Kapitale Bachforellen

Wie der Name schon sagt: Vor der Haustür fischt es sich fast immer am besten. In Deutschland gibt es eine Vielzahl großartiger "Fliegenwasser". Habt Ihr Fragen oder wollt Ihr eine Empfehlung aussprechen?

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trutta1
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Kapitale Bachforellen

Beitrag von trutta1 »

Liebe Fliegenfischer,

nachdem meine Forellensaison mit einigen großen Bachforellen startete und auch der Dänemark Trip (siehe auch DK Teil 1 und 2) außerordendlich erfolgreich war,
hatte ich mir die komplette 2. Maiwoche frei genommen, um am heimischen Bach gezielt auf die durchaus vorhandenen, kapitalen Bachforellen zu fischen.
"Kapital" kann ja abhängig von den Umständen am Bach durchaus unterschiedlich sein. Ich kenne wirklich viele Bäche, die zwar einen hervorragenden Bachforellenbestand haben, aber das Nahrungsangebot nicht wirklich ausreicht, die doch recht kurzlebigen Salmoniden zu kapitalen Stücken abwachsen zu lassen. Entnahme durch Prädatoren aller Art tragen zusätzlich dazu bei.
Ich will nicht bestreiten, dass Bachforellen in Gebirgsbächen recht groß werden können, doch sind dies ganz sicher Außnahmen. Größere Flüsse bieten da den Bachforellen andere Möglichkeiten. Vor allem das Nahrungsspektrum vergrößert sich ungemein.
In den Niederungsbächen des Flachlands sieht es ganz anders aus. Die Dichte an Salmoniden ist ohne Besatz mit fangfähigen Fischen recht überschaubar, aber dennoch besser als viele glauben. Wild aufgewachsene Bachforellen in einem Niederungsbach sieht man in den seltensten Fällen. Die Maifliegenzeit bietet die Möglichkeit den Fischbestand etwas besser einzuschätzen. Selbst kapitale Bachforellen kommen am Abend aus ihrem Versteck um Maifliegen von der Wasseroberfläche zu "pflücken".
Aber reichen diese "Happen" aus um kapitalen Bachforellen dauerhaft ausreichend Nahrung zu bieten?
Wohl eher nicht, denn viele meiner großen Forellen habe ich außerhalb der Maifliegenzeit mit dem Streamer gefangen.
Wenn ich mal einen großen Milchner ( Rogner schone ich seit einigen Jahren zu 100%) entnehme, interessiert mich natürlich der Mageninhalt.
Was ich dort schon gesehen habe, ist erstaunlich!
Mäuse, Frösche, Fische aller vorkommenden Arten und Krebse sind sicher normale Nahrungsbrocken. Richtig erstaunt war ich über 2 große Bachforellen die je ein Entenküken und ein Hermelin im Magen hatten.
Auch wenn es gute Vorraussetzungen gibt, wird eine Bachforelle über 60cm kein alltäglicher Fang sein!
Ist der Bestand an solch außergewöhnlichen Bachforellen dennoch sehr gut, vermutet man ganz sicher Besatzmaßnahmen, wie ich es von einigen süddeutschen Flüssen kenne.
Das dies nicht immer so ist oder sein muß, weiß
ich seit 3 Jahren!
Treffen eine gute Gewässerstruktur, sehr guter Nährtierbestand und geringer Prädatorendruck, sowie eine schonende Entnahme zusammen, können Bachforellen zu kapitalen Exemplaren abwachsen. Leider ist dies fast ausschließlich in Vereinsgewässern möglich, die keine Gastkarten vergeben!
Ich habe genau dies lange Jahre beobachtet und immer wieder betont, wie wichtig die Schonung großer Laichfische ist.
Dies an Verbandsgewässern um- und auch durchzusetzen ist quasi unmöglich!
An unserem Vereinsbach sind fast alle positiven Voraussetzungen vorhanden. Die großen Bachforellen haben sich auf Signalkrebse spezialisiert, die in Massen vorkommen und sie dann zu wirklich kapitalen Stücken abwachsen lassen. Alle dort von mir entnommenen Bachforellen hatten Signalkrebse im Magen. Selbst einzelne Scheren von großen Krebsen wurden gefressen.
Vielleicht wurden sie von den Forellen bewusst abgerissen wenn sich die Krebse mit aufgestellten Scheren verteidigen wollen.
Um diesen Bestand aufrecht zu erhalten, muß auch den Vereinsmitgliedern durch Aufklärung veranschaulicht werden, wie wichtig die Schonung eines gesunden Laichfischbestands ist.
Da ich Fliegenfischer-Lehrgänge immer mit einem vorherigen Theoriekurs verbinde, bin ich immer wieder erstaunt, wie wenig theoretische Kenntnis über unsere Salmoniden vorhanden ist.
Unsere Vereinsmitglieder aufzuklären, ist ein ganz wichtiger Baustein, der oft vernachlässigt wird.
Verständnis kann nur über vermitteltes Wissen erreicht werden!

