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NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 27.01.2025, 14:52
von Hans.
Hallo allerseits,
falls von Interesse: Es gibt die Superfine Ruten von Orvis jetzt als
Graphite Fly Rods.
https://www.orvis.com/product/superfine ... /3JB2.html
Fische an meinem Forellenbach seit Mai 2019 ausschließlich mit meiner 4er Superfine
Carbon in 8´, und bin absolut glücklich damit.
Doofe Frage: Wo liegt der Unterschied zwischen Carbon und Graphit ?
Habe ich etwas versäumt? Glaube eher nicht (siehe oben)
Gruß
Hans
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 27.01.2025, 17:36
von Fliifi-Sepp
Na, da bin ich auch mal gespannt, was die Spezialisten dazu schreiben?
Jedenfalls sollten Carbon und Graphite meinem bisherigen Verständnis nach beides Kohlefaserruten sein. Und beide Materialien werden seit Jahrzehnten bei verschiedensten Herstellern genannt.
Hans, Du hast sicher nichts versäumt! Ich habe was versäumt, da ich zwar eine Reihe von Kohlefaserruten mit Carbon- und Graphite-Bezeichnungen habe und auch eine Reihe von gespliessten Bambus-Ruten, aber noch keine Glasfasrrute. Laienhaft würde ich Fliegenruten in diese 3 Kategorien einordnen: Kohlefaser- Glasfaser- und gespliesste Bambus-Ruten.
Und bei der EWF auf der Wiese wird sich wahrscheinlich wieder mal zeigen, was in den schönen Marketing-Aussagen dann wirklich steckt.
LG Sepp
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 27.01.2025, 18:48
von Michael.
Hallo,
guckt mal hier:
viewtopic.php?t=163191
"Carbon und Graphit ist beides das gleiche, der eine sagt Graphit der andere Carbon, aber eigentlich ist es Kohlenstoff (Fasermatten) der mit Harzen zu diesem Material verarbeitet wird."
Oder hier:
Sind Graphit und Carbon das Gleiche?
Im allgemeinen Sprachgebrauch, insbesondere bei Sportgeräten aller Sportarten, stehen Begriffe wie Carbon, Graphit(e) und Kohlenstofffaser typischerweise für Kohlenstofffaser-verstärkte duromere Kunststoffe.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstofffaser
Grüße
Michael
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 27.01.2025, 22:18
von Hans.
Danke, Michael !
Dann hatte Orvis wohl keine Lust, die neu Serie "Carbon II" zu nennen. Dann eben Graphite...
Gruß
Hans
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 28.01.2025, 06:38
von pitt
Guten Morgen
In dem Link im ersten Post beschreibt Orvis ziemlich genau warum die Rutenserie so heisst

Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 28.01.2025, 09:19
von Hans.
Ja, schon, hatte ich gelesen, aber alle Hersteller schreiben um eine neue Rute immer von einem neuen Materialmix und Matten und Gewickel und was weiß ich nicht alles und den sich daraus ergebenden besseren Wirkungen beim Wurf und am Fisch. Meine Frage blieb trotzdem und ist ja nun beantwortet.
Klar, wenn die Konstruktionstechnik vom Flagship-Modell übernommen wird, ist "Carbon II" zu langweilig. Das "Graphite" im Namen macht neugieriger auf die Rute, ist mir jedenfalls so gegangen. Und dann wird die Serie auch noch mit dem weißen Dingsda überm Griff ausgestattet...
Aber das ist alles ok, jeder wie er will.
Gruß
Hans
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 28.01.2025, 09:34
von pitt
Salut
Ich denke, bzw. ich könnte mir vorstellen, dass die Zielgruppe eher die Fans der Marke sind. Vor allem solche, die ältere Serien und Modelle kennen aber sie nicht mehr besitzen, oder sie nie gekauft haben, würden aber gerne. Etwas für sentimentale Nostalgiker mit Nachholbedarf.
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 28.01.2025, 23:29
von Hans.
