Guten Abend
Ich baue leidenschaftlich gerne Ruten und investiere viel Herzblut in diese Tätigkeit.
Der in meinen Augen unsachliche Bericht, welchen Harald Langer auf seiner Webseite der Weltöffentlichkeit zur Verfügung stellt und eben nicht nur der Rutenbauerfraktion, hat mich deshalb auch etwas verletzt.
Wieso komme ich dazu, zu behaupten, der Bericht sei unsachlich?
Hätte Harald nur die beiden Faktoren Flächenträgheitsmoment und Widerstandsmoment einander gegenübergestellt, verbunden mit der Aussage, dass darin alleine nicht genügend Gründe für die Eigenschaften meiner Ruten liegen können, wäre dies einer sachlichen Information gleich gekommen und hätte sicher nicht zu den nachfolgenden Szenarien geführt. Harald konnte sich aber offenbar mit diesen beiden Resultaten nicht zufrieden geben und hat ohne jemals eine Rute von mir in Händen zu halten behauptet, diese seien fischereilich im Ranking auf dem letzten Platz an zu siedeln. Er leitet dies daraus ab, dass diese Ruten „ein auffällig asymmetrisches Wurf- und Biegeverhalten“ aufweisen sollen. Ich möchte an dieser Stelle einerseits auf den Praxistest im Fliegenfischerforum unter Gerätetest verweisen. Von den Testern dort, hört man nichts davon und wenn das Verhalten schon auffällig wäre, dürfte man dies dort wohl bemerkt haben. Auch Dr. Wolfram Schott hat in seinem Posting festgestellt, dass „Der von Harald gewählte Ausdruck "fischereilich landet sie ...an letzter Stelle" ist vielleicht etwas unglücklich gewählt.“
Ich habe meine Ruten gemessen, und zwar mittels einer Federwaage, einem Massstab, einem Aluminiumprofilstab und einer geraden Küchenabdeckung aus Stein. Zuerst habe ich die Rutenspitze (es handelt sich dabei um einen noch nicht beringten Blank) auf der Steinabdeckung mittels Schraubzwinge fixiert, anschliessend ebenfalls den Aluprofilstab, und danach den Ueberhang der Rutenspitze zum absolut geraden Aluprofilstab gemessen. Dieser beträgt 5 mm. Im Anschluss habe ich die Federwaage an die Rutenspitze gehängt und wiederum die Differenz zwischen Rutenspitze und Aluprofilstab gemessen – dieser beträgt 45 mm auf dieser Seite, an welcher die Ringe befestigt werden. Anschliessend habe ich das Prozedere in der gegenüberliegenden Position (also auf dem Blankrücken) und in beiden seitlichen Position wiederholt. Ich kann hier versichern, dass ich in keiner Richtung auch nur eine Abweichung von einem halben Millimeter feststellen konnte, auch durch mehrmaliges Wiederholen des Messprozederes!
Die Waage wiegt 27 Gramm, die Belastung der Rute beträgt 40 mm. Ein Millimeter würde demnach die Rute mit 1,48 Gramm belasten. Nehmen wir nun an, ich hätte noch Messfehler und die Abweichungen würden 0,25 mm betragen, so würde dies 0,37 Gramm ausmachen. Nehmen wir die Schnurklassentabelle zur Hand, eine Durchschnittliche 6er Schnur von 10,37 Gramm, eine 5er von 9.07 Gramm oder eine 8er von 13.61 Gramm. Im Bericht von Harald steht: „Mathematisch würde die 13-fache in Richtung Spleiss 1 z.B.: Schnurklasse 5, in Richtung der Spleisse 12 und 13 aber Schnurklasse 8 bewältigen“. Zwischen einer 5er und einer 8er Schnur liegen aber 3,24 Gramm – die Rute schlägt aber nur um 0,37 Gramm mehr aus! Dies sind die praktischen Messwerte, mir liegen nämlich solche Ruten vor und nicht theoretische Betrachtungsweisheiten!
Ich bin mir bewusst, dass meine Aeusserungen über die 13-fach Gesplissten auf unserer Website zu wenig differenziert waren und deshalb auch haben empfunden werden können. Das diese zu wenig differenzierten Aesserungen einem anderer Rutenbauer in die Nase stechen, kann ich auch nach vollziehen.
Wie ich aber bereits geschrieben habe, wurden die Aussagen in ihrer Absolutheit, nach einem Mailkontakt mit Harald Langer auch relativiert und ich bin der Auffassung, dass diese so Gültigkeit haben.