Nun zurück zum praktischen Fliegenfischen, dem ich ja vor ein paar Tagen einige Stunden widmen wollte. Der Wettereinbruch kam mir nicht gerade entgegen, weshalb ich es auch nur einmal zum Bach schaffte. Aber diesen Tag werde ich wohl nicht so schnell vergessen!
Schon nach recht kurzer Zeit konnte ich eine schöne, ca. 45cm Bachforelle mit einem Streamer überlisten. Was dann aber etwas später meinen Streamer attakierte, war ein großer massiger Bachforellenrogner von genau 70cm.
Mit geschätzten 4kg meine größte Bachforelle an diesem Bach, der sein unglaubliches Potenzial dank super Vorraussetzungen mal wieder bestätigt hat.
5 Tage später waren urplötzlich die ersten Maifliegen aktiv. Auch die Bachforellen hatten sich schon auf die proteinreiche Oberflächennahrung eingeschossen.
Ein wunderschöner dicker Milchner mit 56cm konne meinem Angebot nicht widerstehen und begleitete mich nach Hause. Auch diese Bachforelle hatte neben vielen Maifliegen, 4 Krebse im Magen.
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Einige Tage später wollte ich an bekannter Stelle nachschauen, ob die 70-er Bachforelle wieder aktiv ist. Bereits um 5.30 Uhr wässerte ich mehrere Streamer, da ja um diese Zeit noch keine Aktivität der Maifliegen zu sehen war.
Absolut nichts. Da ich am Vorabend mehrere verschiedene Maifliegenmuster gebunden hatte, wollte ich mal deren Schwimmeigenschaften überprüfen. Das erste Muster angebunden und lediglich mit einem Schlenzwurf aufs Wasser befördert, hatte gar keine Zeit sich so richtig zu präsentieren. Sofort stieg ein Fisch und inhalierte die Maifliege. Einige lange Minuten wusste ich nicht genau, ob es wirklich die gleiche Bachforelle, wie vor ein paar Wochen ist. Doch nach mehreren Sprüngen und dem anschließenden Einnetzen stand fest, es ist die gleiche Bachforelle.
Ein fantastischer Rogner, 70cm trocken auf Maifliege! Nicht meine größte Bachforelle aber die mit Abstand Größte auf Trockenfliege.
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Nach lediglich 3 Jahren Mitgliedschaft im neuen Verein sind meine Erwartungen bei weitem übertroffen wurden. Die guten Verhältnisse an unserem Bach sind natürlich auch nicht vom Himmel gefallen. Die Durchgängigkeit zu bewerkstelligen und gleichzeitig alle Hochwasserschutzmaßnahmen zu beachten ist manchmal eine Herkulesaufgabe.
Für die nächsten Jahre stehen mehrere Strukturverbesserungen am und im Bach an, die die Lebensbedingungen für die Bachforellen noch deutlich verbessern werden.

TL, Frank
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
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