Hallo Pitt,
über die „sentimentalen Nostalgiker mit Nachholbedarf“ habe ich mich köstlich amüsiert
Ich denke aber, die Zielgruppe ist weiter gefasst

Alle Amerikaner haben Ruten unter 9 Fuss im Programm, oder sogar eigene Serien damit. Hardy/Greys und einige Andere gehören auch dazu. Wer eine kürzere 4er Superfine, oder Dart, oder Pure, oder NSX Creek, oder, oder, oder fischt, ist damit aktuell und zukunftsfähig ausgerüstet. Zumal so eine kurze, geschmeidige Rute gleichzeitig Pfeffer im Ar..ch haben kann mit excellenten Drilleigenschaften auch größerer Fische (verbürge mich für die Superfine

). Wenn ich mich recht erinnere, hatte Michael hatte mal ein Foto mit einem 2 Kilo Überraschungskarpfen an der 4er Superfine Tout Bum in 7`, war alles kein Problem. Und meine 1,3 Kilo Forelle als Überraschung im Stausee auch nicht.
Ob man nun ein Nostalgiker ist oder nicht, wer solche Ruten noch nicht gefischt hat, sollte das nachholen. In einigen Jahren denkt man an die schönen Stunden damit zurück, da kann man dann bestimmt sentimental werden...
Gruß
Hans
Re: NEU: Orvis Superfine Graphite Fly Rods
Verfasst: 29.01.2025, 13:34
von Trockenfliege
Bischen Historie und Blanktechnik:
Die ersten Graphite Fliegenruten wurde fast zeitgleich von Fenwick und Shakespeare 1973 auf den Markt gebracht, wobei Fenwick ein paar Wochen früher dran war.
Da Fenwick den Begriff "Graphite" in irgendeiner Form erstmal für sich gesichert hatte, durfte Shakespeare ihn für ihre Ruten nicht verwenden.
Deshalb hießen die ersten Shakespeare Kohlefaserruten "Graflite".
Die Fenwick "HMG" - High Modulus Graphite - waren/sind von der Aktion her sehr fischbare mittelschnelle Ruten, die auch heute noch angenehm zu werfen und zu fischen sind. ( Wobei damals High Modulus für 24 - 30 k stand, Matten, die heute als Low Modulus bezeichnet werden)
Die Shakespeare Graflites dagegen waren erstmal auf niedrigstes Gewicht getrimmt und hatten/haben für meinen Geschmack die deutlich schlechteren Aktionen. ( Es gab damals auch ältere Glasruten, vor allem in den höheren Klassen ab 7, die eine deutlich bessere Aktion hatten als die Graflites, aber eben schwerer waren.)
Warum dann wenige Jahre später auch andere Firmen, zB. Orvis, den Begriff Graphite verwenden durften entzieht sich meiner Kenntniss.
Das die früheren Kohleruten meistens langsamer als heutige Ruten ausfielen, lag weniger am "rückständigen" Material, als mehr an den verwendeten tapern. Dies findet sich auch in der Beschreibung der "neuen" Orvis Superfine carbon Ruten: Shallow Taper.
Das bezeichnet einfach die geringe Steigerung der Durchmesser von der Spitze bis zum Rutenende.
Damals wurde einfach Taper verwendet, die vor allem "fischbare" Ruten hervorbrachten, im Gegensatz zu den steifen Weitwurfprügeln von heute.
Mir dem damaligen Material hätte man mit anderen Tapern auch deutlich schnellere Ruten bauen können, wenn man zB. die Wandstärke reduziert und den Außendurchmesser vergrößert hätte.
Diese alten Taper von Orvis, dicke Wandstärke und geringer Außendurchmesser, ergaben aber auch sehr robuste Ruten, die im normalen Gebrauch kaum zerbrechen konnten. Fenwick hatte mittlere Wandstärken und Shakespeare dünne Wandstärken, was bei den Shakespeare leichter zu Brüchen führen kann - eigene Erfahrung.
Im Gegensatz zu den Orvis zerbrechen moderne Ruten aus hochmodulierter Matte, dünner Wandstärke und steilem Taper bei Überlastung deutlich leichter.
Die alten Orvis Graphite Ruten findet man gelegentlich gebraucht, aber häufig mit sehr ambitionierten Preisvorstellungen.
