Aus meiner Reise dieses Jahr ist leider wenig geworden. Darum stelle ich hier anstelle eines Reiseberichtes ein paar blog-artige Eindrücke rein, die vielleicht trotzdem für manche von Interesse sind.
Das ganze kommt in mehreren Teilen, um die fehlenden Höhepunkte durch die Spannung was noch kommt aufzuwiegen
Teil 1 - Der Plan
Für den Herbst 2011 hatte ich eine ganz besondere Reise vorbereitet. Es sollte nach Jakutien gehen, ganz im Fernen Osten Russlands, östlich von Sibirien. Ich wollte mit dieser Reise das für mich Machbare ausloten, eine ambitionierte Bootstour mit langer Anreise und komplizierter Rückreise. Zudem wollte ich alleine aufbrechen – nicht nur um den Abenteuerfaktor zu maximieren, sondern vor allem auch deshalb, um für den Fall, dass etwas nicht wie geplant funktionieren sollte, nicht jemand anderen mit rein zu ziehen. Wie sich herausstellen sollte - eine weise Entscheidung.
Was die gewählte Tour besonders interessant machen sollte: Enorme landschaftliche Schönheit; die Gelegenheit, in einem Fluss (Judoma, Lenazubringer) eine typisch sibirische Fischfauna zu befischen (Taimen, Lenok, Äsche, Renke, Hecht, Aalrutte, Flussbarsch), im zweiten Fluss die anadrome Fischfauna eines Zubringers des Ochotskischen Meeres (Pazifiklachse, Saiblinge und die Ostsibirische Äsche); die Überquerung der kontinentalen Wasserscheide; die Gelegenheit, Rentiere züchtende Nomaden vom Volksstamm der Evenken zu treffen; eine Route auf den Spuren der frühen Entdecker nachzumachen etc.

Im Vorfeld floss sehr viel Vorbereitung in die Reise. Es begann mit langen Überlegungen, welches Boot für diese Tour geeignet wäre. Das Herzstück der Reise bildet eine Bootstour auf dem Fluss Judoma (ca. 275 km). Dieser Fluss führt im Mittellauf über eine lange Schlucht mit kaum Fließgefälle. Hier wäre ein schnelles Boot aus Zeitgründen von großem Vorteil, es warten aber auch 3-4er Stromschnellen, die ein Wildwasser-taugliches Gefährt erfordern.
Dann folgt eine Portage zu Fuß über die kontinentale Wasserscheide, ca. 20 km Luftlinie. Mit einem sehr leichten Boot in einem Gang zu erledigen, weil die Vorräte zu diesem Zeitpunkt schon stark reduziert wären. Dann die Flüsse Ketanda und Urak, ca. 200 km. Hier wären zahlreiche Logjams und einiges Wildwasser zu erwarten. Eine wichtige Anforderung schließlich, dass das Boot Proviant für mehr als 3 Wochen tragen müsste.
Im Endeffekt habe ich mich für das etwas schwerere Grabner Explorer entschieden, weil ich in dieses Boot maximales Vertrauen in Hinblick auf Robustheit, Wildwassertauglichkeit und Reisegeschwindigkeit setze. Bei diesem Boot (Gewicht ca. 20 kg) in Kauf zu nehmen wäre, die Portage zweimal machen zu müssen, also total 60 km. 2 mal ca. 25-30 kg sind in weglosem Gelände tragbar, ein mal 50-60 kg auf gar keinen Fall. Das erforderliche Packvolumen wollte ich in dem schmalen Boot zusätzlich zu den Packsäcken im Bootsheck und auf dem Vorder- und Hinterdeck durch einen zusätzlichen Rucksack auf den Schultern erreichen.
Das Tragen von schweren Lasten habe ich durch Trainingseinheiten mit einem Rucksack, 30 kg Kies als Ballast, trainiert.
Auch die logistischen Herausforderungen waren gemeistert, ein Jakute gefunden der den 150 km langen Anritt in die Berge organisierte, auch der Inlandsflug Ochotsk – Khabarovsk und von dort über Moskau wieder retour. Der Zeitplan mit 30 Tagen (maximale Dauer eines Touristenvisums) – ambitioniert aber machbar.
Nach wie immer beruflich, privat und durch Reisevorbereitungen stressiger „Endphase“ ging es tatsächlich im August los. Sack und Pack wurde zum Flughafen in München gebracht, Flug über Nacht nach Moskau, Transfer vom Flughafen Sheremetevo zum Flughafen Vnukovo, 14 Stunden Wartezeit bis zum Weiterflug nach Jakutsk. Eine besondere Herausforderung bei der Anreise zu einer Solo-Bootstour ergibt sich dazu, dass man die ganze "bagasch" [russisch für Gepäck] nicht auf einmal alleine von A nach B tragen kann. Bei Ortswechseln muss entweder eine Hälfte hinten gelassen und nachgeholt werden, oder man spricht Passanten an, drauf aufzupassen oder gar mitzuhelfen. Man ist quasi mit seinem Gepäck verheiratet. Ohne positive Einstellung zu den Mitmenschen im fremden Land wärs kein Urlaub sondern reiner Stress.
Jedenfalls ist beim Aufbruch meine innere Spannung groß, die Vorfreude aber größer.

To be continued…









































