja auch der Vorteil von meanderndern Flüssen mit viel Struktur. Das andere extrem wäre eine glatte Rinne (wie die Emscher im Ruhrgebiet), da ist natürlich kaum ein ruhiges plätzchen zu finden.

Gerade nachts fängt man Forellen sehr gut auf schnell geführte Streamer, und daran kann man erkennen was das Seitenlinienorgan leistet. Nach meiner Meinung ist gerade die sehr schnelle Streamerführung von Vorteil, da die Fische die Wasserverdrängung deutlich wahrnehmen und den Streamer nicht auf Sicht nehmen.

@Webwood: Die Höhlensalmler hatte ich auch mal in einem meiner Aquarien, faszinierende Fische.

Glück auf,

Olaf
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Siegfried.
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Ungelesener Beitrag von Siegfried. »

Hallo Olaf,
eine kleine Korrektur, die Strömungsgeschwindigkeit geht zwar in der Grenzschicht immer gegen null, aber da passt im Zweifel weder ein Insekt geschweige denn ein Fisch rein. Die früheren Theorien zur Dicke dieser Schicht musste nach Lasermessungen korrigiert werden - unsere Heptagenieden sehen also doch zu recht aus wie Rennwagen!

Entscheidend für den Sedimenttransport, und der macht im Falle eines Falles bei entsprechender Brockengröße tatsächlich einiges kaputt, v.a. die Wirbellosen aber auch Fische, ist aber die sog. Sohlschubspannung. Diese im Wasserbau als tau (natürlich der griechische Buchstabe) bezeichnete Größe ist, vereinfachend gesagt, eine Funktion von Abflußtiefe und Strömungsgeschwindigkeit. Je höher sie ist, desto größere Körner werden transportiert. Frag mal unsere Salmoniden-Freunde aus Norddeutschland über den elenden Sandtransport schon bei Normalwasserstand, dass kann einen schon heftig nerven :evil:

Von daher sind flache, bzw. schnell ausufernde in die Breite gehende, sprich naturnahe, Gewässer viel, viel besser als kanalisierte, wo zunächst mal die Abflußtiefe im Profil mit der Wassermenge exponentiell nach oben schießt (hic Emscher, aber auch Rhein, Linthkanal und alle künstlich eingeengten Gewässer!). Hinzu kommt bei denen dann noch, dass all die richtig als Versteck genannten Strukturen wie Totholz, Wurzeln, Kolke, Blöcke etc. dann auch noch fehlen. Überleben geht dort v.a. dann in den übergroben Steinbewürfen - wenn die da sind und nicht womöglich glatte Böschungen.

Das Wandern der Fische - meist allerdings bei ablaufendem Hochwasser, passiert natürlich dann, weil die Hindernisse, bei anderen Wasserständen oft gleichzeitig Verstecke, so naürlich auch leichter zu überwinden sind und der Strömungsdruck, gegen den die Fischen anschwimmen müssen, sich wieder in Grenzen hält. Gewandert wird aber fast immer am Rand der Hauptstömung, nicht direkt darin. Da grinet der Lachsfischer gell :)

Siegfried
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Seeadler
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Ungelesener Beitrag von Seeadler »

Hallo,


es is übrigens auch so, dass, sollten Wanderbarrieren (hohe künstliche wasserfälle etc.) im Fluss sein, der Genpool der Fische flussaufwärts immer kleiner wird.

Das liegt daran, dass (nicht nur bei Hochwasser) immer wieder Individuen abdriften, ohne die Möglichkeit zu haben, wieder aufzusteigen.

Flussabwärts wird der Genpool dann also immer wieder durch neue Individuen aufgefrischt, während sich der genpool flussaufwärts aus den immer gleichen, bzw, immer wenigeren Individuen und ihren Nachkommen rekrutiert.

MfG
daniel
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