Die Fenwick HMG gibts auch ab und zu gebraucht, dann deutlich günstiger.
Ich würde bei den meisten Modellen die HMGs der 1. Serie - schwarzer blank - den Orvis gegenüber bevorzugen.
Gerade die 7,5´#5 HMG ( tatsächlich #4) ist eine meiner Lieblingsruten, auch heute noch.
Und eine #10er HMG ( tatsächlich #8) ist eine schöne Hechtstreamerrute. Den 9´blank der #10 HMG konnte ich auch mal sehr günstig kaufen.
Den habe ich am oberen Ende des Handteils um ca. 20 cm gekürzt wodurch er eine sehr moderne, schnelle Aktion bekommen hat - ohne Bruch in der Aktionskurve!
Viele der früheren Fliegenruten hatten ein sogenanntes "compound taper". Die Spitzen und auch der untere Bereich der Handteile hatten ein relativ steiles taper, am oberen Ende des Handteils war es aber etwas flacher. Dadurch bekamen die Rute eine mittelschnelle Aktion und je nach Ausführung diese etwas langsameren Bereichs konnten die Spitzenteile etwas "eigenständiger " schwingen.
Wenn man diesen "flacheren" Bereich des blanks entfernt, bekommt man eine Rute, die insgesamt ein steileres Taper hat, mit einer schnelleren Rückstellung des Spitzenteils, das auch kein "Eigenleben" mehr entwickeln kann.
Aber das Schöne: Man behält immer noch die Nachgiebigkeit der Rute im unteren Teil beim Drill.
Denn das war/ist das "Markenzeichen" der älteren Ruten - im Gegensatz zu den modernen steifen Handteilen vieler "Weitwurfruten".
Die Orvis HLS Graphite blanks waren die 2. Generation der Graphite Ruten. Was sich da am Material genau geändert hat, weiß ich nicht.
Die Ruten waren etwas straffer als die Graphites, zum Teil aber auch ziemlich kopflastig.
Aus einem HLS blank, 9,5´#9 habe ich mir durch kürzen des oberen Endes des Handteils um ca. 30 cm eine superg..le Streamerrute gebaut.
In der Hand und ohne Schnur geschwungen fühlt sie sich sehr steif an. Beim Werfen und vor allem im Drill arbeitet die Rute dann aber über die ganze Länge. Sie ist momentan meine Liblingsrute beim Hechteln und hat letztes Jahr sogar einen 20 kg. Wels gefangen.
Dabei gab es Fluchten unter das Boot, die die Rute zu ein paar heftigen "Verbeugungen" veranlasst hat, die so manche moderne Rute wahrscheinlich nicht überlebt hätten.
Ähnlich getrimmt habe ich auch noch eine weitere HLS und auch Graphite blanks.
Ich bringe die #9er mit zur EWF, wenn jemand Interesse hat, kann er sie mal werfen.
Was will ich mit dem Ganzen sagen:
Es ist weniger das Material sondern mehr die Taper, die eine Rute ausmachen - siehe auch "shallow taper" der Superfine graphite.
Die modernen Kohlematten ermöglichen nur etwas geringere Rutengewichte. Wobei auch das relativ ist.
Ich habe hier irgendwo mal eine Tabelle der Blankgewichte von Sage im Laufe von 3 Jahrzehnten aufgelistet. Bei vergleichbaren Wurfgewichten haben sich die Blankgewichte praktisch nicht verändert. Die geringeren Rutengewichte über die Jahre bei Sage beruhen mehr auf leichteren Rollenhaltern - dünnes Alu statt Nickelsilver - und winzige Korkgriffe. ( Vergleichbare Wurfgewichte heißt: tatsächliches Wurfgewicht und nicht, was auf dem blank steht.)
Das moderne Ruten weniger Kopflastig geworden sind liegt meiner Meinung nach mehr an den Tapern:
Es gibt mehr Ruten mit "Spitzenaktion". Dünne weiche Spitzen benötigen natürlich weniger Material ergo sind sie weniger Kopflastig.
Wie weit Nanomatten tatsächlich das blankgewicht veringern können, weiß ich leider nicht, da ich nur fertige Nanoruten habe.
LG
Reinhard