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Die Ilm entspringt in den Höhen des Thüringer Waldes und entsteht durch den Zusammenfluss von Lengwitz und Taubach unterhalb der Ortschaft Stützerbach. Wenige Meter darunter kommt noch der Freibach hinzu. Die Lengwitz wird von der Wasserwirtschaft meist als Quellbach der Ilm angesehen, aber die einheimische Bevölkerung bevorzugt den Taubach. Seine Quelle ist am Finsterberg als Ilmquelle ausgeschildert. Die Quelle des Freibaches befindet sich unterhalb der Schmücke, die der Lengwitz unterhalb des Ortes Allzunah. Der Fluß schlängelt sich, weitgehend unreguliert, gegen Norden, überwiegend durch Mittelgebirgs- landschaft (erst im Unterlauf durch die Tiefebene), durchschneidet die Goethe- und Schillerstadt Weimar (EU-Kulturstadt 1999), um schließlich bei Bad Sulza in die Saale zu münden. Die Ilm hat eine lange fischereiliche- und fliegenfischereiliche Tradition, auch der bekannte Engländer und Autor John Horrocks fischte hier bereits und schrieb hier sein Buch (im Raum Weimar). Der Fluß weist eine durchschnittliche Breite von 8 bis 12 Metern auf, fließt oftmals durch Kalkgestein (deshalb günstiger PH-Wert und nahrungsreich) und hat (jetzt wieder) eine recht ordentliche Wassergüte (eine 2+). Die Beschaffenheit des Flußgrundes ist überwiegend kiesig, teils sandig und felsig. Es gibt Kolke von über 2 Metern Tiefe. Im Sommer befindet sich der Fluß fast vollständig unter dem schattigen Blätterdach der Uferbäume, Wasserpflanzen gibt es wenig. In den letzten Jahren ist eine zunehmende Wasserknappheit zu beobachten, welche sich leider nicht nur über die Sommermonate erstreckt und die den Fischbeständen, im Zusammenhang mit anderen Faktoren, nicht besonders förderlich ist. Der aktuelle Fischbestand der Ilm setzt sich aus Äschen, Bachforellen, Elritzen, Gründlingn, Schmerlen, Koppen, Flußbarschen, Plötzen, Rotfedern, Döbeln, Aalen, Regenbogenforellen, ferner Bachsaiblingen und vereinzelten ausgerissenen Karpfen und (zum Glück sehr selten...) - Hechten zusammen. Historie:
Die Ilm hatte zu DDR-Zeiten (wie die meisten anderen Flüsse auch)
ein schweres Dasein: Durch ein anliegendes Chemiewerk (Wasch- und Reinigungsmittelproduktion)
wurden in regelmäßigen Abständen schwere Fischsterben ausgelöst,
die sich über 30 Kilometer und mehr hinzogen. Durch eine Papierfabrik
im Mittellauf und deren Abraumhalde gelangte nahezu täglich Zelluloseschlamm
in den Fluß, welcher durch Zusetzung des Sediments die Kleintierwelt
so stark schädigte, daß die Artenzahl auf ein Minimum reduziert
wurde, außerdem sorgte der Schlamm für eine ständige unappetitlich
graue Färbung des Wassers. Sich selbst reproduzierende Fischbestände
waren aufgrund der genannten Bedingungen ein Fremdwort. Hinzu kamen noch
die nicht unerheblichen Haushaltsabwässer, denn kommunale Kläranlagen
gab es nur in seltenen Einzelfällen.
Das
Leben geht weiter: Die Ilm bewies in den Folgejahren jedoch, dass sich
die Natur nicht unterkriegen lässt. Durch mehrere kräftige Hochwasser
bereits im Herbst 1998 wurde der Flußgrund gründlich "gefegt",
so daß wir davon ausgehen konnten, daß die Gifte, welche sich
eventuell noch im Sediment befanden, weitgehend herausgespült wurden.
Daneben musste natürlich auch davon ausgegangen werden, daß
überlebende Kleintiere und Pflanzen die Gifte weiterhin über
die Nahrungskette abgeben können. Das Hauptgift "Endosulfan" mit seiner
kurzen Halbwertszeit von 3 Tagen war nach kurzer Zeit kaum noch nachweisbar.
Aber leider waren auch weitere, bedeutend schädlicher wirkende Stoffe
im Spiel, wenn auch in geringen Dosen.
1999 - 2000:
Die hohe Selbstreinigungskraft des Flusses ist fast sprichwörtlich.