Ich gehe im nachfolgenden auf die Textpassagen ein:
1. Zitat ab Website
http://www.bamboorods.ch
„Der Blank besteht von der Rutenspitze bis zum Rollenhalter aus 13 kleinen Spleissen, welche zu 100 % aus dem grösstmöglichen Anteil an Kraftfibern bestehen.“
Wenn wir den Bericht Bambus unter dem Mikroskop von Dr. Wolfram Schott als Basis nehmen
http://www.fishing-rods.at/images/Unter ... roskop.pdf
kann dieser Aussage wohl nichts entgegen gehalten werden. Da meine kleinen Spleisse ja alle aus der äussersten Schicht des Bambusrohres stammen. An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen, dass ich nicht der erste Rutenbauer bin, der Mehrspleissige Ruten baut. Schon vor vielen Jahren kamen andere auch schon auf diese Idee, indem sie bis zu 24-fach Gesplisste bauten!
2. Zitat ab Website
http://www.bamboorods.ch
„Dank diesen vorzüglichen Eigenschaften, kann die Blankmasse je nach Rutentyp um bis zu dreissig Prozent reduziert werden, was zu Gewichtsersparnissen führt ohne Verlust der Beschleunigungswerte.“
Mit vorzüglichen Eigenschaften usw., meine ich das gesamte Produkt und damit sämtliche Einflussfaktoren auf die Aktion einer Rute. Ich wiederhole mich: Die Eigenschaften einer Rute sind im Wesentlichen auf das Taper (Verjüngungskurve), die Temperung des Bambus, der verwendete Leim, Knoten, Spleissbeschaffenheit, Lack, und von mir aus gesehen das Wichtigste, nämlich das Rohmaterial, den Bambus zurück zu führen. Bambus ist ein Naturprodukt und nicht jedes Rohr besitzt die gleichen Eigenschaften wie das andere. Ich kann bei 13 Spleissen übrigens unterschiedlich tempern und das tempern ist ein ganz wesentlicher Faktor, wenn man gewisse Eigenschaften einer Gesplissten beeinflussen möchte, das ist eines der kleinen Geheimnisse meiner 13-Fachen.
Dass ich Dir, Harald Langer, auf Deine Mails nicht seriös geantwortet habe – liegt in der Art, wie ich Deine Mails empfunden habe. Darfst mir glauben – ich hab sie auch noch gespeichert.
Mit meinem Text auf der Website von Swiss Bamboorods mache ich keine anderen Ruten nieder!
Jeder Hersteller hat das Recht, und macht auch davon Gebrauch, seine Produkte anzupreisen. Harald Langer macht das auf seiner Seite nicht anders.
Ich möchte aber noch einen weiteren Punkt in dem Bericht von Harald hervor nehmen, nämlich seine folgende Aussage:
„Ein weiterer Punkt ist die gerade Geometrie bei den an der Aussenseite nebeneinander zu liegen kommenden Spleissen (z.B.: Spleiss 12 und 13), sowie die nötige Präzision der inneren Geometrie bei einer 13-Fachen. Um diese zu erreichen, muss die Aussenseite jedes einzelnen Spleisses (die Stelle an der die meisten Kraftfibern im Bambus zu finden sind), stark bearbeitet werden. Beim dargestellten grünen Spleiss (Höhe = 2,75 mm) wären das 0,11 mm an der höchsten Stelle.“
Lieber Harald, die Spleisshöhe einer Rute von 228 cm Länge, Schnurklasse 5 und einer flotten Aktion beträgt bei meinen 13-Fachen gerade mal 2,32 mm zu hinterst am Handteil!
Bei der Hülse sind es dann lediglich noch 1.38 mm! In der Spitze verjüngen sich die Spleisse bis auf 0,43 mm! Die jetzt anstehende Rechenaufgabe darfst Du selber lösen!
Im übrigen ist es auch bei mir ein oberstes Credo, so wenig wie möglich und soviel wie nötig, an der Aussenseite des Bambus zu verändern.
Eigentlich wollte ich keine Diskussion über den fachlichen Bereich führen, wie es aber so ist, man lässt halt auch nicht gerne Falsches auf einem sitzen.
Ich fordere Harald Langer deshalb hiermit auf, das Dokument auf seiner Homepage nochmals zu überprüfen und seine Aussagen auf ihre Richtigkeit hin ebenfalls mit dem gleichen Massstab zu prüfen, wie er das bei den meinen auf unserer Website auch getan hat. Ich bin überzeugt, damit wäre für die Interessierten von Gesplissten Ruten mehr getan, als das sich hier Rutenbauer gegenseitig ans Bein pinkeln. Denn dieses schadet den Rutenbauern allgemein, auch den Profis, Zusätzlich verwirrt es noch denjenigen, welcher sich für Gesplisste interessiert und deshalb hätte ich gerne auf theoretische Betrachtungsweisen verzichtet und die gleiche Vorgehensweise vorgeschlagen, wie schon einige hier in diesem Tread, nämlich die Ruten in die Hand zu nehmen, zu werfen und sich ein eigenes persönliches Urteil zu bilden.
Ich hoffe, Harald Langer, dass Du meine Aufforderung ernst nimmst, denn ich kann nämlich auch anders, als nur „ausweichende Antworten geben und Schmeicheleien verteilen“.
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Kurt Zumbrunn