Dietmar0671 hat geschrieben:Jan,
Nun, ich habe mich an beiden Threads beteiligt und gehöre zu denen, die in der Mongolei gefischt haben, an Chuluut, Ider und Selenge sowie Delgermurun. Ich kann Deine Feststellungen nicht umfassend bestätigen. Mehr möchte ich in diesem Zusammenhang auch nicht mehr schreiben, Clemens hat dies bereits besser getan als ich es könnte.
Was für mich traurig ist, dass ein so absoluter Kenner der Mongolei, die Tatsachen ignorieren will. Das o.g. Flüsse im Norden der Mongolei liegen brauche ich Dir nicht erklären.
Viele Grüße
Dietmar
Hallo Dietmar,
vielen Dank für Deinen Beitrag eines erfahrenen Veteranen, der die Flüsse im Norden kennt !
Deine Beobachtung und die Beobachtungen des Clemens sind vollkommen richtig und ich kann das so auch bestätigen.
Diese Entwicklung zu ignorieren, wäre völlig überheblich und gelogen, für die Zukunft und die notwendigen Massnahmen sogar fahrlässig und unverantwortlich. Aus den Fehlern und Versäumnissen der Vergangenheit muß man selbstverständlich lernen und tut das auch. Auch die Regierung in der Mongolei hat viel dazugelernt. Es wird mit den ausgesuchten und länger bekannten Tour-Veranstaltern und Sportanglern im Land enger zusammengearbeitet, neue Lizenzen werden kaum noch ausgegeben.
Wir haben jetzt auch einen staatlichen Kommissar in der Nähe und per Satelit-Telefon abrufbar, wenn wir bei Übergriffen größere Hilfe von der Regierung anfordern möchten. Berittene Wildhüter sind in der Sommer-Saison ständig unterwegs, aber die Flüsse und die Reviere sind sehr lang. An einigen unseren Camps haben die staatlichen Grenz -und Wildschützer einen festen Stützpunkt mit freier Übernachtung und Verpflegung natürlich, Munition für die Kormorane umsonst, auch "Kopfprämien" auf jeden Vogel, wenn ich das so sagen darf. Abends sind wir im Gemeinschaftsraum der Lodge oft zusammen, - einheimische Mitarbeiter, Führer, Wildhüter, Angelgäste, Nomaden aus der Nachbarschaft. Erzählen und singen mongolische und tschechische Volkslieder und trinken dabei schon auch etwas....
Am Delger Moron haben wir erst dieses Jahr den besten Flussabschnitt gepachtet. Ich nehme deshalb an, dass Du nicht mit uns in der Mongolei warst. Dort mußt Du jetzt aufpassen, da seit diesem Jahr das Angeln, auch das Fliegenfischen von Booten und Flössen in der Mongolei verboten sind. Neue Reglementierung. Nicht dass das besonders sinnvoll wäre, aber man möchte den amerikanischen Stil des Fischens in der Mongolei eher nicht haben. Dazu muß ich auch sagen, dass viele Vorschriften auch eingeführt werden, um über die erwarteten Verstösse weitere Einnahmen zu erhalten.
Am Shishkid, Ur und Selenge, sowie an weiteren Flüssen, haben wir seit über 20 Jahren die allerbesten Flussabschnitte rechtzeitig und als die Ersten im Land pachten können. Das kannst Du mir wirklich glauben. Deshalb erlaube ich mir die Vermutung, dass Du noch nicht an den guten Strecken der Flüsse geangelt hast. Für die von Haus aus minderwertigeren Flussabschnitte, aber auch zu der allgemeinen Entwicklung, sind Deine Beobachtungen jedoch richtig. Dagegen wird aber auch viel unternommen und mit Engagement.
Am Ur zum Beispiel betreiben die Amerikaner schon seit vielen Jahren ihr Jurten-Camp. Allerdings an einem viel weniger wertvollen Flussabschnitt, wo auch die Pacht günstiger ist. - Das ist bitte keine Verleumdung von Mitbewerbern. Ich versuche nur Deinen Beitrag offen darzulegen und zu begründen. Aber ich möchte hier doch sagen, weil es einfach eine Tatsache ist, dass diese Mitbewerber wiederholt mit ihren Jetboats in unsere gepachteten Reviere eindringen und dort mit Angelgästen fischen, ohne uns vorher um Erlaubnis zu fragen. Den Kollegen würden wir sonst aushelfen, wenn nötig. Auch gute nachbarschaftliche Verhältnisse und Zusammenarbeit sind wichtig. Aber offene Wilderei ist nicht gut und verärgert. Die Angelgäste können nichts dafür. Die haben teures Geld und doppelt soviel für ihre Tour bezahlt, wie mit Einheimischen oder bescheidenen und bodenständigen Lodges und Tourbetreibern.
Mir gehen auch die lauten Jetboats auf die Nerven, die an unseren langen Flußabschnitten hinaufdüsen. Dass ich noch keine Löcher in die Bootswände geschossen habe, liegt nur daran, dass die amerikanischen Angelgäste und Fliegenfischer nichts dafür können, das sind sicher anständige Leute, wie fast alle Sportsmänner....
Nichts für ungut, einen schönen Sonntag, danke für die offenen Worte,
Jan