Die Besatzaktionen haben gegriffen, die "neuen" Bachforellen beteiligten
sich schon im Herbst 1999 rege am Laichgeschäft (leider umsonst, denn
anschließend kam wieder einmal ein sandig/lehmiges Hochwasser) und
die Äschen haben sich auch bereits wieder vermehrt, so das wir insgesamt
von einem guten Fischbestand sprechen können. Nur die alten und schweren
Fische fehlen - diese Fische müssen erst wieder nachwachsen, das benötigt
seine Zeit. Auch die Nahrungsgrundlage ist wieder als brauchbar, jedoch
nicht als gut zu bewerten. Traurig stimmt die schleppende Ermittlung der
Staatsanwaltschaft, welche immer noch andauert!
2001: Ähnlich wie in den letzten Jahren haben wir über die langen Sommermonate zu wenig Wasser im Fluß. Die Nährtierwelt entwickelt sich nur schleppend, dementprechend unbefriedigend ist der Ernährungszustand der Fische. Das hält jedoch die Äschen nicht davon ab, sich gnadenlos zu vermehren. Die Folge ist ein Äschenüberbestand an jungen und sehr schlanken Fischen. Bachforellen machen sich rar. Die oben angesprochene Wasserkraftanlage ist im Februar in Betrieb gegangen und verhindert die Durchgängigkeit des Flusses, sowie entzieht dem Fluß an einer der ursprünglich schönsten Stellen das Wasser auf gut 1000 Meter. Die Behörde hat endlich einen Widerspruchsbescheid erlassen - im Sinne der Natur mit deutlicher Erhöhung der Restwassermengen. Damit kann der Betreiber natürlich nicht leben und reicht Klage beim Verwaltungsgericht ein. Trotz zahlreicher Eingaben läßt sich die Behörde nicht dazu bewegen, die Vollziehung ihres Bescheides zu umzusetzen, was nicht nur uns absolut unverständlich ist. Wir scheinen uns in einem rechtsfreien Raum zu befinden und alle warten auf das Ergebnis des Verwaltungsstreits, der sich wie bekannt über Jahre hinziehen kann. Schade für die Ilm! Auch im Fall Fischsterben 1998 gibt es Neues: im Berufungsprozeß erging ein weiteres für die Angler positives Urteil. Nun wird es weitere Prozesse über die Höhe des Schadenersatzes geben. Geld ist bisher noch keines geflossen... Am 06.09. gelangten vom Gelände des Gelenkwellenwerkes in Stadtilm/Thüringen 15000 Liter (!!!) ölhaltige Bohremulsion in die Ilm und verwandelten den Fluß in einen weißen Fluß. Tote Fische wurden kaum gefunden, jedoch sind Schädigungen, zumindest an der Kleintierwelt, logisch. Verschärft wurde die Lage durch Niedrigwasser (nachzulesen + Bilder in der "Problem-Zone", Beitrag Nr.49). Im Winter tauchten wieder Kormorane am Unterlauf auf! 2002:
Zunächst sorgen Naturgewalten zu Jahresbeginn für eine Verbesserung
der Situation an der Ilm: Ein ungewöhnlich schwerer Eisgang im Januar
und nachfolgend mehrere schwere Hochwasser im zeitigen Frühjahr führen
zu nachhaltigen Schäden in der Landschaft - nicht zuletzt auch mit
Beschädigungen an den noch wasserkraftfreien Stauwehren in Kranichfeld
und Tannroda. Am schlimmsten erwischt es unser Sorgenkind "WKA Martinswerk"
in München b. Bad Berka - das alte Wehr bricht auf ca. 7 Meter Breite
komplett durch, somit hat sich die Energieerzeugung an dieser Stelle erstmal
erledigt. Hier unsere Pressemeldung dazu, die in der "Thüringer Allgemeine"
erschien:
Wasserstandsprobleme gibt es bis in den Juli hinein nicht - fast eine Ausnahmesituation nach dem Sommerwassermangel der letzten Jahre - so gibt es bis dahin auch nur wenige Tage, an denen Fliegenfischen überhaupt möglich ist. Der Flußgrund sieht durch den langanhaltend hohen Wasserstand und der guten Wasserqualität hervorragend aus und der Nährtierwelt gefällt das - sie erholt sich zusehends. Hauptsächlich Eintagsfliegenlarven in allen "Jahrgängen" sind üppig vorhanden, gefolgt von Köcherfliegen. Die früher sehr zahlreich vorhandenen Bachflohkrebse (Hauptnahrung) machen sich leider weiterhin sehr rar. Der Ernährungszustand der Äschen und Bachforellen ist wesentlich besser als in den vergangenen Jahren. Es gibt wieder große Elritzen-Schwärme... Im Juli fängt Vereinskollege Frank Tauber eine riesige Bachforelle (69 cm | 6 kg), wie sie bis dahin an der Ilm noch nicht gesehen wurde... (Hier klicken für Details). 