Moin Clemens,
in Nordschweden bin ich mal den Rastoätno vom Quellsee Rastojaure bis zum Lainioälv und diesen dann bis zur ersten Straße in Jarkasstakka mit einem kleinen Caddis Angelkatamaran gefahren, Dauer knapp 14 Tage. Vom See bis zum Beginn des Rastoätno ging es 10 km durch einige durch kleinere Stromschnellen verbundene Seen, dann den Rastoätno 35km runter und noch 65km Lainioälv. Der Rastoätno war echt hart. 150m Gefälle mit vielen Selets und dazwischen lange, seichte und total verblockte Schnellen. Ich musste sehr viel treideln, was flussab durch die Verwirbelungen und die damit einhergehende total schlechte Sicht auf das Flussbett eine Stolperei schlechthin war. Jeder Schritt war mit einem potentiellen Knöchelbruch verbunden. Die härtesten Stromschnellen und Wasserfälle musste ich umtragen, die gesamte Ausrüstung wog ca. 45kg. Die zu umtragende Strecke betrug durch das mehrfache Gehen gute 30km. Wegen des kalten Wassers, es lag noch einiges an Schnee an den Ufern, und als Wärmereserve hatte ich meist eine Neoprenwathose an. Im kalten flachen Wasser war das für die Füße gut, dafür hab ich sonst trotz der oft nur wenigen Grad über Null ordentlich geschwitzt.
Dass ich bei der Geschichte 6-7kg abgenommen habe, lag sicher auch an der Ernährung. Morgens Knäckebrot mit Wurst oder Nutella, täglich Fertiggerichte auf Nudelbasis, ansonsten nur Fisch mit Reis oder Nudeln. Einige Tafeln Schokolade waren meine "Powerriegel". Die Anstrengungen führten dazu, dass ich meine Vorräte viel schneller als geplant aufgebraucht habe und strecken musste, daher gab es eben sehr viel Fisch.
Ich muss zugeben, es war eine irre Schinderei, die mir aber das tollste Abenteuer meines Lebens ermöglicht hat, zumal ich ja allein unterwegs war.
Im Jahr danach bin ich einen anderen kleineren Fluss im nördlichen Grenzgebirge mit dem Kat runter, da hab ich in 12 Tagen gute 5kg verloren, diesmal eher wegen der sommerlichen Temperaturen, bei denen ich mehr getrunken als gegessen hab, und wenn gab es natürlich Fisch. Auch diese Tour war alle Mühen wert und ich hatte eine geniale Bachforellenfischerei mit der Trockenfliege.
Und dann bin mal mit dem Kanu den Kaitumälv von Killinge stromauf gepaddelt, war in der norwegischen Finnmark mit dem Kanu auf dem Jiesjakka, den Vistasälv stromauf mit dem Kanu, auf dem Rautasälv und Kalixälv war ich und und und. Hab dazu noch die Glomma bei Koppang und diverse Flüsse im Härjedalen befahren. Naja, in über 25 Jahren kommt was zusammen
Leider bin nicht ganz so gut zu Fuss wie Ihr, aber es gibt fast immer einen Weg, seine Träume zu verwirklichen. Meine Lösung ist der Katamaran, das Bellyboot oder das Kanu. Man muss nur seine Scheuklappen ablegen und der Fantasie freien Lauf lassen, dann finden sich auch Möglichkeiten. Und man muss bereit sein, auf Luxus zu verzichten und sich eventuell etwas zu quälen

(aber das kennst Du ja)
Die Touren, die Du mit Deinen Freunden durchziehst, sind genau nach meinem Geschmack. Und dass Du sie, untermalt durch viele wunderbare Bilder, mit uns teilst, rechne ich Dir hoch an! Dafür noch mal:
GANZ VIELEN DANK.
Bei dieser Gelegenheit auch ein Dank an alle Berichtschreiber, die Ihre Erlebnisse rund um den Globus mit uns teilen.
Grüße
Ralf