2003: Eine der schlimmsten Saison's - nicht nur für Thüringer Gewässer. Bereits im Mai haben wir Niedrigstwasserstände in der Ilm und der Flußgrund ist veralgt. Über den Sommer verschlimmert sich die Situation drastisch: ganze Abschnitte der Ilm trocknen völlig aus - zum Glück jedoch nicht in den Fischereistrecken unseres Vereins! Unser Verein stellt dennoch jegliche Fischerei für mehrere Monate ein. Im Herbst verbessert sich die Situatiuon. Wir können uns an einer sehr schönen Äschenfischerei erfreuen. Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse in diesem Jahr. 2004: Eine Fischerei ist bis Ende Mai nicht möglich, sehr zum Ärger der Gäste des 2.Thüringer Fliegenfischer-Forum's am 08.Mai, von denen einige auch ein wenig in der Ilm fischen wollten: Regen ab Anfang Mai, Mitte des Monats räumt ein kräftiges Hochwasser das Flußbett gründlich auf. Allgemein tun die kühle Witterung und die gute Wasserführung dem Fluß sehr gut: er sieht prächtig aus, wie seit Jahren nicht mehr. Wohlgenährte Äschen, Bach- und Regenbogenforellen tummeln sich im klaren Wasser. Im Juni können wir zahlreiche gelbe Steinfliegen beobachten und einige Maifliegen. Der Wasserstand macht uns über den ganzen Sommer keine Probleme, erst im September wird es etwas knapp. Die nun niedrigen Temparaturen sorgen jedoch ausgleichend. Im Herbst haben wir wiederum eine hervorragende Äschenfischerei. 2005:
In diesem Jahr erleben wir eine gute Fischerei mit gemäßigten
Wasserständen über die ganze Saison. Anfang Juni schwärmen
zahlreiche Maifliegen. Neben guten Äschen- und Forellenfängen
sorgen ein paar Bachforellen "Monster" von geschätzten "über
70 cm" für Aufsehen und halten den einen oder anderen Vereinskollegen
zum Narren. Das (vorläufige) traurige Ende dieser Geschichte: Ende
November finden wir eine riesige tote Bachforelle im Fluß (74 cm
/ ca. 4 Kilo), die vermutlich die Strapazen des Laichgeschäftes und
des hohen Alters nicht überlebt hatte und mit hoher Wahrscheinlichkeit
eines natürlichen Todes gestorben war. Der Fisch ist die längste,
jemals in unserer Strecke registrierte Forelle - bis heute.
2006: Die positive Entwicklung der Ilm und seiner Bewohner setzt sich fort - es entwickelt sich ein intakter Fisch- und Nährtierbestand. Leider fallen im im strengen Winter Januar / Februar 2006 große Kormoran-Schwärme wie Heuschrecken erstmalig in dieser massiven Form über die Ilm und die meisten anderen Thüringer Fließgewässer bis in die Quellregionen hinauf her und verursachen verheerende Schäden an den Fischbeständen - besonders bei den genetisch einzigartigen Thüringer Äschenstämmen! (Hier klicken für Details). 2008 und später: In den nachfolgenden Jahren leisten die Vereine wieder große Aufbauarbeit, so das viele Gewässerabschmitte heute wieder einen guten Fischbestand aufweisen, besonders der Bestand an Bachforellen ist prima. Den Äschenbeständen geht es jedoch trotz der alljährlichen Bestands-Stützungsmaßnahmen sehr schlecht - und das liegt sicher nicht an "mangelnder Gewässerstruktur"! Ohne ein vernünftiges, europaweites Kormoran-Management ist eine Hege und Pflege "wie in alten Zeiten" nicht mehr zu gewährleisten, das gilt sicher für die meisten Flüsse in Deutschland. Stand Oktober 2010: Äschenbestand bis auf wenige Einzelexemlare ausgelöscht (dem Vogel des Jahres 2010 sei Dank !!!)
Weiterführende Links, Foto-Reports und Reiseberichte zur Ilm: |
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